Ich weiss nicht, was mich geritten hatte, im Mai diesen Jahres zu beschließen, die letzten 3 Schwangerschaftskilos durch Laufen zu verlieren. Und was mich dann noch geritten hat, mich für die 10 Kilometer anzumelden, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben.

Auch wenn ich meine Trainingsmöglichkeiten überschätzt hatte (mit Arbeit, Hund und Kleinkind gibt es leider doch weniger Möglichkeiten als gedacht - zumindest für Strecken jenseits 30 Minuten Laufzeit), bin ich doch ein paar mal im Training an die 8km auf dem Flachland gekommen (die ich locker geschafft hatte) und einige Male um die Burg gelaufen, um ein wenig die Steigungen zu trainieren.

Dann kam er, der Wettkampf tag. Voller Panik vor den ungewohnten Steigungen (bin bisher meist flach gelaufen) und Aufregung habe ich gerade mal ein halbes Brötchen zum Frühstück runtergebracht. Um halb 12 los zum Abholen der Startnummer, bei schwüler Hitze und gefühlten 30°. Wir standen schwitzend (ich noch immer mit Kinderwagen dabei) bei der Ausgabe der Startnummern. Mit angehefteter Nummer dann hoch gemütlich in Richtung Start. Herrje war mir warm! Noch 1h bis zum Start, ich musste schon wieder aufs Klo. 30 cent für den Toilettenwagen hatte ich nicht mal mehr in Klein und musste meinen Babysitter der mittlerweile eingetroffen war, anpumpen. Noch 30 Minuten bis zum STart, die ankommenden Wolken der letzten 30 Minuten haben sich zu einer dunklen Wolkenfront gemausert und es fängt zu regnen an. Wir flüchten unter ein Zelt, denn vor dem Start nass und kalt werden, wollten wir nicht. Noch 15 Minuten bis zum Start, mein Babysitter verschwindet, ich stehe alleine mit einer anderen Läuferin und wir hopsen die Aufregung weg. 5 Minuten vor dem Start stehen wir unter 300 anderen Läufern mit freudiger Aufregung am Start - gemütlich in "vorletzter" Reihe, unser Zeil ist nicht die Zeit, sondern das Siegen über den inneren Schwinehund. Der Startschuss fällt, bei Kilometer 0,3 sind die Schuhe durchweicht, von oben sind wir eh schon nass.

Die ersten 1.5 Kilometer über den Ostwestfahlendamm laufen gut, ich bin es gewöhnt Asphalt zu laufen, an die ständigen Pfützen gewöhnt man sich, als die Socken bis oben nass sind. Runter von der Autobahn hoch ins Johannistal. Als Generalprobe bin ich am Dienstag das Tal mal gelaufen, wusste die Steigung der Strasse also einzuschätzen, hatte nur keine Ahnung, wo man genau die Strasse verlässt, das war auf der Ausschreibung nicht vernünftig zu erkennen. Die ersten Läufer müssen gehen, ich freue mich, dass ich langsam angegangen war, aber noch gut Luft habe und dran vorbeiziehen kann.

Fast am Tierpark wird die Strasse von den Helfern nur für mich gesperrt, denn die Läufer vor mir sind einige Meter voraus und hinter mir ebenfalls. Das erste Waldstück ist steiler als die Strasse bisher, ich fange an innerlich zu schimpfen, über den Regen, die Schotterpiste, die Idee, hier mitzulaufen. Hinter der Kurve beginnt ein richtiges Steilstück, aber nur sehr kurz. Wie vor dem Lauf vorgenommen gehe ich es flott, die vor mir laufenden Läufer sind auch nicht schneller, aber das gehen geht mir weniger in die Beine. Nach den 50m Steigung geht’s flott weiter, und plötzlich kommt mir ein rufender und gestikulierender Radler entgegen – ach du je, der Führende ist auf dem Rückweg. Und ich hab nicht mal das Schild für Kilometer 3 gesehen!

Hinter der nächsten Kurve sehe ich Tische – und Helfer mit Wasser. Ich bin zwar nass, aber was zu trinken ist schon schick. Habe ich nicht mit gerechnet, denn eingezeichnet in die Strecke war keine Verpflegungsstelle. Freudig nehme ich zu Kenntnis, dass genau an dieser Stelle die Hin- und Rückstrecke zusammenlaufen – ich also hier noch mal vorbei komme. Völlig ahnungslos nehme ich den ersten Becher und versuche im Laufen zu trinken – naja, irgendwie hab ich auch was runterbekommen. Aber das ist schwerer als gedacht. Am Ende der Tische steht ein junger Mann und hält mir irgendwas hin, ich greife zu – mehr aus Neugier, was das wohl ist – es entpuppt sich als Schwamm. Prima, kühles Wasser übers Gesicht und heiter weiter, oben an der Waldkante kann ich anhand der Läufer die weitere Wegstrecke ausmachen. Es geht endlich bergab!

