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30.10. Frankfurt 17Uhr

Die Helden des Tages sitzen im rümanischen Acapulco und lassen es sich nach getanem Marathonwerk gut gehen. Seele baumeln, noch mal die Lachmuskulatur strapazieren und die Ereignisse des Wochenendes Revue passieren lassen. Lange vor dem Marathon war mein Ziel eigentlich eine neue Bestzeit, eine 3:36:58 ist es geworden und ich sitze in diesem undefinierbaren Spezialitätenrestaurant und bin total zufrieden. Der Rennverlauf war ähnlich wie in Senftenberg, die Zeit auch und in mir reift die Erkenntnis, daß momentan einfach nicht mehr drin ist, vor allem seitdem ich seit Sommer letzten Jahres mehr arbeite. So um 3H30 ist mein Leistungsvermögen und um drunter zu bleiben wie in HH 2010 muß ich schon einen Sahnetag erwischen. Vielleicht kommt noch mal irgendwann solch ein Tag und wenn nicht, dann nicht. Die paar Minuten können sowieso nicht den Spaß an diesem Wochenende aufwiegen, den die genialen Anwesenden verbreiten.

29.10. Frankfurt 13Uhr36
Jaren, Marathon-Jan, HenryIIX und ich verlassen am Frankfurter Südbahnhof den IC aus nördlichen Gefilden und wieder Mal sind einige Passagiere froh, daß diese komischen, ständig lachflashenden Gestalten endlich weg sind.
Wir sehen und hören den Esel schon von Weitem, checken mit ihm zusammen im altbekannten Hostel ein und checken dann ,daß wir wieder unser schon früher verwohntes Chaoszimmer mit Codenamen "Wrong Door" bekommen haben. Unsere Mitschläfer Inumi und Cherry65 stoßen noch dazu und wir begeben uns zur Marathon-Messe. Dort treffen wir wieder viele altbekannte Pappnasen. Diesmal gibt es keine Vorlaufpasta, sondern auf Jarens Betreiben Vorlaufchinamann. Ungewöhnlich, aber sehr mundend. Bis auf Marathon-jan, der zum Nachtisch einen ganzen Feuerlöscher benötigt, sollte wohl niemand seine Speisewahl bereuen. Das Schärfste des Abends war sowieso das Auftauchen ZüperOlis. Nur für diesen Abend nahm er es aufsich, aus dem Ruhrpott nach Frankfurt zu kommen! Oli, ganz großer JogmapSpocht!
Nach dem ich im Urlaub (und auch schon vorher) einige Läufe meines Trainingsplanes sträflich vernachlässigt habe und mit einer leichten Erkältung aus Italien wieder zurückgekehrt bin, einige ich mich mit mir selber unter tatkräftiger Unterstützung von Jan auf ein Anfangstempo von 5 Minuten, um dann nach 10-15km zu sehen, ob ne Tempoerhöhung drin ist.

30.10. Frankfurt irgendwann nachts.
Es regnet. Cherry stellt ihn ab.

30.10. Frankfurt 10Uhr
Der Startschuß fällt. Ich laufe mit Henry und Jan los und bin mir jetzt schon sicher, daß ich die beiden sehr schnell ziehen lassen werde und will. Ich kenne die beiden. Für die ist ein für mich erstmal angestrebter 5er Schnitt doch etwas zu langsam. Ich sollte mich nicht täuschen.

30.10. Km 0-5 (24:42/4:57)
Ich befinde mich sehr im Spontanplan und fühle mich gut. Jan und Henry sind wie erwartet schon nach vorne geflüchtet, ich kann sie aber so 100 Meter vor mir sehen. Das Wetter ist Marathonideal. Frankfurt zeigt sich von seiner ruhigen und läuferfreundlichen Seite.

30.10. km 5-10 (24:37/4:56)
Ich merke, daß ich es heute auf keinen Fall hätte schneller angehen können. Überanstrengung ist es zwar nicht, aber es fühlt sich schon nach Anstrengung an. Ich beschließe so erstmal weiterzulaufen. Manchmal sehe ich noch Henry und Jan in der Ferne vor mir (oder bilde es mir ein) und so manches Mal werd ich etwas schneller, wenn ich etwas Orangenes nicht weit vor mir sehe. Aber es wäre sowieso utopisch, die beiden noch einholen zu wollen.

30.10. km 10-15 (24:13/4:51)
Hui, etwas schneller geworden. Hab ich auch gemerkt, aber es fühlte sich noch nicht schädlich an. Erste Hochrechnungen kommen auf: wenn ich so weiterlaufe...und verwerfe sie gleich wieder, der Weg ist noch lang. Ich laufe ein bißchen wie in Trance und verpasse sogar die Verpflegung bei km 15, was ich erst ein paar Meter zu spät merke, weil ich mich wundere, woher die ganzen weißen Becher auf dem Boden kommen...

