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Liebe Jogmapper,

es ist zwar schon eine Woche her, aber nachdem ich aus der Jogmap-Community so nett an meine "Berichtspflichten" hier erinnert wurde, schreibe ich gerne einen kurzen Erfahrungsbericht von meinem Halbmarathon in Odense.

Ich habe auch mal in den Archiven nachgeschaut. Es gibt tatsächlich wenig Einträge zu diesem Event, der mit seinem Marathon (so lernte ich dort) die viertgrößte Laufveranstaltung in Skandinavien ist. Ich persönlich kenne auch niemanden, der schon mal dort war. Eigentlich erstaunlich, da er mit 1:45 Minuten Autofahrt aus meiner Heimatstadt Flensburg kaum weiter entfernt ist als Hamburg.

Für mich passte der Halbmarathon perfekt für die Vorbereitung meines nächsten Marathons in 2 Wochen. Und da ich von meinem Haus nach Dänemark rüberschauen kann, nehme ich dort oft Läufe mit. Auch wenn es leider kaum Informationen darüber auf Deutsch oder Englisch im Web gibt, die kleinen, familiären Läufe z.B. in Sonderborg oder in Billund sind für mich immer reizvoll.

Der H.C.Andersen Lauf, benannt nach dem berühmten Sohn der Stadt Odense, ist aber im Netz leicht zu finden. Alle Informationen gibt es auch in Deutsch und Englisch.
Generell ist der Event super organisiert und laeuft trotz der insgesamt recht grossen Läuferzahl sehr entspannt ab. Dänisch eben.

Allerdings war die Veranstaltung dieses Jahr eine sehr feuchte, kühle Angelegenheit. Der Marathon litt komplett unter sintflut-artigen Regenfällen, die dazu führten, dass grosse Teile der Strecke knöcheltief unter Wasser standen. Als Norddeutsche sind wir ja dieses Jahr vom Wetter Kummer gewohnt, aber ich musste mich schwer durchringen, mein Auto zu verlassen, um (erfolglos) zu versuchen, halbwegs trocken vom Parkplatz zum Sport Center zu sprinten, in der die Anmeldung stattfand. Aus einem halbwegs trockenen Unterstand habe ich mir dann mit einer Mischung aus Respekt und sinkender Vorfreude auf meinen Lauf angeschaut, wie die Marathonies gegen die Strömung und Gegenwind ankämpften. Laufen ist eine Leidenschaft und da steckt eben auch das Wort "Leiden" mit drin.

Im Sport Center waren gerade kurz vorher die Damen von Ihrem Halbmarathon zurückgekommen, der vor dem Marathon getrennt von dem Herren HM startet. Dementsprechend wirkte es in der Halle auch eher wie nach einem Schwimm- denn als nach einem Laufwettkampf. Die Läuferinnen sahen zwar alle durchweg glücklich aus. Dennoch dürfte es kaum ein Partner/Ehemann gewagt haben, sie in ihrem Zustand zu fotografieren.

Entgegen meiner Gewohnheit habe ich dann wetterbedingt recht lange Zeit in der Messe verbracht, die alles bot, was man als Läufer so braucht (oder auch nicht). Ich kam dabei oft mit anderen Läufern und Ausstellern ins Gespräch, was entweder daran lag, dass deutsche Läufer Exoten in Odense waren oder dass die Dänen dankbar waren Ihr Englisch üben zu können.

So war ich dann auch für meine Verhältnisse relativ spät dran bis ich mich mit zugegeben wenig Begeisterung zum "Warm"-machen nach draussen bewegte. Und ... kein Regen mehr und sogar ein Hauch von blauem Himmel.

Jetzt kam tatsächlich zum ersten Mal Vorfreude auf. Allerdings habe ich mich fast schon wieder geärgert, dass ich aus Temperaturgründen mein neongelbes Schleswig-Holstein-Jogmap-Shirt im Kleiderbeutel gelassen und mich für langärmig entschieden hatte (ich kann die "Weichei"-Ausrufe an den PCs förmlich hören).

Mit rund 1600 HM-Mitläufern ging es dann um 13 Uhr an den Start.

Die Strecke ist flach und schnell. Wer beim Laufen gerne Sightseeing macht, wird aber vielleicht enttäuscht sein. Ich empfand den ersten Teil der Strecke als recht langweilig. Es ging vor allem durch Industriegebiete und relativ eintönige Wohnsiedlungen mit wenig spektakulärer Architektur. Erst im 2.Teil erreichten wir den Hafen und die Innenstadt, die dann allerdings sehr nett ist. Dort waren dann auch ein paar (wenige) Zuschauer, die sich tapfer bemühten, etwas Stimmung machten.

Es spielten auch einige Bands. Aber selbst hier standen nur wenige Passanten. Ich vermute, dass durch die Anzahl der Läufe (wir waren ja schon der Dritte und "nur" ein HM) und bedingt durch das Wetter die meisten Dänen schon zu diesem Zeitpunkt in der Sauna saßen. Rührend und erwähnenswert ist mir aber ein älteres Pärchen in Erinnerung, das sich einen Pavillon im Vorgarten aufgebaut hatte und tapfer Volkslieder auf dem Akkordeon spielte ... und das zu diesem Zeitpunkt wahscheinlich schon seit Stunden.

Beeindruckend ist aber auf jeden Fall der Einlauf in das Zentral-Stadion. Dort waren dann viele der Zuschauer, die ich vorher vermisst hatte. Ich habe nicht gezählt, aber es dürften gut an die tausend Läufer, Angehörige und Fans auf den Rängen gesessen haben, die dann auch entsprechend Lärm machten. Ein wirklich schöner Abschluss.

Am Ende gab es dann fast alles an Verpflegung und Getränken, was das Sportlerherz begehrt. Wie auf dem ganzen Lauf war auch hier die Versorgung super. Selbst Töpfchen mit Vaseline warteten auf Pfälen aufgebockt am Wegesrand auf wundgelaufene Körperteile.

Als Medaille gab es wie immer das Konterfei von H.C.Andersen. Auf der Rückseite ist dann jedes Jahr ein anderes Märchen dargestellt.

Fazit für mich: Den Halbmarathon laufe ich sicher wieder. Hoffentlich dann bei besseren Wetterbedingungen. Laut der anderen Läufer soll dann auch deutlich mehr Stimmung am Kurs sein. Ich glaube es gerne und versuche es wieder (dann aber in Neongelb).

Der Marathon, der die HM-Runde zweimal durchläuft, wäre mir persoenlich zu langweilig. Da wuerde ich dann doch eher Kopenhagen bevorzugen. Oder den Stockholm Marathon, den ich im Fruehjahr sehr genossen habe.

Viele Gruesse aus dem ganz hohen Norden,
Ponti

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (2 Wertungen)

danke

für diesen bericht aus einer mir fremden/fernen gegend
die für Dich ja aber offensichtlich durchaus eine lohnenswerte alternative ist
glückwunsch zum dableiben, kein weichei!

The goal of science is to build better mousetraps, the goal of nature is to build better mice!

Danke für den Bericht

Schön, mal was von anderswo zu hören. Muss unbedingt mal versuchen einen Lauf in Skandinavien mit dem Urlaub zu verbinden.
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Hört sich toll an.

Ich liebe Berichte aus fremden Ländern :). Die dann nicht mal weit weg sind.

Toll gemacht, kein Weichei!

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