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Nachdem ich gestern wieder einen weiteren Meilenstein in meiner Läuferischen Laufbahn hinter mir gelassen habe wird es mal wieder Zeit zu berichten…
Worum geht es diesmal überhaupt? Es geht um einen Ultramarathon von 63,3 km bei dem ich jedem, der mir Anfang des Jahres gesagt hätte dass ich so etwas im Oktober laufen würde für verrückt erklärt hätte.

Aber wie kam es überhaupt dazu? Nachdem ich im Frühjahr meinen ersten Marathon gemeistert hatte und dann am Kemnader See meinen ersten Podiumsplatz erlaufen konnte, waren meine Lauffreunde von meinen läuferischen Fähigkeiten und Fortschritten so begeistert, dass sie mich prompt zu dem Röntgenlauf Ende Oktober einluden und mir einen Startplatz für den Ultramarathon schenkten. Ich hatte in Gedanken schon damit gespielt beim Herbstwaldlauf in Bottrop die 50km Distanz in Angriff zu nehmen, insofern bin ich nicht ganz aus den Wolken gefallen. Aber gleich 21km mehr als Marathon? Gewisse Zweifel hatte ich durchaus.

Diese wurden dann aber erst einmal zur Seite geschoben, denn es galt sich zuerst auf den Marathon in Münster vorzubereiten. Nach dem dieser bewältigt war, begann ich mir Gedanken über die Vorbereitung für den Röntgenlauf zu machen. Ein wesentlicher Bestandteil sollte der Ruhrtalmarathon in Witten und ein Wettkampf in Bertlich sein. In Bertlich wollte ich ursprünglich den 30km Wettkampf als Trainingslauf nehmen, da dieser aber recht spät gestartet wurde und die Temperaturen recht sommerlich werden sollten entschied ich mich kurzfristig dazu doch den Marathon zu laufen. Da ich 2 Wochen zuvor den Münstermarathon auf Zeit gelaufen war hielt ich mir die Option offen nach 30km auszusteigen, aber nach Möglichkeit wollte ich die vollen 42,2km durchziehen. Der Marathon lief recht gut trotz der doch warmen Temperaturen und ich habe bis auf die gepflasterten Straßenabschnitte jeden Kilometer genossen.

Als nächster großer Vorbereitungslauf stand 2 Wochen später der Ruhrtalmarathon an. Die Besonderheit von diesem Marathon ist, dass dieser ein sehr schöner Landschaftslauf ist, welcher schon so einige Höhenmeter in der 2. Hälfte beinhaltet. Die Nacht davor hatte ich dann solche Wadenkrämpfe, dass ich so meine Zweifel hatte ob ich den Marathon überhaupt packen würde. Aber ich hätte mich total geärgert wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte. Also die Nacht über schon Magnesium einnehmen und die Waden mit Wärmesalbe behandeln. Am Morgen deutete sich eine leichte Verhärtung an, welche sich aber durch warmes Abduschen lockern ließ. Um weiteren Krämpfen vorzubeugen und meine Waden zu unterstützen beschloss ich mit Kompressionsstrümpfen an den Start zu gehen. Die ersten flachen 21 Kilometer liefen recht gut bevor dann die ersten Steigungen kamen. Diese habe ich dann langsam aber beständig gemeistert immer in mich hinein fühlend ob die Waden mitmachen. Insgesamt konnte ich den Marathon ohne Probleme durchlaufen (auch die Steigungen) was mir Vertrauen gab den Röntgenlauf auch gut meistern zu können.

Die letzten 2 Wochen begann ich dann mein Laufpensum etwas zu reduzieren. Allerdings stieg dann auch meine Anspannung und Nervosität von Tag zu Tag. Den Tag vor dem Wettkampf war ich dann zeitweise so nervös, dass ich das Gefühl hatte keinen Bissen herunter zu bekommen. Gegessen habe ich dann trotzdem, ich wusste ja dass ich die Energien am nächsten Tag brauchte. Ich glaube so angespannt war ich noch nicht einmal vor meinen ersten Wettkampf bzw. meinen ersten Marathon. Am liebsten wäre ich schon am Samstag losgelaufen im meinen inneren Druck abzubauen.

Nach einer gemütlichen abendlichen Runde mit Deti und Holgi wurde ich dann zusehens ruhiger und konnte sogar ganze 5 Stunden schlafen.

