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Benutzerbild von cherry65

Schon lange war mit MagnumClassic abgesprochen, dass wir gemeinsam eine meiner Lieblingsstrecken im Pfälzerwald laufen. Anfang letzter Woche hatte ich bei ihr angefragt, ob es am Sonntag passen würde. Sie hatte jedoch schon ein Laufvorhaben für das Wochenende und schlug vor, ich solle einfach mitkommen zum Stromberg Extremlauf.

Auf der Homepage der Veranstaltung (www.kirbachtallauf.de) folgte die erste Überraschung. Stromberg war für mich bisher nur ein Ortsname auf der Beschilderung einer Autobahnabfahrt im Hunsrück und nicht eine Landschaft in Baden Württemberg (im Dreieck Stuttgart/Heilbronn/Pforzheim).
Das Höhenprofil war recht zackig. Mein Gedanke war, wenn man es auf 54 km Länge zieht, ist es gar nicht so schlimm und die 1250 Höhenmeter, die die Homepage versprach, sind auf diese Distanz verteilt nicht wirklich extrem.

Auf der Anfahrt durch das moderat wellige Hügelland, war ich bestärkt, dass es sooo schlimm gar nicht werden könnte. Ein paar Kilometer vor dem Veranstaltungsort kam das Aha-Erlebnis. Die Berge wurden etwas höher, aber nicht wirklich hoch, und ein ganzes Stück steiler. Auf den Südseiten waren Reben angelegt, die Gipfel waren bewaldet, an den Nordhängen zog sich der Wald bis ins Tal.

Vor dem Lauf lief alles entspannt ab, nicht mal vor den Toiletten gab es nennenswerte Staus. Bis dahin tummelten sich ohnehin erst die Extremläufer in der Halle, die Läufer anderer Distanzen waren erst später dran. Zu den 101 Voranmeldungen kamen ein paar spontane Starter hinzu, dafür sind 15 Vorangemeldete nicht angetreten.

Nach dem Start um 8 Uhr ging es die Dorfstraße runter, dann auf einen Wirtschaftsweg. So früh war es noch angenehm warm, was sich bald in reichlich warm ändern sollte. Der erste Anstieg sah schon etwas respekteinflößend aus. Ich scherte an den Wegrand aus, um ein Foto zu schießen.
Stromberg Extrem 01
Obwohl dies recht schnell ging, lief ich direkt vor dem Besenfahrrad wieder an. Das sollte glücklicherweise die einzige Begegnung mit dem Besenfahrrad bleiben. Am Rand des Nachbarortes ging es schön abgesichert über die Straße eine frisch gemähte Wiese hoch und in den Wald, stetig bergan. Der Lauf ließ sich sehr gut an.

Aus einem Grüppchen, das ich mit meinem leuchtend-orangenen BORN-Shirt überholte, meinte eine Läuferin, boah, wird’s da hell und fragte, ob wir bis in die Nacht laufen würden. Hoffentlich nicht, war meine Antwort. Versteckspielen im Wald könnte man mit diesem Shirt wirklich vergessen.
Wegen der zu erwartenden Hitze hatte ich vor dem Lauf reichlich Flüssigkeit in mich hineingeschüttet, was bald seinen Tribut forderte. Der trockene Wald freute sich bestimmt über jeden Tropfen, der dort ausgegossen wurde. Ein paar Läufer fielen mir immer wieder auf, weil wir uns mehrmals gegenseitig überholten, darunter einer in Grün.
Immer noch am Anstieg kam uns eine typische olivfarbene Jägerkarosse entgegen, wendet ein Stück vor mir und fuhr reichlich Staub aufwirbelnd wieder den Berg hoch. Okay, wird der zweite Boxenstopp eben vorgezogen und nochmals die Blase entleert. Zwanzig Meter weiter stand der Läufer in Grün am Wegesrand und tat das Gleiche. Nun konnte man weiterlaufen, ohne sich eine Staublunge zu holen. Andere waren fluchend durch die Staubwolke gelaufen.

