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3012 Meter. So hoch führte uns heute der Transalpine Run und wir waren noch nicht mal auf einem Gipfel, mussten mit einem Joch, der Rappenscharte vorlieb nehmen.

Das war schon alles. Ist sonst noch etwas passiert?

Für viele war gestern der Tag der Leiden. Viele hatten Probleme, oft mit dem Magen oder mit dem Atmen. Das hat unser Team zunächst noch internationaler gemacht. Von den Teams, die wir aus dem Gore-Tex Trailrun Camp kennen, stießen die Schweizerin Ursula und der Österreicher Florian zu uns. Malika, Ursulas Teampartnerin hat wegen mehrerer Blasen nach dem gestrigen Tag die Segel gestrichen. Martin, der mit Florian sehr gut im Rennen lag, hatte gestern Husten und bekam kaum Luft. Auf dem Weg hoch zur Uina-Schlucht hatten sie sich bis hinter uns zurückfallen lassen. Dann hat sich Martin aus dem Rennen nehmen lassen und Florian zog bald wieder an uns vorbei. Bei Florian ist in Schruns schon verlautet, dass es unsicher sei, ob er weiterlaufen könne, denn er hat sich auf der ersten oder zweiten Etappe die komplette Unterseite beider Fersen mit großen Blasen verziert. Doch er beißt sich durch. Zitat: „Nuar die hoard’n komm’n in’n Goardn!“. Florian waren wir dann doch zu langsam und er zog bald davon.

Und mittendrin springen die drei Läufer aus den klassischen Berglaufregionen Dortmund, Dänemark und Rheinebene rum und tun so, als würden sie eine Runde im heimischen Wald drehen. Naja, fast.
Thomas und Jens sagen inzwischen auch immer mal wieder, dass sie Bein, Knie oder Fuß haben.
Ich selbst benötigte bisher nur zwei Blasenpflaster. Und die kleben innen und außen an meiner Trinkblase, um ein kleines Leck abzudichten. Mein Muskel von der Kniekehle zum Oberschenkel (gibt’s da eine Bezeichnung dafür?) hat sich beruhigt. Ich spüre, gelegentlich, dass er noch vorhanden ist. Er schmerzt nicht und stört beim Laufen nicht. Ich lasse mich jeden Morgen mit dem Tape zusammenkleben. Zählt das als Verletzung?

Die Stöcke habe ich auch weiterhin dabei. Die könnte ich mir auch sparen. Ich benutze sie nur bei Gehpassagen. Beim Laufen trage ich sie nur als Ballast in der Gegend herum. Besonders beim Downhill. Dank dem Training mit Beni Hug im Gore Camp und der Perfektionierung mit Maecks bin ich dabei inzwischen zu flott, um die Stöcke noch koordiniert einzusetzen. Der Großmeister Maecks hängt mich allerdings immer noch mit links ab.

Auf der Strecke ging es heute nur einmal hoch und einmal runter. Start in Mals, knapp unter 1000 m, vom Sportzentrum liefen wir auf den Schuleingang zu, als würden wir zu spät zum Unterricht kommen und durch die Hintertür liefen wir geradewegs wieder raus, als hätten wir die Hausaufgaben nicht gemacht und wollten deshalb schwänzen.
Dann ging es durch den Ort und an einer Bergflanke entlang stetig hoch. Meist recht mäßig, so dass es gut laufbar war. Ein paar kleine Eindellungen im Höhenprofil waren zum verschnaufen oder zum Dampf machen drin.

Nach km 15 war die erste Verpflegung, dann ging es zur Sache. Unser Weg führte durch Gestrüpp, durch das man in gebückter Haltung durchlaufen musste. Später loser Grund, dann immer weiter mit Steinen und Felsen durchsetzt, bis wir nur noch über Felsen liefen. Auf 5 km waren 1200 Höhenmeter zu erklimmen. Kurz vor der Rappenscharte machten ein paar Leute mit Glocken und Ratschen Stimmung. Unser privater Kameramann hatte die letzten Meter des Aufstiegs gefilmt. Auf dem Joch ein kurzes Statement in die Kamera gesprochen, dann ging es ebenso rasant abwärts. Hier war zunächst loser Schotter. Richtig steil und klasse zu laufen. Genug Platz, um einige Teams zu überholen. Hat mächtig Spaß gemacht. Hoffentlich hat der Kameramann das nicht verpasst.

