Benutzerbild von WWConny

Heute war es nun so weit – mein lang geplanter Sylvesterlauf in Gummersbach stand an. Genau genommen – ein Crosslauf. Pünktlich halb neun saß ich im Auto, um meinen Mitläufer abzuholen. Bei ihm in der Haustüre stehend, eröffnet mir selbiger, dass er bei –8°C lieber nicht laufen möchte, das sei ihm zu riskant und überhaupt – was soll er denn da anziehen. Ich verkneife mir, zu sagen, was ich denke und fahre allein.
Kein Glatteis, schönstes Winterwetter (nur der Schnee fehlt) und ich überlege, wie ich meine sensiblen Bronchien durch den kalten Tag bringe ohne gleich wieder am Kortisonspray zu hängen. Wird schon irgendwie gehen – lauf ich halt langsam.

Ich hole meine Startnummer ab und frage nach der von der joggingbee und halte ab sofort Ausschau nach Nr. 124 – finde sie aber nicht. Als ich dann irgendwann in der Turnhalle Platz nehme sprichts mich von vorne an „Hallo Conny, ich bins...“ Ich freu mich, nun schonmal einen meiner Buddies leibhaftig kennengelernt zu haben. Wir quatschen ein bisschen und laufen uns gemeinsam warm. Um elf soll‘s losgehen, aber es gibt Verzögerungen, weil die Polizei die Straße nicht rechtzeitig abgesperrt hat. Die Sonne scheint inzwischen kräftig und es ist fast windstill, sodass ich in der Viertelstunde, die wir da rumstehen, nicht zum Eiszapfen werde.
Der Startschuss erfolgt – dem Datum angemessen – mit einer Sylvesterrakete. Ich wünsch der joggingbee einen schönen Lauf, denn (auch wenn sie es bis zuletzt nicht glauben wollte) ich weiß, dass sie bedeutend schneller sein wird als ich. Vorne rennen die Kurzbehosten, in der Mitte die Normalen und hinten die langsamen, also auch ich. Auch die meisten Langsamen sind mir noch zu schnell, so dass ich bereits nach etwa 500 m im Kreise der letzten fünf dahintrabe.

Die Strecke hat es in sich. Es geht direkt mit einer knackigen Steigung los, von der ein Teil gehend bewältigt wird. Insgesamt hat die Runde 370 Höhenmeter auf Lager und nicht überall, wo wir laufen, gibt’s auch richtige Wege. Aber es ist trocken, nicht überfroren und nicht matschig, sodass es doch ganz gut geht. Nachdem ich ziemlich bald das Läuferfeld aus den Augen verloren hab, überholt mich ein Herr in hellgrauer Jacke, an dessen Tempo ich mich eine Weile ganz gut orientieren kann. Dann ist er auch weg. Es stehen keine km-Angaben am Weg, sodass ich kein Gefühl dafür bekomme, wie langsam ich wirklich unterwegs bin. So geht’s bergauf, berab, durchs Bergische Land – schön ist es hier!
Im letzte Drittel der Strecke wird eine Schleife gelaufen, hier kommen mir jede Menge Leute entgegen. Wieder überholt mich jemand – diesmal ein Mädelchen. Kurz danach noch eine ältere Dame, deren Beine ca. halb so lang sind wie meine. Mir gehen Giraffen und Leoparden durch den Kopf – die gibt’s zwar nicht im Bergischen, aber die Kurzbeinigen sind auch da deutlich schneller. Und ich denke an Inumi, die immer Angst hat, Letzte zu werden. Wir sollten unbedingt mal gemeinsam laufen!

