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Als zweiten 10km-Test-Wettkampf im Rahmen meiner Marathon-Vorbereitung habe ich mir den Freisinger Volksfestlauf ausgesucht. Zwar ist dessen Strecke nicht besonders flach und es sind ganze 5 Runden durch die Freisinger Innenstadt - Kopfsteinpflaster inklusive - zu laufen. Das war aber der mit abstand naheliegendste Lauf an diesem Wochenende (dem vorletzten).

Strecke

Weil eine solche Runde ca. 1936 Meter lang ist, ist das Ziel etwa 320 Meter vom Start entfernt, man läuft also eigentlich 5,17 Runden. Etwa in der Mitte der Runde muss man einen kleinen Anstieg von ca. 10-12 Höhenmetern überwinden. Während man diese Steigung in der ersten Runde kaum wahrnimmt, mausert sich der Streckenteil bis zur dritten Runde zum Hügel und bis zur fünften Runde dann zum ausgewachsenen Berg. ;-)
Dem Kopfsteinpflaster konnte man weitgehend über dem Gehweg ausweichen, nur vor der Wasser-Station am Ziel kam man nicht drum rum.

Vorbereitung

Die unmittelbare Wettkampfvorbereitung verlief ohne Probleme nach Trainingsplan. Die vorletzte Einheit (lockere 9 Kilometer mit Steigerungen) konnte ich sogar mit einer Streckenbesichtigung verbinden. Kann ich nur empfehlen, so ist man nicht damit beschäftigt, nach dem Weg zu suchen.

Start

Am Start bemerkte ich neben dem Kenianer, der auch im letzten Jahr schon auf Platz 1 der Ergebnisliste auftauchte, noch eine sehr sportlich aussehende Mittvierzigerin.

Meine Vermutung, dass das Bernadette Pichlmaier ist, bestätigte sich später. Vor dem Start standen die beiden noch mit vielen anderen im Schatten auf der Außenseite der Straße - auch dort war es noch zwischen 25 und 30 Grad warm. Ich stand mit einigen anderen Startern im Halbschatten des "Start"-Banners auf der Ideallinie. Vielleicht durfte ich deshalb die ersten 30m als Zweitplazierter laufen - hinter dem Kenianer, der so schnell startete, dass ich erst gar nicht bemerkte, dass er schon vor mir ist. Dann zog bald einer vorbei und sagte zu mir "Na den können wir heute gewinnen lassen, oder?"

Nach ihm folgten noch ca. 30 andere Läufer.

Der Lauf

Meine Strategie war die folgende: Ich habe auf meinem FR305 den "Virtual Partner" auf eine Strecke von 11km mit einer Pace von 3:50 programmiert. Warum 11km? Das verhindert, dass die Uhr den Lauf schon deutlich vor dem Ziel stoppt, weil sie durch Messfehler eine längere Strecke angibt. So etwas ist mir ja schon in Wien passiert. Warum 3:50? Naja, 3:45 habe ich schon 4 Wochen zuvor beim Rückenwindlauf nicht geschafft. Und meine Bedenken, dass ich auch 3:50 bei diesen Temperaturen und dem Streckenprofil nicht schaffe, wischte meine Freundin beiseite: "Probier's einfach!"
Das habe ich dann auch und funktionierte recht gut. Vorm Hügel hatte ich immer so 30-40m Vorsprung auf meinen "Partner" und oben auf der Anhöhe hat er mich immer wieder eingeholt. Das motivierte mich dann, bergab Gas zu geben und wieder 30-40m Vorsprung rauszuholen. Das klappte recht gut und der Forerunner meldete recht konstante Kilometer-Zeiten. Während ich so dahin lief und immer den Abstand zum kleinen schwarzen Männchen auf der Uhr kontrollierte, sammelte ich recht viele Läufer, die kurz nach dem Start an mir vorbei gezogen waren, wieder ein. Das kann man auch recht gut auf der Fotoseite verfolgen:
Im Startgetümmel lag ich irgendwann auf noch auf Platz 16, in der zweiten Runde nur noch auf Platz 24 und in der dritten Runde überhole ich auf Platz 18 laufend. Schätze in Runde 4 wechselte der Fotograf grad den Film. ;-)
So viele Runden zu laufen hat einen sehr großen Vorteil: Man hatte eigentlich immer Leute um sich herum. Überholen motiviert und überrunden ist ja schließlich auch überholen. ;-) Allerdings wurde ich auch einmal überrundet: Im hinteren Teil meiner vorletzten Runde hörte ich jemand schnell näherkommen und dann flog der Kenianer auf seinen langen Stelzenbeinen ein weiteres mal an mir vorbei...

