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Zwei Tage ist es her, da begann um 10.14 Uhr in New York (bei uns in Deutschland war es bereits 16.14 Uhr) der Marathon durch die fünf Stadtteile. Insgesamt 47.438 Männer und Frauen wagten sich auf die 42,195 Kilometer lange Strecke bei herrlichem Sonnenschein, morgens zwar noch sehr kühlen, aber im Laufe des Vormittags stark ansteigenden Temperaturen, einerseits dank der Sonne, anderseits aber auch bedingt durch die Anstrengungen jedes Einzelnen.
Zu den 46.795 Finishern gehörte ich glücklicherweise auch. Der Lauf begann am Fuße der Verrazono-Narrows-Bridge auf Staten Island. Gigantisch war die Aussicht auf die Skyline dieser wunderbaren Stadt. Einfach nur geil (ich muss das Wort einfach nutzen)! Man merkte jedoch schon recht zügig, dass während der 42.195 Meter mehrere Höhenmeter zu bewältigen waren. Meine Garmin-Uhr stellte schließlich fest, dass ich bei insgesamt 42.590 Metern 2.380 Meter Aufstieg und 2.392 Abstieg gerannt bin. Insbesondere die Brückenüberquerungen hatten es in sich.
Von Staten Island ging es fast nur geradeaus durch Brooklyn. Hier tobte das Leben. Die Zuschauer waren total aus dem Häuschen, verteilten Bananen, von denen ich mir dankbar eine nahm. Aber auch die zahllosen Helfer, die an jeder Meile Getränke (Gatorate und Wasser) verteilten, mühten sich, uns Läufer zufrieden zu stellen. Das gelang ihnen vollends. Einfach super, diese jungen und älteren New Yorker, die alles dafür taten, dass jeder seinen Lauf durch diese Millionenmetropole genießen konnte.
Hart wurde es für mich, als wir von Brooklyn dann Queens erreichten und dort die Queensboro-Bridge überqueren mussten. Der Wind zog richtig heftig. Während im Schlussakkord in Brooklyn einen Strecke (Judenbezirk) die Stimmung einen Tiefpunkt erreichte, gab es auf der Brücke überhaupt keine Anfeuerungen. Nur ganz wenige Interessierte wagten sich auf den unteren Bereich dieser Mehrfachetagenbrücke, die Queens und Manhattan verbindet. Dass im Bezirk, wo zahlreiche Judden anwesend sind, kaum Stimmung sein wird, wurde uns bereits vorher mitgeteilt. Nicht besonders schlimm, denn inmitten dieses Bereiches war eine Getränkestelle, dort wurden wir von den Helfern angetrieben!
In Manhattan steigerte sich die Stimmung von Block zu Block. Die Menschen standen in Dreier-, Vierer- oder Fünferreihen und hämmerten uns mit ihren Parolen voran. Das war einfach wahnsinnig, bei Meile 18 (insgesamt mussten 26,2 Meilen absolviert werden) gab es noch Gels. Zum richtigen Zeitpunkt, um noch einmal ein paar Körner dazuzubekommen!
Auf ging es von Manhattan dann in die Bronx, dem schwarzen Stadtteil New Yorks. Die Bewohner hier gingen ab, als ob sie so ein Spektakel noch nie zu Gesicht bekamen. Es wurde geschrien, es wurde angetrieben, einfach gigantisch.
Doch ab Meile 22 machten bei mir urplötzlich die Oberschenkel zu. Wie gelähmt, blieb ich stehen, versuchte mich zu dehnen, um wieder die Lockerheit zurück zu gewinnen, die mich drei Stunden lang einfach glänzend hat aussehen lassen. Ab und zu konnte ich mich dann wieder zwingen zu laufen. Wir mir erging es vielen, die teilweise hilflos an den Straßenrändern kauerten, aufgemischt durch die Menge jedoch versuchten, weitere Meter zu laufen.
Den Wettlauf gegen die Uhr hatte ich ab diesem Zeitpunkt verloren. Mein Ziel, unter vier Stunden zu bleiben, musste ich abhaken. Aber das zweite Ziel, definitiv die Ziellinie im Centralpark zu überqueren, davon hätte mich wohl auch kein New Yorker Polizist an diesem Tage abgehalten.
Nach einer Stunde hatte ich 11,35 Kilometer absolviert, nach einer weiteren Stunde waren es 22,38. Nach genau drei Stunden hatte ich 32,45 Kilometer in den Beinen. Für die noch gut zehn Kilometer hätte eine Stunde wohl gereicht, um vielleicht knapp unter vier Stunden ins Ziel zu rennen.
Nein, nein und nochmals nein ... es sollte nicht sein! Nach vier Stunden zeigte meine Uhr 40,52 Kilometer an. Für den Rest, es waren tatsächlich noch zwei Kilometer zu laufen, waren es dann weitere 13:10 Minuten, so dass ich mit genau 04:13:08 Stunden die Ziellinie überlief.
Diese Zeit reichte für Platz 19.683! Damit gehörte ich immerhin zu den ,,besseren" Hälfte dieses Marathons. Einerseits glücklich, die Strecke absolviert zu haben, andererseits unglücklich, durch die Schmerzen im Kampf um die 4-Stunden-Marke unendlich weit zurückgeworfen zu sein!