Am Morgen war dann die Aufregung wieder da aber diesmal mehr in Form eines freudigen Erwartens. Nach einer kurzen Plauderrunde und Umziehen ging es auch schon in den Startbereich. Ich hatte mir Holger und Detlef welcher noch für die Birgit vom BTC Herne den Hasen machen wollte abgesprochen die ersten 8 bis 10km zusammen mit ihnen in der Gruppe zu laufen um dann anschließend meinen eigenen Rhythmus zu finden. Die ersten Kilometer gingen dann durch die schöne Lenepper Altstadt bevor es hinaus in die Natur ging. Das Tempo war gut die Stimmung in der Gruppe auch und die ersten Steigungen meisterte ich problemlos. Nach ca. 8 km merkte ich das ich mich immer weiter von Detlef und Holger entfernte und diese immer weiter zurück blieben aber das war ja auch so abgesprochen und ich fühlte mich gut das Tempo war angemessen immer den Gedanken im Hinterkopf mir meine Kräfte einzuteilen um hinterher auf der letzten Etappe nicht einzubrechen. So konnte ich die ersten Kilometer durch den schönen Herbstwald genießen.

Nach 15km hatte ich das Gefühl als sei ich gerade losgelaufen. Nach 20km kam dann eine erste Müdigkeit in den Beinen und starke Steigungen begann ich bereits zu gehen um dann danach wieder direkt anzulaufen. Nach der Halbmarathondiestanz wurde es auf der Strecke etwas ruhiger und die Müdigkeit wich auch wieder mehr aus meinen Beinen. Kraft war weiterhin vorhanden und so konnte ich den Lauf und die Natur in vollen Zügen genießen.

Als ich an der Kilometermarke 32 vorbei kam war es schon ein merkwürdiges Gefühl, denn ich kannte diese Marker eher als Punkt wo der Mann mit dem Hammer beim Marathon vorbei kommen kann. Für einen Moment konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass ich erst die Hälfte der Strecke zurück gelegt hatte. Der Mann mit dem Hammer hatte aber heute keine Lust vorbei zu kommen und so lief ich weiter. Das Laufen fühlte sich immer noch gut an, Steigungen wurden gegangen und ansonsten richtete sich mein Fokus immer mehr nach innen auf die Bewegung und auf die Strecke.

Bei der Marathonmarke hätte ich die Möglichkeit gehabt den Wettkampf zu beenden. Da ich mich aber als ich diese erreicht noch so gut fühlte dachte ich nicht im Ansatz daran hier aufzuhören. Ich hatte mir ja sowieso vorgenommen auf jeden Fall bei 63km ins Ziel zu kommen und wenn ich dieses auf allen vieren überqueren würde.

Als ich mich auf die letzte Etappe begab war es doch irgendwie ein besonderes Gefühl. War ich doch bis dato noch nie länger als 42,2km gelaufen. Aber ich fühlte mich gut und es lief wie am Schnürchen. Bei Kilometer 49 merkte ich, dass die Beine anfingen schwerer zu werden. War bis dahin darauf bedacht mich etwas zurück zu halten und auf meine Kräfte zu achten so lief ich so langsam an meinem Limit und biss mich irgendwie durch. Starke Steigungen wurden weiterhin gegangen, danach direkt wieder angelaufen und alleine die Verpflegungsstände zu einer kurzen Pause genutzt. Inzwischen lief ich wie in Trance, meine Aufmerksamkeit war nur noch auf die Strecke, meinen Bewegungsablauf und mein körperliches Befinden gerichtet. Immer darauf achtend den Puls nach einer Steigung wieder runter zu bekommen und so ein Lauftempo zu wählen welches meine Beinmuskeln akzeptierten ohne sich mit Krämpfen dagegen zu wehren.

Ein Blick auf die Uhr bei Kilometer 50 sagte mir das es durchaus realistisch schien das Ziel unter 7 Stunden zu erreichen. Und da kamen mir Deties Worte wieder in den Kopf, dass ich nach Kilometer 50 versuchen könnte Gas zu geben wenn das noch drin wär. Da die Strecke jetzt über längere Teile bergab ging versuchte ich das Tempo hochzuhalten was mir auch über weite Teile gelang. Die letzten Kilometer zogen sich dann wie Kaugummi. Als dann zum Schluss nochmal 2 heftige Steigungen kamen dachte ich schon, dass ich mein während des Laufes gestecktes Ziel unter 7 Stunden zu bleiben nicht mehr schaffen würde als mir ein Zuschauer zurief , dass es bis zum Ziel nur noch 400 Meter seien. Dies gab mir so eine Kraft, dass ich noch in der Steigung wieder anlief, und die letzten Meter wie im Flug zurück legte. Als dann im Ziel eine Zeit von 06:56:20 auf meiner Stoppuhr stand war die Freude übergroß. Damit hätte ich bei meinem ersten Ultra und gerade bei diesem Streckenprofiel nicht gerechnet.

