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Ich habe lange überlegt, welche Überschrift ich für meinen dritten Marathon wählen soll. Frankfurt Marathon würd es auch ganz gut treffen. Oder: Ich werde Dixi-Tester. Oder: Am Ende ist alles nicht so schlimm.
Ja, es war soweit. Nach nur fünf Wochen Vorbereitung und davor 8 Wochen "Fuß-bedingter" Laufpause wollte ich es wissen. 42,195 Kilometer durch Mainhatten. Die Anreise am Samstag mit der Bahn klappte gut, das Hotel war schnell gefunden und bezogen. Die Marathon-Mall erbrachte mir meine Startunterlagen und ein neues Paar Laufschuhe. Ansonsten war ich vor allem eins: überhaupt nicht aufgeregt. Das allein fühlte sich komisch an. Wo war das Adrenalin? Das tolle Kribbeln der Vorfreude? Ich bin nach dem Besuch der Messe direkt wieder ins Hotel und habe mir einen ganz ruhigen Nachmittag gemacht. Das leider nicht wirklich ausgereift geplante Jogmap-Treffen habe ich anschließend nicht finden können, so dass ich richtig früh ins Bett bin und super geschlafen habe.
Der nächste Morgen begann mit der erfreuten Erkenntnis, dass das Universum mir einen herrlich bedeckten Himmel geschenkt hatte. Schnell gefrühstückt, umgezogen, Taschen umgepackt und gegen 9 Uhr Richtung Start marschiert. Was für ein Gewimmel! Der Marathon war mit 15.000 Läufern ausgebucht, hinzu kamen 7.000 Staffelläufer. Da war der Verweis des Veranstalters auf gerade mal 36 Toiletten im Startbereich eine Ansage. Kleiderbeutel abgegeben und den langen Weg ans Ende des Feldes begonnen. Es war total schön, denn ich habe die Duracell-Hasen aus der Laufschule noch getroffen und konnte ihnen viel Erfolg und Spaß wünschen. Und fast zeitgleich mit dem Startschuss traf ich auch noch Veit, mit dem ich im letzten Jahr zufällig die ersten Kilometer gemeinsam gelaufen war. Meine Laune stieg und stieg. Ich reihte mich mutig bei den 5 Stundenläufern ein und wollte zunächst mal sehen, wie lange ich an ihnen dran bleiben konnte. Nach 18 Minuten Stop and Go waren auch wir dran. Wir starteten den 30. Frankfurt Marathon, der sein Kleid von Schwarz-Gelb dieses Jahr durch den Wechsel des Hauptsponsors in Blau-Weiß gewechselt hat. Die Stimmung an der Strecke war super und so vergingen die ersten 10 Kilometer wie im Flug. Ich ließ die 5-Stundenläufer ziehen, da mein Puls recht hoch war, aber mein Fuß machte überhaupt gar keine Probleme, ich fühlte mich richtig, richtig gut. Bis Kilometer 18. Da wurde mir von einer Sekunde auf die nächste schlecht. So schlecht, dass ich eine Mauer mit meinem Frühstück dekorieren musste, was sich bei km 23 nochmal wiederholen sollte.
Und hier begann eine lange Odyssee. Magenkrämpfe und Übelkeit. Und das so früh im Rennen. Ich sagte jedem der spärlich positionierten Dixis Hallo. In Hamburg fand man diese Kästen jeden Kilometer, hier nur alle 2,5 Kilometer. Sehr ärgerlich, denn mit Druck auf dem Kessel lässt es sich nicht laufen. So musste ich zeitweise lange, lange gehen, um das nächste Klo zu erreichen. Es galt eine Entscheidung zu treffen. Aufhören oder Durchkämpfen. Ich wollte dies an der Stelle, wo die Staffeln zum zweiten Mal wechseln entscheiden, da dort direkte Bus- und Bahnanbindungen zurück zum Start vorhanden waren. Kurz vor dieser Stelle stand wieder ein Dixi, so dass es mir an dem Entscheidungspunkt wieder recht gut ging. Unter diesen Umständen kam Aufhören nicht in Frage. Leider kamen bis km 30 immer wieder schubweise Magenprobleme. Inzwischen hatte ich den 6-Stunden-Zugläufer vor mir! Das wird eine richtige Klatsche!
Aber das Durchhalten wurde belohnt, mein Magen erholte sich. Bei km 30 gab es mein Läufergold: Cola und die Welt wurde immer besser. Nicht zuletzt in Gestalt von Astrid. Astrid und ich begegneten uns bereits im Vorfeld immer mal wieder auf der Strecke, nur meistens lief sie, wenn ich ging und umgekehrt. Kurz hinter Kilometer 30 beschlossen wir, das Ding gemeinsam durchzuziehen. Fort an suchten wir uns immer einen Punkt auf der Strecke bis zu dem wir laufen wollten. Danach gab es kurze Gehpausen bis zu einem wieder vereinbarten Punkt und so weiter. Auf diese Weise schafften wir es in Teamarbeit, dass uns niemand mehr überholte, wir beim Umdrehen die Ballons der 6-Stunden-Läufer nicht mehr sehen konnten. Es war toll. Ich glaube, dass keine von uns alleine noch so gut weiter gekommen wäre. Wir lenkten uns ab und motivierten uns gegenseitig. Bei Kilometer 37,xx haben wir mit Cola auf die letzten 5 Kilometer angestoßen, wir feierten Kilometer 40 und sind schließlich glücklichst Hand in Hand ins Ziel gelaufen.
Ja, es war ein komplett anderer Marathon als vor einem Jahr. Ich bin weit hinter meinen eigenen Erwartungen zurück geblieben. Aber: ich war auch noch nie so stolz auf mich. Ich habe trotz der massiven Probleme gekämpft und nicht aufgegeben. Und ehrlich, dass war zeitweise nicht so ganz leicht, aber es gab immer wieder tolle Mitläuferinnen und Mitläufer, die sich gekümmert haben und mich motiviert haben. Besonders motiviert hat mich Kilometer 32 noch eine SMS von Manchen. Das tat so gut!
Es ist vielleicht eine Sch... Zeit am Ende dabei heraus gekommen, aber ich habe unter den Umständen alles gegeben. Und da kann ich stolz drauf sein.
Sehr schade war dann die Tatsache, dass bereits nach fünf Stunden keine Medaillen mehr vorhanden waren. Hallo??? Wer hat das denn bitte kalkuliert?! Die bekomme ich nun irgendwann per Post zugeschickt. Ebenfalls etwas entwertet wurde dieser Lauf dadurch, dass für uns keine Wärmefolien, kein alkoholfreies Weizen und kein frisches Obst (nur so braune Berge) vorhanden waren. Find ich schade. Wenn man schon als Veranstalter sogar Zugläufer für Zeiten bis 6 Stunden anbietet, dann sollte bis dahin auch der Service im Zielbereich stimmen.
Ich für meinen Teil war froh, als ich abends im Zug nach Hause saß und gegen 12 Uhr endlich ins Bett fallen konnte.
Fazit: Es war der körperlich und mental schwierigste Lauf, der ab Kilometer 30 aber zu einem wunderschönen, stolzen Lauf wurde. Danke, Astrid!

