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Was macht der Läufer, wenn im unentschiedenen Hinundher von flau verregneten Herbst und ätzkaltem Winter Ödnis und Langeweile drohen, die Lust aufs Tempotraining völlig abhanden kommt?

Er kann sich, wie glowi ;-), mit Modefragen (USCHIHOSEN) beschäftigen.

Oder Umwege gehen, um doch zum gewünschten Resultat zu gelangen. Natürlich höre ich jetzt die geballte, hier versammelte Kompetenz drohen: JETZT IST REGENERATION DRAN!!! Das mag schon sein, doch zahlreich sind die Tabubrecher, erst neulich wieder HenryIIX als schwarzlaufender Marathon-Supporter, der dann logischerweise selber Mara laufen musste - 1 Woche (!!) nach seiner fulminanten Zeit in Milano.

Was ich damit sagen will: es gibt eben auch Trainingsanarchisten, die sich einen Dreck um die Regeln scheren. Ich bekam den Tip, Stunden-Paarlauf mit Musik des ABC Berlin. Eigentlich hatte ich ja vor, heute einen sehr langen Lauf zu machen, und dann abends den Stundenlauf noch dranzuhängen. Diese Verrücktheit wurde durch ein Date mit einer Lauffreundin vereitelt, das ich als gute Alternative zum LDL akzeptieren konnte. Also abends nach Mitte, von der S-Bahn durch riesige Häuser (im Satelitenbild sahen sie aus wie kleine Baracken, 3D wäre doch nicht schlecht) ins Wohngebiet - und da leuchtet schon das Flutlicht. Nachmelder 2 € mehr, na gut, Dabeisein ist alles. In der Umkleide streifen sich grimmige junge Männer in kurzen Hosen und Tanktops Spikes über die Füße und schießen nach draußen, zum Halbstundenlauf. Ich finde mich in 3/4-Tights schon sehr mutig. Hab aber auch keine Spikes, wahrscheinlich liegt's daran.

Und dann der Start, die Bahn etwas glitschig, aber im großen und ganzen geht's. Sofort scheren die Drängler und Ellenbogenausfahrer neben einem aus und ein. Das ist eindeutig eine Seminar-Marktlücke. Lauf-ABC gibt's an jeder Ecke, aber Selbstverteidigung bei Bahnläufen wäre genauso nötig. Diese Sorte Lauferei gehört eindeutig zu den Extremsportarten (zumindest für Long-Distance-Runners). Man kachelt los, um ja keine Sekunde zu verpassen, nach der Hälfte der Bahn hab ich schon schwere Beine, warte sehnsüchtig auf die Ablösung durch meine Partnerin. Die ist dann ein wenig länger unterwegs, so dass ich ein Fitzelchen mehr Erholungs-Illusion habe, aber dennoch viel zu schnell wieder da. Wieder renne ich los wie bekloppt, die Konkurrenz auf der Bahn tut ein Übriges. Es soll mir nochmal jemand erzählen, der Mensch sei lernfähig! Vielleicht ja, aber es fragt sich, wie viele Versuche er braucht. Irgendwie ist man da nicht bei Sinnen, die Hormone, das Adrenalin, das Flutlicht, die Discomusik, was weiß ich. Interessehalber hab ich die Pulsuhr mit; der Höchstpuls war 1 bpm unter maxP. Das zeigt, was da abgeht, extrem eben. Die ersten 20 Minuten bin ich also mit dem Finden einer halbwegs angenehmen Geschwindigkeit beschäftigt, bei der ich nicht die letzten 50 m denke, ich habe Beton in den Oberschenkeln. Nach 40 Minuten fing's an, Spaß zu machen und als die Stunde vorbei war, hätte es losgehen können. Kaum eingelaufen, schon wieder zu Ende - wir sind eben doch Langstreckenläufer!

Angenehm danach: wirklich und wahrhaftig richtig heiße Duschen!

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Hihi

DAS war ja spannend zu lesen! :)

Danke fuer den Bericht.
s:)

Stunden-Paarlauf

Ich dachte bei Paarlauf erst an Pirouetten auf dem Eis... Aber das das eine Art Extrem-Intervalling ist... Meine Bildungslücke ist nun geschlossen!

:-) cc

Warum ist immer Schluss, wenn's am Schönsten ist?

Es lebe die Langstrecke! ;-)

LG

MC

laufend fit und gut drauf!

bin zwar kein Trainings-Anarchist

aber das mit dem bekloppt loslaufen, da mach ich auch immer mit. Taufte dieses Verhalten Energizer-Bunny-Syndrom.

Stundenpaarlauf ist wahrlich was schönes. Die beste Art für jemand anderen zu laufen.

Bin allerdings verwundert, dass es an der Etiquette bei den anderen so gehapert hat.

marcus

Laufen in Leipzig

Genau.

Statt "schneller, höher, weiter" lieber "länger, länger, länger".
Außerdem fährt dann keiner die Ellenbogen aus, weil er die Energie lieber für die kommenden zig Kilometer spart...

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de nihilo nihil

Super

der Weg ist das Ziel, gib nie auf

Na, mein Buddy, zeigst du mal wieder, was in dir steckt. Nur wer sich der Herausforderung stellt, wird wissen, ob er ihr gewachsen ist.

Du bist es, wie man lesen kann. Vorbildfunktion hast du!

Weiter so, aber auch die Päuschen nicht vergessen, gell.

Beeindruckt ist deine Ute-Buddy

Gekonnt anarchistisch

Moin Kurzbein-Genosse:-)

Schöner Erlebnisbericht.
Bei mir geht der Spaß auch erst jenseits der Stunde los, typisch Langstreckler (Je kürzer die Beine, desto länger die Strecke?), war aber sicher mal ne andere Erfahrung.
Und Regeneration ist dann, wenn der Körper unmissverständlich kundtut, das es angebracht ist, dies muß nicht zwangsläufig nach jedem Marathon sein.
Und schon gar nicht zu festgeschriebenen Jahreszeiten

Anarchistische Grüße, Marco
You´ll never extremier alone

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