Danach kamen wieder schöne Trails. An den Verpflegungsstellen fiel es mir wieder auf: Beim Laufen überholen wir mehr, als dass wir überholt werden. Dafür sind wir länger an den Verpflegungsstellen. Nach den bisher 7 Etappen habe ich vermutlich noch nicht abgenommen. Im Vorfeld hatte ich mir Gedanken gemacht, wie ich die Kalorien wieder draufbekomme, die ich beim Laufen verbrate. Diese Sorge war umsonst.

Auf den letzten 10 Kilometer ging es auf Versorgungswegen entlang eines schönen, klaren Bergbachs das Tal runter. Erst leicht abschüssig, später schon etwas steiler. Auf dem steileren Stück ging ein Läufer tatsächlich rückwärts runter, um Schmerzen zu vermeiden.

Ich versuchte darauf zu achten, dass ich beim Bergablaufen nicht mehr vorne lief, um das Tempo zu forcieren. Das überließ ich meinen Kameraden, denen die Beine inzwischen schmerzten. Getrödelt haben wir trotzdem nicht, sondern haben auf einem Weg mit Steinen durchsetztem losem Sand mächtig Staub aufgewirbelt.

Der letzte Kilometer zog sich wie Kaugummi. Inzwischen im Ort haben wir nach jeder Kurve gemeint, dass das Ziel endlich da sein müsste, doch es fanden sich immer weitere Richtungspfeile.
Im Zielbereich ließ ich es mir wieder eine ganze Weile gut gehen.

Auf der PastaParty durften wir Matti Birkmeyer, der „Keep on running“ geschrieben hat, live erleben.

cherry65

Transalpine Run 2011 – Team Vorarlberg-Pfalz PSVV/SCL
powered by Inov-8, SkinFit, Ski & Snowboard Club Leimersheim, Polizeisportverein Vorarlberg, Coty Deutschland, Die Rheinpfalz

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Na, dann sind wir ja wieder komplett!

auch dir noch alles gute für den letzten Tag! Du hast dich so lässig durchgebissen mit deinem Adoptivteam. Und auf die Fotos freu ich mich nach deinen Blogs ganz besonders!Lass es krachen morgen...

zausel

>

Nur noch einen Tag ...

Jetzt werdet ihr den einen letzten tag hoffentlich noch gesund überstehen. Ich wünsche euch tolle Erlebnisse und keine Schmerzen!
Genieß den Zieleinlauf, du hast es dir ehrlich verdient!!!

bimi-66
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Danke...

... auch dir für die tollen quasi live Berichte. Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist, aus der Ferne so mitzufiebern.
Alles Gute noch für die letzte Etappe
yazi

nur noch eine Etappe

Auch diese wirst du grandios meistern. Lasst es euch gut gehen und geniesst die restlichen KM des TAR 2011 :)

Viel Erfolg !!

16.10. Bottwartal Marathon (M)
12.11. Troisdorf (6h)
04.12. Nikolauslauf (HM)
28.01. Rodgau (50km)

Wo's zwickt, ist noch Leben!

Du hast dich bis jetzt so wacker geschlagen! Dann schaffst du den Rest auch noch!

Keep on Running!
;-)

Blog

du solltest ein Buch schreiben, ganz großes Kino - hast ja quasi sonst nichts zu tun :-)
Für die letzte Etappe auch von mir alles Gute und einen Wahnsinns Zieleinlauf !!!

toller Bericht, jetzt habt

toller Bericht, jetzt habt ihr es bald geschafft. Klasse. Gratuliere euch für so eine Leistung. Ich freu mich schon auf den nächsten Bericht.

Ich freu mich schon jetzt auf die Bilder

Viel Glück für die letzte Etappe.

Läuft...

...doch gut und die letzte Etappe schafft du auch noch. Viel Glück.

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