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Was bisher geschah: hier und da

Ich fühlte mich gut, ich habe „nur“ noch 60 Meilen vor mir. Die Welt ist schön…Doch das währte nicht lange… Irgendwann waren die Markierungen weg. Mist verlaufen. Aber wo war die letzte Markierung? Ist schon ein paar Kilometer her. Also zurück. Tatsächlich waren es ca. 3km. Wir haben einfach einen Abzweig übersehen. 5km Extra zur Erforschung der örtlichen Fauna und Flora. Na ja egal, wir werden das Ding schon schaukeln in 28 h. VP 5, Sternefels, 48 Meilen nahezu Halbzeit. Ich rechne mir aus, wenn ich ab jetzt gehe, mit einem Schnitt von 5km/h = 12ér pace - wie damals beim Miau-, dann schaffe ich es bis zum cut-off. Ich bin happy.
Kurz vor VP 6, Oberderdingen Horn, nächster Verlaufer, 3 km Umweg. VP 6, 55,8 Meilen Gela, die Frau des Veranstalters , sowie eine weitere Frau, Sabrina. Mein Gott, was haben die für ein Tempo drauf, das stehen wir nicht durch. Wir müssen abreißen lassen. Schade, Gela hätte sicherlich den Weg gewußt…

VP 7 (66,8) ist ein ganz besonderes Ding. Da wirst Du in das Wohnzimmer eines Wohnhauses entlang der Strecke gebeten, sitzt auf dem Sofa, es ist 22:30 Uhr, es gibt jede Menge selbstgebackenen Kuchen, Hefezopf, Suppe, Bier, einfach alles. Hier blieben wie eine halbe Stunde, mit uns insgesamt 7 Mitstreiter, also gut ¼ des Teilnehmerfeldes. Wir verlassen den Ort der wohligen Gemütlichkeit nur äußerst ungern. Die dort gestellte Möglichkeit des Drop-bag 2 nehme ich auch nicht wahr. Ich habe alles, was ich brauche im Rucksack.
Zu diesem Zeitpunkt befinden Frank und ich uns ca. auf Platz 16 (von 30), was durchaus ok ist. Wir haben 2/3 des Rennens hinter uns, sind 14:40 unterwegs, sind noch guter Dinge und werden das Ding schon irgendwie schaukeln. Doch es geht nicht so gut vorwärts. Wir müssen öfters gehen, auch an geraden einfachen Strecken, die nächsten 11 Meilen ziehen sich.
VP 8, Köhlerwiese, 77,8 Meilen, Gela und Sabrina sind schon 15 Minuten weg. Wir sind auf freiem Feld. Ein Wohnwagen, ein Vorzelt, ein Lagerfeuer und… hausgemachte Kartoffelsuppe. Ein Genuß. Mein Drop-bag von VP4, den mir Gerhard hierhin mitbrachte bleibt ebenfalls unangetastet. Es ist weiterhin warm, ich brauche weder lange Hosen noch eine dickere Jacke.

Wie immer bedanken wir uns und verabschieden uns unter Nennung der Startnummer. Jetzt sind es nur noch 22,4 Meilen ein Klacks.
Übrigens: die Meilen-Rechnerei hat was für sich. Es kommt einen nicht so lang vor… Kurz vor VP 9 verlaufen wir uns. Wir irren durch Bretten, fragen nach 10 Minuten einen Nachtpförtner einer Firma und zeigen ihm den Plan: Wo sind wir hier eigentlich, wie kommen wir wieder auf die Strecke? Er erklärt es uns bereitwillig. Es könnte sein, daß wir hier ca. 1km abgekürzt haben, in Anbetracht der Verlaufer und sicherlich 6-8 Mehr-Kilometer erschien mir das zumindest hinnehmbar.
Wir erreichen VP9, dieser Teil der Strecke ist mir durch den night 52 geläufig, wir suchen und finden VP 9, Meilen:90,6. Ab jetzt wird’s einstellig. Wir verlassen um 05:40 den VP, ein neues Ziel formt sich: unter 24h bleiben. Plötzlich läuft es wieder und zwar gut. 6ér pace, wir kommen gut voran. Schon von weitem sehen wir den Lichtschein der Gruppe vor uns, es beginnt zu dämmern. An einem leichten bergauf-Stück haben wir eine Gruppe von 4 Läufern vor uns, Gela, Sabrina und noch zwei Läufer. Frank meint: da machen wir jetzt kurzen Prozeß. Wir fliegen förmlich vorbei – zumindest kommt es uns so vor – und geben Gas. Keine Spur von Müdigkeit, Mattheit na klar, aber es geht. Ein kurzer trail noch von ca. 3 km, über Bäume kraxeln, 1km durch kniehohes Gras, wir sehen schon das Ziel. Alle Kräfte mobilisiert, in 23:47 ist es vollbracht. Mission completed.
Ich umarme Frank und danach Wolfgang, der um jeden Läufer froh ist, der reinkommt. Ich habe es tatsächlich geschafft.

