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Ich fahre zum Marathon in New York – sollte ich aufgeregt sein ?

Ich war es – allerdings deshalb, weil die „Registration Card“ nicht eintraf ! Da wir (zwei Freunde und ich hatten die Quali geschafft und konnten uns direkt anmelden) "selbst organisiert" reisten, gab es auch keine Reisegesellschaft, an die wir uns wenden konnten. Mittwoch sollte unser Flieger starten und der Briefkasten blieb leer. Also schnell ein Hilferuf Montag per e-Mail (Als 1. Antwort kam natürlich ein Auto-Reply) und dann hoffen; Mittwochabend im Hotel in Newark dann endlich die Erleichterung: Wir werden unsere Startnummer bekommen !!! Vor dem Ausdrucken noch schnell eine Dollarnote in die Maschine stecken – und hoffen, dass jemand Papier eingelegt hat …

Donnerstag stand gleich die Fahrt zum Javits-Center auf dem Plan, um die Startnummer und Unterlagen für den International Friendship Run am Samstag abzuholen – und diesmal klappte alles. Noch schnell ein Bild im Finishershirt mit Startnummer vor der laufenden Count-Down-Uhr und mal ein bisschen über die Messe schlendern, dann war Sightseeing angesagt.

Samstag dann Teil 2 der Veranstaltung „Friendship Run“. Schon beim Verlassen der U-Bahn-Station erkannte man zahlreiche Läufer aller Nationalitäten – teilweise phantasievoll zurechtgemacht. Unsere mitgereisten Freunde hatten sich auch in den Nationalfarben eingekleidet – immerhin war es bei mir Rot und Schwarz, vervollständigt durch die Schminke auf der Wange, die aus 2006 (WM) noch übrig war. Die versammelte Schar vor dem UNO-Gebäude war schon beeindruckend … Es wurden Reden gehalten, die Länder mit den meisten Teilnehmern erwähnt und dann ging es los :
Über die First Avenue zur 42nd Street und bis zur 6th Avenue; von dort aus Richtung Central Park, wo man die letzte halbe Meile des Marathons auf der 59th Street zum Columbus Circle und dann in den Park bis zur Finishline lief. Was man so laufen nennt … Schauen, Filmen und Fotografieren – der Spaß und das Treffen stand im Vordergrund – a propos : Kurz vor dem Ziel sprach mich doch jemand aus Velpke an, der mich vom Laufcup her kannte !
Anschließend gab es ein reges Tauschgeschäft mit Finisher-Shirts – ich habe jetzt welche aus Brasilien vorzuweisen.

