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Am 27. Oktober war es so weit: Nach fünf Monaten Vorbereitung sollte die Stadt am Liffey der Ort meines Marathon-Debüts sein. Die Laufstrecke war als weitesgehend flach beschrieben worden, und auch der Wettergott hatte ein Einsehen, indem er die 30 Zoll Jahresniederschlag auf die Tage vor und nach dem Lauf verteilt hatte. So kam es, dass sich an einem sonnigen, aber bei 6 Grad sehr kaltem Montagmorgen 11.700 Läufer, Rolli-Fahrer und Walker versammelten, um - so das Motto der Veranstaltung - zu zeigen, dass unmöglich nichts sei, auch nicht 42,2 km bzw. 26,2 Meilen.

Der Start um 9:00 Uhr Ortszeit verlief etwas chaotisch. Statt der zwei ursprünglich geplanten Startblöcke für Läufer, die weniger bzw. mehr als 4 Stunden benötigen würden, gab es nur einen, in dem sich Läufer und Walker gemischt tummelten. So war es auch nicht verwunderlich, dass nach wenigen hundert Metern aus dem Lauf für kurze Zeit ein Spaziergang wurde, weil es an einer Stelle zu einem Engpass kam (hoffentlich nicht durch eine Walker-Wand verursacht). Dieser löste sich zum Glück sehr schnell auf.

Die Strecke führte vom Fitzwilliam Square in nordöstliche Richtung vorbei am Merrion Square, dem späteren Ziel, zur Pearse Street und dann nördlich vom Trinity College zur O'Connell Street, vorbei an der General Post Office, in der sich 1916 das Hauptquartier derjenigen Iren befand, die auf ihre Art dem British Empire den Mittelfinger gezeigt haben.

Die Straßen waren bereits mit Zuschauern gesäumt. Anfeuerungen kamen hauptsächlich von denen, die irgendjemanden im Feld unterstützen wollten. Die einheimischen Zuschauer wirkten noch etwas müde, was an einem Feiertag um 9:00 Uhr nach einem nächtlichen Marathon nicht erstaunlich ist :).

Nach zwei Meilen führte die Strecke in nordwestlicher Richtung zum Phoenix-Park. Dieser Teil der Strecke führte etwas bergauf, da man sich auf den ersten beiden Meilen jedoch gut einlaufen konnte, stellte der Anstieg kein Problem dar.

Der Phoenix-Park ist sehr groß. Da dort niemand wohnt, gab es auch nur an vereinzelten Stellen wenige Zuschauer, so dass die Meilen vier bis acht eine ruhige Angelegenheit waren. Dies änderte sich, als wir bei Meile 8 den Liffey Richtung Süden überquerten, um dann drei Meilen in südöstliche Richtung zu laufen. Zu diesem Zeitpunkt (10:30 Uhr) war die Unterstützung der Dubliner deutlich enthusiastischer als noch beim Start.

Bei Meile 10 stand mein Supportteam 1 in Form meiner Eltern, so dass ich meine leeren Trinkflaschen gegen volle austauschen konnte. Nach den ersten 16 km fühlte ich mich noch ausgezeichnet. Bis dahin hatte ich darauf geachtet, nicht schneller als 5:15 bis 5:30 zu laufen. Dementsprechend lag meine HF unter 160 und meine Atmung war sehr ruhig.

Die Meilen 11 bis 13 führten in südwestlicher Richtung erst über die Crumlin Road und dann über die Drimnagh Road. Südlich von Dublin liegen die Wicklow Mountains. Wie der Name schon vermuten läßt, bedeutet das, dass ein Laufen in südlicher Richtung meistens mit einem Anstieg verbunden ist. Der Anstieg zwischen Meile 11 und 13 war zwar nicht stark, aber lang.

Zwischen Meile 13 und 15 führte die Strecke in östlicher Richtung, so dass man sich etwas erholen konnte. Bis Meile 15,5 liefen wir in südöstliche Richtung (Anstieg), danach bis Meile 19 in nordöstliche Richtung.

Ab Meile 18 bekam ich Blasen an den Füßen, und das, obwohl ich sie mit Hirschtalg eingeschmiert hatte. Das hatte auf den langen Läufen immer funktioniert. Sehr ärgerlich, dass es ausgerechnet beim Marathon versagt hat. Zu allem Überfluss machten sich beim letzten großen Anstieg zwischen Meile 19 und 21 auch meine Beine bemerkbar, die sich auf einmal wie Beton anfühlten. Das lag vermutlich daran, dass ich meinen Laufstil etwas geändert hatte, um das Laufen mit den Blasen erträglicher zu gestalten.

Als ich bei Meile 20 auf Supportteam 2 in Form meiner Schwester traf, machte ich nicht mehr einen so fitten Eindruck wie bei Meile 10, war aber noch weit davon entfernt, aufzugeben. Die HF war auf Grund der Steigung leicht erhöht aber noch ok. Die Atmung war auch noch ok. Nur das Tempo war mit 6:00 niedriger als vor den Blasen.

