Benutzerbild von KannNix83

Vorbei ist sie. Eine Saison mit wenigen Tiefen und einigen Höhen. Dennoch war diese Achterbahnfahrt keinesfalls einfach. Das erste Mal in meinem Läuferleben suchte mich eine Verletzung heim, gefolgt von einer weiteren. Aber beginnen wir von vorne. Mit einer möglichst kurzen Zusammenfassung der Saison und einer ausführlicheren Betrachtung meines Saisonhöhepunkts, des Halbmarathons in Köln.

Nach einem durchaus guten Wintertraining – zumindest fühlte es sich so an – entschied ich mich spontan dazu, am 1. Mai an einem Volkslauf über zehn Kilometer teilzunehmen. Auch wenn mich wenige Tage zuvor mein Magen-Darm-Trakt ärgerte und der Wind den Läufern an diesem Tag um die Ohren peitschte. Vier Runden kämpfte ich mich immer weiter in Richtung Spitze. Am Ende gewann ich das Ding tatsächlich, auf der Zielgeraden holte ich mir den Sieg. In einer Zeit von 37:28 Minuten. Damit hatte ich mich um über eine Minute verbessert. Ein tolles Gefühl, dass das Wintertraining so angeschlagen hatte.

Einen Staffellauf beim Düsseldorf-Marathon später stand auch schon der erste Saisonhöhepunkt auf dem Programm, der Halbmarathon in Duisburg. Angestrebte Zeit war 1:24:00 Stunden, am Ende überraschte ich mich erneut selber. Nach 1:20:14 Stunden flog ich durch’s Ziel und reihte mich auf dem 16.Platz ein. Ein surreales Gefühl. Das Ziel war klar. Im Oktober sollte diese Zeit zumindest bestätigt werden, besser noch: Die 80-Minuten-Grenze sollte in Köln fallen.

Und dann traf es mich. Zunächst zerrte ich mir meinen Oberarmmuskel bei einem Sprint im Schwimmtraining. Als dies nach mehreren Wochen auskuriert war, schmerzte - nach dem Helfen bei einem Umzug - mein rechter Fuß. Das stundenlange Treppenlaufen mit schweren Kisten in zu lockeren Schuhen schien eine Überlastung ausgelöst zu haben. Drei Wochen quälte ich mich nun täglich auf dem Spinningrad im Fitnessstudio meines Vertrauens. Die Form behielt ich zwar, aber meine Beinmuskulatur dankte es mir nach dem ersten Testlauf. Zumindest hielt der Fuß, zudem schien es sich ‚nur‘ um eine Bänderdehnung gehandelt zu haben. Aufatmen, denn das nächste Highlight stand kurz bevor:
Mein klammheimlicher Wechsel in den Triathlonsport, mit dem Bewältigen meiner ersten Olympischen Distanz beim Debüt des T³ in Düsseldorf. Eine Woche vor diesem Event war ich wieder fit und konnte durchpusten. Und es war ein voller Erfolg. In einer für mich guten Einsteigerzeit von 02:34:57 beendete ich das Rennen.

Es folgten weitere kleine Wettkämpfe, hauptsächlich für den Formerhalt. Im September konnte ich jedoch einen weiteren Angriff auf meine Bestzeit über zehn Kilometer erfolgreich abschließen. Beim Kö-Lauf in Düsseldorf erreichte ich eine Zeit von 37:12 Minuten. Eine gelungene Generalprobe für den nun anstehenden Halbmarathon durch die Kölner Innenstadt.

