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Was ich zum Geburtstag – meinem 70. – von meiner Familie geschenkt bekommen hatte, vor vier Monaten, das wurde jetzt endlich realisiert: der gemeinsame Staffel-Lauf im Rahmen des Köln-Marathons: zwei meiner Kinder, meine Schwiegertochter und ich, und jeder mit ungefähr einem Viertel an der Marathon-Strecke beteiligt.

Leider wurde der Marathon in Köln spät gestartet (offiziell um 11:30 Uhr; die Staffel de facto um 11:45 Uhr). Frisch und kühl war es für mich als Startläufer schon nicht mehr, aber erträglich - ich schätze so ungefähr 25 Grad. Die Last der für Anfang Oktober ganz ungewöhnlichen Hitze hatten - in aufsteigender Folge – Ute (Tochter – einziges Nicht-jogmap-Mitglied der Staffel), Carina (Schwiegertochter: „colognerunner 03“) und Thilo (Sohn: „colognerunner23“) zu tragen.

Nachdem ich die Startlinie nach dreißigmütiger, an vorsätzliche Körperverletzung grenzende Beschallung (mein Startblock befand sich unmittelbar vor einer riesigen Lautsprecher-Säule), angereichert durch lockere Sprüche der Damen Sabrina Mockenhaupt und Anni Friesinger-Postma endlich queren durfte, war es auf meiner Teilstrecke ein sehr schöner Lauf. Obwohl ich seit 40 Jahren in Köln wohne, habe ich erstmals einen Teil des Kölner Nordens zu Fuß erlebt. Ich hatte nicht erwartet, dass die Straßenbäume an der Rheinuferstraße und der Boltensternstraße so viel Schatten spenden würden; merkwürdig nur, dass viele LäuferInnen ausgerechnet den sonnigen Teil der breiten Straße suchten. Und die Straßen waren immer gesäumt von Zuschauern, nicht gerade in Dreierreihen hintereinander, aber dafür um so beifallsfreudiger und motivierender - auch das hätte ich den Kölner "Nordlichtern" nicht zugetraut.

Ich bin wieder mal an meiner individuellen Grenze gelaufen - Herzfrequenz ständig bei 172, schon ab Kilometer 3, und das bedeutet über 92 % - ähnlich wie beim kürzlichen, hügeligen Halbmarathon in Irland, und mit einer – im wahrsten Sinne des Wortes! – „atem(be)raubenden“ Konstanz: kein Kilometer langsamer als 6:05 (nach dem Start), keiner schneller als 5:50 (km 2). Mit 1:04:14 Stunden für 10,7 km war meine Teil-Zeit trotzdem mäßig bis schlecht - der hohen Temperatur geschuldet.

Fast hätte ich meinen Wechsel zu Ute verpatzt. Die Veranstalter haben die Staffelläufer kurz vor dem Wechsel von der Rheinuferstraße direkt hinunter an den Rhein zur Bastei abgeleitet, weil oben an der Straße kein Platz für die Wechselzone verfügbar sei, was eine merkliche Verlängerung der Strecke ausmachte. Hätte Ute mich nicht entdeckt, gerufen und am Arm festgehalten - ich wäre an ihr vorbeigelaufen, so groß war das Gedränge der Läufer, ihrer Freunde und Fans und der Verkaufsstände an der Bastei. Oben, auf der breiten Rheinuferstraße, der eigentlichen Marathonstrecke mit der „Blauen Linie“, wäre genügend Platz zum Wechseln gewesen, aber wahrscheinlich keiner für Verkaufsstände! Beim dritten Wechsel von Carina zu Thilo war es nach Ableitung von der Marathonstrecke ähnlich chaotisch – und die Strecke für die Staffeln wieder um mindestens 100 Meter verlängert - im Vergleich zu den Einzelläufern. Da alle Staffeln grundsätzlich gleiche Bedingungen vorfanden, war es wenigstens keine Wettbewerbsverzerrung – abgesehen von den cleveren Staffeln, die außerhalb der vorgegebenen Zonen an der Hauptstrecke wechselten, wie mehrfach zu beobachten war. Nur der zweite Wechsel von Ute zu Carina funktionierte problemlos - direkt am Rande der Haupt-Marathonstrecke zwischen Heumarkt und Neumarkt.