Der Tag des Marathons begann früh, allerdings mit einer Stunde zusätzlich (die Sommerzeit endete dort erst in dieser Nacht) – Frühstück gab es um 4:45 Uhr. Um 5:30 Uhr wurden ich und meine beiden Mitläufer abgeholt und nach Staten Island gebracht, um rechtzeitig vor der Schließung der Verrazzano-Narrows-Bridge dort zu sein. So hatten wir noch reichlich Zeit in den Startbereichen, nach Farben geordnet – ich war im „Orange Village“. Es gab heiße und kalte Getränke, Powerbars, Bagels und Donuts und diverse andere Stände mit Verpflegung, die wie immer umlagerten Dixis und jede Menge vermummter Menschen – gut, dass ich den Verbandskasten meines Autos um die Wärmefolie erleichtert hatte ! Auf dem Rasen sitzend unterhielt ich mich mit Briten, Deutschen (Wir trugen den gleichen Adidas-Plastiksack..) und einem Californier in der Nähe. In vier verschiedenen Sprachen wurde man immer wieder darauf hingewiesen, wie die Abläufe sind und als es dann gegen halb neun endlich hieß, dass die erste „Wave“ sich startbereit machen sollte wurde es Zeit, den Kleiderbeutel abzugeben, noch mal gewisse Orte aufzusuchen und den anderen orangefarbenen Startnummern zu folgen. Im „Corral“ ordnete man sich in seinem Bereich ein und wieder plauderte man während der Wartezeit international – diesmal traf ich auf eine Australierin, einen Schleswiger und (man hört ja die deutschen Laute heraus) einen Kölner. Irgendwann trabte die Menge los – endlich zum Startbereich. Unterwegs wurden noch die letzten wärmenden Hosen und Sweatshirts über die Absperrungen geworfen und dann stand man am Fuß der Brücke. Ansagen, Ankündigungen, diesmal nur auf Englisch, die gesungene amerikanische Hymne und nicht zuletzt der kalte Wind erzeugten bei allen Gänsehaut. Dann „flogen“ auf der anderen Fahrspur die Profis vorbei – und es ertönte Frank Sinatras „New York, New York“. Tja – und dann ging es los. Eigentlich spürte man die Steigung der Brücke nicht – soviel Eindrücke stürmten auf einen ein : Auf die Füße achten, die farbiges Wasser speienden Schiffe sehen, die Kamera nach hoch halten und möglichst nicht verwackeln und zu wissen, das man auf dem berühmten Foto der Brücke einen der tausende kleiner Punkte bildete ! Und dann war man schon auf der anderen Seite und Brooklyn mit seinen ganz unterschiedlichen Wohnvierteln zog nach und nach ein einem vorbei – unter Anfeuerungsrufen der Einwohner, Musikbegleitung, Cheerleadern, einem Gospelchor vor einer Kirche … Und immer wieder die Schilder – jede Meile und alle 5 Kilometer. Bei Meile 8 wollte mein Freund stehen, aber wo genau ? Fazit : Eer sah mich nicht und ich ihn nicht - gerade dort war mal wieder „der Bär los“. Weiter ging es, angesprochen von einer Deutschen, die in meinem Tempo lief (das VfL Wolfsburg auf dem Rücken verriet ihr meine Herkunft) wurden gegenseitig Fotos geschossen und auch ein bisschen die Durchgangszeiten diskutiert.
Die Pulaski-Bridge zwischen Brooklyn und Queens markierte den Halbmarathonpunkt, allmählich wurde es schwer. Die Queensborough-Bridge (Meile 15) überliefen wir auf der unteren Ebene, danach eine scharfe Kurve, zwei weitere Straßenecken und dann lag die lange Gerade zur Bronx vor uns. Der Blick ging immer wieder nach unten – die Straßen von New York sind wirklich schlecht ! Leicht wellig zieht sich die First Avenue – und es zog sich … Auch das wurde mal wieder mit der Kamera festgehalten. Eine Pause musste ich einlegen – unfreiwillig lang, denn gerade jetzt waren alle Dixis besetzt !! An den Verpflegungsstellen hieß es immer wieder langsam traben, etwas erholen und weiter, und während die Willis Avenue Bridge zur Bronx näher kam, fingen die Rechnungen an : Wie viele Meilen sind wie viele Kilometer, was ist der nächste Punkt, das nächste Ziel ? (Die Einteilung auf 26,2 Einheiten im merkwürdigen amerikanischen Einheitensystem ist schon ganz nett.) Man lenkte sich ab, da stand mal wieder jemand, der mit einem Krampf Waden oder Schenkel dehnte, auf der Brücke ein älterer Schwarzer (hoffentlich habe ich einen politisch korrekten Ausdruck gewählt), der den Läufern „nur noch sechs Meilen“ zurief – Ansporn oder Frustrationsförderung ?
Wie auch in anderen Stadtteilen wurde man herzlich mit „welcome to the Bronx“ begrüßt, kurz war hier die Strecke dann kam schon „the last bridge“ !
Die gleichen Wellen zurück auf der Fifth Avenue quer durch Harlem, und überall Leute die einem Mut machten es zu schaffen - „good job“ – auch wenn man nicht mehr alles so aufnehmen konnte wie zu Beginn, keine große Lust mehr hatte, die Kamera aus dem Hüftgürtel zu holen. Dann näherte man sich dem Central Park und auch wenn man weiß wie groß er ist, kennzeichnete er doch die letzte Einheit der Strecke – noch ein paar Anstiege aber auch zügig abwärts laufend, wieder eine Meile geschafft. Irgendwann war auch die 40 Kilometer-Marke in Sicht, dann kam gleich Meile 25 – die letzte lag vor uns. Und dann die bekannte Strecke des Friendship-Runs, Columbus-Circle und die letzten Yards, Anfeuerungen und (eigentlich ging es ja nochmal aufwärts, aber das merkte ich gar nicht) der Blick auf das Ziel. Arme hoch für die „most famous finish line in the world“ – geschafft, nicht vergessen die Zeit zu stoppen, 3:35:02 zeigte meine Uhr, ganz ordentlich für eine Sightseeing-Tour …
Hinter der Ziellinie waren dann tausende (so kam es einem vor) Helfer, es gab die Medaille, ein Wärmefolie, vorgepackte Verpflegungsbeutel und immer wieder „good job“ und „you did it“. Der Weg zum Wagen mit den Kleiderbeuteln war lang, es wurde kühl und einmal blieb ich kurz in der Sonne stehen und wurde gleich besorgt gefragt, ob ich Hilfe brauchte. Aber irgendwann erreichte ich meinem Wagen, bekam meine Sachen und konnte mich unter dem Umhang umziehen. Auch mein Handy war im Kleiderbeutel – sonst hätte ich meinen Freund und meine Bekannten nicht gefunden. Beim Aufwärmen im „Starbucks“ in der Nähe tauschten wir uns dann aus – und ich bekam auch meine offizielle Endzeit - von einem Bekannten aus Deutschland per SMS – 3:34:53 Stunden. Natürlich kauften wir am nächsten Tag trotzdem die "Times" ... Und dann ging auch der Urlaub los - aber das ist eine andere Geschichte (auch wenn wir da nochmal ca. drei Marathons liefen beim Sightseeing oder Shopping oder durch den Central Park wandern).