Ich biege also nach der nicht schlechten Steigung zum Wald links in den ersten Abhang ein und sehe weit vorne ein blaues Kilometerschild. Ich bete und hoffe, befürchte aber, dass mir das Schild eine 3 anzeigen wird. Aus der Entfernung meine ich auch eine 3 zu erkennen, meine Motivation sinkt, doch dann, irgendwer hat ein Erbarmen mit mir - es steht tatsächlich die 4 auf dem Schild. Ich habe die 3 schlicht übersehen. Ich grinse und laufe gleich lockerer weiter. Es geht bergab, das macht es leichter. An jeder Kreuzung stehen Helfer und weisen den Weg. Das Feld zieht sich immer weiter auseinander, es geht wieder in den Wald – und wieder mal Bergauf. Ich japse und schimpfe innerlich, den Regen bemerke ich fast gar nicht mehr. Irgendwann taucht das Kilometer Schild 5 auf. Halbzeit. Ich jubel. Nun kann es nur noch besser werden. Plötzlich steht ein Helfer mitten auf dem Weg und weist mich auf einen kleinen Pfad zwischen zwei Gärten. Da soll ich runter? Steil, Steinig, in der Mitte hat sich der Regen zu einem „reißenden Bach“ entwickelt. Ich laufe die ersten Meter und merke, dass ich kaum halt Habe, dass ich rutsche und gehe lieber die paar Meter bis unten auf den befestigten Weg.

Und dann begann die Schlammschlacht. Der weitere Weg führte über einen im trockenen Zustand vermutlich Wiesentrampelpfad, was leider mittlerweile nach 1h Regen und etwa 200 Läufern die durch waren einer Schlammwüste ähnelte. 2-3cm tiefer Schlamm, kein Halt unter den Füssen, jeder Schritt war anstrengender wie 2 auf den Steigungen zuvor. Dann kamen noch vom Regen tief herabhängende Bäume dazu, die eine gebeugte Haltung erforderte, ich entschied mich zu gehen. Das Pärchen vor mir lief tapfer weiter, rutschte regelmässig – und hatte am Ende der Wiese etwa 15 Meter auf mich gewonnen. Endlich wieder steinigen Boden unter den Füssen war es nicht mehr weit zur Verpflegung. Juhuu, nun dürften es noch knapp mehr als 3 Kilometer sein, davon 1 bergab und 2 auf der Autobahn. Aus dem Hinweg hatte ich gelernt, und kam mit Trinken und Schwamm wesentlich besser zurecht. Alte Hasen lachen mich nun sicher aus, aber wer sowas noch nie gemacht hat, guckt da erst mal ziemlich blöd. Noch mal schimpfend die Schotterpiste runter und ich war wieder auf der Strasse. Ich überleg das Tempo etwas anzuziehen, kann aber die restlichen Kilometer nicht abschätzen, will auch nicht total verausgabt auf dem OWD ankommen und dann die 2 Kilometer nicht mehr zu schaffen. Entscheide mich mich kurz vorm Ende der Bergabstrecke doch für eine leichte Temposteigerung, und nehme das Tempo wieder raus, als es die Autobahn hoch geht.

Nun sind es noch geschätzt 2 Kilometer zum Ziel. Ich bin noch nie 10km gelaufen. Wie weit ist das noch? Es geht leicht bergauf. Ich habe keine Ahnung, wo der Punkt ist, das Tempo etwas anzuziehen und entscheide auf Sicherheit, ich laufe mein Tempo bis zum Ende. Komme was wolle. Der Weg zieht sich, die nächste Ausfahrt, die die Verkehrsschilder anzeigen scheint nicht näher kommen zu wollen. Von hinten kommen Läufer in einem Tempo an mir vorbei, von dem ich nur träumen kann. Aber ich will es schaffen. Endlich sehe ich den gelben Bogen vom Zieleinlauf. Die Augen fix darauf gerichtet ziehe ich das Tempo an, sogut es meine Beine noch zulassen. Ich bin nass, es ist Wind aufgekommen. Ich friere. Und ich laufe. Und Laufe. Endlich kann ich die Uhr erkennen – 1 Stunde, 9 Minuten und 16 Sekunden kann ich erkennen. Wie weit es noch ist, weiss ich nicht. Ich laufe, ich spurte, ich will um jeden Preis die Ziellinie unter 1:10 erreichen. Und schaffe es. Bruttolaufzeit 1:09:41- wobei ich ja nicht ganz vorne mit dabei stand, sondern gemütlich aus dem hinteren Teil des Feldes gestartet bin – leider habe ich bis heute noch keine Nettozeit.

