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Nun ist eine Woche vergangen, mein Muskelkater hat sich verzogen und ich habe wieder etwas Zeit für euch.

Der Köln-Marathon war mein Ziel Anfang Oktober. Die ganze Strecke Party, so hieß es... und ich meldete mich an.

Ich habe gleich nach der Anmeldung ein schönes langes Wochenende mit meiner Frau Klaudia gebucht. 5 Tage (4 Nächte) Kölle. Da auch noch der 3. Oktober als Feiertag dazukam, war alles sehr arbeitnehmerfreundlich.

Wir sind am Freitag angereist, mit dem Medion-Navi haben wir auch sofort das Hotel gefunden. Eingecheckt und ausgepackt, und dann ab zur Marathon-Expo. Die Startunterlagen abgeholt, den Chip checken lassen, einen Smoothie am Sportscheck-Stand geschlürft und ab in die Altstadt.

So ein tolles Wetter... eine Jacke wäre nur Ballast.

Die Kölner Altstadt ist klasse, und der Kölner an sich verrückt... war echt schön.

Am Samstag dann zur Jogmap-Pasta-Party. Das war das erste Mal, dass ich an so etwas teilgenommen habe. War echt schön und ich habe mir noch einige Tipps holen können.

Am Sonntag, 11:30 dann das Rennen. Bis der Startschuss meines Blocks (orange ganz hinten) gefallen ist, war es schon 10 vor 12. Die Sonne brannte gnadenlos auf die Läuferschar hinab und zeigte sich von ihrer Sommerseite wie sie es den Sommer über kaum getan hat. Als Ziel hatte ich mir 4:30 vorgenommen (nicht km-Pace, sondern Gesamtlaufzeit). Aber schon bald merkte ich, dass es wohl nicht klappen wird. Die langen Strecken am Rhein entlang waren gar nicht so übel. Das erste Highlight kam im ersten Tunnel. Nachdem dieser mit Läufern gefüllt war, drang wie die La-Ola-Welle ein rhythmisches Klatschen von hinten an mein Ohr. Und bald klatschten alle im gleichen Rhythmus in die Hände... Gänsehautfeelingpur, sag ich euch.
Dann links ran. Die Blase drückte, und endlich war ein versteckter Grünabschnitt aufgetaucht, den viele andere Läufer auch nutzten. Beim Wiedereintritt ins Geschehen hielt mich aber eine gemeine Bodenschlinge auf. Fast wäre ich gestürzt, konnte mich aber gerade noch fangen...
Die Strecke war so angelegt, dass ich erstmals in meiner Marathon-Vita den schwarzen Express sehen konnte, der uns entgegenkam. Wahnsinn!!! Mit welch einer Eleganz und Geschwindigkeit diese Läufer alle anderen stehen lassen... Beim Kilometer 13,5 und 18,5 passierten wir unser Hotel und Klaudia gab alles, um mich zu motivieren. Ich nahm sie während des Laufens in den Arm, drückte sie und war total motiviert. Beim HM merkte ich aber schon, dass die Endzeit über der geplanten liegen wird. 2:17 bei km 21,1.

Aber die langen Passagen am Rhein waren vorüber und jetzt waren die Zuschauer dran, die Läufer nach vorne zu peitschen. Am Neumarkt war es klasse. Die Hobbyläufer liefen vom Rhein weg, während die <3 Std. bereits auf ihre letzten Meter zuliefen. Dann habe ich jegliche Orientierung verloren. Ich lief einfach nur noch mit. Und die Sonne lachte...

Ich versuchte mich, an andere Läufer zu halten, die die gleiche Geschwindigkeit liefen, und das klappte auch ganz gut. An den Verpflegungsstellen brauchte ich jedoch länger als andere und so habe ich viele Läufer wieder aus den Augen verloren. Bis Mitte der 30er lief ich nur von Quelle zu Quelle. Und die Sonne lachte...

Ich lief durch Fontainen aus Schläuchen, die die Organisatoren und auch Privatleute bereithielten, und mir war heiß. Und die Sonne lachte...
Eine Diskussion mit einer Helferin bei km 35 über "isoterische Getränke" schweifte ganz schön aus, bis ich mich erinnerte, dass ich ja noch weiterlaufen musste. Und die Sonne lachte...

Inzwischen waren die Top-Läufer im Ziel und der Kölner feierte bereits bei xten Kölsch sich selbst. Und so lag es an den Läufern, sich die Aufmerksamkeit des Publikums zukommen zu lassen. An der Strecke wurde mal wieder das Fliegerlied gespielt und ich sang aus vollem Hals mit: "Und ich flieg, flieg, wie ein Flieger und schwimm zu dir rüber... Heut ist so ein schöner Tag, la la la la la"
Und da merkten auch einige Zuschauer, dass das Läuferfeld noch nicht ganz durch war und sang mit und feierte auch wieder mal die Läufer. Von einigen Mitläufern habe ich zwar wirre Blicke geerntet, aber der Gesang hat mich befreit. Und die Sonne lachte...

Jetzt ging es wieder besser voran. Ich bog bald in die Hohe Gasse, eine der Haupteinkaufstrasse Kölns ein, links und rechts waren Absperrgitter aufgestellt, doch hinter den Gittern war es leer. Wo waren die Zuschauer?
Ich brüllte: "Köln, wo seid ihr? Es wird noch gelaufen!" und die wenigen Menschen (Läufer mit grünen Medaillenbändern am Straßenrand) beklatschten uns. Ab zum Dom, Zuschauer ohne Ende, aber auch die mussten animiert werden. Und so spielte ich mal wieder den Entertainer, forderte La-Ola, brüllte alle an und... alle sangen auf einmal und applaudierten auch denen, die jetzt erst kamen. Und die Sonne lachte...