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Respekt!

Ich habe bei meinen ganzen Marathons noch nie ein Dixie von innen gesehen und ich glaube, ich wäre schon nach dem Ersten ausgestiegen, besonders wenn ich mich des Frühstücks auch schon entledigt hätte.

Habe mir gerade des Gewurstel mit meinem Skins-Einteiler auf dem Dixie vorgestellt. Der sieht zwar gut aus, ist aber für solche Aktionen völlig ungeeignet.

Glückwunsch zu dem eisernen Willen!

Hut ab -

vor so viel Biß - Gratuliere

Erhol' Dich gut...

cheetah

tapfer gekämpft

und belohnt worden! Wenn auch nicht vom Veranstalter. War leider auch meine Erfahrung mit Mainz (keine Duschen mehr obwohl eine Stunde vor Zielschluss) und Karlsruhe (Verpflegung alle, komplett alle bei einer Zielzeit von 4:30!), das ist mehr als ärgerlich, das ist unprofessionell. Immerhin haben auch die hinteren Läufer dasselbe Startgeld bezahlt. Sollte man den Leute mal mitteilen!

Glückwunsch zum Finishen!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Respekt! So früh schon

Respekt!
So früh schon Probleme zu haben und sich dann doch durchzukämpfen ist super! Gerade im frühen Stadium wäre ich schon versucht gewesen, die nächste Haltestelle aufzusuchen und aufzugeben. Aber klasse, dann auch einfach ein Team zu bilden. Glückwunsch zum Durchkämpfen!

Respekt.....

.....oder auch das muss man erlebt haben! Muss man wirklich? Nein, aber es macht ungemein stolz, den Mara trotzdem zu finishen. Auch ich hatte gestern in BS Magenprobleme und bin sehr, sehr dankbar, dass ich das Dixi doch nicht aufsuchen musste. Ich gratuliere Dir ganz herzlich zu Deinem 3. Marathon!!! Gekämpft und gesiegt!!! Super!!!

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

was habt ihr nur für eine Kraft

in den Beinen und vor allem im Kopf ...
Hut ab für dein Durchhaltevermögen - Riesen Respekt !!!

Alles gegeben

...mehr geht dann wirklich nicht.
Also auch wenns weh tat, hinterher ist man trotzdem glücklich und stolz.

Boah

ich danke Euch! Wirklich Euch allen. Heute bin ich fit, frisch und munter, habe nur etwas Muskelkater in der Magengegend. Da ich ja gestern nicht wirklich viel laufen konnte und auch nach der gesundheitlichen Besserung ab km 30 wegen des Mineralienverlusts nicht zu viel geben wollte, habae ich beschlossen, den gestrigen Lauf als Trainingslauf zu werten. Ein neues Ziel ist schon da!
Das schönste nach gestern ist: der Fuß hat gehalten.


maratina.de Laufen, radeln, schwimmen und mehr

huiuiui...

...das ist wahre Willensstärke..oder fehlende Konsequenz (nicht anzutreten ohne Training bzw. auszusteigen, wenns einem schlecht geht). Welche Wertung man vornimmt liegt sicher im Auge des Betrachters.
Ich hoffe, Du erholst Dich ausreichend und trainierst vorm nächsten 5 Wochen länger ;-)
Mein läuferisches Wateloo liegt bei Dir um die Ecke - vielleicht als kleines Trösterchen geeignet?
Viele Grüße, WWConny

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