Zieleinlauf

Die letzten 320m vom Startbereich bis zum Ziel am Marienplatz holte ich nochmal alles raus, was ging. Unter dem Klatschen der auf diesem Streckenteil relativ zahlreich anwesenden Zuschauern überholte ich noch 3 Läufer (Überrundungen nicht mitgezählt), die anscheinend keine Kraft mehr für den Endspurt übrig hatten.
Von den vielen Fotos vom Endspurt habe ich dann ein gif gebastelt - in Echtzeit, aber mit etwas wenig Frames:

Ergebnis

Nach meiner Uhr habe ich gegen den Virtual Partner mit 120m Vorsprung gewonnen und bin 10220m gelaufen. Meine offizielle Zeit in der Ergebnisliste ist mit 38:41 dann doch schlechter als die programmierte 10km-Zeit, aber alles in allem bin ich damit hochzufrieden und habe eine neue PB. Außerdem habe ich als Drittplazierter meiner AK (Platz 11 insgesamt) bei der Siegerehrung auch noch einen kleinen Sachpreis gewonnen: Ein Armtäschchen. Kann ich leider nicht gebrauchen, aber dennoch schön, mal was zu gewinnen.

Fazit

Den Virtual Partner 11 statt 10 Kilometer laufen zu lassen, war eine gute Idee. Ein konstantes Lauftempo hinzulegen, hat auch sehr gut funktioniert. Die programmierte Zeit hat auch gut gepasst. Ich muss nur - wie damals in Wien - die Messfehler der Uhr berücksichtigen: Sofern die Kilometerangaben auf der Strecke stimmen, kann man diese mit der Uhr vergleichen. Wenn die Uhr dann z.B. 200m zu viel anzeigt, muss man eben versuchen, 200m vor dem Virtual Partner zu laufen.

Ausblick

Über-übermorgen (Gott, ist das bald) steht schon der nächste Test an: Ein HM in Karlsfeld. Heute abend ist Streckenbesichtigung geplant. :-)
Für Sonntag wird "teilweise ergiebiger Regen" vorhergesagt. :-((
Mein erstes Rennen bei Sauwetter. Ein bisschen grausts mir schon davor...

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (2 Wertungen)

Den Kenianer...

...darf man ruhig gewinnen lassen ;-)

Da läuft der '...mit den Scherenhänden' in meinem Wohnzimmer eine neue persönliche Bestzeit und ich bin nicht da, weil ich am Vortag einen Testlauf über 25km in MRT in meinem Plan stehen hatte...

Glückwunsch zur neuen PB - wie ich lese hast Du dem anspruchsvollen 10er durch die Altstadt auch etwas gutes abgewinnen können und bist mit der zweifachen deutschen Marathonmeisterin im selben Rennen gelaufen :-))

Grüße aus Freising

cheetah

WOW! Der Hammer! Gratulation

Haste toll hingekriegt - und die Kenianer sind vielleicht doch gedopt? In Münster haben sie einen mit irgendwelchen Blättern im Mund aus dem Rennen genommen - hat mir ein Staffelteilnehmer erzählt.

Und Du schaffst das "nur" mit Training in einem konstanten Pace. Meine Bewunderung hst Du.

Und jetzt das Ganze auf HM ummodeln und durchziehen! Viel Erfolg!

Sehr schicke Zeit :-)

Verdammt nette Zeit, gratuliere!

Allerdings frage ich mich, ob es denn tatsächlich so ist, dass "heutzutage" selbst 38min-Läufer so wenig Tempo-Gefühl haben, dass sie unbedingt mit so'nem Garmin-Klotz am Arm rumrennen müssen, um ein einigermaßen konstantes Tempo hinzubekommen...

Na so hast Du zumindest ein "kleines schwarzen Männchen" geschlagen (;-))), wenn schon nicht den Kenianer - über dessen (Nicht-)Doping mal einfach so zu spekulieren nebenbei bemerkt doch etwas ungebührlich ist.

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

Danke für die lieben Kommentare

Allerdings kann ich dieses "Früher ohne Technik war alles besser"-Argument nicht mehr hören.

