Benutzerbild von jensen04

Wie kommt man dazu sich direkt am Abend des Tages wo man seinen ersten Marathon gelaufen ist sich gleich für den nächsten anzumelden? Indem man voller Begeisterung mit einer Debutzeit von 3:46:39 aus Duisburg nach Hause kommt und obwohl die Beine schmerzen weiß, das will ich wieder erleben.
Da mir Detlev immer von Münster vorschwärmte und mir die Zeit bis dahin realistisch erschien um mich dementsprechend vorzubereiten, fiel meine Wahl auf diesen Marathon.

In Duisburg hatte dich die 3:45 knapp verpasst, aus welchen Gründen auch immer spürte ich in mir den Drang es beim nächsten Marathon auf 3:30 zu versuchen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Detlev einmal meinte, dass das Potential bei mir durchaus für solche Zeiten vorhanden wäre. Nur wie an die Sache heran gehen? Ein Blick in die Läuferbibel von Steffny half mir weiter, nämlich mit einem Trainingsplan für 3 Stunden 30 Minuten.

Mit der Euphorie von dem 20km Preußen 100er Wettkampf startete ich in den Trainingsplan und die ersten Wochen liefen gut, auch wenn ich den Anspruch durchaus merkte, aber so soll es ja auch sein. Die langen Läufe am Wochenende verlängerte ich meistens etwas da mir diese in meinen Augen im Plan etwas zu kurz kamen. Vielleicht war das im Nachhinein meine Rettung, denn als ich in meiner ersten Urlaubswoche in Dänemark zu einem schönen Dauerlauf starten wollte ließ mich nach wenigen Metern meine Unachtsamkeit derart über eine Baumwurzel stolpern, dass ich den Lauf nach 4km abbrechen musste. Was war passiert: ich hatte mir den linken Fuß verknaxt, an ein schmerzfreies Auftreten war nicht zu denken.

Nach einigen Druckpunktmassagen und diversen Pferdesalbebehandlungen war zumindest nach 2 Tagen wieder ein halbwegs vernünftiges Gehen möglich, aber dies auch nur auf ebenen Untergrund. Da an ein Training nach Plan nicht zu denken war, kam natürlich sehr schnell die Frage auf was nun. Auch die ganzen Läufer laufen zu sehen und selbst nicht laufen zu können, tat richtig in der Seele weh. Um nicht ganz die Form zu verlieren bin ich dann Fahrrad gefahren und habe meine Behandlungen mit diversen Salben fortgesetzt. Als ich dann nach 7 Tagen bei einen meiner Versuche ob ein Belasten bei leichtem Joggingschritt möglich ist merkte es geht wieder, hatte ich Tränen in den Augen. Ich glaube ich habe schon lange keinen 4km Lauf welchen ich am darauf folgenden Tag gemacht habe so sehr genossen wie diesen.

Nach 12 Tagen Zwangspause konnte ich dann wieder in den Trainingsplan einsteigen. Ich hatte mir vorgenommen diesen bis zum Ende durch zu ziehen, egal was für eine Zeit dann dabei heraus kommen würde. Als ich dann ein paar Tage später so durch den Regen lief kam mir so der Impuls warum eigentlich nicht weiter an die 3:30 glauben, denn der Glaube an etwas und die Überzeugung kann ja durchaus ungeahnte Kräfte freisetzen. So waren jedenfalls meine Gedanken.
Ich musste teilweise in der weiteren Vorbereitung richtig beißen und der Testhalbmarathon auf 1:40, welchen ich dann mit 1:39:19 gelaufen bin hat mir wirklich alles abverlangt, aber je näher ich dem Marathontag kam, desto besser kam ich in Form.

So vergingen die Tage und während dar Waxl der ja auch in Münster laufen wollte in Jogmap schon am hibbelm war, kam in mir die Frage und Ungewissheit hoch, ob das Training denn reichen würde. Meine Taktik sah vor, so lange wie möglich das vorgegebene Tempo zu laufen, alles andere würde sich dann auf der Strecke zeigen.