Der emotionale Teil folgt…

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Irre! Irre! Irre!

Wahnsinnslauf, toller Bericht. Da klingt eine beeindruckende Selbstverständlichkeit raus, die monströse Aufgabe schon irgendwie schaffen zu können. Und wie du es geschafft hast. Wow! Einen 100 Meiler so souverän abzureißen, und dann im Gelände mit Verirrungskilometern und – fast vergessen – aus deiner Sicht auch noch unbefriedigender Trainingsvorbereitung, ja, das ist großes, großes Ultrakino.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Kartoffelsuppe, Kuchen.

Kartoffelsuppe, Kuchen. Schon klar, Ihr wart zum essen dort. Blöd nur, dass Ihr den Weg zu den einzelnen Mahlzeiten zu Fuß zurücklegen mußtet... ;)

Glückwunsch. Man ist förmlich sprachlos ob dieser Leistung. Mit Minimalvorbereitung das maximal Mögliche herausgeholt. Respekt!

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VEX WÜTEND! ... MUSS ... BEZWINGEN ... IANBANKS!!!

Ich habe mal von hinten mit dem Lesen angefangen

bin sprachlos. Voller Respekt. Und Bewunderung. Wahnsinn.

Glückwunsch!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Wahnsinnsleistung!

100 Meilen - unvorstellbar, klasse beschrieben. Glückwunsch zum Finishen in solch großartiger Zeit!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

So, wie Du das schreibst,....

klingt das eigentlich nicht danach, sowas nicht nachzumachen.
Das klingt total cool, auch wenn ich sowas garantiert nicht überleben würde!;o)
Unglaublich, was ihr da gemacht habt!!!
Unvorstellbar!
Ich verneige mich ehrfürchtig!:o)

Lieben Gruß Carla-Santana

P.S. Ich ahne, dass da noch was sehr interessantes kommt!;o) Wie ist denn so das Leben danach?;o)

Uiuiui

bin echt überwältigt!! Toller Bericht, klasse geschrieben, da würd man am liebsten gleich mitlaufen. Oder besser nicht??

Ricola72

laufend laufen

Unvorstellbar für mich!

24 Stunden am Stück unterwegs sein, 100 Meilen zurücklegen. Ich glaub mir tät alles nur noch weh. Darauf vorbereitet hast Du Dich angeblich nicht - ich wär es auch nicht, kann es mir aber momentan nicht vorstellen.

Der Bericht ist aber wirklich toll geschrieben - man kann es gut nachvollziehen.

Hut ab vor dieser Hammerleistung! Meinen tiefen Respekt haben alle Ultraläufer eh schon.

Darin zeigt sich

dass du dir sehr gute Grundlagenausdauer auftrainiert hast, so dass du dir auch mal eine lausige Vorbereitung leisten und dir sagen kannst "ein Ultra geht immer!" - und saugute Ergebnisse erreichst du sowieso!

Wahnsinns Respekt und Gratulation!

MC :-)

100 Meilen

sind wirklich eine andere Disziplin.
So etwas zu mögen ist schon grenzwertig, und dazu die Hm und Trailstücke.
Ich freu mich mit Dir, dass Du gesund geblieben bist und es in eier hervorragenden Zeit geschafft hast.
9 VPs auf 100 Meilen, wir hatten bei unserem 44er Kraichgaulauf 12 VPs....

Whow!

Hey Uusi, Gratulation zu dieser Hammerleistung. Dagegen scheint der TAR wirklich Ponyhof zu sein und Du ziehst das so locker durch. Klasse!

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Transalpine Run 2011 – Team Vorarlberg-Pfalz PSVV/SCL

Wahnsinn!

Unvorstellbar, diese Strecke. Bin zutiefst beeindruckt und gratuliere von Herzen!

yazi

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