Ich bin nass bis auf die Unterwäsche, aber dank Haarspray sitzt die Frisur, und ich habe es geschafft. Meine ersten 10 Kilometer, in einer Zeit, auf die ich gehofft hatte, aber nicht mit gerechnet hatte. Realistisch hatte ich 75 Minuten angepeilt. Und das bei sicherlich allem anderem, als optimalen Bedingungen.

Heute habe ich Muskelkater – im Hintern – in den Muskeln, die ich auf dem mistigen Schlamm gebraucht habe. Nicht mal so stark in den Muskeln, die mir sonst vom Bergtraining weh taten.

Ob ich sowas noch mal laufe? Ich weiss es nicht. Reden wir mal drüber, wenn der Muskelkater weg ist :-)

4.25
Gesamtwertung: 4.3 (4 Wertungen)

mogelpackung...

...ganz klar, da ist nicht drin was drübersteht! glückwunsch zum erfolgreichen debut und weitermachen auf der piste und im blog - nächstes mal aber bitte mit foto von der frisur.

herzlich, mojo

- auch das geht vorüber -

Na, so schlimm

klingt das aber gar nicht! Gratulation - und den Muskelkater nicht zu sehr pflegen, sonst fühlt der sich zu wohl.

Gut gemacht - und ein tolles Debüt! Weiter viel Spaß und Erfolg - und beim nächsten Mal dann auch trockenes Wetter.

na sicher machst Du das nochmal!

Mal ehrlich: was gibts schöneres, als sich als Erwachsener mal so richtig einschlammen zu können, ohne dass das jemand merkwürdig findet? Ist schließlich Sport ;-)
Glückwunsch zum erfolgreichen Wettkampfdebüt! Und wenns Dich tröstet: Ich kann auch nicht im Laufen Trinken. Ich bleib kurz stehen, greif mir einen (oder mehrere) Becher und trinke während ich ein Stück weiterGEHE. Sooo viel Zeit verliert man letztlich nicht, und wenn die Strecken länger werden oder das Wetter wärmer, dann ist Trinken einfach wichtiger als 5-10 Sekunden.
Grüße, WWConny

mit herzblut gelaufen und

mit herzblut gelaufen und mit herzblut den blog geschrieben ...
ich gratuliere dir herzlich zu deinem debut! es liest sich so, als ob du echt alles richtig gemacht hättest, dir dein rennen gut eingeteilt hast. als belohnung dann die tolle zeit. bin auf die nettozeit gespannt.

und dann gibt es noch diesen spruch hier, der nicht von mir ist:

der schmerz geht, der stolz bleibt!

lieben gruß - christiane

Tag 2 danach

Heute ist also Tag 2 nach dem Lauf. Ab morgen sind die Fotos vom Lauf online, und hoffentlich dann mit dem Update der Seite auch Nettolaufzeiten. Aber letztlich kommt es auf die Sekunden auch nicht an. Selbst wenn es 30-40 Sekunden sind, die ich dann "schneller" war, es bringt mich nicht unter die 60 Minuten, auch nicht unter die 65 - und unter den 70 bin ich sicher. Von daher sehe ich das jetzt locker.

Muskelkater in den Beinen hab ich immer noch fast keinen, es beschränkt sich wirklich auf das werte Hinterteil, Muskeln, die ich sonst nur spüre, wenn ich alle Jubeljahre mal meine Inlineskates rauskrame. Matsch sei Dank.

Bis morgen dürfte sich diese "Schmusekatze" dann auch verflüchtigt haben. Jetzt muss ich noch die LAufschuhe von der Schlammkruste befreien, dann können wir mal weitersehen. Am Wochenende erst mal Family und Kindergeburtstag, und dann, in ferner, fernern Zukunft (also so nächste Woche oder so) mag ich meine SChuhe vielleicht mal wieder. Vielleicht krieg ich ja auch Männe mal dazu, mitzulaufen....

Nettozeit: 1:09:13

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