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Prolog
Sonntagmorgen, 7:00 Uhr. Noch vor dem Weckerklingeln liege ich hellwach im Etagenbett. Eine unruhige Nacht liegt hinter mir. Unruhig aufgrund der eigenen Nervosität, aber ebenso sind die BORNs schuld: Von den gleich fünf anwesenden in meinem Zimmer drehte sich in der vergangenen Nacht immer mindestens einer geräuschvoll in seinem quietschenden Etagenbett um. Ich denke mir: "Das sieht diesem orangenen Pack mal wieder ähnlich. Selber alle Ambitionen begraben und dann auch noch den armen Ruhri sabotieren!"

Auch ich hatte genug Ausreden gesammelt: Halbherziges Training ohne -Plan, leichte Halsschmerzen in den vergangenen Tagen und nicht zuletzt die "Fleischwunde" unter meinem Fuß ließen einen ambitionierten Lauf utopisch erscheinen. Auf der anderen Seite verrieten nicht nur mir meine Bestzeiten auf 10 km und HM, dass im Marathon noch viel Luft nach oben ist. So konnten mich Samstag Abend nicht zuletzt meine Zimmergenossen überzeugen, endlich mal meine Bestzeit von 3:22:52 anzugreifen, die noch immer aus meinem Marathondebüt rührte. Seit inzwischen zwei Jahren hatte ich mich erfolgreich darum gedrückt, bei den 42,295 km (Edit: die 100 Meter sind geschenkt...) aufs Ganze zu gehen.

Sonntagmorgen, 9:00 Uhr. Nach Morgentoilette, Frühstück und einem kurzen Spaziergang zum Startbereich stehe ich gemeinsam mit der orangen Fraktion am Messeturm. Offensichtlich trage ich mit meinem Gehibbel zu ihrer Belustigung bei. Ich fühle mich gut, sicherheitshalber Wende ich Olbas-Öl in sämtlichen erdenktlichen Arten und Weisen an - innerlich wie äußerlich, worunter später noch andere Menschen leiden müssen. Sorry dafür, Gabriele! Wir geben unsere Kleiderbeutel ab, danach erleichtere ich mich noch ein letztes Mal um ein paar Liter. Auf dem Weg zurück zu unserem verabredeten Treffpunkt verlaufe ich mich direkt, meine orangen Freunde haben doch tatsächlich die Stadt Frankfurt um 90° gedreht, während ich auf der Toilette war. Dennoch finde ich sie wieder, die Zeit reicht aber nur, um mich von ihnen zu verabschieden und eine letzte Motivation von ihnen zu empfangen. Dann begebe ich mich in den Startblock.

Hauptwort
Sonntagmorgen, 10:00 Uhr. Der Startschuß fällt. Der Tross setzt sich in Bewegung und ich erreiche schnell meine angestrebte Pace von 4:35 min/km. Ich komme gut ins Rennen, die ersten 5 km gehen wie gewünscht in 22:55 min weg und die Stimmung an der Strecke ist grandios. Es fühlt sich gut an. Nach etwa 1,2 km springt mein Garmin auf 1,8 km und zeigt mir eine Pace von 3:10 min/km an - schön wärs... Zum Glück realisiere ich dies und werde in der Folge meine abgedrückten Kilometerzeiten im Auge behalten, damit mir der schlechte Satelitenempfang nicht zu einem ähnlichen Verhängnis wird, wie unter anderen H8 im letzten Jahr.

Sonntagmorgen, 11:38 Uhr. Ich erreiche die Halbmarathonmarke nach 1:36:22, was einer Pace von 4:34 min/km entspricht. Bis hier war mein Tempo gleichmäßig zwischen 4:28 min/km und 4:40 min/km, nur bei km 11 ließ ich es bergab rollen (4:21 min/km).

