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Auch wenn der swb-Marathon in Bremen nicht zu den größten unserer Republik zählt, ist er sicherlich einer der schönsten. Die Strecke am 02. Oktober 2011 war toll. Nicht nur die Altstadt, in der Start und Ziel lagen, auch die anderen zum Teil sehr grünen Streckenabschnitte sind einfach sehenswert. Die Organisation der Veranstaltung war aus meiner Sicht nahezu perfekt. Sicherlich gibt es immer Kleinigkeiten, die verbessert werden könnten, aber die wären m.E. nicht der Rede wert.

Der Marathon selbst war aufgrund der relativ hohen Temperaturen (26 Grad) für die Läufer mehr als grenzwertig. Für die zahlreichen Zuschauer, die alles gegeben haben, um jeden Einzelnen förmlich ins Ziel zu tragen, hätte es besser nicht sein können.

Ich persönlich hatte relativ frühzeitig - schon ab km 15 - mit Hüftproblemen zu kämpfen, die ich aber im weiteren Verlauf in den Griff bekommen habe. Viel gravierender war die Tatsache, dass mein Pacemaker taktisch ganz anders gelaufen ist, als ich mir das vorgestellt hatte. Er war den ersten Teil relativ schnell angegangen, so dass wir bei der Halbmarathondistanz bereits 3 Minuten vor unserer Sollzeit waren. Diese war ursprünglich, unter vier Stunden zu bleiben. Leider musste ich der hohen Anfangsgeschwindigkeit und den Temperaturen Tribut zollen und bin bereits bei km 27 völlig übersäuert eingebrochen.

Hier war der Punkt erreicht, wo ich ans Aufgeben gedacht habe. Allein die Tatsache, dass u.a. meine 11-jährige Tochter im Ziel auf mich warten würde, beflügelte mich so sehr, dass ich die Zähne zusammen gebissen habe und doch weitergelaufen bin. Natürlich war das Erreichen meiner Wunsch-Zielzeit nun nicht mehr drin, aber es war ja der 1. Marathon. Das Durchhalten genoss daher ab diesem Zeitpunkt absolute Priorität. Die Laufpausen an den Versorgungsstationen wurden entsprechend immer länger. Ich hangelte mich von Wasserstelle zu Wasserstelle.

Endlich bei km 38 angekommen! Dieser Punkt war auf Höhe der Mittellinie im Weserstadion (ein Highlight für jeden Fußballfan). "Den Rest werde ich wohl auch noch schaffen." "Ab hier", so mein Gedanke, "geht es direkt in Richtung Ziel." Also: Links hinaus durch das Marathontor zur Rampe West, den Deich hinauf. Aber genau hier passiert mir ein folgenschwerer Fehler: Ich hatte nur noch den sog. Tunnelblick und bin schnurstracks geradeaus in Richtung Rampe gelaufen. Dabei habe ich aber eine Schleife über den Parkplatz übersehen, die ich hätte laufen sollen. Hier hätte der Streckenverlauf m.E. etwas besser gekennzeichnet sein können. Nachdem ich meinen Fehler erkannt hatte, bin ich also umgekehrt, um auch die Schleife zu laufen. Andernfalls wäre möglicherweise eine Disqualifikation die Folge gewesen. Dieser Umweg hat mich ungefähr 50 Sekunden gekostet - sehr ärgerlich.

Nun wieder auf dem rechten Pfad, ging es also endlich die steile Rampe hinauf zum Osterdeich. Die letzten Kräfte galt es hier zu mobilisieren. Die meisten Teilnehmer hatten hier bereits das Laufen eingestellt und waren zu Gehern mutiert. Auch ich musste nach der Rampe kurz inne halten. Sie hatte einfach zu viel Kraft gekostet, diese Rampe. Nach ein paar Metern ging es dann aber wieder. Ich nahm den Lauf wieder auf. Irgendwo, kurz vor km 40 muss es gewesen sein, stand ein Zuschauer, der uns allen noch einmal richtig Kraft gegeben hat, in dem er lautstark eine letzte Versorgungsstation in 300 m Entfernung ankündigte - ein Rettungsanker.

Endlich war das Ziel in greifbarer Nähe. Ich nahm mir vor, auf dem letzten km noch einmal alles zu geben und lief diesen mit einer Pace von unter 5 Minuten. Ich war selbst überrascht, was der Körper nach rund 41 km noch so mitmacht, trotz der für meine Verhältnisse hohen Anfangsgeschwindigkeit, der nahezu hochsommerlichen Temperaturen, der Extrarunde nach dem Stadion und den "normalen" Beschwerden eines jeden Marathoni.

Der Lohn der Strapazen war das Wissen, dass die aufwendige - wenn auch recht kurze - Vorbereitung nicht umsonst war, es tatsächlich geschafft zu haben, über seine Grenzen hinaus, trotz aller Umstände. Ein tolles Gefühl!

Nun ist erst einmal Regeneration angesagt, denn der nächste Marathon kommt bestimmt ...

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (2 Wertungen)

Ich gratuliere Dir ganz herzlich

zu Deinem ersten Marathon-Finish! Super gekämpft und wieder mal bewiesen: Marathon läuft man auch mit dem Kopf und nicht nur mit den Beinen! Deine Tochter war bestimmt stolz auf Dich - und Du darfst es auch sein. Auch wenn das mit dem Tempo bei dem Wetter bei Dir nicht so geklaptt hat: Du bist Finisher!

Erhol Dich gut und hab weiter viel Spaß bei Deinen Läufen!

Meistens

...ist der erste Marathon zum Lernen.
Das du durchgelaufen bist ist o.k. aber wieso denn noch zum Schluss spurten?

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