Sonntag, 02. Oktober 2011, 4:30 Uhr. Mein Wecker klingelt. Ich habe gut geschlafen. Ein Tatsache, die mich schlagartig unruhig macht. Ich schlafe nie ruhig, wenn ich gut vorbereitet bin. Das war auch in der Schule schon so. Je höher die Nervosität, desto besser die Vorbereitung. Eine Gleichung, die bisher immer aufgegangen ist. Ehe ich mich versehe, sitze ich bereits im Zug gen Köln und steige wenig später in Deutz aus. Die ‚Örtlichkeiten‘ auf dem Marathongelände sind wie immer überfüllt. Früh genug anstellen ist die Devise. Trotzdem finde ich mich erst knappe drei Minuten vor dem Beginn des Rennens am Start wieder. Auf der falschen Seite der Startblöcke! Leichte Panik macht sich in mir breit. Noch eine Minute, verkündet die Stimme aus den Lautsprechern. Ich hetze vor den Startblöcken über Gitter und Absperrungen und treffe noch rechtzeitig in meinem Startblock ein. Leicht aus der Puste, so hatte ich aber zumindest das noch fehlende Aufwärmprogramm absolviert. Eine kurze Verzögerung später fällt der Startschuss, das Rennen beginnt. Die ersten Kilometer ziehen wie immer vorbei. Zu Beginn sehe ich noch die ‚Hahner Twins‘, die beiden weiblichen Nachwuchstalente, allerdings verliere ich diese auch schnell aus den Augen. Gut so, ich laufe mein Tempo! Nach acht Kilometern liege ich gut in der Zeit, als eine Gruppe von vier weiteren Halbmarathonis auf mich aufläuft, unter ihnen ein Feuerwehrmann. Mit diesem übernehme ich von nun an abwechselnd die Führungsarbeit. Die anderen Läufer müssen nach wenigen weiteren Kilometern wieder abreissen lassen. Wir hingegen funktionieren wie ein Uhrwerk. Der Rest ist schnell erzählt: Die Deutzer Brücke, kurz vor dem Ziel, riss uns auseinander. Ich erreichte das Ziel knappe drei Sekunden vor dem Mann in Rot, in meiner neuen persönlichen Bestzeit von 1:19:27 Stunden. Und bis heute bekomme ich das Strahlen nicht aus dem Gesicht. Die Vorzeichen – besonders die Hektik vor dem Start - waren alles andere als gut, im Nachhinein betrachtet war dieser Halbmarathon aber mein bisher komplettestes Rennen.

Nun geht es für mich in die verdiente Winterpause und in den Formaufbau für 2012. Dort stehen diverse Volksläufe, erneut zwei Halbmarathons und diesmal mehrere Sprint- und Olympiadistanzen im Triathlon auf dem Programm. Bevor ich mich im Jahr 2013 an den Marathon heranwagen will. Aber noch sind die Demut und der Respekt zu groß.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

???

ich hab jetzt nur das ende gelesen
aber Du hast definitiv den falschen nick
kannix und ne HM-1:19
dat gibbet doch nich?

fettes lob
und gute erholung in einer anderen liga!

The goal of science is to build better mousetraps, the goal of nature is to build better mice!

Klasse!

Ich find Deinen langfristigen Trainingsaufbau/Wettkampfplan und die daraus resultierenden super Wettkampfzeiten einfach klasse!
Da werden wir noch einiges von Dir hier lesen hoff ich!
Wünsch Dir weiterhin verletzungsfreie erfolgreiche Läufe.

Lieben Gruß Carla-Santana

Vielen Dank an euch beide

Vielen Dank an euch beide :-)

Lieber Gruß
Kai

:0)

... ja Junge... du bist hier so ein "Kracher" in JM, der mich überzeugt ;0)...
Gefällt mir was du so schreibst und machst...

Pass auf dich auf und achte auf deine Knochen !

;0) Kaw.

Schluck

1:19???

Wahnsinn. Untertänigen Respekt und tiefe Verbeugung.

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Und das alles ohne

Und das alles ohne Trainingsplan ;-)

Danke jedenfalls für die lieben Worte und Glückwünsche. Hoffe, ich komme bald auch mal in den Genuss, den ein oder anderen von euch persönlich kennenzulernen.

Lieber Gruß
Kai

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links