Sonntagmorgen, 11:51 Uhr: Zu Beginn der zweiten Hälfte wachsen mir Flügel. Meine Euphorie ist so groß, dass ich mich nur schwer bremsen kann, die Kilometer 25-29 gehen in Zeiten zwischen 4:26 und 4:23 min weg, ich muss mich zwingen, jetzt nicht zu viele Körner zu verschießen. Ab Kilometer 30 beginnt der Marathon. Die ersten Läufer fällen ins Gehen, einer schafft es noch bis zu einem Krankenwagen, wo er zusammenbricht. Die Rotkreuzhelfer zögern kurz, bis sie realisieren, dass ihre Hilfe gefragt ist. Aus Lautsprechern schnappe ich kurz darauf auf, dass die Weltspitze bereits das Ziel erreicht hat, verstehe aber nicht, ob der Strecken- oder Weltrekord verpasst wurde. Passend zum ersten Gefühl von Schwäche nehme ich negative Eindrücke aus meiner Umgebung auf. Ich höre Wortfetzen aus dem Mund einer älteren Dame: "Wenn man von einigen die Gesichter sieht, dann glaube ich nicht..." Ein Junge erklärt seinem Kumpel: "Überleg mal! Die ersten sind schon lange im Ziel und die müssen noch 12 Kilometer." Ich dachte immer, bei Stadtmarathons führt einen der Streckenverlauf immer in den hässlichen Nordosten der Stadt. In Frankfurt stellt die Mainzer Landstraße im Südwesten der Stadt die unspektakulären, von Zuschauern gemiedenen Kilometer bereit. Hier heißt es durchzuhalten und nicht zu viel in den eigenen Körper zu hören.
Bei Kilometer 32 rufe ich mir die weisen Worte eines züper Freundes ins Gedächtnis: "Ein flotter Zehner geht immer, Esel!" Meine Laune hebt sich, als ich Herbert Steffny überhole. Die Tatsache, dass er für ein Interview gestoppt hat, beeinträchtigt mein Erfolgsgefühl keineswegs - überholt ist überholt, nach dem wie fragt morgen kein Mensch mehr.

Sonntagmittag, 12:42 Uhr: Ich erreiche mit Kilometer 35 endlich den Innenstadtbereich. War es lange Zeit ein "Selbstläufer", sind seit einigen Kilomtern die Beine schwer und ich muss mich darauf konzentrieren meine Pace von 4:35 min/km zu halten. Ich hefte mich an die Fersen eines Mitstreiters, der einen starken Eindruck auf mich macht und spiele ein einfaches, bewährtes Spiel: macht er nen Schritt, mache ich nen Schritt. An den Verpflegungspunkten greife ich nun zu Cola, es fühlt sich an, als ströme die Energie durch die Schleimhäute im Mund direkt in meine Muskeln, noch bevor ich die Flüssigkeit geschluckt habe. Doch die Kraft schwindet beinahe ebenso schnell, wie sie gekommen ist. Er nen Schritt, ich nen Schritt. Die Oberschenkelmuskulatur fühlt sich an, als könne sie jeden Moment krampfen, doch noch sind es fünf oder sechs Kilometer bis zum Ziel. Ich erhöhe meinen Kniehub ein wenig, um die Belastung etwas zu variieren. Er nen Schritt, ich nen Schritt. Dennoch werde ich auf den Kilometern 38 bis 41 langsamer, brauche jeweils zwischen 4:36 und 4:39 min.

Sonntagmittag, 13:09 Uhr: Der 42. Kilometer beginnt. Ich biege nach rechts auf die letzte Gerade, am Messeturm vor mir taucht der große, schwarze Mann mit dem Hammer auf. Er schaut auf mich herab, aber ich grinse selbstbewusst zurück: "Heute ich bin stärker als du, heute kriegst du mich nicht!" Harald ruft meinen Namen, ich jubel ihm kurz zu und mobilisiere für die letzten 300, 400 Meter meine Kräfte. In der letzten Linkskurvere drücke ich den 42. Kilometer ab und steuere auf das Marathontor der Festhalle zu. Ich sehe in ein schwarzes Loch, plötzlich ist es laut und warm und hell. Auf dem roten Teppich reiße ich meine Arme empor, Gänsehaut, ein, zwei Freudentränen, dann ist es vollbracht: 3:12:44 h:min:s

