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An meinem vierten Tag im "Naturpark Hochtaunus" dachte ich mir, dass es doch nicht so schwer sein kann, den Höhenlinien entlang zu laufen: Mal weniger Höhenmeter und mehr Strecke.

Den Teil mit mehr Strecke habe ich auch unfreiwillig prima hinbekommen: Dank divergierender Angaben meines Forerunner und der Einheimischen drehte ich in der Kälte einige Extrakehren. Beim Teil mit den Höhenmetern habe ich völlig versagt: Vor drei Tagen hatte ich sehr lange, brutale Anstiege. Heute hatte ich noch viel längere, wesentlich brutalere Anstiege.

Jedes Mal, wenn ich meinen Weg so gestalten wollte, dass ich die Höhe halte, musste ich wieder ins Tal. Ganz runter. Auf gefühlte 200m unter N.N.
Und dann wieder auf Feldbergniveau hoch. Und wieder runter. Und wieder hoch.

Irgendwann teilte mir der FR mit, dass ich nur noch 400m vom Ausgangspunkt entfernt sei. Prima, reicht jetzt auch. Noch ein kleiner Schlussspurt... Nix da! Weg biegt rechts ab, wird unwegsam, ehemals unregelmäßig-matschig, jetzt unregelmäßig hart gefroren und führt in Serpentinen nach unten. Nach sechs Minuten sind es noch 350m bis zum Ausgangspunkt. Es geht runter. Spaziergangpace mit Tempolaufpuls. Auf 500m unter Meeresspiegel. Noch 300m - genau geradeaus. Die Steilwand hoch? Nee, linksrum. Nach ein paar Metern ist klar: Ich muss eine Steilwand hoch, auch, wenn sie hier asphaltiert ist.

Nach gefühlten 2000 Höhenmetern ahne ich die ersten Häuser. Sehen kann ich nix mehr (nur noch den Richtungspfeil auf dem Forerunner). Noch 150m. Stimmen. Menschen. Vermutlich grüßen sie oder überlegen laut, ob sie einen Rettungswagen rufen müssen. Ich verstehe nicht, was sie sagen. Ich bin völlig davon vereinnahmt, zu atmen, nicht umzufallen, meinen Kopf am Explodieren zu hindern und zu erkennen, dass es nur noch 140m sind. Es wird flacher. Nur noch 35% Steigung. Mein Puls steigt nicht mehr weiter. Jetzt wird es ganz flach, vielleicht 25%. Nur noch 116m. Mein Puls sinkt unter 350, ich muss pro Schritt nur noch zweimal aus- und einatmen. Ich erkenne wieder Farben. Gerade noch rechtzeitig, ich muss eine Straße kreuzen, auf der theoretisch Autos fahren könnten.

Vor lauter Hochgefühl, weil der Schmerz nachlässt, laufe ich an meinem Ziel vorbei. Locker auslaufen. Nach 200m schwindet meine Motivation. Nach 400m ist das Auslaufen vorbei, mein Puls ist auf etwa 85% gesunken. Muss reichen. Ich versuche vorsichtig, zu dehnen und werde dergestalt von neuem Schmerz überrascht, dass ich das gleich wieder lasse.

Der Lauf war etwas heftiger als gedacht, aber hat auch Vorteile: Die 2500km habe ich 2008 vollgemacht und im neuen Jahr kann's nur besser werden...

Euch allen einen guten Rutsch und vielen Dank für das sonst wunderbare Laufjahr.

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Rue, meine herzlichste

Rue,

meine herzlichste Gratulation zu diesem wunderbaren und vorbildlichen Jahresabschluss. :)

Ich freu mich schon auf die Verruecktheiten des kommenden Jahres. ;) Also bloggen nicht vergessen, gell!?! Wird immer wieder gern gelesen! :)

Viele Gruesse
s:)

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"As long as you keep making RFM (Relentless Forward Motion), you will finish."
- Stacey Page

Es kann nur besser werden?

Kann ich mir gar nicht vorstellen. So muß ein geiler Jahresabschlusslauf doch sein!
Und wenn ich dass alles so lese, so bin ich doch ganz froh, dass ich mir keinen Forerunner unter den Weihnachtsbaum- sondern die Anmeldung zum Düsseldorf Marathon- hab´ legen lassen.
Ich verlasse mich immer gerne auf mein Gefühl. Und in fremden Gegenden macht es mir Spaß, die Gegend im Kopf zu kartographieren und mich dann zurechtzufinden.
Grüße vom Kenianer -und viele schöne Läufe im nächsten Jahr!

Iso...was?

Kann man das trinken?
Hauptsache Du bereust angesichts dieser Brutaltortur die Schenkung des FR nicht:-).
Und was eine Isohypse ist, kannst Du mir demnächst mal in Ruhe erklären, ich google das jetzt mal bewußt nicht nach.
Gruß, Marco
You´ll never isohypsier alone

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