Auch bin ich doch erstaunt wie gut ich durch den Lauf gekommen bin. Aber auch einen Tag später habe ich immer noch nicht ganz begriffen, was ich da eigentlich geleistet habe. Ich glaube bis ich dies vollkommen realisiert habe werden auch noch ein paar Tage vergehen. Aber bei einem bin ich mir jetzt schon sicher. Dies wird mit Sicherheit nicht mein letzter Ultra gewesen sein. Und auf Dauer wird es bei mir heißen: das Ziel ist Biel. Aber bis dahin wird sicher noch etwas Zeit vergehen.

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Natürlich...

...war das nicht Dein letzter Ultra, jetzt gehts erst los.
Glückwunsch zum 1. und zu der tollen Zeit.

Glückwunsch.

zu deinem ersten Ultra von einem anderen Ultra-Greenhorn. Ich kann mich gut in deine Lage versetzen, denn für mich war der gestrige Röntgenlauf auch erst der zweite Ultra.

Kurzzeitig dachte ich gestern auch, es sei der letzte und habe mich dafür verflucht, dass ich mich schon zum Rennsteig angemeldet habe. Heute denke ich schon wieder anders darüber ;-)

Vielleicht sehen wir uns irgendwann einmal in Biel.

Erhol dich gut.

Grüße
Uhrli

P.S. Hier mein Bericht.

Willkommen im Club !!!

Dass ich Dir, lieber Jens, bereits gestern gratulieren konnte und Du mir ganz frisch von Deinen Eindrücken erzählen konntest, hat mir sehr sehr glücklich gemacht.

Nach Deinen unglaublichen Laufleistungen in diesem Jahr war es mir ein herzliches Anliegen, Dir erstmalig eine Ultradistanz zu zeigen - und ein Debüt beim Röntgenlauf ist alles andere als ein Kindergeburtstag.

Dein Strahlen in den Augen zeigte mir gestern sofort, was Du alles von diesem Lauf mitgenommen hast und ich bin fest davon überzeugt, dass es niemals verlöschen wird. Ja, es war mit Sicherheit nicht der letzte Ultra für Dich.

Bevor Du weitere Läufe in Angriff nimmst, übe Dich jetzt bitte in Geduld und nimm' Dir Zeit zur Regeneration.

Biel wartet auf Dich.

Jens, Du bist großartig !!! Danke, dass Du uns durch Deinen wundervollen Bericht hast mitlaufen lassen.

Herzliche Grüße aus Düsseldorf,
Holger



06.11. Bottrop
-- Winterpause

Wow!

Auch ich möchte Dir zu dieser tollen Leistung gratulieren!
Hoffe, dort hast Du Deine verdiente Massage bekommen!;o)
Du bist ein richtiger Ultra!

Lieben Gruß Carla

@ Carla

Danke :)

ja, das war das erste Mal, dass ich mich nach einen Lauf habe massieren lassen :)

Danke

für eure Glückwünsche - habe mich sehr darüber gefreut :)

@ Uhrli:

würde mich freuen wenn wir uns dann in Biel über den Weg laufen :)

@ Holgi:

ja, das war eines der schönsten Geschenke welches ich bekommen habe.

ps: das einzigste was ich diese Woche machen werde ist in den Alpen etwas wandern gehen :)

Herzliche Grüße, Jens

Besser spät als nie

aber ich war nach meinem ersten Ultra auch im Urlaub (ohne PC und Internet) und komme erst jetzt so langsam dazu mal die vergangenen Berichte zu lesen. Darum jetzt erst meinen herzlichen Glückwunsch! Den Röntgenlauf hast Du super gemeistert - und in einer tollen Zeit hingelegt! Das dann auch noch zu genießen kann offenbar nur jemand, der wirklich gut trainiert ist. Jawoll - ich hab den Albmarathon (mit nur 50km) auch genossen. Ultra ist einfach entspannend ;).

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