Benutzerbild von Tigerkätzle67

Als ich die tolle Nachricht erhielt, das ich bei der Bewerbung meinen Start vom Team Erdinger Alkoholfrei gewonnen habe war ich überwältigt. Doch dann kamen mir Bedenken ob ich auch das schaffe und ob es mir nicht zuviel wird, wenn ich doch eine Woche später den BMW Frankfurt Marathon laufe. Da ich aber noch nie in dieser Form was gewonnen habe, wollte ich das auch nicht hergeben und sagte mir, das zieh ich durch – egal wie. So bereitete ich mich wieder auf einen kleinen Berglauf vor. Immer wieder hatte ich während meiner Trainingszeit Probleme mit der Achillessehne und der Gelenkskapsel, aber da muss ich nun durch.
Ich fuhr also am Freitag Nachmittag dort hin und holte gleich die Startunterlagen ab. Verlief alles reibungslos. Ich freute mich schon richtig drauf – meine Achillessehne wohl weniger, die mir schon wieder Probleme machen wollte. Samstag früh fuhr ich dann zum Start nach Schwäbisch Gmünd. Gab mein Gebäck zur Aufbewahrung und unterhielt mich auch noch mit einem vom Trollinger Marathon. Dann war es soweit. Mein Neffe Christian – dem ich zuvor noch meine Kamera gab, machte noch schnell ein Foto von mir am Start. Es war bitter kalt. Eigentlich nicht meine Temperaturen. Endlich – es ging los und anfangs noch sehr zaghaft, denn irgendwie ging es nicht richtig voran. Doch dann kamen die Läufer vor mir endlich in die Gänge. Zwischendurch lief ich mit einer anderen Läuferin auf einer Anhöhe, sie laberte die ganze Zeit, das erinnert mich an meine Trainingsläufe mit meinen Läufer. Ich sulze auch immer meine Läufer voll, während sie nur noch nach Luft schnappen. Ich schmunzelte nur, was diese Person alles zu erzählen hatte, doch irgendwann mal verlor ich sie aus den Augen. Dann kam ich auf den Teilnehmer, den ich am Freitag Abend im Zug kennen lernte. Wir unterhielten uns auch noch ein wenig. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt einen für mich gemütlichen 5:25 Schnitt. Wir waren mittlerweile auf einem geschotterten Waldweg und es ging eine leichte Steigung. Eigentlich für Bergläufer nicht die Rede wert – solche Steigungen laufe ich im Allgäu ja ständig. Deshalb machte es mir auch nichts aus, aber der Läufer neben mir schon. So gab er mir bescheid, das er etwas langsamer machen muss, er kommt da nicht mehr mit. Schon war ich wieder mit mir und meinem Lauf alleine. Eigentlich schade, denn wenn man jemanden hat mit dem man sich unterhält läuft es sich irgendwie immer etwas leichter und besser. Mir fiel auf das ich bisher noch keine einzige Kilometeranzeige gesehen habe. Einem anderen Läufer fiel das ebenfalls auf. Na ja, dachte ich mir, ich kann es ja auf meiner Uhr auch ablesen wenn es mir wichtig wäre. Dann endlich – die erste Kilometeranzeige bei KM 5. Ich sah auf meine Uhr und war bei 30:25 Min/Sek. Ich dachte mir, toll – ich habe die langsame Startzeit wieder etwas aufgeholt, denn der erste Kilometer lag bei über 7 Minuten. Bei KM 6 kam die erste Getränkestation – diese benötigte ich nicht und lief weiter. Es war viel zu kalt um mir jetzt auch noch das kalte Zeug reinzuschütten und durstig war ich auch nicht. Die Strecke war noch Anfangs sehr gemütlich und angenehm zu laufen. Sehr viel Asphalt, was für meinen momentanen instabilen Knöchel ganz gut war, denn das verhinderte ein plötzliches Umknicken. Immer wieder kamen ganz kleine Steigungen, die aber auch recht schnell zu bewältigen waren. Bei KM 12 kam dann die zweite Getränkestelle und da nahm ich mir dann auch mal ein Schluck Wasser. Wie ich befürchtete war das Zeug tatsächlich eisig kalt, das ich nicht nur äußerlich fror, sondern auch noch von innen heraus auskühlte. Wow, dachte ich nur – da trinke ich sicherlich nicht viel auf der Strecke. Bei KM 14 kam eine etwas stärkere Steigung. Irgendwie war ich mittlerweile schon so durchgefroren an Beine und Po, das ich fast nichts mehr spürte außer nur noch Steifigkeit. Irgendwie hätte ich nun was zum auftauen gebraucht. So ging ich ein paar Meter bis ein Franzose an mir vorbei kam und mich mitzog. Wir unterhielten uns ganz nett und als wir KM 15 km erreichten zeigte meine Uhr 1Std.28 an. Ich versuchte mir auszurechnen, das wenn ich