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...kann im folgenden Epos gern lesen, wie ich es dort am vorigen Montag fand.

Mit 80 Euro Startgebühr plus acht Euro für den Online-Dienstleister ist es ein teurer Lauf. Gemeldet waren etwa 12 000 Leute, zur 30. Auflage 2009 werden 15 000 erwartet. Es wird nur eingeteilt zwischen unter und über vier Stunden, also rechtzeitig in den Startblock gehen und Wegwerfsachen zum Warmhalten mitnehmen. Umkleidezelte oder gar Duschen gibt es nicht, die Organisation ist ansonsten aber gut. Start ist um 9.00 Uhr am Fitzwilliam Square auf der Südseite des River Liffey, Ziel um die Ecke am Merrion Square. Die Unterlagen gibt es in einer alten Messehalle im Stadtteil Ballsbridge, ebenfalls im Süden. Die Strecke ist in Meilen eingeteilt, alle fünf Kilometer gibt es ein Km-Schild. Zwischenzeiten werden bei 10 km, der Hälfte und 30 km angezeigt. Der Chip befindet sich in der Startnummer, ein eigener ist nicht nötig.

Ich hatte eigentlich 2008 keinen Marathon mehr geplant und erst sechs Wochen vorher gemeldet. Daher war ich nicht sicher, nochmal unter drei Stunden bleiben zu können, zumal die Strecke 150 Höhenmeter haben soll. Außerdem bin ich mit meiner Tochter am Sonntag erst ein bisschen durch die Stadt getippelt und dann zu Fuß hin und zurück zum Abholen der Startunterlagen. War wohl ein bisschen zu viel, zumal ich probiert hatte, 10 Tage vor dem Wettkampf nochmal flotte 30 km zu trainieren. Danach war ich ein bisschen zu müde. Anyway.

Meile 1: Für Irland sehr gutes Wetter: sonnig, wenn auch kalt und windig. Sehr langsamer Start, mit 7:50 Minuten schon eine Minute hinter Plan.
Meile 2: Über die Liffey durch die breite O'Connell-Street. Nochmal 30 Sekunden über Schnitt.
Meile 3: Die ersten kleinen Anstiege, also weiter ruhig. Wasser aus der 1/4-Liter-Flasche.
Meile 4: Ab in den riesigen Phoenix Park. Nach wie vor auf und ab. Oh, no: Was ist hinten mit meinen Oberschenkeln los?
Meile 5: Schon eine Meile voll im kalten Wind auf der langen, leicht ansteigenden Geraden. Wieder Wasser, Tempo jetzt besser.
Meile 6/10 km: Schon 44:20 vorbei? Kann nicht sein. Da kommt es auf eine Pipi-Pause auch nicht mehr an.

Meile 7: Jetzt Wind von rechts, keine Zuschauer mehr entlang der Wiesen.
Meile 8: Richtiges Gefälle, dann raus aus dem Park. Dort gibt es als Sportgetränk Lucozade aus der 1/2-Liter-Flasche.
Meile 9: In den westlichen Vororten. Wird das jetzt sogar ein Oberschenkelkrampf? Au backe: unter einer Autobahn durch und dann richtig hoch.
Meile 10: Locker wird es heute nicht mehr. Erst Gefälle, dann wieder kurz hoch.
Meile 11: Jetzt kein Wind, also die Ärmel aufkrempeln. Mir wird warm.
Meile 12: Und wieder kalt. Lausiger Wind von vorn. Sportgetränk aus dem Becher und voll auf den Ärmel. Immerhin fast überall mehr oder weniger Zuschauer.
Meile 13/HM: Endlich weg von der langen, ansteigenden Geraden und dem Wind. Aber 1:32 ist zu wenig. Na und? 3:05 wären hier und heute auch gut.

Meile 14: Jetzt läuft's mal - mit Rückenwind und trotz schlechter Beine.
Meile 15: Wieder Wasser - auch zum Abwischen für den Kopf.
Meile 16/Km 25: Weiter Rückenwind. Noch 10 Meilen mit dicken Oberschenkeln.
Meile 17: Rechts, links, runter, rauf - könnte sogar noch eine 3:03 werden.
Meile 18/Km 30: Wieder eine 1/2-Liter Buddel Lucozade. Zu schwer, um sie länger zu behalten, also weg mit dem Rest, alter Umweltverschmutzer.
Meile 19: Hoppla, ein kurzer, giftiger Anstieg bremst schon wieder. Im Fernsehen sprachen sie von den "rolling hills" in dieser Ecke.
Meile 20: Ich überhole viel. Noch 10 Km, auch 3:02 ist noch möglich.

