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So am Nikolaustag einen Halbmarathon zu laufen ist doch eine erfreuliche Herausforderung. Wenn ich bedenke, welche Strecke der Nikolaus an diesem Tag zurück legen muss, bleibt für mich ja nun wirklich nur ein winziges Stück Strecke übrig. Na gut, 21 Kilometer - aber im Verhältnis gesehen.
Das Wetter war nicht gerade sehr einladend. Jedoch hat sich im Laufe meiner Läuferinnenkarriere die Einstellung zum Wetter sehr gewandelt. Regen, was solls. Trübes, kühles Wetter, kann mich doch nicht schrecken! So lasse ich mich denn von meinem Mann nach Bruchhausen fahren.
Es tröpfelt, das Tröpfeln wird zum Schauer, na ja vorsichtshalber habe ich Laufsachen für Regenwetter auch eingepackt. Anmeldeformalitäten erledigt. Eine Tasse Tee getrunken.
Rausgeschaut. Regen. Also gut ich gehe mich umziehen. In der Umkleide die Regensachen angezogen. Festgestellt, dass ich keinen Startnummerngurt dabei habe, also wirklich, Sicherheitsnadeln durch Regenmembranen stechen, das geht nicht. Also zurückumgezogen. Den festen Vorsatz gefasst, sollte es so regnen, dass mir kalt wird, breche ich den Lauf nach 10 km, der ersten Runde ab.
Mich in den Startblock eingereiht. Prima, der Regen hat aufgehört. Es geht los. Ich bin jedes Mal wieder begeistert wie schnell manche loslaufen können. Kaum ist das Nachhallen des Startschusses verklungen, sind die ersten an der vor uns liegenden Kurve. Ich laufe, was meinen Puls betrifft zu schnell los. Gut, dann nehme ich meine Geschwindigkeit halt wieder ein wenig zurück, bin ja eh viel älter als die meisten, bin ich halt großzügig und gönne denen das Gefühl mich überholen zu können.
Der Winterstraßenlauf ist ein schöner Lauf. Erst mal durch die samstäglich, verschlafenen Straßen des Ortes. Die Durchfahrtstraße überquert und weiter entlang der gepflegten Häuser. Die wenigen Autofahrer verhalten sich sehr rücksichtsvoll. Na gut, vielleicht bedauern sie uns ja. Der Asphalt ist ordentlich, Schlaglochfrei, die Mitglieder der Feuerwehr stehen an markanten Punkten damit sich niemand aus Versehen verläuft. Dann die Linkskurve, das Dröhnen der Autobahn nimmt zu, noch am Hühnerhof vorbei, dessen Eingang adventlich geschmückt ist. Die Laufstrecke steigt an, die Brücke die uns über die Autobahn führt muss überquert werden. Manch einer der da unten Fahrenden beneidet uns jetzt bestimmt.
Am Horizont ist ein heller Streifen zu sehen. Regentropfen fallen nicht mehr. Die Luft ist kühl und frisch, ich bin mit gleichbleibendem Tempo hier auf die Brücke gelaufen, hinab und zwischen den Kuppeln des Pferdehofs hindurch. Schwere Bauernpferde mit dickem Fell stehen da auf der Wiese, über den Hufen langhaarige Pelzbänder, dampfender Atem - ein wunderbares Bild. Am Eingang zum Wald ein Paar. Diese beiden stehen sogar noch bei der zweiten Runde an der Kreuzung. Zwei Menschen die sich über uns Läufer freuen und unermüdlich Beifall spenden. Im Wald ist von dem kühlen Wind nichts mehr zu bemerken. Die Hände von den Handschuhen befreien, auch der Schal verschwindet in den Taschen der Weste. Sogar die hätte ich nicht gebraucht. Meine Kappe hätte auch daheim bleiben können.
Große Pfützen an den Wegrändern. Schließlich handelt es sich um einen Winterlauf. Nur nicht zu dicht auf die vor mir laufenden aufrücken. Um Pfützen tänzelnde Läuferbeine haben auch etwas erheiterndes. Hätte ich mich mal nicht zu früh gefreut, platsch da versinkt einer meiner Schuhe in der Pfütze und der andere Fuß bekommt auch noch eine Dusche ab.
Auf der einen Seite lichterer Wald, Moos bewachsene Äste mit glitzernden Wassertropfen. Auf der anderen Seite dichtes Gestrüpp, den Blick auf den wenig schönen, alten Schießplatz verhindernd.
Noch ein Stück weiter, mal in der Mitte des Weges laufen mal mehr am Rand, die Pfützen geben weiterhin den Pfad vor. Der erste Läufer kommt uns entgegen. Was für eine Haltung, da laufen alle gerne zur Seite, die Spur zwischen den Pfützen freimachend. Erst als das nachkommende Feld dichter wird, wollen wir die weiter hinten laufenden auch nicht immer zur Seite, besonders wenn die uns entgegenkommenden in Dreier- oder Vierergruppen laufen. Die Wendemarke. Puh, schon ein Viertel der Strecke geschafft und igitt, welch süßer Tee. Schade, heißes Wasser wäre mit Sicherheit bekömmlicher gewesen.
Ich kann so ein gutes gleichmäßiges Tempo laufen. Meine Beine halten den Rhythmus, meine Atmung ist leicht und mein Kopf ist so frei und voll Freude, dass ich das schaffe. Die Strecke zurück. Der kühle Wind außerhalb des Waldes erfrischt. Die Wendemarke am Ziel umlaufen und wieder Richtung Wald.
Bald beginnt es zu dämmern. Der Wald ist in winterliches Stimmungslicht gehüllt. Die dröhnende Autobahn, dampfende Rösser. Das letzte Mal die Wendemarke im Wald umlaufen und ich kann immer noch das gleichmäßige Tempo halten. Jetzt ist es mir völlig egal wie lange ich brauche für die 21 Kilometer. Das Gefühl des Laufrhythmus ist Gewinn genug. Der Häuser des Ortes begrüßen mit beginnender Lichterketten- und Fensterbeleuchtung. Jetzt noch die Durchgangsstraße überqueren. Danke Euch Mitgliedern der Feuerwehr, dass ihr solange ausgehalten habt um diese Straße für uns sicher überquerbar zu machen. Jetzt muss es doch gleich in die Seitenstraße gehen. Aber der freundliche Mensch verhindert mein falsches Abbiegen. Also gut, wenn der meint die Strecke führt weiter gerade aus, nehme ich die nächste Seitenstraße. Aber da ist ja gar nichts mehr. Ich habe mich verlaufen. Zurück und noch weiter gerade aus. Also diese Seitenstraße muss es sein, denn dahinten ist eines der Kilometerschilder zu sehen. Noch 600 Meter bis zum Ziel. Beleuchteter Zieleinlauf und da wartet mein Mann. Ist das schön. Glücklich über diesen wunderbaren Lauf, über das Gratulationsumarmen, und ich glaube es kaum, auch noch erste in meiner Altersklasse. Na, gut, wir waren in dieser Altersklasse nur zu zweit. Wenn ich nächstes Jahr noch laufe gehe ich da wieder hin.

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Schöner Bericht

Schöner Bericht. Da hört man beim Lesen fast jeden Schritt auf den matschigen Waldwegen. Und meine Glückwünsche zum AK-Sieg.
Vielleicht mach ich dort auch Mal mit, die Anfahrt ist ja nur ein guter Katzensprung.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

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