30.10. km 15-20 (24:45/4:57)
Da ich das Tempo wieder etwas zurückgefahren habe, rechen ich schon wieder hoch. 20km in 1h38, da ist ne sub3H30 noch drin, wenn...ach Hirn, halt die Fresse. Es geht durch Niederrad, hier irgendwo ist der 2. Wechsel der Staffelläufer, bei dem mir Jaren meinen Namen in meine Überlegungen brüllt.

30.10. km 20-25 (24:17/4:52)
Wieder ein kleines Eckchen schneller. Es geht durch Schwanheim und mittels der Schwanheimer Brücke über den Main. Ein Lautsprecher von irgendwoher verkündet, daß der Marathonsieger den Weltrekord um 4 Sekunden verfehlt hat. Es gibt also nicht nur eine 3:01-Hölle, sondern auch eine Weltrekord-Verfehler-Hölle. Möchte ich in diesem Moment tauschen? Ich weiß nicht so recht...

30.10. km 25-30 (24:57/4:58)
In Nied werd ich zum 2. Mal angebrüllt, und zwar ziemlich von oben herab;-). Diesmal von Rellielli, der letzten Staffelläuferin, der glorreichen "Drei Engel für 'arald"Staffel (sub4!). Ich merke wie die Kilometer langsam schwerer werden. Einfach nur versuchen, das Tempo einigermaßen zu halten.

30.10. km 30-35 (26:19/5:16)
Keine neue Erkenntnis: Marathon ist ne Kopfsache: die letzten Kilometer taten weh, ich war Bein. Abwechselnd Oberschenkel und Waden und ich merke, wie mir langsam die Kräfte schwinden. Mit dem richtigen Quäl-Gen könnte ich mich vielleicht noch die letzten 7km durchpeitschen, aber ich will nicht. Wozu? Die 3H30 schaffe ich kaum noch und Quälen für eine nur ein paar Minuten bessere Zeit? Die letzte Entscheidungshilfe kommt in Form der Verpflegungsstelle bei km 35. Dieser wird durch die Gruppe um Crema und dem Proviantmeister (Vielen dank Euch beiden) bravourös betrieben und für mich hat sie wie im letzten Jahr eine Astra-Hülse dabei. Wie kann ich das Ablehnen? Ich bleibe eine Minute dort und trinke 2 Becher von dem leckeren Brauerzeugnis. Hinterher ärgere ich mich ein wenig (der einzige Ärger des Wochenendes), daß ich nicht länger dort geblieben bin. In dem Moment konnte ich den Schalter des Zeitgetriebenen noch nicht vollständig umlegen.

30.10. km 35-40 (31:01/6:13)
Der Schalter ist umgelegt. Die Innenstadt ist voll, die Stimmung ist klasse und ich trotte so dem Ziel entgegen, daß die Schmerzen in den Beinen den Spaß nicht mehr einschränken. Jubel mit den Zuschauern, klatschen mit den Bands, Kinderhände abklatschen, ich gebe mir wieder das volle Spaßpaket.

30.10 Ziel
Umgezogen helfe ich auf der Etage der Kleiderbeutel der alten Dame Henry aus den Kompressionsstrümpfen. Auch wenn ich mein Ziel nicht erreicht habe, so will ich wieder mehr davon (vom Marathonlaufen): ein ganzes halbes Jahr bin ich keinen Marathon gelaufen und ich merke wieder, daß mir das gefehlt hat. Das Spielen auf der Klaviatur der Emotionen ist nirgendwo so eindrucksvoll wie beim Marathon. Ein Höchstgenuß!
Danke allen die die dieses Wochenende dabei waren und mit denen ich diesen Genuß teilen durfte; ohne Euch wär der Genuß nicht mal halb so höchst gewesen...

Gruß, Marco
You'll never laufwellness alone

4.333335
Gesamtwertung: 4.3 (3 Wertungen)

Das hört...

...sich doch genau nach meinem FFM Marathon an. So ähnlich ging es mir auch, gerade die letzten KM waren schwer, dann die Innenstadt, Stimmung und dadurch waren die Schmerzen garnicht mehr soooo schlimm.

Danke, war jedenfalls ein schöner Lauf

weiter so =:o)

Nur im Duden kommt Erfolg vor Fleiß =;o)

Marathon

Ein rundherum gelungenes Marathonwochenende, da ist die Zeit dann nur noch nebensächlich. Und sooo schön geschrieben.

BORN - sind sie zu stark, bist du zu schwach!

Runnersmap

SPALTER!!! ------------------

SPALTER!!!