Wie war das denn "früher"?
Sind die Läufer tatsächlich ohne Zwischenzeitmessungen konstant gelaufen? Und wenn sie wirklich ohne Zwischenzeitmessung gelaufen wären, woher wollten sie dann wissen, dass sie tatsächlich konstantes Tempo gelaufen sind?
Ich denke früher haben sie genauso ihre Zwischenzeiten ausgerechnet und jeden Kilometer auf die Uhr geschaut, ob sie im Soll sind.
Nur muss ich "heutzutage" nicht mehr selber rechnen.
"Früher" - hab ich mal bei Steffny gelesen - haben sich manche Läufer ihre geplanten Zwischenzeiten sogar auf den Unterarm geschrieben.
"Heutzutage" kann ich nicht nur darauf verzichten, sondern zu jedem beliebigen Zeitpunkt auf die Uhr schaun und weiß trotzdem, ob das Tempo jetzt wirklich konstant ist.
Ist ja nicht so, dass ich jetz beim Laufen nur noch die Uhr im Blick habe, aber nicht gezwungen zu sein, jede Kilometerzeit und -markierung genau zu kennen, halte ich nicht für einen Makel der "heutigen" Läufer.
Der Nachweis, dass man beim Laufen mit "Klotz" tatsächlich weniger Tempogefühl entwickelt, als mit der "guten alten" Stoppuhr, steht für mich noch aus.

Nichts für ungut...

Stoppuhr mit Zwischenzeit-Alarm

Nanana, ruhig!

Das früher™ alles "besser" war, habe ich nicht geschrieben.
Aber man darf ja schon mal drüber nachdenken, dass diese GPS-Uhren 'ne ganz hübsche Stange Geld kosten aber ja womöglich doch nicht sooo lebensnotwendig sind.

Stoppuhren mit Zwischenzeit-Alarm gibt's allerdings schon lange und die kosten 'nen Appel & 'nen Pappenstiel, oder so... Und sind auch kein Klotz am Arm.
Und dann sind da ja die Kilometermarkierungen auf der Strecke - das zusammen mit der Fähigkeit ein einmal gefundenes Tempo konstant zu halten - auch ohne ständige elektronische Kontrolle - und dann passt's schon.

Streckenvermessung geht mit völlig hinreichender Genauigkeit (und auch sehr flink und auch vor Laufantritt) per Messrädchen und Karte (Wanderkarte oder Stadtplan).
Womöglich genauer als per Garmin, wenn man sich mal die hochgeladenen Strecken hier bei JogMap in höchster Auflösung anschaut.
Da wird munter zickzack gelaufen oder aber bei Eintauchen in ein Hochhaus-Gebiet plötzlich Schleifen gedreht (durch die Häuser), usw, usf.

Das ist also keine Technik-Ablehnung meinerseits (ich bin Netzwerk-Admin - ich hab' nun wirklich keine Technik-Phobie) sondern eher Skepsis - und die ist ja wohl noch erlaubt.
Und hier bei JogMap kann man in so manchem Blog lesen, dass sich die Leute ohne ihren geliebten Garmin (da gerade kaputt, Akku leer, etc.) völlig verloren fühlen - und das finde ich dann doch - tschulligung! - erbärmlich.

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

P.S.: Der Kenianer, der gewonnen hat - hatte der 'ne Garmin oder ist der ohne zurande gekommen?
Oder konnte sich der auf seinen Lauf konzentrieren, statt über Abweichung der GPS-Streckenlänge zu den Kilometerschildern und daraus resultierende Korrektur-Notwendigkeit, Einprogrammierung von 11 statt 10km, etc. meditieren zu müssen?

P.P.S:

Ach ja um Deine Frage noch zu beantworten:

Ja: "Wir", die "Altvorderen", sind "früher" ein konstantes Tempo gelaufen - auch ohne Satelliten-Kontrolle ;-)

Ich kann heute noch z.B. ein Tempo von 5:15/km (oder auch 4:30, 5:00 oder 5.30) einfach "einlegen" und wenn ich zu Hause bin, die Stecke bei Jogmap vermesse und mit der Zeit in Relation setze, dann kommt dabei heraus: irgendwas zwischen 5:10 - 5:20 - ganz ohne GPS oder auch nur Kilometermarkierungen, notfalls auf völlig unbekannter Strecke.
Eine Fähigkeit, welche die Damen und Herren "ferngesteuerten" sicherlich niemals erlangen werden - aber ja vielleicht auch nicht brauchen - mag sein...

Nix for unwell änd

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

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