Fazit des New York - Marathons:

Plus: Eine super Veranstaltung mit einer sehr guten Organisation, fantastische Helfer, phänomenales Publikum, tolle Sportler, eine wunderbare Strecke mit vielen Höhepunkten, irre Skylinebetrachtungen, eine Medaille, die sich auch so nennen darf, T-Shirts, eine Eröffnungsparade (ich durfte sogar das Schild Germany in den Tribünebereich halten), gute Verpflegung im Läuferdorf vor dem Start mit Bagels, Kaffee und Energieriegeln, viele, auf gar keinen Fall zu viele Toiletten (super, selbst im Startblock), einfach klasse!

Negativ: Nach Zieleinlauf fast drei Kilometer Fußweg zu den Taschen, lange Wartezeiten vor dem Start in Staten Island (um 6 Uhr wurden wir vom Hotel abgeholt, um 06.45 Uhr kamen wir an). Dreieinhalb Stunden warten auf den Start bei kühlen Temperaturen. Die vielen Auf- und Abstiege, meine Schmerzen, der lange Heimweg ins Hotel (es dauerte von der 72. Straße bis zur 57. Straße fast eine Stunde).

Dennoch, ich könnte mir vorstellen, ein zweites Mal dort zu laufen, wenngleich man leider immer über einen Veranstalter aus deutschen Landen sich anmelden muss.

4
Gesamtwertung: 4 (5 Wertungen)

Super Bericht, ich kann nur zustimmen

New York ist absolutes Gänsehaut feeling. Jeder meinte zu mir im Vorfeld: Vergiss neue Bestzeiten, geniess einfach den Lauf. Ich hatte mir auch eine Zeit unter 4h vorgenommen, bin aber mit Fotoapparat (für's Geniessen) gelaufen. Um es abzukürzen, mit Fotos aber glücklicherweise ohne Krämpfe kam ich nach 04:01:25 ins Ziel und hab mich dann doch über die 1:25min über 4h geärgert. Aber nur etwas, denn die Stimmung hat's wieder rausgerissen. Dir und allen Finishern herzlichen Glückwunsch.

Wolfgang

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Es reicht nicht, keine Ahnung zu haben, man muss auch unfähig sein sich gut auszudrücken.

Danke vielmals

Bei einer Minute und 25 Sekunden hätte ich mich wahrscheinlich auch richtig geärgert, aber Gänsehautfeeling ist was viel Schöneres. Glückwunsch an Dich!

Solskinn
20359 Hamburg

Herzlichen Glückwunsch zu

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Lauf in NY,

super toller Bericht. Scheint ja sehr viel los gewesen zu sein, nicht nur laufmäßig, sondern auch am Straßenrand. Bekommt man selbst Lust, dort mal mitzulaufen. Aber bis dahin ist es für mich noch ein weiter Weg.