Wenn ich – ja doch nur in kleinen, vernachlässigbaren Details die Perfektion der Kölner Marathon-Organisatoren in Frage stelle, dann muss ich auch zugeben, dass wir selbst ein gehöriges Eigentor bei der Vorbereitung geschossen haben. Thilo hatte eigene Trikots mit Beflockung ("Lauf doch eine met ..." – unser Staffel-Name) bestellt, die wir abends vor dem Lauf anlässlich der Team-Besprechung - bei Pizza à la Peter Greif statt der üblichen Pasta - anprobierten. Es stellte sich heraus, dass die Trikots - gerade für hohe Temperaturen - völlig ungeeignet waren: viel zu warm; und störend vor allem der eng geschnittene Rundhalsausschnitt. So sind wir denn alle vier individuell jeder im Trikot seiner Wahl gelaufen - von schwarz (ich) über pink (Ute) und neongelb (aber so richtig knallig: Carina und Thilo). Treffen wollten wir uns nach der Staffel am Ziel, um mit den "Lauf doch eine met ..."-Trikots ein Team-Foto zu schießen. Das scheiterte an Ute, die nicht mehr erschien, weil sie ihr Fersensporn zu sehr plagte. Es ist also schon ein großes logistisches Problem, vier LäuferInnen unter einen Hut (bzw. in ein gemeinsames Trikot geschweige denn auf ein Bild) zu bringen!

Wenn ich dazu noch bedenke, dass ich um 8:45 Uhr das Haus verlassen habe und dass wir erst um 18:30 aus Köln zurückgekehrt sind - Entfernung Luftlinie 10 km - und dass ich davon gerade mal eine Stunde gelaufen bin, dann ist das ein riesiger Aufwand gewesen: Busfahrt hin- und zurück (gesponsort durch die KVB), aber vor allem die Fußwege zwischen den einzelnen Wechseln: nach meinem Lauf bin ich von der Bastei (Wechselzone 1) zum Neumarkt (Wechselzone 2) gegangen, um Carina bei ihrem Warten auf Ute Gesellschaft zu leisten; danach bin ich nach Deutz zum Ziel gepilgert, um Thilos Einlauf mitzuerleben, was wir allerdings wegen unvorstellbaren Gedränges nicht sehen konnten (den Ziel-Durchlauf); gefunden haben wir ihn dann doch noch.

Das Ziel haben wir mit Anstand erreicht als 182. von 369 gewerteten Staffeln mit einer Netto-Zeit von 4:13:58 Stunden. Die ursprünglich geplante Ziel-Zeit unter vier Stunden hatten wir uns schon vorher aus dem Kopf geschlagen wegen der Hitze.

Der langen Rede kurzer Sinn: es war ein grandioses Erlebnis und ein unwahrscheinliches - im statistischen Sinne - dazu. Es ist schon nicht einfach für einen Einzelläufer, am Starttag gesund zu sein. Bei einem Team von vieren ist die Wahrscheinlichkeit schon sehr viel größer, dass sich mindestens einer vor dem Lauf verletzt oder krank wird. Wir haben diesmal Glück gehabt, dass es im Vorfeld nur kleinere Wehwehchen gab - übrigens bei allen vieren: von Fersensporn über Knieprobleme bis hin zu Adduktorenzerrung.

Ich bin gespannt, was die anderen drei in der nächsten Zeit, wenn sich alles ein bisschen gesetzt hat, von unserem gemeinsamen Lauf-Abenteuer halten.

Mein Traum wäre es, nächstes Jahr mit einer "Drei-Generationen-Staffel" an den Start zu gehen. Ich wäre als Opa und Vater unverzichtbar: aus meiner Generation ist nur ein Läufer verfügbar. Von den anderen drei der diesjährigen Staffel müsste eine(r) aus- und dafür eines von meinen vier Enkelkindern eingewechselt werden: 15, 13 und zweimal 11 Jahre alt – da müsste sich doch eine(r) breitschlagen lassen.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Perfekte Finish-Zeit bei dieser Hitze!

Sie ist fast identisch mit meiner vom letzten WE;-)

Ich gratuliere Euch ganz herzlich zu Eurem sehr erfolgreichen Staffellauf! Denn wie Du schon sagst, eine Staffel aufzubauen ist gar nicht so einfach und die Übergabe meistens ein ziemlich zeitraubendes Problem. Trotzdem ist solch ein Erlebnis etwas ganz besonderes. Habt Ihr doch GEMEINSAM ein tolles Ziel erreicht, worauf Ihr stolz sein dürft! Und dann seid Ihr nicht mal irgendeine Staffel, sondern eine Familienstaffel. Großartig!!! Du hast Recht, nächstes Jahr sollte ein Enkelkind von Dir mitlaufen, das wäre perfekt.

Übrigens haben wir 4 Langlinger es beim Berlin-Mara auch nicht geschafft, alle aufs Bild zu kommen. Ich habe getrödelt und so werden zwar 4 namentlich genannt, aber nur 3 sind auf dem Foto in unserem Käseblatt. Aber damit kann ich gut leben, bin ich doch bekannt wie ein bunter Hund in unserem kleinen Ort;-)

Herzliche Grüße an die ganze Staffel
von Tame
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

Glückwunsch

Das liest sich toll und war auch bestimmt toll.