Nun zur Deutzer Brücke, das Kopfsteinpflaster hatten wir hinter uns und der Teufel war auch ganz schön fertig, der hat auch schon einige Stunden gearbeitet :-) Und die Sonne lachte...

Die Brücke hoch... bis zu Scheitelpunkt wurden wir von Zuschauern gefeiert, selbst die Kinder riefen "noch 500m, dann gibt's Lecker Kölsch". Ab dem Scheitelpunkt der Brücke war alles still. Ich hörte nichts mehr von außen. "Plitsch, schmatz". Was waren das für Geräusche? Ich versuchte zu lokalisieren, wo die herkamen, aber ich kannte kein Instrument, welches sich so anhört. Dann merkte ich erst, dass es meine Schuhe waren, die total durchnässt diese Gräusche produzierten. Und dann sah ich die ersten Zuschauer, die mich ins Ziel trugen, und... Klaudia. Sie stand als Erste auf meiner Seite kurz vor dem Ziel. Ich hin, freute mich, sie zu sehen, gab ihr einen dicken Kuss und weinte fast vor Freude. Jetzt noch Aufrecht zum Endspurt. Aua, Wade... langsam anlaufen und nur etwas schneller werden. Dieser kurze Abstecher zu meiner Frau tat dann ganz schön weh, aber ich bin ein ganzer Kerl!!!

Mit Highspeed über die Ziellinie und vielen anderen Läufern um den Hals gefallen, die diese Hitzeschlacht auch überstanden haben.
Am Ende der Brücke habe ich übrigens meinen 1000sten Jahreskilometer absolviert, so viel bin ich noch nie im Leben in einem Jahr gelaufen...
Und nun konnte die Sonne auch für alle lachen, am meisten aber für mich.
Es ist echt ein Wahnsinn, wenn man durch den Zielbereich geht und die Medaille umgehängt bekommt. Fast jeder musste schlucken und ich weinte wieder mal hemmungslos über das Geschaffte, wie viele andere auch. Die Zielverpflegung habe ich fast ausgelassen (bis auf 1 Stück Apfel und 1 Becher alkfreies Kölsch). Ich hatte auf der Strecke so viel gegessen und getrunken, dass ich nix mehr reinbekam.
Beim Verlassen des Zielbereichs traf ich Klaudia und wir gingen zur Straßenbahn und fuhren gleich zum Hotel, wo wir meine Ankunft mit einem schönen Gläschen Sekt feierten.
Mir ging es gut, bis auf etwas mehr Hornhaut und 2 Blasen, für die die nassen Füße verantwortlich waren.

Das war mein Bericht des Köln-Marathons, den ich mit 4 Stunden 58 Minuten abgeschlossen habe (mehr war für mich nicht drin an diesem sonnigen Tag). Aber, und das ist für mich ganz wichtig: Ich bin die 42,195 km gelaufen, jeden einzelnen Meter (bis auf die Stopps an den Stationen).

Bisher habe ich nie einen Trainingsplan gelesen bzw. bin danach gelaufen. Ab dem nächsten Jahr möchte ich jedoch nach einem Plan trainieren, um so vielleicht auch mal etwas früher anzukommen.

Ich möchte mich bei allen Jogmappern bedanken, die ich in Köln getroffen habe (war echt nett), sowie bei Alex, Sabrina, Uwe, dem behandschuhten Japaner, dem Mädchen mit dem schwarzen Zopf, Dirk und seinem Kumpel mit Nürburgring-Trikot, die mich auf vielen Kilometren begleitet haben.

Ich wünsche euch allen noch einen schönen Sonntag. Die Sonne lacht auch für euch.

Euer Thomas

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hallo thomas,

ich gratuliere dir von herzen zu deinem köln-M-finish!
den blog haste echt so aus dem herzen geschrieben, daß ich beim lesen richtg spaß hatte. danke!
einen schönen sonntag dir - christiane

Lust auf Köln

Hallo Thomas,

erstmal herzlichen Glückwunsch zum finishen!! Großartige Leistung!!

Dein Bericht hat richtig Lust auf Köln 2012 gemacht!!

Aber eins ist deinem Bericht nicht ganz so gut rauszulesen gewesen: Das Wetter!! Hat es geregnet?? :-)

Viel Spaß weiterhin....

"Ein Leben ohne Hunde ist denkbar, jedoch sinnlos"

Erstling

Mein Erstling war auch in Köln und ich bin noch tagelang geschwebt, ich kann es dir also gut nachempfinden.

Glückwunsch zum gelungenen Debüt!! Zielzeiten sind beim Erstling völlig unwichtig. Du hast alles richtig gemacht und konntest deinen ersten Marathon genießen, wetten, dass noch weitere folgen werden???

Willkommen im CLub ;-))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

@strider

@strider, dies war schon mein 3. Hobbylauf über 42,195 km.
Aber die Atmosphäre ist immer, egal wo, einmalig. Und das Jahr 2012 habe ich auch schon verplant :-)

Ein Schönes WE

Mit einem Happy End schon in der Mitte, Scheiß auf die Zeit, du hast es geschafft, viele andere nicht, so auch ich ein Jahr zuvor. Denk an das Feeling. Jeder Lauf, der schneller ist wird das gleiche hervorrufen.
Marathon macht süchtig, also bitte mit vorsicht zu geniessen ;-).

Gruß Jürgen

Du hast Dich bis zum Ziel durchgekämpft

und dabei noch eine Menge Spaß gehabt. Das zählt - die Zeit ist für das magere Training doch auch ganz respektabel! Genieß die Zeit - und trainiere beim nächsten Mal ein wenig planvoller!

War nett Dich und Deine Frau bei der Vorlaufpasta zu treffen.

Viel Spaß und viele schöne Läufe weiterhin.

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