Etwa ab Streckenkilometer 8 lief ich gleichauf mit dem Läufer in Grün. Nach 10 Kilometern standen 59 Minuten auf der Uhr. Bei dieser Steigung durchaus ok. Nun ging es raus in die Weinberge, wo schöne Aussichten auf die kleinen Dörfer und weit ins Land geboten waren.

Stromberg Extrem 02

Stromberg Extrem 03

Nachdem der Läufer in Grün und ich etwa eine halbe Stunde nebeneinander her getrabt sind, fing ich ein Gespräch an. Die nächsten Kilometer vergingen, wie im Flug. Wir quatschten uns nicht ständig die Ohren voll, aber es gab immer wieder etwas zu erzählen.
Runter ins Tal ging es, damit der Weg gleich wieder hoch führen konnte. Diesmal zu einem Ort, der pittoresk oberhalb der Weinberge thronte.
Witzig war, dass der Lauf in einem anderen Ort durch die mit Tausenden Getränkekisten bestückte Lagerhalle der Mineralwasserfirma führte, die als Hauptsponsor auftrat. Natürlich war darin auch eine Getränkestation. Ein extra Lob gebührt den vielen Helfern an den Stationen, die die Getränke und das Obst anpriesen, super freundlich waren, fragten ob alles ok sei und lobende Worte übrig hatten. Eine Dame meinte, wir sollten genug trinken und Salz zu uns nehmen, denn „DER BERG“ käme ja noch. Was war dann das, wo wir zuvor hoch gelaufen sind???

An Wiesen vorbei ging es wieder in der prallen Sonne im Tal entlang. Dann kam er. Der Berg. Eher umgekehrt, wir kamen an den Berg.
Der Aufstieg zog sich mächtig in die Länge. Immerhin waren im Wald die Temperaturen erträglich. Mein Zufallslaufkamerad ging hin und wieder einpaar Schritte, während ich langsam weitertrabte. Er war immer ratz-fatz wieder auf gleicher Höhe. Kaum waren wir oben, ging es rasant wieder runter. Unser Grüppchen ist für kurze Zeit auf vier Läufer angewachsen. Während der Umrundung des Berges an dessen Fuß, um auf der Rückseite wieder hochzulaufen, ließ ich die Bemerkung fallen, „Gut, dass wir heute keinen Marathon laufen müssen, sondern nur einen Ultra“. Das war kein Scherz. Wir sind zwar alles andere als im Ultraschlappschritt gelaufen, doch war es längst nicht so hektisch, wie ein Straßenlauf.
Beim nächsten Aufstieg am Südhang, damit zunächst in den Weinbergen unter unaufhörlich bruzzelnder Sonne, meinte mein „grüner“ Mitläufer. „Jetzt muss ich beißen“. Und er biss.
Etwas weiter oben hatte ich einen kleinen Vorsprung, bis ich das Fotofon gezückt und zwei Bilder geschossen hatte, war er schon wieder da. So wie es aussah, machte ihm die Gefahr abgelichtet zu werden, richtig Beine.
Stromberg Extrem 04

Stromberg Extrem 05

Auf dem Bergkamm im Wald war eine Begegnungsstrecke von vielleicht 30 Metern länge. Dank genialem Timing kamen uns genau dort MagnumClassic und Ianbanks entgegen. Wir waren bei km 41, sie bei km 32.
Am Südhang mussten wir noch mal fast ganz runter und wieder auf den Kamm. Auf dem Weg hoch ermutigte uns ein Streckenposten, dass dies der letzte Anstieg sei. Wir wussten, dass wir fast oben waren, dennoch wollte der Läufer in Grün eine Minute gehen. Aus Solidarität tat ich dies auch. Noch immer in der Steigung, legten wir auch wieder richtig los. An der Verpflegungsstelle auf dem Kamm fragte ich in die Runde, ob wir schon die Hälfte hätten. Die geernteten Blicke, vor allem von den Helfern waren Gold wert. Sie haben schnell geblickt, dass ich „ein Scherzle“ gemacht habe, war doch jeder Streckenkilometer auf den Schildern angezeigt.