Freut mich sehr für Euch, und für den Generationenlauf drück ich Euch die Daumen
Liebe Grüße
Diaboli

Familienstaffel

ist immer eine prima Sache, habe ich bislang mit meiner Brut nur beim Triathlon hinbekommen ;-)

Herzlichen Glückwunsch! Die Bedingungen waren echt hart, und für die Staffelläufer war es auch nicht immer einfach sich zwischen den sonstigen Läufern hindurchzuschlängeln. Ein tolles Geburtstagsgeschenk für den 70. ;-) Bei der Gelegenheit auch dazu herzlichen Glückwunsch nachträglich. Wenn ich mit 70 überhaupt noch laufen kann, fänd ich das schon Klasse, also meinen Respekt!

Und Glückwunsch zu "deiner" Stadt. Ich habe vier Jahre in Köln gelebt und es ist nach wie vor meine Lieblingsstadt - nicht nur aber auch für den Marathon. In keiner anderen Stadt habe ich so ein begeistertes und motivierendes Publikum erlebt!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Meinen höchstens Respekt

Meinen höchsten Respekt für diese Leistung! :-))
Allerdings hättest Du Dir lieber ein gemeinsames Fotoshooting zum 70igsten schenken lassen sollen, das ist weniger anstrengend :-)) Spaß beiseite, es ist wirklich toll zu lesen wieviel Spaß Dir das bereitet hat. Ich kann wohl mit 29 nicht auf Enkel machen, aber wenn ich einer derer wäre, wäre ich im nächsten Jahr sofort dabei :-)
Viel Erfolg beim "rekrutieren" der Sprösslinge!

Viele Grüsse!
Miriam

Staffeln

Hallo Altwalker,
für Euch steht ja sicher das erfolgreiche FamilenEreignis im Vordergrund, herzlichen Glückwunsch an Dich und Deine Familie zu der guten Zeit. Bei der Hitze nicht selbstverständlich.
Vor zwei Jahren bin ich mit Freunden in Frankfurt die Staffel gelaufen - es hat uns allen nicht soooo gut gefallen. Die Logistik war sehr schwierig, ich hatte die zweite Strecke und war mehr mit der S-Bahn zum Start und anschließend zur Festhalle unterwegs als ich laufen musste. DAnn wollte man natürlich die Erste starten sehen und die Letzte ins Ziel laufen. Es war stressig aber auch ein schönes Erlebnis.
Ihr werdet sicher im nächsten Jahr die 3-Generationen-Staffel schaffen.
Pat

Generationenstaffel

Hallo Alterwalker!

Gatulation zu der tollen "Generationenstaffel" und zu dem tollen Bericht.
Fande auch, dass wir im Kölner Norden von sehr vielen euphorischen Menschen angefeuert worden sind.
Für die Zuschauer / Wasserträger war die neue Strecke sicherlich schöner, um uns Läufer an mehreren Stellen als die Jahre zuvor zu sehen.
Für die Läufer war die neue Strecke nicht so abwechslungsreich, dafür aber sicherlich etwas schneller.
Wünsche allen Läufern noch eine gute Erholung.

Gruß
Rudi007

Familienstaffel

Tolle Sache! Obwohl die meine durchaus zahlreich ist, würde das bei uns wohl nicht klappen.
Von daher: Glückwunsch zur laufwütigen Familie! Und ich fang schonmal an mit Daumendrücken für die Generationenstaffel!
Viele Grüße, Conny

glückwunsch "alter"

zum tollen geschenk mit toller familie und tollem erlebnis
und ich drück auch die daumen daß das im nächsten jahr noch getoppt wird durch 3 generationen

so wie Du drauf bist könnte man sich momentan auch noch in 20 jahren eine 4generationen staffel vorstellen!

ich fand auch diese strecke am rhein erstaunlich "abwechslungsreich" durch doch unerwartet recht viel zuschauerzuspruch und schatten der bäume
dafür war kurz nach dem abbiegen vom rhein so bei km19 erst mal ein paar hundert meter tote hose, naja, aber ok

The goal of science is to build better mousetraps, the goal of nature is to build better mice!

Gratulation zur erfolgreichen Familienstaffel!

So wie Du es schreibst war es ein tolles, wenn auch anstrengendes, Erlebnis. Logistisch scheint es ja halbwegs hingehauen zu haben.

Hey, mit 70 möchte ich auch noch so laufen können! Klasse gemacht! Vielleicht lässt sich ja eins der Enkel für's nächste Jahr begeistern, das würde ich euch allen wünschen.

Und jetzt erholt euch gut von den vielen Eindrücken und der körperlichen Leistung.

Generationen-Staffellauf

Lieber Heiner,
Deine Erzählungen sind klasse. Schön, dass Dein Geburtstagsgeschenk aufgegangen ist, das freut mich.
Vielleicht gelingt es uns beiden ja, am 22.04.2012 den Halbmarathon in Bonn darzustellen.
http://www.deutschepost-marathonbonn.de/
Liebe Grüße
Jan

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