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Rhade meets New York
-Laufen in der Megacity-
In diesem Jahr war es endlich soweit. Nach mehreren größeren und kleineren Marathonläufen war es Jörg Rudnick und Georg Lammers gelungen, einen Startplatz bei dem Marathon überhaupt, dem New-York-City Marathon, zu ergattern
Mit dem Veranstalter Große-Coosmann aus Münster und in Begleitung von Kai Lammers ging es am 29.10.08 vom Flughafen Düsseldorf nach „Big Apple“

Schon die Ankunft nach 8 Stunden Flug auf dem riesigen JFK Flughafen zeigt, dass in NY eines angesagt und unvermeidlich ist: Laufen!

Nach Quartierbezug im Marriott Marquis direkt am Times Square ging es auf Erkundungsgang durch die unglaubliche Neonreklamewelt dieses weltberühmtes Platzes.
Auch am Donnerstag und Freitag wurden zur Abholung der Startunterlagen, Besuch der Marathonmesse, Grand Central Station und Rockefellercenter und shoppen bei Macys, dem vermutlich größten Kaufhaus der Welt, viele Kilometer New Yorker Straßenpflaster unter die Schuhsohlen genommen. Ausnahme war eine beeindruckende Schiffsfahrt rund um Manhattan. So konnte die traumhafte Skyline von alles Seiten bestaunt werden.
Der New-York City Marathon selbst beginnt vor dem Marathonstartschuss.
Am Samstag um 8.30 Uhr stand der stimmungsvolle Freundschaftslauf aller beteiligten Nationen auf dem Programm. Kai und Georg Lammers nahmen am 6,4 km langen Lauf vom
UN-Gebäude bis in den Central Park teil. Die Stimmung war so toll, dass Kai nach Zieleinlauf feststellte: „Schade, wir sind schon da!“

Sonntags um 4:30 Uhr rief der Wecker zum Hauptlaufereignis.
Pünktlich um 5:30 stiegen Georg und Jörg in den Zubringerbus zum Startplatz auf Staten Island. Kai konnte länger schlafen, da er sich mit weiteren Zuschauern der Veranstaltergruppe als Zuschauer an die Strecke begeben wollte.
Für die Läufer begann der wohl härteste Teil des Marathons. Ab 6:00 Uhr morgens noch in Dunkelheit warteten 39.000 Läufer auf den Start.
Die morgendliche Temperatur von ca. 5 Grad fühlte sich durch den kalt wehenden Meerwind wie Minusgrade an.
Einziger Schutz waren 3 Zelte ohne Boden, die vielleicht je 1000 Personen aufnehmen konnten. Jeweils 12.000 Läufer standen, saßen oder lagen in ihrem Laufsachen draußen. So stellt man sich Flüchtlingslager vor.
Plastikfolien, Zeitungen und Pappdeckel waren die wichtigsten Hilfsmittel gegen die Kälte.
Georg und Jörg hatten es geschafft, einen Stehplatz einem Zelt zu erwischen.
Noch 3 Stunden bis zum Start. Warum tut man sich das überhaupt an?
Ein Lichtblick; eine Französin bot Georg auf ihrem Pappendeckel ein paar Quadratzentimeter
Sitzfläche an. Dies wurde gerne und dankend angenommen. Noch 2 Stunden kauern.
Um einen herum, Italiener, Franzosen, Mexikaner, Koreaner, Peruaner. Alle Welt auf ein
Paar Quadratmeter friedlich in Frost und Warten vereint. Beeindruckend wie ein Chilene vom Eingang aus seiner ca.40 Meter entfernt hockenden Laufpartnerin einen heißen Kaffee zukommen lassen wollte. Über die Köpfe der auf dem Boden kauernden Wartenden wurde der Becher von Hand zu Hand weitergereicht und kam unverschüttet am Ziel an. Wahrscheinlich freute sich jeder, einen Moment etwas Warmes in Händen zu halten.
Noch eine Stunde bis zum Start.
Endlich kommt die Sonne durch und mit den Temperaturen steigt auch die Vorfreude auf den bald erfolgenden Start leicht an. Um 9.30 Uhr kam dann der lang erwartete Aufruf, sich in die zugeteilten Startblöcke zu begeben. Um 9.40 Uhr dann der Startschuss für die erste Startwelle mit den Profis und Spitzenläufern.
Georg war um 10.00 Uhr mit der 2. Welle dran. Vor lauter Füßen übersah er die offiziellen Zeitmessmatten am Start. Der Anstieg auf die Verrazzano -Brücke, begleitet von Frank Sinatras „New York, New York“ ließen ihn jedoch merken, dass der Marathonhöhepunkt seines Lebens begonnen hatte. Eine unüberschaubare Läufermasse auf der Brücke und ein phantastischer Blick auf die Skyline von Manhattan, dem 26 Meilen entfernten Ziel, ließen die Kälte schnell vergessen. Hinter der langen Brücke erlebten die Läufer dann das, was den New York Marathon ausmacht. Riesige Zuschauermengen feuerten jeden Läufer – wenn möglich sogar mit seinem Namen- an. Spätestens jetzt wusste man, warum man sich das antut.
Jörg musste auf diese Momente etwas länger warten, weil er erst mit der 3. Welle um 10.20 Uhr auf die Strecke gelassen wurde. Die Begeisterung der Zuschauer und die tollen Musikbands an der Seite ließen aber in keiner Weise nach.