Irgendwann ruft mir ein Streckenposten zu: noch 2 ½ Kilometer .. Naja, die schaff ich jetzt auch noch. Noch oben auf dem Berg, kurz bevor es wieder nach Gummersbach runter geht, kommen mir zwei Läufer entgegen. Ohne Startnummer – die beiden laufen wohl noch eine Entspannungsrunde. Ein „Hallo Conny“ dringt an mein Ohr – ich zucke zusammen – kennt mich hier jemand? – wie peinlich!
Endlich wieder unten, bekomme ich sogar noch ein extrabreites Grinsen in Höhe der obligatorischen Zielfoto-Kamera hin. Ich bin die drittletzte.
Beim zweiten Becher Tee kommt der Überraschungsgrüßer auf mich zu und entpuppt sich als köln42195. Noch ein Schwätzchen – und am Ende gibt’s von ihm die Empfehlung für den Hermann, etwas langsamer zu laufen. Ich muss schonwieder grinsen – noch langsamer?
Die Duschen sind heiß und leer, es waren nur wenige Frauen am 10,4-km-Start. So kommt es auch, dass ich trotz desaströser 1:12:16 in der W 35 auf dem dritten Platz gelandet bin. Die Schmach der Siegerehrung erspar ich mir dann doch, ich fahre heim. Mein Mann ist mit der kompletten Party-Vorbereitung bereits fertig und hat so ganz nebenbei noch vier Kinder bespaßt und mit einer ausgiebigen Wanderung beglückt. Ich bin zutiefst gerührt und unglaublich dankbar. Dann falle erstmal für knappe drei Stunden ins Bett.

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Fit für den Hermann

Hallo Conny,
das war doch ein ordentlicher Test für den Hermann, und ich kann dir auch nur den Tipp geben, trainiere langsamer (aber länger). Vom Profil her ist der Hermann (nach meinem Empfinden) nicht anspruchsvoller als dein Silvesterlauf in Gummersbach. Der Anteil der Bergabstrecken ist sogar größer. Und mit deiner Pace, die ja noch steigerungsfähig ist, wirst du bestimmt nicht als letzte die Sparrenburg erreichen, denn da hinten nordicwalke ich ja noch herum.... (und ich hatte 2008 einige Läufer/Jogger hinter mir).

Ich wünsche dir ein erfolgreiches 2009 und eine verletzungsfreie Vorbereitung für den Hermann.

LG
manchen

NordicWalking ist toll

Hallo Conny,

das war eine tolle Leistung nach der Erkältung.

Den Hermann packst Du. Mach wie Manchen schon sagt mal etwas längere Läufe dann wirds schon. Wer im WW trainiert schafft auch den Teuto...

Liebe Grüße

Ulrike- die jetzt laufen geht

carpe diem-Nutze den Tag

sehr schön

Danke für Deinen Bericht.

Da hattest Du Dir aber wirklich eine harte Aufgabe gestellt. Dagegen war mein Lauf ja gestern Kinderfasching – flach um einen Teich.

Das mit den fehlenden Kilometerangaben ist für mich auch immer der größte Nachteil bei den ansonsten so liebevoll organisierten Volksläufen. Die Ungewissheit, wie schnell man nun ist, ist mein ständiger Begleiter bei Wettkämpfen.

Wünsche Dir auch in diesem Jahr angenehme Läufe zum Abschalten und Auspowern. Und auch den ein oder anderen fordernden Wettkampf

marcus

Laufen in Leipzig

Nun stell mal dein Licht nicht unter den Scheffel!

Ich hätte nach so langer Krankheitspause diesen Lauf nicht bewältigen können! Und ausserdem fand ich das Profil gestern wirklich happig und meine Polar zeigt ein HF, der kurz vorm Herzinfarkt stoppte! Nee, du warst echt gut!!!!!!!!!!! Schön dich getroffen zu haben!
Bis bald in diesem Theater! Sabine

Also, wer...

...nach einem Wettkampftag Silvester feiert und anschließend um 02:49 Uhr einen solchen Blog schreibt, der hat deutlich mehr Potential, als für einen Hermann gebraucht wird. Ich gratuliere Dir, Du bist gestern am Stück so viel gelaufen, wie ich gestern und heute zusammen - mein Bericht folgt.

He Conny

toller Bericht. Ich weiß nicht, ob ich mich da durch gequält hätte. Meine Erkältung war lange nicht so hartnäckig wie deine, trotzdem hat mein Schwesterlein ständig ihre Bedenken angebracht, dass ich da schon wieder laufen will.
Viel Glück im neuen Jahr!
Vielleicht laufen wir ja wirklich mal zusammen. Wir wollen das Laufen ja noch lange nicht aufgeben. ;-)
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LG Inumi
Wenn nicht jetzt, wann dann?

