Ziemlich aufgeregt stand ich gestern um 14.30 Uhr an der Burg Windeck bei Bühl in Baden, um auf einen Haufen Läufer zu warten, die bis zu diesem Zeipunkt schon einen kompletten Marathon in den Beinen hatten und seit 8 Uhr unterwegs waren. Die beiden letzten Etappen von insgesamt sechs wollte ich mit ihnen laufen. Eisweinlauf heißt dieses Event, das gestern zum siebten Mal statt fand. Der Eisweinlauf ist ein Benefizlauf zugunsten von Kindern mit Muskeldystrophie Duchenne (www.laufendhelfen.de)
Die Gruppe stärkt sich erst einmal - einige greifen sogar zu einer Flasche Bier nach 2/3 des Rennens - für mich unvorstellbar!
Nach knapp 10 Minuten ein Pfiff mit der Trillerpfeife und der Tross setzt sich in gemächliche Bewegung. Nach einem kurzen Waldstück laufen wir - ganz dem Namen entsprechend - durch wunderschön sonnenbeschienene Weinberge, immer an der Schneegrenze entlang.
Zum ersten Mal habe ich eine Strecke dieser Länge in Angriff genommen. Mein längster Lauf bisher waren 16 oder 17 km und ich habe ziemlich Muffensaussen. Ein Argument für den Lauf war für mich gewesen, dass Steigungen (von denen es reichlich gab) gegangen werden. Nie hätte ich für möglich gehalten, das Tempo könnte zu langsam sein; aber der ständige Wechsel zwischen Gehen und Laufen in fremdem Tempo ist nicht ohne und mir ist ständig kalt. Stängig aufpassen, keinen zu treten, nicht aufzulaufen, Ellbogen und Gerüche verschiedenster Art ständig zu nahe...

Nach 11 Kilometern Pause, schnell ein paar Oliven und ein bisschen Tee greifen und auf's Weiterlaufen warten, denn es ist eiskalt. Die Sonne verabschiedet sich über Frankreich, ein wunderschöner Anblick, und macht langsam die Bühne frei für den Star des Tages. Aber zuerst laufen wir nach der langen Phase in den Weinbergen in den Wald und es wird schlagartig stockfinster und eiskalt, Stirnlampen gehen in Betrieb. Die letzten Steigungen liegen vor uns, der Boden ist rutschig. Als wir den höchsten Punkt erreichen und Baden-Baden in greifbarer Nähe liegt, verändert sich die Stimmung im Läuferfeld. Das Geschnatter wird aufgeregter, die Abstände zu den Mitläufern werden noch kleiner. An dieser Stelle werden wir mit einem irren Anblick für unsere Anstrengung belohnt: Der Mond steht am Himmel, direkt über den Baden-Badener Hügeln strahlt er uns voll und riesengroß entgegen. Von einem Beitrag im Radio wusste ich schon, dass der Mond so groß sein würde wie schon lange nicht mehr, weil er verhältnismäßig nah an der Erde ist.
Serpentinenartig laufen wir durch Villenviertel, dem Baden-Badener Weihnachtsmarkt entgegen. An dieser Stelle bin ich ziemlich fertig, hätte lieber niemanden um mich herum, aber es sind nur noch 2 km, die dann auch schnell zu Ende gelaufen sind. Mit über hundert Läufern treffen wir gegen 17.45 Uhr auf dem Baden-Badener Weihnachtsmarkt ein und lassen uns ein kleines bisschen feiern. Der Scheck über 3500 Euro wird übergeben, ein Glühwein wird getrunken und das war's!

Mein Fazit: Landschaftlich und vom Gemeinschaftserlebnis eine irre Erfahrung und ich werde sicher nächstes Jahr wieder dabei sein (dann hoffentlich eine Etappe mehr), auch wenn es mir schwer fällt mich dem Tempo anderer anzupassen. Aber auch das kann ja eine Herausforderung sein. Besonders schön ist, dass bei diesem Lauf klar wird: jeder, der mitläuft, ist ein Gewinner, nicht nur der, der als erster ins Ziel kommt!

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