Nach einer langen Gefällstrecke kamen wir aus dem Wald und es folgte eine kleine Steigung. Aha, dies zählt hier also nicht als Steigung, wenn der vorherige Anstieg schon als der letzte angepriesen war. So weit wie wir schon gelaufen waren, war auch diese Steigung kein Problem. Ein Streckenposten schickte uns „hier durchs Tor, dann kommt noch eine Steigung“. Sind wir hier bei Ottos Show mit „einen hab ich noch“?
Erst war es noch eine weile flach, am Ortseingang kam dann die versprochene Steigung, eigentlich nur eine kleine Rampe. Hier waren applaudierende und ermunternde Zuschauer an der Strecke, man durfte also keine Schwäche zeigen.
Wir bogen in die Zielgerade ein und legten noch einen weiteren Zahn zu. Der Antritt vom grünen Läufer war etwas schneller, ich zog nach, er schaute rüber, schien zu kontrollieren, ob ich mitziehe. Durch das Nachziehen war ich kurze Zeit etwas schneller, drosselte auf gleicher Höhe wieder das Tempo geringfügig, um mich seiner Geschwindigkeit anzupassen. Auf den letzten vielleicht 20 Metern waren wir wieder permanent gleichauf. Die Stimmung auf dem Dorffest im Zielbereich war klasse. Begleitet von reichlich Jubel haben wir im Gleichschritt die Zeitmessmatte überquert.

Stromberg Extrem 07
(c) TV Ochsenbach

Mit der Zeit von 5:10:12 Stunden für die 54 Kilometer mit 1250 Höhenmeter teilen wir uns Platz 21 und 22. Was für einen jungen Hüpfer in der M30 Platz 3 bedeutete, ergab für das vor dem Pillenknick geborene, reifere Gemüse in der M45 den 6. Platz. Platzierungen werden ohnehin überbewertet.

Dieses sich zufällig ergebene gemeinsame Bestreiten des Laufes war absolut klasse. Es passte alles. Perfekte Pace, als hätten wir nie etwas anderes gemacht, als gemeinsam zu laufen. Sogar die Waldbewässerungsstopps waren synchron. Wir hatten uns unterwegs nicht gegenseitig angetrieben, es wollte aber auch keiner schwächeln. Das war Motivation pur, die sich einfach aus der Situation ergab. Ein klasse Lauf, den wir dort gemeinsam heimgebracht haben.
Nach diesem Lauf wäre es mir nie in den Sinn gekommen, den grünen Läufer nach all den gemeinsamen Kilometern auch nur um eine Sekunde versemmeln zu wollen.

Wäre ich unter diesen klimatischen Bedingungen allein auf der Strecke gewesen, wäre immer nur kurz mit anderen zusammen gelaufen, hätte nur gelegentlich andere überholt oder wäre überholt worden, wäre ich wahrscheinlich bald in den Ultraschlappschritt verfallen und hätte mindestens eine halbe Stunde, eher mehr, auf der Strecke gelassen und einiger Spaß wäre mir entgangen.

Nach einer gewissen Weile trafen MagnumClassic und Ianbanks ein.
Stromberg Extrem 06

Meine Nachlaufwurst und den Nachlaufkuchen hatte ich schon verdrückt, bei einem alkfreien Nachlaufweizen tauschten wir uns natürlich noch eine Weile aus.

Das war ein perfekt organisierter Lauf in einer schönen Landschaft. Der Asphaltanteil war für meinen Geschmack etwas zu groß, da muss man halt nehmen, was die Region hergibt. Wirklich extrem empfand ich den Lauf eigentlich nicht, allerdings ist er auch kein Ponyhof. Da der TV Ochsenbach schon eine andere Distanz „Langstrecke“ genannt hat, benötigte das Kind einen Namen, denke ich mir. Und Stromberg Extremlauf hört sich ja schick an.

Heute (Montag) habe ich dann den Beginn meiner Fahrradsaison ausgerufen und hab mich mit dem Trekkingbike auf den 25 Kilometer langen Weg zur Arbeit gemacht. Den Lauftreff, der gleich beginnt, lasse ich deswegen allerdings nicht sausen. Dafür gibt es schließlich gar keinen Grund.

cherry65

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Super

mein Respekt steigt und steigt mit jedem Kilometer und Höhenmeter, vom dem ich bei dir lese.
Wie machst du das nur?