Ab Meile 21 führte die Strecke wieder Richtung Norden zur Innenstadt und somit bergab. Das tat nicht nur meiner Stimmung gut, sondern auch meinen Beinen, die wieder locker worden und mich bis ins Ziel nicht im Stich ließen. Nur die Blasen blieben, die jetzt im rechten Fuß teilweise offen waren, so dass ich fühlen konnte, wie dieser in irgendetwas Flüssigem zu baden begann. "Keep on running" dachte ich nur. Bloß nicht anhalten und solange laufen, wie die Füße es nur irgendwie erlauben würden.

Nach 23,5 Meilen führte die Strecke am RDS, dem Messegelände, vorbei. Dort hatte ich meine Startunterlagen abgeholt, so dass ich wusste, dass ich nur wenige Busminuten vom Ziel entfernt war. Ab Meile 25 wurde ich mutiger und versuchte wieder, 5:30er Tempo zu laufen. Es waren jetzt sehr viele Zuschauer an der Strecke, die richtig gute Stimmung machten.

Als wir das Trinity-College umrundet hatten und in die Nassau Street einbogen, um die letzten 500 m in Angriff zu nehmen, liefen wir durch eine schmale Gasse, die die Zuschauer uns frei gelassen hatten. Sowas kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen von einigen Streckenabschnitten der Tour de France. Die Stimmung war phänomenal. Ich vergaß HF, Tempo und meine Blasen und genoss einfach, wie ich auf den letzten Metern von der Stimmung ins Ziel getragen wurde. Ich merkte nicht einmal, dass ich noch mal Gas gegeben hatte.

Nach 42 km bogen wir in den Merrion Square ein. Das Ziel lag jetzt unmittelbar vor mir. "I´ve f***ing done it." dachte ich, als ein Piepton nach 4:05 h das Registrieren meines Chips an der Finish-Line bestätigte und so meinen ersten Marathon-Finish manifestierte.

Krämpfe, ernsthafte Verletzungen und der Mann mit dem Hammer sind ausgeblieben. Bis auf die Blasen ist mein Debüt super verlaufen. Ich habe mich bereits zum Lümmellauf im Januar (20 km) angemeldet und mir vorgenommen, im April in Hamburg meinen zweiten Marathon zu laufen. Dublin soll nicht mein letzter Marathon sein, es war aber ein sehr schöner Einstieg.

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Gratuliere zum Debüt. Toll,

Gratuliere zum Debüt. Toll, wie Du die Strecke beschrieben hast- kennst Du Dich in Dublin aus? Ich weiß bei Läufen oft nicht mehr, durch welche Ortschaften ich gelaufen bin, schon gar keine Straßen...
LG Astrid

Dublin

Hallo Astrid,

danke. Ja, ich war schon einige Male in Dublin, auch wenn es ein bißchen her ist.

Ich hatte mir allerdings die Strecke auf einem Stadtplan eingezeichnet, um meine Supportteams an ihre Stellen und dann in den Zielbereich dirigieren zu können :)

congratulation!!

Mein Glückwunsch zu Deinem ersten gut gefinishten Marathon, und dann noch an einem so besonderen Ort!! super Bericht :)

Ich hoffe, dass es deinen Füssen mittlerweile besser geht und die Freude über das Erreichen eines so tollen Ziels alle Schmerzen wettmacht.

lg, Volkie

Glückwunsch zum Debüt

Als Mitläufer kann ich genau nachvollziehen, wie es Dir vor einer Woche wo ging. Nach dem Anstieg auf der windy Crumlin Road hörte ich einen Läufer zu einem anderen so um die Halbmarathonmarke sagen: "It's been a tough last couple of miles." Ja, dachte ich mir, stimmt genau. Von wegen flache Strecke, wie die Organisatoren schreiben. Freut mich daher für Dich, dass es Du es trotz Blasen und der Hügel auf der zweiten Hälfte sicher gepackt hast.

Good luck,
Docrob

Gratulation

zum ersten Marathon in starker Zeit bei einem anscheinend nicht ganz einfachen Marathon, der mich in den nächsten Jahren auch reizt. Und das Gefühl nach dem Ersten ist einfach genial, oder?
Dann mal schnell in der Jogmap-Gruppe für den HH-Marathon anmelden, auf die Pasta-Party kommen, und Du bist eigentlich auch ein prädestinierter Kandidat für die 3:59-Gruppe, die ich beim HH-Marathon hasigen werde!Wenn Du Lust hast, sei dabei.
Gruß, Marco
You´ll never dublinier alone

Crumlin Road

Ah, ein Leidensgenosse :)

Was hat Dich denn nach Dublin verschlagen?

Ja, die Crumlin Road war nicht ganz einfach, die Steigung bei Meile 20 (Roebuck Road) fand ich aber anstrengender, weil wir an der Stelle schon den Großteil der Strecke hinter uns hatten. Kein Wunder, dass einige die Steigung gehend erklommen haben.

Wahrscheinlich haben die Organisatoren "Steigung" im alpinen Sinne interpretiert (alles unter 10% ist keine Steigung) :)

Saludos,
turbosnail

Hallo Volkie, danke. Ja,

Hallo Volkie,

danke. Ja, meine Füße sind wieder ok. Diese Woche werde ich auch wieder die Laufschuhe schnüren. Waren zum Glück nur Blasen.

Saludos,
turbosnail

Schönes ...

... Avatar-Bild ;-))). Ich nehme an, es rührt noch vom Dublin-Lauf? Und auch auf diesem Wege nochmal meinen Herzlichsten!

Gruß
fnord

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