dieses Tempo beibehalten könnte, dann könnte ich evtl. doch noch unter 2:30 ins Ziel gelangen. Diese Vorstellung sollte aber schon bald ein Ende nehmen denn schon kamen die ersten richtigen Anstiege – nicht mehr so einfach wie die vorherigen. Die nächste VP Stelle kam dann bei KM 16 und da nahm ich mir vorsorglich schnell ein Stück Weißbrot und zwei Becher zu trinken. Ich hatte diese Erfahrung schon beim Voralpenlauf gemacht, als ich plötzlich zu krampfen anfing und dieses wollte ich nicht noch einmal riskieren. Und da ich die Strecke hier nicht kannte, war das sicherlich nicht ganz verkehrt. Der Franzose lief weiter während ich erst einmal langsamer machte. Immer wieder bekam ich ansatzweise Seitenstechen, die ich aber meistens ignorierte. Es ging ein Waldweg hoch und bei KM 17 kamen uns die Läufer wieder entgegen. Aha, dachte ich – ein Wendepunkt ist dort oben und wir müssen wieder hier herunter laufen. Es ging nur Trabweise nach oben, denn einige vor mir trabten den steilen Anstieg hoch. Durch die entgegenkommenden Läufer war ein überholen so gut wie nicht möglich. Endlich kamen wir auch an den Wendepunkt an, liefen einmal um den Baum und einer von der ORGA sagte unsere Nummer auf und ein anderer hat sie wohl aufnotiert. Ob nun elektronisch – was ich sehr stark vermute – habe ich nicht gesehen. Es ging so schnell und schon war ich auf den Weg nach unten und sah die Läufer die bisher hinter mir waren. An der Nummer konnte man erkennen, ob es ein Ultra (S), ein Staffel (M) oder ein 25er (T) war. Dieser Anblick bleib nicht lange, denn schon mussten wir links runter. Wir hatten den Hohenstaufen schon mal durch. Es ging eine Asphalt Straße entlang, wieder etwas angenehmer zu laufen, aber ich wusste vom Franzosen, das es bei KM 20 nochmal richtig rauf gehen soll. Irgendwann holte ich auch wieder diesen Franzosen ein, aber mir war nicht nach reden zu mute. Und schon bekam ich einen schönen Anblick. Es ging ein Feldweg hoch und das erinnerte mich irgendwie an den Voralpen, da gingen wir auch einen matschigen, steinigen und mit nasser Wiese belegten Feldweg. Von der Ferne aus konnte man die Burg schon sehen, aber da wusste ich noch nicht das es dort rauf geht. Es ging wieder nur Schrittweise hoch bis zur nächsten Straße. Geschafft dachte ich und versuchte einen konstanten Schritt zu bekommen. Zwar ging auch die Straße nach oben und irgend wie wollte plötzlich ein Auto aus seiner Ausfahrt heraus, so das ich kurz einen Schrecken bekam, aber ich lief weiter. Ich sah den letzten Anstieg – bei KM 24. Nun wusste ich – Endspurt, da wird nicht mehr getrödelt und ich wendete meinen typischen Vorfuß-Trippel-Lauf an. Es verbraucht weniger Kraft und man kam lässiger nach oben. Das machte sich bemerkbar, weil einige auf einmal vor mir nur noch gingen und ich sie mit diesem Schritt überholte. Ich kam um die Kurve, ein Mann – vielleicht von der ORGA – lobte mich mit dieser Leistung und ich sah nach oben. Ich konnte auch schon die Lautsprecher hören und es trieb mich weiter und immer weiter bis ich den Fotografen sah. Ich versuchte zu lächeln und sah dann die Zeitmatte, hörte meinen Namen das ich es auch geschafft hätte und hielt dann nach der Zeitmatte an. Ich ging den Berg weiter hoch und sah auf einmal das gespannte Tuch mich Ziel drauf stehen, schaute zurück und überlegte was das davor wohl war und erkannte das ich noch nicht ganz das Ziel erreicht hatte. Oh mist dachte ich, nahm meine Beine und rannte noch mal los ins endgültige Ziel. So ein Missgeschick war mir ja noch nie passiert, das ich dachte ich sei im Ziel und hatte aber noch 50 Meter zu laufen.
Für mich dennoch ein schöner Landschaftslauf mit einigen Anforderungen. Ein herzliches Dankeschön an das Erdinger Alkoholfrei.

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (2 Wertungen)

Ja, die

Ja, die Kilometer-25-Markierung kann trügerisch sein ;)

Aber Glückwunsch zum absolvierten Lauf. Aber bei den Voraussetzungen aus der Heimat wohl keine Überraschung bei Dir?

Viele Grüße,
Vex

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VEX WÜTEND! ... MUSS ... BEZWINGEN ... IANBANKS!!!

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