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Man(n) gönnt sich ja sonst nichts;-)

Ein Extremlauf ist es allemal! Donnerwetter! Und die Waden sagen nicht A und nicht B??? Ach ja, ist ja nur einmal ganz locker durch die Weinberge und im Anschluss zum Lauftreff. Ja, hört sich doch ganz locker an;-)) Und natürlich legst Du die 25 km zur Arbeit auf dem Trekkingrad zurück.....Du bist verrückt;-))

Laufende Grüße von Tame

Respekt

Jungfrauengeburt

im Jahre 2011 scheint ja ganz locker vonstatten zu gehen ;-))

Mein lieber Scholli, schöne Bilder, die du da mitgebracht hast! Und gelaufen bist du auch noch???

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Ganz genau, ...

... ich mag sie auch nicht, diese Hetzerei auf nem M.
Da lob ich mir nen schicken Ultraschlappschritt.
Die Formkurve zeigt eindeutig steil nach oben und Hitze übst du auch schon mal. Da kann von der Saar über den Hunsrück doch fast nix mehr anbrennen.
;-)

Nach einer gewissen Weile

hach, das hast du jetzt aber äußerst diplomatisch ausgedrückt, bzw. "nach einer Ewigkeit" wäre zutreffend gewesen, zumal ich mich ja von einem Ultraschlappschritt nun wirklich nicht freisprechen konnte! ;-))

Nach diesem kleinen Läufchen ist es ja auch das Mindeste, noch am nächsten Tag zum Lauftreff zu gehen! Man kann ja auch nicht wegen jeder Kleinigkeit fehlen, stimmt's? ;-))
Öhm.... dieser Lauf scheint ja absolut spurlos an dir vorbeigegangen zu sein! Auf dem Foto eures Zieleinlaufs siehst du nämlich total gechillt aus, als wärest du gerade eben erst losgelaufen! Wie machst du das nur? ***kopfschüttel***

Wir sehen uns am Sonntag!
MC :-)

wow!

50 km durch die Weinberge - das muss man wirklich mögen!
Gratulation zur hervorragenden Platzierung!
Grüße, WWConny

Es gibt ja noch

sooo viel zu entdecken in Deutschen Ultralanden.
Danke für den Bericht.

gruselig

die fotos sehen aus als ob du sie hier bei mir in der gegend gemacht hättest !!
gruslig, ich spüre förmlich die sonnenglut und die wenigen und dann aber heißen aufwinde .
na, aber so lang zieht es sich hier zum glück nicht, und gar so viele höhenmeter kann ich auf meiner runde auch nicht sammeln.
mir reicht´s trotzdem und deshalb besonders bewundernde grüße : c

Suuuper!

Ich hätte ja nur zu gern die Rolle des "Grünen Läufers" übernommen, aber ist halt doch nicht um die Ecke für mich, dieses Stromberg...
Gratulation zum tollen Ergebnis und Erlebnis!

Gruß maecks


Wir sind BORN, laufen wie bekloppt!

Diese Rolle

hätte sehr gut zu Dir gepasst!
Ist schon klar, dass bei diesen vielen Laufevents Kompromisse fällig sind.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

BORN to run

Schön zu lesen gewesen. :-)

Finde es klasse, dass Du Dir soviel Mühe gegeben hast, uns auch mit den Bildern mitzunehmen. Das macht das Ganze noch anschaulicher, als es der klasse Bericht eh schon ist.

Ich frag mich nur immer, woher man sich nach dem Lauf so genau an die Details erinnert. Erstens werde ich ab einer bestimmten Belastungsintensität einfach "laufblöd", kann also weder Rechnen noch mir was merken und zweitens, zweitens kann ich mir auch sonst kaum die Details merken, was ich wann und wo genau wie gedacht habe. Also, man denkt ja eine Menge unterwegs. Aber das alles wiederzugeben... hmmm. Haste ein Diktiergerät unterwegs dabei? ;-)

Respekt vor der Leistung ist ja schon gesagt worden. :-)

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