Als mich Detlev dann am Morgen abholte war klar, dass sich meine Befürchtungen bestätigten und das Wetter nicht gerade Läufer freundlich sein würde. In Münster angekommen schnell die Startunterlagen abgeholt, umgezogen und zur Sicherheit schon mal die Kappe nass gemacht. Detlev, mit dem ich zusammen den Marathon laufen wollte hatte ich inzwischen aus den Augen verloren. Da sich die anderen Jogmapper auf dem Parkplatz am Schloss treffen wollten, bin ich dann da hin um mich schon mal warm zu laufen. Getroffen habe ich erst mal keinen, aber plötzlich lief mir Detlev beim Einlaufen über den Weg. Und als wir auf den Weg zum Startblock waren gab es dann doch noch ein freudiges Wiedersehen mit Carla und dem Sportprinzen. Der Startblock selbst war rappelvoll und beim Countdown kam eine derart großartige Stimmung und Atmosphäre auf welche mich derart emotional mitriss, dass es mir die ersten Tränen in die Augen trieb und ich tatsächlich Gänsehaut hatte.

Dann ging es auch schon los, obwohl es schon sehr schwül und drückend war, ließ der Wind noch einen kühlen Hauch erahnen. Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug und ratz fatz waren wir bei Kilometer 8 angelangt wo uns die zuschauenden Jogmapper lautstark anfeuerten. Nach Kilometer 10 trafen wir dann den Waxl welcher auch gut unterwegs war (irgendwie war er dann nach dem Getränkestand weg). Bis Kilometer 21 lief es gut, die Sonne brannte ab Kilometer 10 schon gut herunter, danach merkte ich dass wenn ich das Tempo von Detlev weiter mitlaufen würde ich zu viel Kraft verpulvern würde. Also ließ ich mich zurück fallen (ich hatte Detlev ja vorher gesagt, dass wenn er merken würde das er die Möglich haben würde seine Wunschzeit von 3:30 zu knacken, ich der erste sein würde von dem er sollte er diese Chance wegen mir nicht nutzen, einen Tritt in den Hintern bekäme). Ab Kilometer 25 merkte ich, wie mir zusehens die Kraft aus den Beinen wich. Wie gerne hätte ich mir jetzt von den vorbeifahrenden Radfahrern ein Fahrrad geklaut um darauf ein paar Kilometer zu absolvieren. Aber da ich es mir schon vor langer Zeit im Leben als Regel gesetzt habe mir meine Dinge ehrlich zu erarbeiten musste ich mich damit begnügen weiter meine Kilometer zu Fuß abzuspulen.

Bei Kilometer 30 hatte mich die 3:30 Gruppe vor der ich etwa einen 2 Minuten Vorsprung herausgelaufen hatte wieder eingeholt. Ich versuchte mich an der Gruppe festzubeißen was mir aber nur 2 km gelang. Das Wetter forderte einfach seinen Tribut, auch wenn zwischendurch mal ein paar Regentropfen fielen änderte sich kaum etwas an dieser drückenden Luft, welche mir als Läufer überhaupt nicht liegt. Kurz nachdem ich den Anschluss an die Gruppe verloren hatte holte ich Detlev ein welcher auch zu kämpfen hatte und lief ein kurzes Stück mit ihm, aber nach einer kurzen Weile war er weg. Auch ich verfiel immer mehr in einen Kampf und die gehenden Läufer an denen ich vorbei lief brachten durchaus den verlockenden Gedanken ins Spiel doch selbst auch eine Gehpause einzulegen. Ich kämpfte mich inzwischen von Kilometer zu Kilometer und von Verpflegungstand zu Verpflegungsstand an welchen ich gehend Cola und Wasser in mich hinein schüttete um danach direkt wieder anzulaufen. Die Zeit war mir inzwischen sowas von egal, ich wollte einfach nur noch irgendwie ins Ziel kommen.

