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22.8.2011 Urlaubstag - Trainingstag

Beim Frühstück im Almgasthof kam der Schock. Heute Abend ist Alm Bauernschmaus angesagt. Mit Schweinebraten, Knödeln, Kraut … Und das bei 32Grad im Tal. Das lässt sich nur mit seeeehr viel Sport vorab ertragen.

Also mit dem Wanderbus runter ins Tal. „Was willst Du denn jetzt schon unten?“ Die Frage höre ich zum zweiten Mal. Geduldig erkläre ich „die Achillessehne halt…“ Unten angekommen schnappe ich mir mein Leihrad für die Woche und radle die Drau entlang. Mein Ziel: 36 Kilometer bis Spittal und dann retour. Meine längste Strecke bisher waren 50 Kilometer. Also schon eine Herausforderung.

Die Abschnitte direkt an der Drau sind sehr angenehm. Der kalte Bergfluss kühlt ganz gut. Die Asphaltstrecken dagegen heizen von unten ganz gut auf. Mit dem Fahrtwind aber durchaus machbar. Der Weg führt in einem ständigen auf und ab über Felder, durch Waldabschnitte und nette kleine Dörfer. Ab Sachsenburg meist die Straße lang.

Nach 36 Kilometern sehe ich Spittal unter mir liegen. Die Tourbeschreiber haben schlichtweg gelogen. Für Spittal muss ich sicher noch 5-6 Kilometer drauflegen. Und schlimmer noch… gefühlte 150 Höhenmeter. Meine innere Schweinehündin Lisa und ich sind demoralisiert. Die Höhenmeter packen wir jetzt nicht mehr obendrauf. Es gibt zwei Möglichkeiten. Runter nach Spittal, ins Eiscafe und mit dem Zug zurück. Oder jetzt kehrt machen und die 36 Kilometer wieder zurück. Der Bauernschmaus kommt mir wieder in den Sinn. Das sind 72 gegen gut 40 Kilometer. Lisa ist auch einverstanden. Also umdrehen. Kurze Birnen- und Trinkrast, dann geht es weiter.

Ich fühle mich noch richtig frisch und pedaliere gut gelaunt bis Kilometer 50. Da habe ich bei meiner letzten längeren Tour schon geschwächelt. Am nächsten Bergabstück erreiche ich rollend und ohne Mühe 40 Km/h. Wow, klasse. Endlich trocknen. Ich fühle mich immer noch top. Aber irgendwie sind die Asphaltstücke schon etwas länger geworden.

Ab Kilometer 54 beginnt der Kampf. Erst zwickt das linke Knie, dann das rechte. Zwischenzeitlich mault die Achillessehne. Der linke Oberschenkel fängt an zu verkrampfen. Lisa wird nörgelig.

Kilometer 60. Es wird zäh. Viel trinken. In Sachsenburg kann ich meine Wasserflaschen auffüllen. Lisa will am liebsten in den Brunnen springen. Geht aber nicht. Noch eine Mannerschnitte, dann geht es weiter.

Kilometer 66. Stretchingpause. Und noch einen Liter trinken. Ein Hund wird von seiner Besitzerin mit einem Spielzeug in die Drau gelockt. Er bekommt es jedes Mal wieder zu beißen, dreht eine Ehrenrunde um mein Rad und dann beginnt das Spiel von vorne. Lisa würde am liebsten mitmachen. Sie ist etwas beleidigt, weil sie gefangen ist.

Dann geht es in die Schlussrunde. Nach ziemlich genau 72 Kilometern und knapp 520 kumulierten Höhenmetern bin ich wieder beim Fahrradverleih und stelle das Radl bis morgen unter. Verschwitzt. Vermückt. Und happy. Lisa ist jetzt auch zufrieden.

Irgendwie habe ich mein Ziel erreicht… ohne es wirklich zu erreichen. Und jetzt bin ich hungrig. Das war ja auch ein Zweck der Tour ;-)

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