Viele Grüße

Annett

Durchhalten

Hallo Annett ... es ist zu schaffen!

Hätte jemand vor dreieinhalb Jahren mir gesagt, ich würde mal in NY einen Marathon laufen, den hätte ich eigens in die Nervenklinik gebracht. Also, einfach trainieren und los geht es. Danke für Deinen Glückwunsch!
Solskinn
20359 Hamburg

Stimmt absolut,

ich lief meinen ersten 2010 in d Berlin (total verregnet), den zweiten im April in Freiburg (Viel zu heiss) und jetzt in NY (hier passte ALLES!!).

Vornehmen und machen, es funktioniert wirklich!

Gruß
meino aus PAF
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Es reicht nicht, keine Ahnung zu haben, man muss auch unfähig sein sich gut auszudrücken.

Hammer,

NY Marathon muss schon cool sein aber ich kann mir nicht vorstellen mit > 40.000 anderen Läufern mich auf der Strecke zu bewegen.
Deine Negativpunkte würden mich schon davon abhalten.

NY ist aber schon eine coole Stadt, war mal zwei Wochen im Urlaub da. Wirklich nett. Noch kann ich es mir nicht richtig vorstellen aber ich glaube irgendwann mache ich das doch.

Dir Glückwunsch zu dem Erlebnis, das muss wirklich toll sein und ist eine beneidenswerte Erfahrung

Danke für den Bericht =:o)

Nur im Duden kommt Erfolg vor Fleiß =;o)

Sehr, sehr schön!

Die Stadt ist schon super und diese Stadt dann auch noch beim Marathon erleben, muß wunderbar sein. Du hast es genossen. Behalt es in Erinnerung!
Die lange Wartezeit auf Staten Island muß man dummerweise halt akzeptieren. Das geht selbst den NYern so.
NYC-M geht auch ohne Reisebüro. Aber leider bist du von den Qualizeiten (auch bei Ü40) ganz schön weit weg. HM-1:25h oder M-3:05h - so hab ichs jedenfalls im Kopf. Dann geht es ohne Reisebüro. Aber da gibt es ja auch noch die Lotterie...
;-)

Super, herzlichen Glückwunsch, da stimmz fast alles.

Wenn ich deinen Bericht lese, stehen mir die Haare zu Berge und ich habe wieder Tränen in den Augen.
Ich bin vor zwei Jahren in NY gelaufen und habe fast alles genauso empfunden wie Du. Hatte mir keine Bestzeit vorgenommen und habe mit sehr viel Spass in 04:20 gefinished. Die Stimmung war super, die Läufer überwiegend gut drauf und das Puplikum absolut toll. Ich bin fast 40 Km ca. 1 m über der Straße gelaufen. Habe mich viel unterhalten, kleine Geschenke verteilt und unterwegs ca. 100 Foto´s gemacht. Allerdings gab es in den Bronx nur sehr wenig Zuschauer. Ich bin in einem deutschen Fussball-Trikot gelaufen und hatte den Liberty-Kranz auf dem Kopf. Das fanden die Amis gut.
Es war mein wohl emotionsbehaftetster Marathon.
Liebe Grüße
Devi

Glückwunsch zum tollen Finish!

Vielen, vielen Dank für deinen Bericht. Hatte schon drauf gewartet. Ja, bis auf die Krämpfe will ich das auch. Planung: 2014 :-)

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Toller Bericht - bin auch

Toller Bericht - bin auch schon zweimal in NYC gelaufen. Aber eins gab mir zu denken: man läuft doch keine 2300 Meter hoch und wieder runter. Da muss deine Uhr spinnen, denn das wäre ja megakrass (bin kürzlich den Jungfrau-Marathon gelaufen und da waren 1800 Meter Anstieg schon happig)...

<3 lichen Glückwunsch ...

Finisher des NYC-Marathons - das ist echt der Wahnsinn!!!!