Ich glaube die Zuschauer welche meinen Namen riefen und mich aufmunterten waren auch mit meine Rettung die Kilometer 37 bis 40 zu überstehen. Ab Kilometer 40 nahm die Zuschauerdichte deutlich zu, die Stimmung auch was meine Emotionen aufs Neue überschwappen ließen - verdammt schon wieder Tränen in den Augen... Egal immer weiter jetzt bald ist es geschafft. Gegen Ende des Laufs ändert sich der Boden von Asphalt zu Pflastersteinen welche nach dieser Distanz ordentlich in den Beinen weh tun. Egal denke ich mir, komm die nächste Kurve noch. Nach durchlaufen der Kurve dann endlich das heiß ersehnte Schild wo Ziel drauf steht. Plötzlich sind die schmerzenden Pflastersteine unter mir und die anderen Schmerzen vergessen. Die letzten Meter fliege ich förmlich ins Ziel. Geschafft - man war das heute ein Kampf! Der Jubel bricht aus mir heraus.
Nun erst mal runter kommen, durchatmen und ein Bierchen besorgen. Ich schnappe mir direkt 2 und warte auf Detlev, welcher mit einer Zeit von 3:40 ins Ziel kommt. Später treffe ich auch noch Waxl welcher sich mit Schmerzen durchgekämpft hat. Unsere Supporter an der Strecke habe ich leider nicht mehr gesehen (ich fürchte ich habe sie bei dem ganzen Trubel und Emotionen beim Zieleinlauf übersehen).

Auch wenn ich meine Wunschzeit um 3 Minuten verfehlt habe, so habe ich doch einen riesen Schritt nach vorne gemacht und es hat mir gezeigt, dass der Glaube an etwas und Trainingspläne einen durchaus nach vorne bringen können.

Mein Respekt und Hochachtung gilt auch Deti und Waxl welche trotz Schmerzen nicht aufgegeben haben. Das Ziel bleibt weiterhin bestehen - vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam beim nächsten Versuch :-)

Für mich jedenfalls war das für dieses Jahr der letzte schnelle Wettkampf, denn der Rest von 2011 so habe ich beschlossen, wird läuferisch jetzt nur noch genossen ;-)

4.6
Gesamtwertung: 4.6 (5 Wertungen)

Herlichen Glückwunsch!

So viel Pech in der Vorbereitung und dann so einen Marathon abzuliefern: Hut ab! Detlev hat recht, was das Potential angeht. Und das im 2. Marathon! Was wirst Du erst mit noch mehr Erfahrung laufen können und wenn alles in der Vorbereitung optimal läuft...

Ja, Münster ist emotional ganz riesig, besonders die letzten Kilometer verleihen nochmal Flügel. Ich hoffe, nächstes Jahr sehen wir uns dort wieder (nicht auf der Strecke, da bist Du mir zu schnell, aber vor- und nachher). Aber auch schon vorher würde ich mich über ein Wiedersehen freuen.

Liebe Grüße
Renate

Wettkämpfe bis Mitte September gecancelt.
03.10. 6h-Lauf in Kleinkarlbach
23.10. Drachenlauf

Du Jens,...

wenn Du immer knapp unter Deiner Wunschzeit bleibst, dann setze doch "einfach" beim nächsten Versuch die 3:15h an, dann hast Du Deine 3:30h ganz bestimmt!!;o)
Du hast grandios gelaufen und alles richtig gemacht.
Du hast wirklicch Potential für mehr, aber genieße das in kleinen Schritten, dann hast Du mehr davon!
Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Lauf!
WIR haben Dich gesehen und das war sehr ergreifend!!!

Lieben Gruß Carla

Du bist ein Kämpfer...

Hallo Jens,

was soll ich noch schreiben?Alles wurde gesagt was auf dich zutrifft,aber eins noch!
Ich wusste von Anfang an als du wie ein Blitz in meinem Läuferleben einschlugst das du ein sehr großes Potenzial besitzt und das hast du mir und dir selber bewiesen.Du hast mich damit sehr Glücklich gemacht und ich bin Stolz darauf dein Freund zu sein!Ich sagte dir vor dem Lauf das uns keiner was schenken wird und das wir uns alles erarbeiten müssen und das wir egal was unterwegs passieren wird wir niemals aufgeben werden und das haben wir getan.Denn Marathon ist kein Kindergeburtstag,vor allem nicht wenn man auf eine Zielzeit hin Läuft.Du bist ein echter Kämpfer und hast das umgesetzt was ich dir gesagt habe.Freue mich auf viele Läufe mit dir die wir gemeinsam mal schnell und mal wieder langsam Laufen werden.Genieße dieses Erlebnis,denn jeder Lauf ist einzigartig.

