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Nach vier Jahren Marathon-Abstinenz (nahezu gleichbedeutend mit Laufabstinenz) sollte es dann zum Saisonabschluss schon ein Marathon sein.

Nach zwei Monaten regelmäßigen Laufens (2-4 Einheiten / Woche) mit einem gemütlichen Halbmarathon (Hasen-Job) und immerhin 2 problemlos absolvierten langen Läufen über 35 Km fühlte ich mich zwar nicht optimal vorbereitet, aber immerhin doch annehmbar in Form, um den Rursee-Marathon anzugehen.

Es hätte auch ein wunderschöner Genusslauf werden können wenn, ja wenn ich nicht drei Dinge unbeachtet gelassen hätte:

1. Der Rursee-Marathon ist zwar für einen Eifler vielleicht flach, für einen Rheinuferläufer allerdings durchaus als hügelig zu bezeichnen, was ich in diesem Jahr überhaupt nicht gewöhnt war.

2. Ist der Untergrund nicht gerade eben, da etliche Km über Naturbelag führen, wie es sich für einen Landschaftsmarathon auch gehört. Mit meinen Lightweight-Trainern war ich als mittelschwerer Läufer auch dafür vielleicht dann doch nicht optimal beschuht.

3. (und das sollte sich als das Verhängnisvollste herausstellen) hatte ich die Renngäule nicht im Zaum. Denn ich habe in meinem dann insgesamt 5. Marathon den Anfängerfehler schlechthin begangen, der mir in allen vorigen Marathons erspart blieb: Ich war in meiner Euphorie schlicht und ergreifend am Anfang viel zu schnell!

Der Reihe nach: Sonntag, 06.11.11, 10:30 Uhr in Simmerath-Einruhr, Start bei 10 grad und bestem Wetter, perfekte Laufbedingungen und gut 400 Läufer begeben sich auf die große Rursee-Runde. Die optimistische Zielzeit ist 3:10, die realistische 3:15.

Auf dem ersten Km schaffe ich es noch mich zurückzuhalten (4:37 bei leicht ansteigender Strecke), aber dann lasse ich es in der Euphorie rollen. Km 5 bei 20:55 (4:11 Pace) (da denk ich noch "abschüssige Km 2-5" bzw. "Km-Schild steht sicher etwas falsch"), Km 10 bei 42:22 (geplant waren 45:00). Ich weiß, dass ich zu schnell bin, ich bin aber nicht in der Lage etwas dagegen zu tun und verschieße weiter fröhlich meine Kohlenhydratvorräte. Km 20 bei 1:26:10, der HM dann etwa bei 1:31:30. Langsam erkenne ich, worauf ich mich eingelssen habe, die 25 Km Marke schaffe ich in 1:48:15, aber mein Körper hat die letzten Kohlenhydratvorräte angebrochen. Die Reserve-Leuchte beginnt aufzuleuchten, der Körper schaltet einen Gang herunter. Doch es ist zu spät. Km 30 in 2:12:15 sieht immer noch annehmbar aus, aber nun zwingen mich Steigungen zum powerwalken und bergab und auf holprigem Naturgeläuf kann ich es auch nicht mehr wirklich rollen lassen. Die Pace sackt unter die 5 Minuten-Grenze (5:10) für den Abschnitt Km 30-35. Nur noch 7 Km denke ich und rechne vorsichtig hoch 37 Minuten habe ich noch bis zur 3:15 Zielzeit, wenn ich diese Pace jetzt also halte...

Aber da hatte ich meine Rechnung ohne die letzte große Steigung bei Km 37 gemacht. Anfangs walke ich noch, nach Krampfanzeichen im Oberschenkel aber schleiche ich nur noch vorsichtig hinauf. Danach trotz Abwärtslauf eher ein vorsichtiges Traben 6 Minuten brauche ich im Schnitt für die Km 35-40.

Dann sehe ich Einruhr zu meiner linken auftauchen, nur noch getrennt von einem kleinen Arm des Rursees. Ich kann den Zielsprecher hören, ich versuche nun wieder etwas schneller zu joggen, über den kurzen Damm nach Einruhr hinüber und dann in den Zieleinlauf-Kanal.