Danke für den schönen Bericht! Trotz all der Widrigkeiten scheint es sich ja gelohnt zu haben. Toll, dass Du Dich durchgebissen hast! Ich saß leider nur vor dem TV ...

... aber es ist mein großer Traum! Leider bin ich noch lange nicht so weit, aber der Mensch braucht ja Ziele ... ;-)

Bereits zwei Mal habe ich Urlaub in NYC gemacht und jedes Mal hat diese Stadt mich förmlich "aufgesogen" und in ihren Bann gezogen. Dort möchte ich auch einmal laufen!!!

Auf- und Abstiege

Die Garminuhr zeigt die Höhenmeter und Tiefenmeter an, also die Auf- und Abstiege von Normal-Null. Und wenn man die Brücken hoch- und runterläuft, dann kommen schon viele Meter zusammen. Wir sind jedoch keine Berge hochgerannt. Das ist vielleicht falsch rübergekommen ... ;-)))

Solskinn
20359 Hamburg

@ DonMAKing

lies mal genau: " von 42.590 m 2.380 m Aufstieg und 2.392 m Abstieg"! Das sind keine Höhenmeter sondern die Strecke, auf ders dann jeweils bergauf bzw bergab geht, die restlichen 37 tausend schiessmichtot km waren dann wohl flach....

@solskinn: toller Bericht, ich wills auch tun, 2013! Falls du dann noch nix besseres vorhast, wir planen ein da neongelbes jogmap Schleswig-Holstein "Auswärtsspiel" inkl. cheerleaders beiderlei Geschlechts. Hamburger dürfen sich selbstverständlich auch anschließen (in Neongelb, versteht sich..)
zausel

>

Toller Bericht

ich will auf jeden Fall auch einmal in Ney York laufen, das habe ich mir nun seit diesem Jahr fest vorgenommen,
aber ich will über die Lotterie mein Glück versuchen.
Weiß jemand ab wann man sich eintragen muß für die Lotterie, bzw. ab wann es damit losgeht?
Und ist es richtig, das man spätestens nach dem 3. Mal nicht gewinnen zum 4. Mal einen Startplatz sicher hat?

Toller Bericht,

ich hatte Gänsehaut beim Lesen. Ich war letztes Jahr dort und es war der Lauf meines Lebens - ich werde noch meinen Enkeln davon erzählen.
Es ist super, wie Du es beschreibst; genauso habe ich es auch erlebt, mit dem langen Warten vorher, der Kälte, dann aber das unbeschreibliche Gefühl, wenn man am Start steht und sie "New York, New York" spielen - ich musste mich zwicken, um mir sicher zu sein, dass ich hier tatsächlich stehe.
Und der Lauf - die New Yorker, die anfeuern, das Gefühl, durch die Straßen zu laufen, die man Tage vorher mit Autos verstopft gesehen hat - einfach genial.
Und Zeiten werden immer überbewertet ...
Liebe Grüße
FrauIgel

Lotterie

Ich glaube, das mit dem 3.Mal und dann hat man einen Startplatz haben sie ab diesem Jahr abgeschafft. Ich habe mich Anfang des Jahres in die Lotterie eingetragen - schau mal in meinen Blog http://andreagoesny.jimdo.com, da kannst Du meine Vorbereitung auf NY und das Ergebnis verfolgen, wenn Du Lust hast.
Liebe Grüße
FrauIgel

NY

Gabiz Super, super - ich finde es toll, dass auch Du so gut wie das gleiche empfunden hast wie ich - nur, mein Lauf in NY war schon 2006 und als ich Deinen Bericht las, kam es mir vor, als wenn ich Ihn geschrieben hätte. Für mich war dies ebenfalls eins der "tollsten" und emotionalsten Erlebnisse im "Läuferleben". Die Erinnerung kam bei Deinem tollen Bericht sofort wieder als wenn es gestern gewesen wär. Viel Spass wünsch ich Dir noch bei viiiiielen weiteren Lauferlebnissen.
Viele Grüsse Gabiz

Hört sich echt toll an

New York...da würde ich auch gern mal laufen...

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