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Mit dem Gedanken den Frankfurt-Marathon zu laufen bin ich ja schon im Sommer 2010 schwanger gegangen und nachdem ich mich 2011 noch ein bisschen geziert habe, habe ich mich im Juni 2011 dann tatsächlich angemeldet - kein Weg zurück!

Die Vorbereitung habe ich fast komplett nach dem Münster-Marathon Plan 04:15 durchgezogen und bin währenddessen einen tollen Halbmarathon in Porto mit persönlicher Bestzeit gelaufen. Die Vorbereitungszeit war ganz schön hart, vor allem war das Zeitmanagement eine echte Herausforderung und meiner Familie habe ich sicherlich einiges zugemutet, da schon mal ein herzliches Dankeschön für das Verständnis. Leider war ich auch nicht ganz vor Verletzungen gefeit, so bin ich dreimal gestürzt und habe mir dabei jeweils ordentlich das Knie aufgehauen und hatte immer mal wieder Schmerzen in der linken Hüfte. Die Hüftschmerzen verschwanden auch bis zum Marathon nicht endgültig und machten mich bis zum Schluss unruhig, woher diese genau kamen, weiss ich bis jetzt nicht, ich schiebe es mal auf die hohe Belastung.

Schon eine Woche vor dem Marathon konnte ich nicht mehr ruhig schlafen, die Anspannung war schon fast unerträglich und so war ich froh, dass endlich der langerwartete Lauf anstand. Das Wetter sollte perfekt werden, 15°, sonnig und so war ich doch ziemlich enttäuscht als ich aus dem Fenster schaute, bedeckt, nasse Sraße, es musste kurz vorher geregnet haben, zum Glück blieb es dann den Rest des Tages trocken. Nach einem ordentlichen Frühstück machte ich mich fertig, die Laufklamotten angezogen und auf den Weg gemacht, in der U-Bahn noch Marathonläufer aus der Nachbarschaft kennengelernt, ein paar Leute vom #twitterlauftreff persönlich getroffen und mich noch mit meinem Vereinskumpel Stephan am Hammermann getroffen. Meine Frau erwartete mich dort noch für einen "Viel-Glück"-Kuss und ab ging's in den Rosbacher-Startblock. Die Zeit bis zum Start haben wir noch mit Stretchen und Dummschwätzen rumgekriegt, bis es dann endlich losging ...

Ich hatte mir keine feste Zeit vorgenommen, ja unter 04:30 sollte es schon sein, ich hatte ja nach 04:15 trainiert, wollte mich aber auch nicht übernehmen, man hat ja so viel gelesen und habe deswegen nur auf die Pulsuhr geachtet: 150 am Anfang war ok und so ging es schon auf die Mainzer Landstraße Richtung Oper und gleich da meldete sich meine Blase, Taunusanlage bot sich an (und ich war nicht der einzige), und so traf ich meinen Vereinskumpel wieder, den ich im Anfangsgetümmel verloren hatte. Bei km2 sah ich das erste mal meine Frau, mein älteste Tochter und ihren Freund, die mir zujubelten, alles nach Plan. Dann wurde mir doch langsam zu warm, ich hatte ein langes Unterhemd, dass ich dann auf der Bockenheimer Landstr. auszog, wohlwissend, dass meine Family das bei km7 in Empfang nehmen kann - so war es auch, es ist toll wie die sich für mich engagieren. Dann am Eschenheimer Turm, die erste Überraschung: Meine Eltern und mein Neffe, mit denen ich nicht gerechnet hatte, toll, wie der Kleine abgeht, er läuft 50m mit mir mit und feuert mich aus voller Kehle an, meine Nachbarn sind echt neidisch und freuen sich für mich mit. Bei km9 nehme ich mein erstes Gel, ist das zu früh? Gleich ist Verpflegung, dann ordentlich trinken ... Bei km10 bin ich 4min über meiner eigentlich geplanten 04:15er Zielzeit, aber egal, ich fühle mich wohl und U-04:30 ist so ja noch locker drin. Eschersheimer Landstr. runter und am Eschenheimer Turm sind wieder meine Eltern, die mir alles Gute wünschen ... und schon wieder meldet sich meine Blase, hab ich etwa zu viel getrunken? Am Börneplatz erinner ich mich wieder an meine Stürze, da dort der Straßenbelag sehr unregelmäßig ist: Füße hoch! In Sachsenhausen am Main muss ich dann doch wieder an einen Busch und als ich wieder auf der Strecke bin ist plötzlich die 04:30-Pace-Gruppe vor mir, oje, blöde Pinkelei ... Km14, meine Frau ist wieder da! Sie steckt mir einen Müsli-Riegel zu, motiviert mich und sagt, dass sie wieder bei km21 sein wird.

Langsam geht es aus der Stadt, Niederrad, Bürostadt, Goldstein, Mein Schatz verpasst mich fast, auch sie braucht Verpflegung und bietet mir ihre Bratwurst an - Ich lehne dankend ab ;-) Huch, schon die Hälfte rum? Ich überhole eine Bekannte, die schon den Ironman absolviert hat und ihre Freundin beim 1. Marathon begleitet - kurzer Schnack und weiter ... Tolle Stimmung in Schwanheim. Schon wieder Blasendruck, kurz rechts raus und gleich wieder zurück. Ich treffe meinen Vereinskumpel wieder, lasse ihn aber nach kurzen Worten wieder hinter mir. Die Band auf der Schwanheimer Brücke spielt "... über diese Brücke musst du gehen ...".Bei km24 nehme ich das nächste Gel - rechtzeitig vor der km25, das Zeugs ist schon leicht salzig. Höchst, Nied, bei km31 sind meine Schätzchen wieder da, ein Plakat mit "Força Heiko" haben sie ausgerollt, mir stehen Tränen in den Augen ... meine Zeit ist mir egal, aber ich bin so stolz, das gibt mir unendlich Kraft.

