
...bis ich den Mann sah, der keine Füße hatte.
Leider weiß ich nicht mehr, von wem dieses Zitat ist.
Dienstag, 18:00 Uhr. Hänigsen. 27 Grad im Schatten. Die Frisur hält, die Schuhe sind geschnürt. Und los geht's auf die 12 km-Runde. Die ersten km liefen super, da war es noch ziemlich schattig und ich bewegte mich auf einen 5:30 - 5:40-Schnitt zu. Toll, dachte ich, und das bei dem Wetter. Doch nach etwa 6 km war ich im freien Feld und die Sonne knallte nur so auf mich drauf. Warum habe ich meinen Getränkegurt nicht dabei? Weil ich zu eitel bin, auf so einer Runde kleine Fläschchen spazieren zu tragen...
Ich merkte selber, wie ich immer langsamer wurde und fing schon wieder an zu hadern. Warum das alles? Und warum bei diesem Wetter? Soll ich abkürzen? Etwas gehen? NEIN!!! Ich bin ein ganz harter...
Und dann sah ich ihn von weitem auf mich zurollen. Ein älterer Mann in einem elektrischen Rollstuhl mit einem Hund daneben. Ich lief wieder gerader (man soll ja nicht merken, wie geschafft man ist) und fixierte den Rollstuhlfahrer mit meinem Blick, um ein freundliches "Hallo" zu vermitteln. Doch der Rollifahrer achtete bewusst nicht auf mich, vermied den Blickkontakt und setze einen Gesichtsausdruck auf, der alles grimmige beinhaltete. Ich lief also wortlos an ihm vorbei.
Aus meinen Gedanken ist der Mann jedoch nicht verschwunden.
War er auch mal ein Sportler? Vielleicht ein Läufer? Würde er ohne Handycap jetzt auch vorm PC sitzen und Blogs verfassen? Wie muss es ihm vorkommen, anderen beim Sport zusehen (oder wegsehen) zu müssen?
Ich wurde immer langsamer, zog aber meine Runde durch.
Mit einem 6:05er Schnitt war ich wieder zu hause.
Doch eins habe ich gelernt:
Selbst wenn der Weg noch so steinig ist, die Sonne noch so brennt, macht es überhaupt nichts aus, einmal einen Lauf abzubrechen, abzukürzen oder eine Pause einzulegen. Denn Morgen können wir wieder laufen, und Übermorgen, und Überübermorgen.
Leute, regt euch nicht über Kleinigkeiten wie eine verpasste Bestzeit auf, ihr könnt sie immer wieder neu in Angriff nehmen. Und das ist wichtig. Es gibt ein Morgen für Läufer, leider nicht für alle Rollstuhlfahrer.
Schönes Wochenende an alle,
Thomas
- Blog von --Thomas--
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben


grimmig...
Hi thomas,
grimmig habe ich vielleicht nicht geschaut, als ich vor einigen Tagen in der Reha nach meiner Krebs-OP durch den herrlichen Bergwald mit genau den Wegen, auf denen ich immer so gerne gelaufen bin mühsam daher wanderte und es begegneten mir immer wieder Läufer...ich konnte aber leider nicht mit, weil mir die Kraft fehlte. Nein, grimmig nicht, aber wehmütig. Hätte ich nicht die Aussicht und Hoffnung, daß ich in absehbarer Zeit wieder in so einer Situation rufen könnte: " Hey, nimm mich mit!, lauf mit mir ein Stück!", vielleicht würde ich irgendwann auch einfach vorbei sehen, das Gelaufe gar nicht sehen wollen,es würde mir vielleicht das Herz zerreißen aber ich bin gottseidank noch nicht soweit.
Vielleicht war er kein Läufer, vielleicht hat er es einfach schön gefunden, unbeschwert draußen herum zu leben und er kann das jetzt alles nicht mehr. Das Leben läuft nicht nur in einer Rille, Glück ist oft nur, im richtigen Moment die richtige Weiche gekriegt zu haben.
Viel Spaß da draußen
Hofpoet

vielleicht mal reinsehen: Siebengebirgsrun.de meine Laufseite
Da steckt sehr viel Wahrheit
Da steckt sehr viel Wahrheit drin. Oft ist es nur ein Schritt und dein Leben verläuft in einer anderen Richtung.
Annett
Durchhalten
Aber warum.....
...hast Du ihn denn nicht trotzdem gegrüßt?
Vielleicht hätte er dann gelächelt und schnell zurück gegrüßt oder auch nicht?!
Vielleicht ist ein grimmiger Blick manchmal nur ein Schutzpanzer, den man sich lange ungewollt unbemerkt aufgebaut hat und sich nicht traut oder einfach mit den Gedanken ganz woanders ist.
Ich grüße manchmal schon etwas provokativ und wundere mich immer wieder, wie schnell grimmige Gesichter zu freundlichen werden, wo man es nicht vermutet hätte.
Ist ein schönes Gefühl! Und es kommt einem oft Wärme und Zutrauen entgegen, wo man es nicht vermutet.
