Benutzerbild von wubbel75

Gestern in Köln habe ich eine neue Erfahrung gemacht, die mich hoffentlich stärken wird. Der Lauf durch die Jeckenstadt wurde schon vom ersten Kilometer ein Kampf gegen den Willten. Morgens um 9.00 Uhr fuhren wir in Richtung Köln los. Ich war tierisch aufgeregt und hatte da schon ein komisches Gefühl im Magen. Die Anreise war unkompliziert und die Organisation in Köln ist echt toll. Parkplatz sofort gefunden, mit dem Shuttlebus zur Startunterlagenausgabe und dann ging es los. Ein Nachteil waren die Temperaturen. Im Startblock wurde das Gefühl im Bauch stärker, tat es aber als Aufregung ab. Die Sonne schien "gnadenlos" und ich schnorrte mir etwas Sonnencreme. Dann ging es los, die Stimmung war gut ich war sehr zuversichtlich die Zeit von 4:30 Stunden halten zu können, bzw. sie zu unterbieten. Doch schon nach den ersten Kilometer kamen Zweifel auf. Bei Kilometer 2 ging es durch eine Unterführung und mein Puls lag schon bei 156. Was ungewöhnlich ist, da ich ansonsten eher einen ruhigen Puls habe. Ich drosselte sofort mein Tempo und hielt mich an meine selbst aufgestellten Vorgaben die ganze Sache ruhiger anzugehen. Mein Puls beruhigte sich zwar nicht deutlich, ich fühlte mich aber besser. So vergingen immer mehr Kilometer und ich sah, dass die Zeit zu schaffen ist. Doch dann bei Kilometer 14, der Schock. Das Gefühl im Magen entwickelte sich immer mehr zu einem Krampf der sich nicht lösen wollte. Bei Kilometer 15 war es dann soweit. Ich wurde zur ersten Laufpause gezwungen. Meine Gedanken überschlugen sich. 16 Kilometer und schon eine Laufpause, bis 42 sind...... Oh scheiße, das wird ein Kampf. Nach einer kleinen Trinkpause versuchte ich weiterzulaufen und es funktionierte. Allerdings mit einem sehr hohen Puls. Der pendelte sich bei 175 ein, was, wie schon gesagt, für meine Verhältnisse sehr hoch ist. Bei Kilometer 18 kamen die ersten Zweifel auf ob ich es schaffe. Der Schmerz in der Magengegend wurde unerträglich und ich erklärte meiner Frau, dass ich bis 31 laufe und mir dann überlege ob ich durchlaufe. Nach einen kleinen Vitaminschub ging es weiter. Bis Kilometer 22 konnte ich locker und leicht laufen. Der Puls wurde ruhiger und ich hatte das Gefühl, dass es besser wird. Jede Trinkstelle wurde gut genutzt und ich hatte den Eindruck: Es wird besser. Trotzdem lief ich weiterhin auf Sparflamme um die Reserven nicht frühzeitig aufzubrauchen. Leider belehrte mich mein Körper eines Besseren. Bei Kilometer 26, kurz nach einer Versorgungsstelle, überfielen mich Seitenstiche in der rechten Seite. Die waren so stark, dass an ein Weiterlaufen nicht mehr zu denken war. Also brach ich ab. Ich ging nur noch. Zunächste lief ich im Trauerschritt und ich war am Boden zerstört. Auf einmal überholte mich ein "Walker", dem wahrscheinlich das gleich Schicksal ereilte, und ich sage mir, wenn nicht joggen, dann sehr zügig gehen. Das tat ich auch. Während der ganzen Zeit war ich mit Rechnen beschäftigt und ich musste immer wieder die Zeit nach unten korrigieren. Hin und wieder versuchte ich zu joggen, doch nach ca. 500 Metern war der Schmerz in der rechten Seite wieder zurück und ich musste wieder gehen. Ich überlegt mir, dass es doch eine ganz gute Methode ist um durchzukommen. So lange joggen bis die Schmerzen zurückkommen und dann wieder gehen. Das zog ich dann auch durch. Ich lief, ich ging. Mal lief ich 500 m, dann wieder nur 400 m, dann wieder 600 m. Diese Strategie wendete ich bis ca. Kilometer 39 an. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Zwischendurch fing die linke Seite an zu zwicken, was mich aber nicht von meinem Vorhaben abhielt die Stecke zu schaffen. Bei Kilometer 31 gab ich sämtliche Dinge ab (Getränke, MP3-Player, Pulsband) um ohne Druck laufen zu können. Nur meine Uhr behielt ich, da ich die Zeit im Auge behalten wollte, auch wenn ich kaum noch Einfluss darauf hatte. Bei Kilometer 39 war der Vorsprung die fünf Stundenmarke zu schaffen fast aufgebraucht und ich versuchte noch einen letzten Angriff. Ich suchte mir eine Partnerin und lief mit ihr bis 40,5 Kilometer. Dort gab sie auf und ich fand Apo wieder. Apo war zwischendurch mein Lauf- und Gehpartner. Mal war er vor mir, dann wieder hinter mir. Wir wollten beide so schnell wie möglich ins Ziel. Also stärkten wir uns gegenseitig und liefen was das Zeug hielt. Die Schmerzen in der Seite waren nicht mehr so starkt und ich ignorierte sie einfach. Ich hatte für die letzten 1100 Meter noch ca. sechs Minuten Zeit. Im Normalfall wäre das locker zu schaffen. Aber an diesem Tag war nichts normal. Ich lief also mit Apo auf die Deutzer Brücke zu und leider musste ich, nun mit Ermüdungserscheinung durch die mangelnde Versorgung, vorm SCheitelpunkt wieder gehen. Ich marschierte bis zum Scheitelpunkt und nahm noch einmal allen Mut zusammen und rannte was das Zeug hielt. Ich rannte und rannte und die Zuschauer gaben noch einmal alles, was sie die ganze Seite gemacht haben. Bei Kilometer 42 hatte ich nicht mehr genügend Zeit und so lief ich nach 5:00:19 durchs Ziel. Ich war fertig, hatte Seitenstechen, meine Fuße war dick und ich hatte sechs Zehen, da mir am Mittelzeh ein weiterer gewachsen ist. Heute, ein Tag nach Köln kann ich nur sagen: Ich habe die Schnauze voll vom joggen. Ich habe noch immer Seitenstechen und werden nie wieder, bis heute Abend mindestens, joggen gehen.
Der Lauf in Köln war eine echte Herausforderung, die ich zum Glück gemeistert habe. Ich hatte unterwegs Zweifel, ich war sauer auf Gott und die Welt und ich war enttäuscht von meinem Körper. Mit der Zeit kann ich sehr gut leben und werde diese Erfahrung in den nächsten Marathon mitnehmen. Danke an meine Frau, Tochter und meine Schwiegereltern. Die haben mich immer wieder motiviert und Mut zugesprochen.