Hallo Inumi,

gequält hab ich mich nicht - deshalb war ich wohl auch soooo langsam. Mein Ziel war, einen schönen Lauf möglichst bronchienschonend zu absolvieren.
Und dieses Grinsen war dann auch kein aufgesetztes...

Hä? Ist die

Glowi-Mütze aus Deiner Stricknadel???
Die Partyvorbereitungen hat mein Mann alleine bewältigt - damit hatte ich also keinen Stress, das viele Essen war aber auch anstrengend genug ;-)

zweiuhrneunundvierzig

.. naja, ich hab die Gunst der Stunde genutzt - alle waren müde, und ich hatte ja am Nachmittag 'ne ordentliche Portion Schlaf abbekommen... Dafür musste ich mich heute mit ausgiebigem Trampolinspringen über den Nachmittag retten (sehr zur Freude der vier daran beteiligten Kinderinnen und Kinder) und dem GöGa mal seine Ruhe lassen.

Glückwunsch zum gelungenen Jahresabschluss

du hätttes auch schreiben können: "WWConny krönt ein superlaufjahr mit einem Platz auf dem Treppchen. Sie trotzt dem eiskalten Wetter und zeigt allen Schweinehunden und Weicheiern, aus welchem Holz sie geschnitzt ist..."
...von wegen desaströs. War doch richtig geil. Ein schönes neues Jahr mit vielen Laufabenteuern wünscht der Kenianer!
PS: Und irgendwann wirst du auch so groß sein, dass du im Siebengebirge mal die lange Runde schaffst...

Das wäre aber Angeberei...

.. und das widerspricht sowohl den läuferischen Tatsachen als auch meinem unbeschreiblich bescheidenen Naturell.
Fürs Siebengebirge ist bei mir die Zeit noch lange nicht reif. Erstmal einen "normalen" Marathon schaffen - selbst das erscheint mir derzeit mit Blick auf den erforderlichen Zeitaufwand fürs Training (fast) unmöglich... oder vielleicht..., mal sehen..., ich überleg nochmal..... Aber 3*Gummersbach entspricht ungefähr dem Rheinsteig-Extremlauf.... Da war doch nochwas...

War ja auch nur Spaß,

aber ich bin doch der Meinung, dass du stolz auf deine Laufleistung sein kannst.
Rheinsteig-Extremlauf?
Meine Herausforderung wird eine andere sein, dazu aber demnächst mehr...
Gruß vom Kenianer

ich hab dich gewarnt...

jetzt sag nur nicht, ich hätte dich vorher nicht gewarnt. In der Auschreibung steht ja auch "der schwerste Sylvester-Lauf Deutschlands.
Und der erste hat mehr wie 40min gebraucht...

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keep on running :-)

ja Du hast mich informiert...

...nicht direkt gewarnt...aber die Höhenmeter hätten mir Warnung sein müsen, hab ich aber erfolgreich ausgeblendet. Naja und die Aussage "schwerster Sylveserlauf..." der hab ich eigentlich keine Bedeutung beigemessen, hab ich als Eigenwerbung abgehakt.
Aber ich leb ja noch, auch wenn mir schon paar andere Muskelgruppen wehtun als nach normalen Läufen. Was solls - wieder um eine Erfahrung reicher. Und nächstes Jahr nochmal!

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"Geschwindigkeit wird total überbewertet, schließlich betreiben wir einen Ausdauersport!" marcuskrueger

"lange" siebengebirgs"runde"

also erst mal eben ein fettes silvesterLob (bevor ich mich nach dem rüffel natürlich schnell wieder bei den wällern anmelde um Dich temporär mal eben zu überholen ;-))

und dann weiter so, dann klappt's auch mit dem hermann :idea:

und zum betreff: in dem jahr in dem man den ersten hermann genießt, kann man locker knapp 8 monate später den siebengebirgsM laufen, glaub's mir, so hab ich 2002 auch debutiert :lol:

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