Epilog
Sonntagnachmittag, 14:30 Uhr: Glücklich und zufrieden geselle ich mich zu meiner Truppe. Die Rakete und ich lassen uns von BORNierten Habiti..Habittäten..Habitussis..? - ach verdammt - von den BORNierten Verhaltensweisen anstecken und alle teilen durcheinander wie ein wild gewordener Haufen ihre Eindrücke, Beobachtungen und Erfahrungen der letzten Stunden. Zum Abschluss gehen wir gemeinsam beim Frankfurter Edelitalo-rumänen "Acapulco" (von wegen "Multi-Kulti ist gescheitert", Frau Bundeskanzler) (fr)essen. Dieses Mal gibt es Nachlaufpizza, die unbefriedigende Alternative zur wohlbekannten Nachlauf-WOS.

Nachwort
Mein liebster Züper, Mattes mein Junge, ihr Bekloppten: Ich danke Euch dafür, dass ihr euren großen Anteil dazu beigetragen habt, für mich dieses schöne, lustige, erfolgreiche und unvergessliche Wochenende zu dem zu machen, was es war - so mittel.

Die Daten:
42,195 km
3:12:44 h:min:s
Pace: 4:21 - 4:42 min/km
Puls: 82% (max. 96%)

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

So mittel

war das nicht, was du da an Leistung gebracht hast. So alle 2 Jahre mal die PB verbessern, ist doch auch eine Variante. Glückwunsch.
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LG Inumi
Wer immer alles eng sieht,
sollte mal das Weite suchen.

Bravourös

Einfach genial - da möchte man auch mal Esel sein.
Du hast großartiges geleistet. Glückwunsch!

LG
Many

Ähmmm -Olbas-

bist Du vielleicht ein heimlicher Enkel meiner Oma?

War ein nettes Wochenende mit Dir und Ablenkung ist doch alles nicht wahr?

LG
Ulli

"Das Leben geschieht einem, während man damit beschäftigt ist, andere Pläne zu schmieden", John Lennon
Wir sind BORN.Verstand ist zwecklos. Sie werden bekloppt

Voll der Wahnsinn, ey ...

... so schnell und dann auch noch den Steffny überholt. So kann man es doch im Kreise der Orange Gang aushalten. Man muss keine fiesen Sprüche befürchten und kann mit breiter Brust als Ruhrie durch FFM marschieren. Meine tiefe Verneigung! Wie gut, dass ich meine Überlegung in Frankfurt zu laufen, rechtzeitig als vollrohr bekloppte Idee abgehakt habe, nach diesem Ultrajahr. Hätte nur den Ruhrie-Erfolg beschädigt.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Goil

Mittelmäßig gelaufen, schlechter Artikel, man kann nicht alles haben, wenigstens haste ne Bestzeit und in Frankfurt ne Bad Lauterbach ne Verehrerin in meinem Alter..

Jogmap Ruhr die wahrscheinlich längste Laufgruppe der Welt !

Speedesel

Dem Herbert hast Du es mal richtig gezeigt! Whow!
Gratulation zur - naja - so mittelmäßigen Zeit. ;-)
Nee, hast Du echt super gemacht.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Unglaublich mittelmäßig!;o)

Tja, auch Esel sind glaub ich Lauftiere und verdammt zäh!!

Die Ruhriefarben hast Du grandios in Frankfurt repräsentiert, aber lass Dich nicht zu sehr von den Orangen einwickeln, die sind total bekloppt und wollen nur Deine schnelle ruhrische Lauftechnik plagiieren!;o)

Meine tiefste Verbeugung und Glückwunsch zu dieser hammer Leistung!
Ein Ruhrieheld!:o)

Lieben Gruß Carla

chapeau

Lieber Sebo,

es freut mich unheimlich von deinem tollen Lauf zu lesen - Ruhr rules! Und du hälst die Kohlefahne hoch. Jetzt streng ich mich mal wieder an und freue mich auf eine - bitte gaaanz ruhige - Runde um den Kemmnader mit dir.

Chapeau mein Lieber - chapeau!

Flitzfritz

Der Läufer stinkt nicht - das sind Bakterien die absterben wenn sie seinen Schweiß fressen!

voll krass, lieber turbo-esel...