4.25
Gesamtwertung: 4.3 (4 Wertungen)

Hätte ich....

den selben Fanclub wie du ihn hattest nicht dabei gehabt, ich wäre bei km 31 raus....

Glückwunsch zum Finish

Gruß

Andreas

- - -
.*.Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen.*.

Hätte ich....

den selben Fanclub wie du ihn hattest nicht dabei gehabt, ich wäre bei km 31 raus....

Glückwunsch zum Finish

Gruß

Andreas

- - -
.*.Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen.*.

das nenn ich Kampfgeist

so früh schon gemerkt, dass der Wurm drin ist und trotzdem bis ins Ziel
Das verdient Respekt, ich gratulier dir ganz herzlich zum Finish.

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos
Bin nicht gestört und auch nicht schnell - nur verhaltensoriginell

schlaf noch ne nacht drüber...

...und dann wirst du die erkenntnis haben, dass du da was verdammt tolles geleistet hast! herzlichen glückwunsch!
was für ein durchhaltevermögen!
____________________
laufend sichert wubbel zu, dass es beim zweiten mal nicht mehr weh tut ;-): happy

So ging es mir 2010

und ich war dieses Jahr wieder da: 46min besser als im letzten Jahr. Schlaf drüber und geh es nächstes Jahr noch mal an. Das wird!