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VEX WÜTEND! ... MUSS ... BEZWINGEN ... IANBANKS!!!

Endlich siehst Du es ein.

Endlich siehst Du es ein. Vielleicht wird die Strafe jetzt ja zur Bewährung ausgesetzt. Ich werden ein gutes Wort für Dich beim Admin einlegen.

Ach ja: Danke fürs Wochenende.

Sebo

Wenn's schnell geht, macht nix.

Großes Kino...

....was du da zusammen geschreiben, fotografiert und gelaufen bist!

und, mal so unter uns, wir laufen nur für und und gegen uns - da fällt es doch ganz leicht die eigenen Vorgaben so zu ändern das es passt!! :-)

"Ein Leben ohne Hunde ist denkbar, jedoch sinnlos"

und die heitern Gemüter gewinnen immer

Ich kann zwar gar nichts nach empfinden, weil Marathon ist doof und da hilft auch deine wunderschöne Geschichte nicht ;O). Finde ich aber gut, dass du den geplanten PB-Lauf ohne Endzeitstimmung ad acta legen konntest, um daraus einen Genusslauf zu machen.

Laufwellness!

Kurz mal eben mit Astra umgeswitched auf Genußlauf!
Das nenn ich Coolness!
Situationen nehmen, wie sie sind und das beste draus machen beweist ganz schöne Stärke!
Es werden wieder Marathontage kommen, wo alles passt!
Übertreibs nicht mit dem Arbeiten.
Gratuliere zur trotzdem sehr guten Zeit!:o)

Lieben Gruß Carla

Hallo Marco...


... danke für Deinen schönen Bericht und Gratulation zum Ergebnis. Du bist zufrieden und das Astra schmeckt, also ist doch alles in Ordnung!
Sch.. auf diese Bestzeitenjagden. Ich persönlich bin ja schon immer eher für etwas mehr den Marathon genießen und habe noch nie Jagd auf Bestzeiten gemacht, auch wenn so manch einer das nicht verstehen kann. Ich bín eben schon von Natur aus nicht für die schnellen Zeiten vorgesehen. ;-)
Übrigens, letzten Samstag bin ich in HH-Öjendorf den Marathon vom 100MC gelaufen, also sozusagen vor Deiner Haustür. Da ich dort sicher noch öfters dabei sein werde, könntest Du es Dir ja vielleicht auch mal überlegen, dort einen entspannten Genießermarathon mitzulaufen. Würde mich freuen.
Viele Grüße aus dem Havelland
Jens

Bis 30 voll im Plan...

...und dann fehlten die entscheidenden Trainingseinheiten.
Darum auf den letzten Kilometern auslaufen ist doch o.k.

Eigenverpflegung...

Ja, die Dose Astra auf dem Eigenverpflegungstisch hat eine Menge Aufsehen erregt ;o)

Schön, dass es gemundet hat!
_______________________________
swim, bike, run, eat, drink, fun!

gut, dass...

...du hier die uhrzeiten eingeblendet gelassen hast ;-)
danke für den spalt! einfach schöööööööööööööööön...
____________________
laufend you'll never spaltfreudig alone: happy

Prost! Nächstes mal an jeder Verpflegung ein Astra

einpflegen, dann klappt's auch mit 'ner optimalen Zielzeit. Aber für nur ein Bier war das Ergebnis auch schon mal nicht schlecht, bburrppp ;-). Glückwunsch! Und tolle Geschichte.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

ich bin ja immer wieder platt...

was für andere so "langsam" heißt ;-)

zausel

>

So schön geschrieben

Irgendwie tröstet es mich doch ein wenig, dass dein Wellness-Lauf immerhin ein wenig in den Beinen zu spüren war - bei der Zielzeit.

Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank fürs Mitnehmen

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos
Bin nicht gestört und auch nicht schnell - nur verhaltensoriginell

Total zufrieden

Ziel allerbestens erreicht. Großartig! Danke fürs allerausführlichste Berichten auch der Vorphase inklusive Fotosession!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Laut gelacht

habe ich bei "ach Hirn, halt die Fresse" !

Diese Rechnerei, mit jeden km neu, taktieren, was noch geht, Tempovariante ausprobieren, wieder hochrechnen ....

Schon bei meinen kleinsten Läufen komme ich nicht davon los - und das ohne ehrgeizige Ziele! Es arbeitet einfach ....

Dein Bericht war ein Genuß! - Danke!

Volker



Jogmap Schleswig-Holstein - neongelb beflügelt

Besser spät als nie!

Das Lesen Deines Blogs meine ich damit.
In Sachen Klaviatur der Emotionen kann ich Dir etwas empfehlen, da konnte bei mir bisher kein Marathon dagegen anstinken!

Klasse, die endlich mal wieder erlebt zu haben.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

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