Tja, das war dann also New York – ein schöner Marathon, toll organisiert bis auf die späte Zusendung des Anmeldeschreibens. Aber ich kann mich leider auch immer noch nicht dem ganzen Hype anschließen, der diesen Lauf als das Highlight für alle Marathonis bezeichnet – auch ein wunderschöner Landschaftslauf kann mich begeistern und das Wissen „Es ist New York“ macht die Distanz nicht leichter oder weniger anstrengend … Und es gibt auch hier in Deutschland tolle Läufe, und auch in anderen Städten, wie z.B. Frankfurt überall begeisterte Menschen, die einen anfeuern ! Nichtsdestotrotz – viel Spaß allen, die noch nach New York fahren möchten – und viel Erfolg !!

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Hut ab,

und tiefe Verbeugung vor der Unbeugsamen!
Wow, nicht schlecht. Liest sich gut und macht Laune.
Habe heute entschlossen meine fussproblembedingte Läuferpause zu beenden und werde jetzt auch wieder km reißen.
Bis zum Marathon ist allerdings noch ein weiter Weg.
Bis zum nächsten Treffen (vielleicht in HH?).
Anja

"Einszweidrei, im Sauseschritt // läuft die Zeit, wir laufen mit." Wilhelm Busch

beeindruckt!

Wow, ich bin zutiefst beeindruckt - 3:34 und dabei noch Sightseeing... Hochachtung! Und das auf dieser Strecke!

:-) cc

Riesig

Hi Laufzicke, da isser ja endlich, Dein NY-Bericht,
Großartige Leistung, schöner Bericht.
Aber wieviel Zeit hast Du eigentlich noch beim x-mal Fotoapparat vom Gürtel ziehen und Fotos machen verplempert?
Und dann immer noch solch Wahnsinnszeit!
Und ich muß Emiko beipflichten: Es wird Zeit, das wir endlich Gruppenshirts haben, im VfL Autostadt-Trikot Marathon laufen...nee, nee:-)
Du hast jetzt wahrscheinlich genug damit zu tun, die ganzen Eindrücke zu verarbeiten.
Dein Bericht gibt mir übrigens recht: Ich bin einer der seltenen Marathonis, denen nichts daran liegt, einmal unbedingt in New York gelaufen sein zu müssen, es ist sicherlich ein toller Marathon, aber die gibt es woanders auch.
Gruß, Marco
You´ll never hype alone

Willkommen im Club!

Im Club der "ich-brauche-niemals-nach-NewYork"-Anhänger bin ich auch.

Nach dem Lesen des Berichtes habe ich auch gedacht, super Bericht, aber ich will da immer noch nicht hin zum Marathon laufen.

Ich mache dann den Club "ich-will-noch-einmal-nach-Hawaii" auf :-))

Aber bitte mit Sahne!

;-))

Hallo Laufzicke, herzlichen

Hallo Laufzicke,
herzlichen Glückwunsch! Ich muss sagen, ich habe zum ersten Mal im Fernsehen den Marathon komplett verfolgt und da ich wusste, dass du mitläufst, dir dabei ganz fest die Daumen gedrückt. Und wenn man das so liest, was du wärend des Laufes noch alles "getrieben" hast, bin ich tief beeindruckt von deiner Zeit. Liebe Grüße SWaBS

Glühwein ..

.. auf dem Weihnachtsmarkt ist o.K. - ich bekenne mich schuldig (Wenn ihr auch nicht in die Socken kommt !!)

Vielleicht sollten wir unsere BORN-Gruppe umbenennen in ADNNNYW - Alle die nie nach New York wollen ??
Ich hab's halt mitgenommen es war schön, aber das war sogar Braunschweig ... Und ich bin mal auf alle anderen gespannt, die vielleicht noch kommen.
Übrigens habe ich zum ersten Mal jetzt so eine Loch, in dem ich hänge, so "ach nee, ich muss ja nicht mehr". Also verfolgt mich ordentlich, damit ich mal wieder ein paar Kilometer drauflegen muss !!

Danke - schönes (bei mir faules) Wochenende, ich geh jetzt auf einen 40. Geburtstag !!

Ciao - Mone

hallo laufzicke!

danke für den schönen "reisebericht". war echt spannend zu lesen. ich werd wohl niemals nach NY kommen, schätze ich mal.
und natürlich noch nachträglich meinen glückwunsch zum superlaufzickenmarathon!
schönes wochenende - christiane

VfL - genau, das ist mir gleich aufgefallen...

...spontane Sympathie....
und der Verein spielt ja nicht nur Super-Fussball, sondern hat eine lange (zurückliegende) Leichtathletik-Tradition. Und nicht nur die... aber leider halt schon einige Zeit her.
Es grüsst ein bekennender VfL-Fan

Ich bin echt platt...

...das Du bei der Zeit noch Fotos geschossen hast! Alle Achtung...und natürlich Glückwunsch!

Ich war schon in N.Y. -> aber nur zum sightseeing... und das würd ich glatt noch mal machen. ;)

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...gar nicht verrückt, ist auch nicht normal...

Ein schöner...

...Bericht und eine tolle Zeit. Glückwunsch.

VG LS

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