Und herzlichen Glückwunsch zum Finishen! Zeit ist sowas von egal!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Glückwunsch

Man hast du gekämpft und es geschafft.

Vor Jahren

jr Vor etlichen Jahren war ich auch mal in Köln(Gutschein für Freistart gab es zu einem Pumalaufschuh)und erlebte dort ein Watterloo(damals noch nicht so häufig,heutzutage daran gewöhnt,da häufiges Ereignis).Eine zurückliegende Verletzung war nach guten Beginn schon vor 15 km wieder aufgebrochen,ich konnte mich nur noch hinkend fortbewegen.Total niedergeschlagen beschloss ich den Lauf bei KM 16 zu beenden,per KVB ging es dann zurück nach Deutz.Damals herrschte auch herrliches Altweibersommerwetter,nur konnte mich das Wetter nicht mehr erheitern,ich war einige Tage depressiv verstimmt.
Ich bewundere deinen Kampfgeist,auch bei ungünstigen Begleitumständen(Beschwerden und miserable Durchgangszeiten)nicht aufzugeben.

Was für ein Kampf!

Du hast dafür meinen größten Respekt!
Keine Ahnung, ob ich das so noch hätte durchziehen können, wie Du das gemacht hast.
Da kannst Du sehr stolz drauf sein!!
Gratuliere!
Keine Angst, sowas heilt den Laufvirus nicht, er versteckt sich meist nur kurzfristig.
Schönes Regenerieren.

Lieben Gruß Carla-Santana

Hast trotzdem großes

Hast trotzdem großes geleistet, ich wäre ausgestiegen.

Ich kenn dass, wenn der Geist will, der Körper einem aber einen Strich durch dir Rechnung macht. Und Du warst vorher noch so zuversichtlich.

Lina kann stolz auf Papa sein. Wäre das Dein erster Marathon gewesen, wäre das sicherlich auch der letzte gewesen. Dass Du gute Zeiten laufen kannst, hast Du ja oft genug bewiesen.....

"...ich werde nie wieder,

"...ich werde nie wieder, bis heute Abend mindestens, joggen gehen..." Danke für diesen Satz ich muss so herzlich lachen :-)
Es gibt Tage die sind einfach grausam. Bei meinem ersten Halbmarathon erging es mir ähnlich. Die schlimmsten Bauchkrämpfe bei KM 15 aber durchhalten wollen. Ich weiß wie schwierig es ist und gratuliere Dir herzlich zu Deinem Kampfgeist! Der nächste wird besser, schneller und schmerzfreier!

Und es ist den Moment beim Zieleinlauf doch allemal wert :-)) Oder nicht?? :-)

Viele Grüsse,
Miriam

Was ein Drama...

...unfassbar! Wenn man bei km 2 schon merkt, dass es nicht geht, bei km 16 die erste Gehpause macht und dann trotzdem durchzieht...!!!

Großer Respekt, sehr großer Respekt! Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich diese Erfahrung machen möchte!

ZüperOli

"Alter ist irrelevant, es sei denn, du bist eine Flasche Wein."

Hut ab! Mental gewonnen!

Welch ein Durchhaltewillen, welcher Kampfgeist nötig ist, wenn man schon am Anfang merkt "es läuft nicht", kann nur der erahnen, der ähnliche "Waterloo" schon durchlebt hat.

Glückwunsch zum Finish - und die letzte Zielzeit hast Du ja nur ganz knapp verpasst.

Und bei dem Satz "nie wieder" musste ich auch schmunzeln. Er zeigt, dass Du wieder willst!

Erhol Dich gut. Der nächste M kommt bestimmt.

ich neige das Haupt

vor dem Willen.

Großartige Leistung es doch beendet zu haben.

Gratulation, nächste Lauf kommt bestimmt, kannst Stolz auf Dich sein, besonders der Sprint am Schluss - respekt!

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