Ich verpasse es, meine Stoppuhr pünktlich abzudrücken, ein Blick auf die Zieluhr verrät 3:20:xx, also auch unter 3:20 ist es dann nicht mehr geworden. Trotz allem genieße ich es, nach vier Jahren wieder einen Marathon absolviert zu haben und bin stolz, mich durchgebissen zu haben. Ich höre noch, wie die Siegerin der Frauen angekündigt wird, auch sie scheint Probleme auf der Strecke gehabt zu haben und von über 10 Minuten Vorsprung auf ihre Verfolgerin rettet sie 30 Sekunden ins Ziel. Überhaupt... es ist erstaunlich wie wenig Läufer mich auf der 2. Streckenhälfte überholt haben, ich denke es waren nicht mehr als fünf. Ich glaube, die Strecke hat auch andere auf der 2. Hälfte gehörig gefordert.

Dennoch, der Rursee-Marathon ist ein toller Lauf, hat eine wirklich schöne Stecke und hat eigentlich alles, was so einen Herbstgenusslauf auszeichnet. Wenn dann auch noch das Wetter so mitspielt... traumhaft. Ich hätte es vermutlich noch ein wenig mehr genießen können, wenn ich auf der ersten Hälfte mir doch ein paar Körner aufgespart hätte. Aber ob ihr es glaubt oder nicht: genossen habe ich es trotzdem! :)

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Ähhhh....

... Du wunderst Dich ernsthaft, dass Dich auf den letzten Kilometern nicht mehr überholt haben??? Bei einer Zielzeit von 3:20:xx ???????????
Mich wundert das absolut nicht. Das ist eine phantastische Zeit, die Dir erst mal einer nachmachen muss. Und dann auch noch "aus dem Stand".

Junge, Junge!

Was rennst Du denn, wenn Du ORDENTLICH trainiert bist???
Glückwunsch zur tollen Zeit und zur Erkenntnis.

Rursee

beachtliche Leistung für den der die Strecke kennt.

Ich kann da nur zum Teil mitreden, weil ich nach 4 Jahren abstinenz gestern zum 2. Mal an dem 16,5 teilgenommen habe. Und als "Flachlandtiroler" machen einem die Steigungen ernsthafte Probleme. Gleich beim Start geht`s langsam aber sicher bergauf. Dazu kommen auch insgesamt 3 richtige Passagen, wo man fast "nur gehen" kann. Die Marathonis haben dazwischen noch einige mehr.

Aber das Wetter gestern war Top und die Landschaft herrlich, wobei man sich sehr auf die Strecke konzentrieren muß, vor allem wenn`s auf steinigem Untergrund bergab geht.

Vom läuferischen war die Strecke "Rotweil-Walking in Bad Neuenahr" angenehmer, zwar auch viele Steigungen aber nicht so "steinig"

zweite Halbzeit war ich aber seeeeehr langsam.

...die zweite Hälfte habe ich in etwa 1:49 Std. absolviert. Gleichmäßige 3:20 Std. Läufer sollten also die zweite Hälfte 10 Minuten schneller absolviert haben als ich. Dementsprechend habe ich mit mehr Zulauf von hinten gerechnet. Aber ich glaube im Nachhinein, dass die wenigsten gestern wirklich gleichwertige Hälften gelaufen sind.

Müsste ich mal wieder ausprobieren...

Danke für den Glückwunsch.

Was ich trainert laufe, müsste ich vielleicht mal wieder ausprobieren.

Bisher bin ich erst ein einziges Mal eine komplette Saison gelaufen. So das komplette Programm mit Grundlagenausdauer Januar-März, Frühjahrsmarathon, kurze Wettkämpfe im Mai/Juni, Erholungsphase, Marathon-Vorbereitung mit HM-Test, Herbstmarathon). Das war 2006 und ist somit auch schon 5 Jahre her.

HAMMER

->WWC: ich glaub das wollen wir lieber gar nicht wissen ;)

glückwunsch schneller moritz
schöne gegend, das, da

muß ich doch wirklich auch mal unter die füße nehmen wenn die wieder williger sind (derzeit sieht es eher so aus als käme MEIN 2. nichtmarathonjahr in folge ;(

The goal of science is to build better mousetraps, the goal of nature is to build better mice!

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