Meile 21: Oder gibt es ein Wunder? Nee, nicht bei dem Hügel, der da wartet.
Meile 22/Km 35: Jetzt ein Stück parallel zur Autobahn, die Brise voll im Gesicht.
Meile 23: Da ist ja der Holländer im Amsterdam-Trikot. Der war mir doch vor 20 Meilen weggelaufen. Immerhin: Den Hammermann treffe ich anscheinend nicht.
Meile 24: An der RDS-Messehalle vorbei, wo es die Startnummer gab. Einem Mitläufer reden sie ein, es könnte noch für unter drei Stunden reichen. Niemals.
Meile 25: Über die letzte Brücke drüber und Vollgas. Drüben ist das Ziel. Nicht hingucken. Jetzt noch eine Runde ums ehrwürdige Trinity College. Blöder Wind.
Meile 26: Da steht eine Uhr, 3:00:00 sind schon vorbei. Egal. Nur noch einmal rechts um die Ecke.

Ziel: Brutto 3:01:30, netto noch etwas weniger, da darf ich doch sehr zufrieden sein. Beim starken Gegner ohne absolute Bestform mit der zweiten Hälfte in 1:29 dank guter Moral noch ein hochverdientes Unentschieden geholt. Im Goodie-Bag gibt es Schokolade und Weingummis - gut, dass ich Power Bars mithabe und im Hotel Bananen warten. Dafür ist das Finisher-Shirt im Preis mit drin. Damit kann man abends in der Kneipe etliche Läufer treffen. Jetzt ab in die Badewanne.

P.S. Der erste, den ich nach dem Fußweg zum Hotel traf, war nach 2:38 zu Hause. Es gibt immer Leute, die es noch viel, viel, viel besser können.

Es grüßt der von der irischen Redseligkeit übermannte
Docrob

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wunderschöner Bericht

der Weg ist das Ziel, gib nie auf
Hi docrob,

bin echt beeindruckt von deinem schönen Bericht. Nicht nur läuferisch gut wiedergebracht, auch vom Ambiente her gut zu interpretieren.

Wenn du auch noch mit einem guten Gefühl gefinisht hast, hast du doch eine Punktlandung gehabt.

Und Töchterstadtläufe sind ja auch nicht zu verachten.

Wünsch dir was

die Ute

Hezlichen Glückwunsch


Hey docrob.
Super gemacht und 1 a Sahne Bericht. Und angekommen auch noch.
Klasse. Wäre in ein paar Jahren auch was für mich. Dublin ist mein Traum.
Grüße Tombri

Kühl...

...diese Bericht kommt in meine Linksammlung - will Dublin auch mal laufen, aber frühestens 2010.

Glückwunsch zu der angesichts der Umstände hervorragenden Zeit und Deiner Disziplin. Allein diese Warm-Kalt-Wind-Keinwind-Kombi hätte mich wahnsinnig gemacht...

Gruß,

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de nihilo nihil

Gratulation

Gratulation zur klasse Zeit in Dublin.
Der Dublin-Marthon steht auch noch auf meiner (langen) Wunschliste. Ob schon zum 30-jährigen Jubiläum oder erst später muss sich noch zeigen.
Wobei ich kürzlich etwas vom Connemara-Marathon gelesen habe. Der hört sich auch gut an.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Glückwunsch

zu einer -für mich - tollen Zeit.

Und danke für den informativen Bericht. 80 € ist ja nicht sooo teuer, wenn man das Shirt schon drinhat. Wenn ich es in Berlin oder München zum Startgeld dazukaufe, komme ich auf ähnliche Beträge.

Leben ist Bewegung

Glückwunsch...

für die grossartige Zeit und danke für den Bericht.
Auch bei mir steht Dublin auf meiner Marathon-Liste (2010?), verbunden mit einer Woche Wanderurlaub (und selbstredend ein paar Pub-Besuchen) auf der schönen, grünen Insel.
Gruß, Marco
You´ll never redselig alone

Danke

...an Dich und alle anderen für die netten Glückwünsche.

Ich war nach dem Marathon noch ein paar Tage auf der "Emerald Isle", die ich schon seit 1980 besuche. Diesmal bin ich auch erstmals in Nordirland gewesen, habe mit meiner Tochter in Belfast spontan ein gutes Konzert der Brit-Rocker Oasis besucht und war am "Giant's Causeway" - dem Damm des Riesen an der Nordküste, bestehend aus 40 000 Basaltsäulen. Absolut sehenswert!

Take care,
Docrob

Schön

Kann ich unterstreichen: ich war vor 2 Jahren am "Giant´s Causeway" und bin Teile des Ulster Ways und das Causeway Coast Way gewandert. Phänomenal!!!
Hach, ich glaub, ich kauf mir morgen gleich ein Flugticket....:-)
You´ll never irlandverrückt alone

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