Nach 8 km wurde Georg vom berühmt-berüchtigten Bauchkneifen erfasst. Da die Toilettenhäuschen an der Verpflegungsstelle alle besetzt waren und sich schon kleine Warteschlangen davor gebildet hatten, gab er sein Ziel, eine Zeit von ca. 4 Stunden zu laufen innerlich bereits auf. Die Rettung kam in Form eines New Yorker Zuschauers, der gleichzeitig der Besitzer eines Hauses an der Laufstrecke war. „Mister, Mister, Restroom in Backsite“ rief er. Georg nutzte diese Chance ausgiebig und dankbar.
Leider holte ihn das Darmproblem nach 10 Meilen und einem Becher viel zu kaltem Wasser erneut ein. Bei diesem und noch einem weiteren Dixi Aufenthalt gingen einige Minuten Zeit verloren. Trotzdem erreichte er die Halbmarathondistanz nach nur 1:59:30 Stunden.
Immer neue, überwältigende Eindrücke, fantastische Zuschauer und nette Mitläufer
verliehen Flügel. Bei Kilometer 25 fühlte er sich noch derart frisch, dass er beschloss, die 4 Stunden Marke doch noch in Angriff zu nehmen. Trotzdem wollte er auf das Fotografieren unterwegs nicht verzichten. Also los; eine Lücke in der Läuferreihe davor suchen, durchstoßen, 5 Meter beschleunigen, die nächste Lücke suchen, durchstoßen… Als die Läufer nach der Queensboro Bridge Manhattan erreichten und auf die First Avenue einbogen,
nahm das Gekreische der Zuschauer Tokio-Hotel ähnliche Ausmaße an.
Eine viele meilenlange Gerade voll mit tausenden Läufern und mit einem Anstieg am Ende lag vor einem. Ein tolles Bild. Eine Rücknahme des Lauftempos kam hier nicht mehr in Frage. Beine und Geist wollten nur noch laufen und die Stimmung aufsaugen.
Auf dem Hügel angekommen, Überraschung! Noch mal so weit gerade aus. Aber mit dem
beflügelnden Gefühl, es sind auch 25.000 Läufer hinter dir.
Es geht hinauf nach Harlem. Am Ende der letzten Brücke begleiten die Melodien von 3 Dudelsackpfeifern die Marathonis. Über die mondänste Einkaufstraße der Welt, die 5th. Avenue ging es nun von Norden her in Richtung Central Park.
Dort warteten noch einige giftige Steigungen. Georg hatte damit aber keine Probleme und stürmte Richtung Ziel. Angetrieben von der Erkenntnis, dass eine Zeit von unter 4 Stunden gut machbar war und dass sein Sohn Kai dort auf der Zuschauertribüne stehen und ihn anfeuern würde.
Zuschauermassen mit unbeschreiblicher Begeisterung, kein Mann mit dem Hammer. So
macht Marathon laufen richtig Spaß. Noch 1 Meile; verfliegt wie nichts, noch 400 Yards, noch 300, das Ziel im Central Park taucht auf. Die Uhr bleibt für Georg bei 3:57:47 Stunden stehen.
Jörg fühlt sich ebenfalls beflügelt und greift besonders im letzten Streckendrittel richtig an.
Er überholt tausende Läufer und erreicht voll zufrieden in 4 Stunden und 11 Minuten das Ziel.
Dabei fühlte er sich trotz der nicht einfachen Streckenführung noch richtig gut.
Äußerst zufrieden und glücklich ließen Georg und Jörg sich die Erinnerungsmedaille und die spezielle Warmhaltefolie umhängen.
„Congratiulation, good Job!“ schallte es von allen Seiten und sogar noch auf dem Rückweg zum Hotel wurden sie von wildfremden Menschen beglückwünscht.
Selten war der Spruch: „Der Weg ist das Ziel“ so angebracht wie beim NY Marathon.
Besonders die unglaublichen Zuschauer sorgten dafür, dass ein Traum wahr wurde.
Ihre hervorragende sportliche Platzierung konnten Jörg und Georg dann am Montag der New York Times entnehmen. Georg lief auf Platz 392 der Altersklasse und auf den 12.309 Gesamtrang. Jörg kam auf den Gesamtplatz 16689. Bei 38.000 Finishern sicher eine tolle, so von beiden selbst nicht erwartete Leistung.

Eine Überraschung anderer Art erlebten Kai und Georg am Dienstag auf dem Times Square.
Kurz vor Schließung der ersten Wahllokale fanden sie sich plötzlich in einer weltweiten Liveübertragung von CNN zur Wahl wieder.
Einen weiteren unvergesslichen Eindruck holten sich die drei Rhader zum Abschied mit einem Blick über Manhattan in der Abenddämmerung vom Empire State Building.

Zurück in der Heimat gibt das beschauliche Rhade den Dreien die Möglichkeit, die vielen Erlebnisse und Eindrücke tief aufzunehmen zu entspannen und von weiteren Läufen zu träumen.

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Herr, lass mich 50 werden ...

... dann fahre ich auch nach NY

c.garfield (muss noch 5 Jahre warten)
Jogmap Ruhr

Besten Dank

für diesen eindrucksvollen Erlebnisbericht. Ich persönlich habe immer gesagt, dass mir ein Marathon vor der Haustür am liebsten ist, wenn man weiß, dass man abends in der eigenen Badewanne die wunden lecken kann und wenn man weiß, wie man problemlos zum Start gelangen kann.
Mir war immer schleierhaft, warum man sich die Strapazen eines Fluges und die immensen Kosten antut, nur um in NY zu starten.
Doch wenn ich mehr von solchen eindrucksvollen Berichten lese, wird es mir zunehmend klarer und das Verständnis wächst!
Nochmals besten Dank und Grüße ins beschauliche Rhade vom Kenianer.

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