Lg dein Lauffreund Detlev

Du bist der Hammer!

Mit den Problemen im voraus und dem zwangsweise unterbrochenen Training noch die Zielzeit (fast) erreicht (ich mein 3 Minuten auf einem Marathon - was ist das schon?)! Und fast eine Schnapszahl - also die 33 Sekunden hättest Du Dir doch gönnen können :).

Definitiv ist da jede Menge Potenzial vorhanden! Mal eben so eine Verbesserung von Mai bis September! Stell Dir mal vor, Du würdest richtig trainieren :)). Nee, hast Du ja getan - der Trainingsplan hat super hingehauen.

Ich würde auch wie Carla schon schrieb beim nächsten Mal das Ziel einfach höher setzen. Du bist ein starker Kämpfer - genieße jeden Lauf und mach jetzt erst mal halblang, bis es Dich wieder treibt. Der nächste Marathon kommt bestimmt!

Du bist der Hammer!

Mit den Problemen im voraus und dem zwangsweise unterbrochenen Training noch die Zielzeit (fast) erreicht (ich mein 3 Minuten auf einem Marathon - was ist das schon?)! Und fast eine Schnapszahl - also die 33 Sekunden hättest Du Dir doch gönnen können :).

Definitiv ist da jede Menge Potenzial vorhanden! Mal eben so eine Verbesserung von Mai bis September! Stell Dir mal vor, Du würdest richtig trainieren :)). Nee, hast Du ja getan - der Trainingsplan hat super hingehauen.

Ich würde auch wie Carla schon schrieb beim nächsten Mal das Ziel einfach höher setzen. Du bist ein starker Kämpfer - genieße jeden Lauf und mach jetzt erst mal halblang, bis es Dich wieder treibt. Der nächste Marathon kommt bestimmt!

WHOW

ganz großes kino, toller bericht von einem prima durchgestandenen lauf mit klasse ergebnis
bewahr Dir das grinsen ;-)

The goal of science is to build better mousetraps, the goal of nature is to build better mice!

-3 Minuten

wären bei besseren Wetterbedingungen garantiert drin gewesen.
Glückwunsch.

klasse gemacht

ich hatte von der Zeit ja schon bei Detlev gelesen, aber noch nicht von dem Kampf. Wie dietzrun schon schrieb, die 3 Minuten darf man ruhig aufs Wetter schieben. (in einem Monat ist in Essen noch ein schöner flacher Marathon...)

Das Du auch unte die 3:30 läufst daran besteht kein Zweifel, ich meine für den 2. ist die Zeit doch nicht schlecht (hüstel).

Sehr gut und ab jetzt nur noch entspanntes Laufen, viel Spaß dabei.

Ultrastark, lieber Jens, ultrastark !!!

Das war einer der bewegensten Marathonberichte, die ich jemals gelesen habe. Letztes Jahr bin ich diese Strecke ebenfalls gelaufen und kann mich noch sehr gut an die Pflastersteine erinnern - im Vergleich zu Dir bin ich allerdings im Schneckentempo gelaufen.

Wenn ich an den HM in Bertlich Anfang des Jahres zurück denke und daran, dass wir zusammen gelaufen sind und Du jetzt den Marathon in 3:33:00 läufst, bleibt mir nur eins zu sagen: Ich verneige mich !!!

So, wie Du an Dir arbeitest, beim Laufen Freude empfindest (mal etwas mehr, mal ein bisschen weniger), Dich durchbeißt, Dein Training durchziehst, an Dich glaubst, wird nicht nur die 3:30h-Marke fallen, da bin ich mir sicher.

Ich freue mich sehr darauf, Dir zusammen mit Deti das andere Laufen zeigen zu können. Vordergründig heißt es dann Distanz statt Speed, aber eben nur vordergründig. Ich bin mir sicher, dass es Dir gefallen wird...

Herzlichst,
Holger



08.10. Ruhrtal-Marathon (mit Deti und Jens)
09.10. RWE-Marathon (mit Deti und Jens)
30.10. Röntgenlauf (mit Deti und Jens)

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