Versuch doch mal, wirst Dich wundern.:o)
Lieben Gruß Carla-Santana
Sehr wichtiger Beitrag....
danke, dass du mich/uns zum Nachdenken gebracht hast. Dankbar zu sein für das was man hat, muss immer wieder geübt werden. Es ist schön, wenn man durch so einen Blog daran einnert wird, gut dass du dein Erlebnis mit uns geteilt hast....
zausel
der rollstuhlfahrer...
...würde dir vielleicht wiedersprechen und sagen: "auch für mich gibt es ein morgen, denn auch ich kann den sommer erleben, die sonne auf der haut spüren, den würzigen geruch einatmen. dazu brauch ich keine beine."
es ist einfach alles eine frage des blickwinkels...
____________________
laufend fragt sich bei der gelegenheit, ob´s in hänigsen die dicso "tenne" noch gibt, in der sie vor urzeiten abgerockt hat: happy
Schöne Gedanken
Danke fürs Mitteilen.
Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!
@all
Danke, dass ihr so zahlreich und unterschiedlich reagiert habt. Da sitze ich und schreibe diesen blog, versuche alle für und wider abzuwägen, bei diesem sensiblen Thema die richtigen Worte zu wählen... und ihr bringt wieder ganz neue Aspekte... toll.
@happy... ich meinte ein sportliches Morgen, nicht ein generelles (oh Gott, das wäre ja nicht auszudenken)
@hofpoet... schön, etwas von der "Reha-Front" zu hören, alles Gute für dich. Ich hoffe, dass dein km-Zähler bald wieder nach oben schnellt :-)
Ich finde es toll, so viele verschiedene Emotionen ausgelöst zu haben und freue mich auf weitere Meinungen.
gute Gedanken
leider sind solche Erlebnisse immer wieder notwendig damit wir nicht erwarten, dass die Bäume in den Himmel wachsen und auf dem Teppich bleiben.
Pat
ich weiß es :)
der spruch " ich weinte , weil ich keine schuhe hatte ,
bis ich jemanden sah, der keine füße hatte"
stammt von helen keller ,
einer taubblinden amerikanischen schriftstellerin
mit einer sehr interessanten vita !
schau mal hier
den satz hab ich mir bereits 1981 in mein verstagebuch geschrieben
kann nicht schaden, sowas;)
gc
Gerade zur rechten Zeit...
...lese ich deinen Beitrag, denn ich hadere auch momentan, weil ich nicht so schnell bin wie ich gerne wieder wäre. Und nicht so ausdauernd und nicht so konsequent.
Vielleicht sollte ich auch einfach mal wieder nur für Spaß laufen statt immer was erreichen zu wollen.
Danke!
Du hast
ja so recht! Danke fürs Erinnern!
"Das Leben geschieht einem, während man damit beschäftigt ist, andere Pläne zu schmieden", John Lennon
Wir sind BORN.Verstand ist zwecklos. Sie werden bekloppt
Ein Freund ist handbiker,
Ein Freund ist handbiker, der hat ab Knie keine Beine mehr. Der ist trotzdem auf unserem 32 km Sprint um einiges schneller als ich. Der will kein Mitgefühl, der will Kampf :-). Auch ich darf nicht mehr laufen, deswegen verzweifel ich nicht, irgendwas geht immer und mit 70 wird gewalkt. Was mit uns im Alter passiert, wissen wir alle nicht, geniessen und leben wir unser Alter.
:Zitat:Und das ist wichtig. Es gibt ein Morgen für Läufer, leider nicht für alle Rollstuhlfahrer.:Zitatende:
Dich würde ich gerne mal zu einer unseren Radtouren über 70 km mitnehmen :-). Am Sonntag hättest Du Gelegenheit bei einer RTF in Untergrombach über 73 km. Ein Sportler ist ein Sportler ist ein Sportler, ob mit oder ohne Unterschenkel, musste ich auch erst lernen, dein "kein Morgen" würde Dir mein Handbiker um die Ohren fahren. Lieb gemeint von Dir und mir :-)!
Grüsse
Christian
Danke!
Schöner Blog und sehr gute Kommentare. Mal einen ganz anderen Blickwinkel einnehmen hilft dabei, die eigenen Prioritäten immer wieder zu überdenken.
Danke dafür.
Duplette
Duplette
Laufen ist...
... mein Seelenheil.
Ich hatte ursprünglich viel mehr geschrieben, aber das bringt es eigentlich auf den Punkt.
Was auch immer passiert, und man weiß ja nie ob, wann und wo, würde ich mir wünschen auch dann noch einen Sport machen zu können der mich so sehr ausfüllt wie das Laufen. Man sollte sich einfach öfter darüber im klaren sein, wie gut es einem geht und die kleinen Freuden des Lebens mehr zu schätzen wissen.
Und wer weiß, vielleicht hat auch der Rollstuhlfahrer ein Hobby dass ihn ausfüllt.
Mein Motto: Lächeln ist das Kleingeld des Glücks.
(Und manchmal ist es auch noch ansteckend.)