...da haste den orangschenen aber mal gezeigt, wo der esel läuft!
und datt die mit so nächtlichen störfaktoren wie quietschebetten bei nem echten ruhrie sozusagen auf dickes fell stoßen! *breitgrins*
einfach grandios! der lauf und der block...
____________________
laufend mag das edle grautier: happy

Ich ziehe den Hut

vor dieser Hammer-Zeit.

Sehr amüsiert haben mich die Jungen, die sich darüber unterhielten, dass die ersten schon im Ziel wären und du musst noch 12 Kilometer. Dabei warst du doch richtig flott.
Was hätten die bloß bei den ganzen 4, 5 oder gar 6 Stundenläufern gesagt???

Glückwunsch zu deinem erfolgreichen Lauf - richtig klasse und super geschrieben!

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos
Bin nicht gestört und auch nicht schnell - nur verhaltensoriginell

Ohne Worte

Nun ja, was für ein mittelmäßiges Wochenende!

Ich hab' mich aur nur mittel gefreut und bin kein bisschen stolz auf Dich mein Freund!!

Wir sehen uns - gezwungenermaßen!!

ZüperOli

"Der Wein wirkt stärkend auf den Geisteszustand, den er vorfindet: Er macht die Dummen dümmer, die Klugen klüger!"

Hallo Steffny-Überholer,

ich gratuliere dir aufs Allerherzlichste zu diesem genialen Lauf und zur obergenialen PB! Da kann man mal sehen, was das Training in den Wüsten der Welt für Früchte trägt. Erhol dich gut!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Danke für die

Danke für die Rückmeldungen. Über einen unerwarteten Kommentar habe ich mich besonders gefreut, alles weitere per PM und beim Lauf!

@meerunner: Vielen Dank für den dezenten Hinweis. Aber auf hundert mehr oder weniger kommt es dann auch nicht mehr an...
@RE: Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
@Jaren: Meine Toleranz war wirklich sehr auf die Probe gestellt. Jedoch ist und bleibt mein offizielles Statement: Ich hasse orange!
@H8: ...und auf der zweiten Hälfte bin ich tatsächlich langsamer geworden.
@UlliL: "Der Glaube kann Berge versetzten" hatte schon zu Großmutters Zeiten was wahres.
@Jan: Da hast Du die Kurve gerade noch gekriegt. Mir wurde schon schlecht und H. hat schon böse geguckt!
@Rakete: Meinst Du die heiße Braut vom Bahnhof? So alt war die doch gar nicht...
@Flitzfritz: s.o.
@Oli: Hoffentlich gibt es Alkohol, wenn wir uns sehen. Sonst bist Du schwer zu ertragen.
@Sonnenblume: Es muss ja nicht immer Höhentraining sein, oder?
@waxl, Inumi, Glatzek, klada, Cherry, Carla, happy, SWaBS: Vielen Dank für die Glückwünsche.

Wenn's schnell geht, macht nix.

Du bist zwar ein...

...hinterhältiger Frauen-Vergifter, aber auch ein ziemlich guter Läufer, Blogschreiber und meist relativ symphatischer Zeitgenosse. Auch hier nochmal Glückwunsch.

Kannste mir mal sagen, wie das werden soll, wenn Du Dein Marathon-Pulsmaximum ausreizt? Das war ja nicht mal Tempolaufpulsschnitt...

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Es empfiehlt sich, immer einen Pinguin im Haus zu haben, dem man die Schuld geben kann.

Ja du Esel...

... dann hättest du mich ja fast überrundet, so schnell wie du warst!?
Ein schöner Homerun ;0)) (ach, vergaß, du magst ja keine smilie's) *grins* Ich freue mich echt jetzt für dich...
Leider haben wir uns verpasst(nein, ich bin aus grundsätzlichen Erwägungen nicht in FB)!

Sehr schöner Bericht

Gruß Kaw.

Bisher hab ich gedacht...

...Esel sind störrisch und traben lediglich gemütlich vor sich hin.
Wieder was gelernt.
Herzlichen Glückwunsch.

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