Bei km33 melden sich meine Oberschenkel, ich hab die ganze Zeit schon darauf gewartet, aber es ist erträglich, habe aber doch Angst, dass ein plötzlicher Krampf mich wie ein Blitzschlag trifft - bitte nicht! Am Wegesrand stehen einige, die sich die Seele aus dem Leib k**** oder ihre krampfenden Muskeln dehen und massieren, viele gehen nur noch, da muss man aufpassen, dass man die nicht über den Haufen läuft. Ein Gel nachgeschoben, das muss jetzt bis zum Ziel reichen. Km34: meine Frau kündigt an, mich ab der Hauptwache zu begleiten. Zwei Becher Wasser zum Nachspülen bei km35. Ich kann die Festhalle sehen!

Alles läuft wie am Schnürchen, geile Samba-Band am Frankfurter Hof, ich würde am liebsten mittrommeln. Meine Frau ist am Roßmarkt, läuft mit ... fragt, ob ich die ganze Zeit so schnell gelaufen bin, sie ist nicht die erhoffte Hilfe und sie tut mir unendlich leid, dass sie mein Tempo nicht mithalten kann ... und schon verabschiede ich mich leider wieder von ihr.

Über die Fressgass' rüber (scheiß Kopfsteinpflaster: Füße hoch!) und dann lief genau der Film ab, den ich mir in den vielen Trainingseinheiten vorgestellt hatte:

Es geht leicht abwärts, Mainzer Landstr., ideales Wetter, leicht sonnig, ich kann Tempo zulegen, bin locker, Platz der Republik, meine Eltern sind wieder da, rufen mir was zu, rein in die Friedrich-Ebert-Anlage, die letzte Straße, an den Seiten drängelt sich das Volk, einbiegen ins Messegelände, ich entdecke zwei Freunde die laut grölen, rein in die Festhalle, es ist dunkel und sehr lauf und dann durch die Durchsage: "... und Heiko aus Frankfurt kommt ins Ziel ..." - GÄNSEHAUT !!! Ich reisse die Arme hoch und bin nur noch glücklich - geschafft, Stoppuhr drücken nicht vergessen (04:25:09 steht drauf) - offiziell wurden's dann 04:25:03, die letzen beiden km bin ich in für mich super 11 min. gelaufen.

Dann ist dieser tolle Moment eigentlich auch schon 'rum, einreihen zum Medaillen-Empfang, Anstellen für die Wäremefolie, Anstellen bei der Suppe, Gedrängel beim Bier, schnell was gegessen und getrunken ... ich will endlich meine Frau sehen und sie umarmen ... dann im Family-Bereich ist es soweit, wir liegen uns in den Armen und sind glücklich und stolz aufeinander.

Man kann alles , wenn man will !

4
Gesamtwertung: 4 (2 Wertungen)

Glückwunsch...

... zum erfolgreichen Marathon-Debüt! Und auch danke für den tollen Bericht, den ich als Erstling in fast allen Punkten nachfühlen kann.
Bis zum nächsten Jahr?

Gänsehaut

Mit deinem letzten Satz hast du sowas von Recht! Aber nicht vergessen, dass du die Vorbereitung offenbar sehr diszipliniert durchgezogen hast. Und familiäre Unterstützung ist überhaupt das Allerwichtigste, nicht nur auf der Strecke ;-)

Glückwunsch zu dem grandiosen Debüt!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Echt schön...

... geschrieben, aber was hast du denn für eine Konfirmantenblase?? ;o)

Deine Zeit ist doch auch klasse, bei all denn wehwehechen. RESPEKT!!! Ich weiß nicht, ob ich dann so durchhalten würde.

LG LosAngel

Toll geschrieben -

toll gelaufen. Hab beim Lesen fast ne Erpel-Kutte gekriegt. Super. April nächstes Jahr steht für mich mein erster Halbmarathon an. Ich freu mich schon so ...

Grüße
Prometheus

Wir ziehen doch alle an einem Strang - Nur vielleicht nicht in dieselbe Richtung !?!

Glratuliere

zum gelungenen Marathon Debut und der tollen Unterstüzung.

Ich hatte leider an der Strecke keine der erhofften Unterstützer und musste mich diesmal echt quälen um meinen zweiten Marathon zu finishen. Beim Debut 2009 lief es perfekt. Die Fans waren echt super.

Meine herzlichste Gratulation!!!

Genau, es steckt mehr in einem drin, als man denkt!;o)

Lieben Gruß Carla-Santana

Na dann

muss ich es ja nächstes Jahr wohl oder übel auch mal in Angriff nehmen.

Herzlichen Glückwunsch

Na dann

muss ich es ja nächstes Jahr wohl oder übel auch mal in Angriff nehmen.

Herzlichen Glückwunsch

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