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Ich habe von meinem ersten Marathon eine Urkunde und eine Medaille und ich geh noch immer etwas hölzern und trotzdem kann ich noch nicht ganz glauben, dass ich es geschafft habe, einen Marathon zu finishen. Die Zweifel haben wohl sehr tief gesessen.

Als ich am Samstag aus der Marathonmesse kam, hatte ich im linken Fußrücken einen stechenden Schmerz, konnte nur humpeln und befürchtete so etwas wie einen Ermüdungsbruch. Aber als ich wieder aus dem Auto stieg war der Schmerz weg. Es können ja so viele Dinge vor dem Start dazwischen kommen.

Meine Frau hat die Nacht vorher schlechter geschlafen als ich. Das hab ich nicht erwartet. Sie hat sich mit dem Gedanken gequält, am Sonntag Witwe zu werden. Ok, sie neigt manchmal zu Dramatik. Aber sie hat mich laufen lassen. Dafür bin ich ihr auch sehr dankbar.

Ich hab am Sonntagmorgen die sensiblen Stellen an den Beinen mit Melkfett eingerieben, die Brustwarzen mit Pflaster abgeklebt, meine kurze Laufhose, Kompressionsstrümpfe, Laufshirt und dünne Laufjacke getragen. In einer Jackentasche hatte ich ein leeres Trinkfläschchen, in einer anderen einen Strohhalm und 2 Energieriegel mit Koffein, die mir mein Schwager schenkte.

Als wir auf dem Lübecker Marktplatz ankamen, entschied ich mich, die dünne Laufjacke gegen eine dickere zu tauschen. Also noch schnell die Startnummer abnehmen und wieder anheften. Der Himmel war an dem Morgen grau und als ich im Startbereich stand fielen ein paar Tropfen Regen. Ich staunte, dass nicht wenige Läufer nur mit kurzer Hose und Laufshirt starteten.

Aufgeregt fühlte ich mich nicht vor dem Start. Ich hab trainiert, wartete auf den Countdown und war sehr dankbar, keine Beschwerden zu haben. Als wir 1.600 Marathon und HM-Läufer starteten und ich nach wenigen Sekunden die Startlinie überquerte und meine Uhr startete, kamen mir die Tränen. Damit hatte nun überhaupt nicht gerechnet. Ich war irgendwie tief berührt. Endlich war der große Tag da. Der Tag, den ich lange für unmöglich hielt. Und ich war nicht krank oder verletzt. Die vielen Zuschauer, die hinter den Absperrungen klatschten hatten sicher auch für Emotionen gesorgt. Später erfuhr ich von meiner Frau, dass meine 8-jährige Tochter sie besorgt fragte: „Mama, meinst du, dass Papa das schafft?“

Ich hatte aus dem Internet einen Plan, der vorsah, dass ich die ersten 3 km in 4:45 laufe und mit meinem Puls nicht über 150 komme. Der Plan war dann aber schnell Makulatur. Obwohl ich mich immer wieder drosselte und vom Gefühl her sehr langsam lief, zeigte meine Uhr mir nach dem 1. km 4:32. Mein Puls war bei km 2 schon bei 162! Die Strecke führte vom Lübecker Marktplatz durchs alte Burgtor aus der Altstadt hinaus und dann auf der Travemünder Alle Richtung Travemünde. Mir war etwas warm, aber es war trocken und angenehm zu laufen. Bis km 7 blieb ich pro km jeweils unter 4:40 m/km. (korrigierte Tempowerte - hab mich doch glatt 1 Min. schneller gemacht, als ich wirklich war - sorry)

Dann riss mir meine Startnummer oben rechts ab und ich versuchte 4 Mal während des Laufs die Nummer wieder anzuheften, aber die Sicherheitsnadel ging immer wieder auf. Das geschah während ich den Herrentunnel hinablief. Schließlich blieb ich stehen, und bemühte mich die Startnummer wieder festzumachen. Ich verschenkte ca. 20 Sekunden. Dann ging es mit 6% Steigung wieder hoch (50 Höhenmeter).

Der erste Getränkestand kam nach 2 km. Ich drehte den Trinkverschluss meiner kleinen Trinkflasche auf, klemmte ihn mir zwischen die Zähne, schnappte mir einen Becher Wasser und goss das Wasser während des Laufs in die Flasche, die ich neben mich hielt. Dann schraubte ich den Trinkverschluss wieder drauf und konnte problemlos trinken. So handhabte ich es die ganze Strecke, auf dem Hinweg ließ ich keinen Stand aus, da meine Flasche meist nur zu einem Drittel oder halb gefüllt wurde. Erst auf dem Rückweg lief ich an einigen Ständen vorbei. Bei km 30 nahm ich mir einen Energieriegel und spülte mit Wasser nach.

Ein besonderer Moment kam nach 1:17, als ich die Ostsee erblickte, die ruhig vor uns lag. Dann ging es die ganze Promenade entlang und ein Stück wieder aus Travemünde hinaus auf einen Wanderweg. Nach 1:38 hatte ich die Wendemarke erreicht. Der Rückweg war anstrengender. Es gab Gegenwind, z.T. heftig. An dem Punkt entschied ich mich, lieber ruhiger zu laufen und anzukommen als mich zu quälen und es vielleicht nicht zu schaffen.

Mein Schwager musste leider bei km 30 wegen Unterkühlung aussteigen. Er sagte mir, dass auch andere erfahrenen Marathonläufer wegen Unterkühlung in den Bus kamen. Auch wenn meine dicke Laufjacke am Ende mit Wasser vollgesogen war und mich beim Laufen störte, war ich froh, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Mein beiden langsamster km mit jeweils 5:42 waren km 31 und 37. Die letzten 10 km regnete es und mir taten meine Hacken weh. Trotzdem konnte ich auf den letzten 5 km das Tempo etwas erhöhen - das Ziel war ja zum Greifen nah. Als ich nach dem Sprint dann durchs Ziel lief, meine Medaille erhalten hatte, und an einer Hauswand meine Dehnübungen machte, weinte und zitterte ich zugleich. Und dann konnte ich nur noch humpeln und über den Platz schleichen. Wie gut tat dann die Massage in einem beheizten Zelt!! Dort fand mich meine Familie und später wusste ich, warum meine Tochter mich die ganze Zeit mit einem großen ungläubigen Grinsen anstrahlte. Nach der Massage genehmigte ich mir eine warme Suppe. Meine Frau und beide Kinder hatten ihren Spaß zuzusehen, wie ich mit stark zitternder Hand Löffel für Löffel genoss.

Fazit: Ich bin sehr froh, den Marathon geschafft zu haben. Nichts blutete oder war wund. Trinken klappte gut. Das Wetter war supoptimal. Ich danke euch allen hier im Forum für die Ermutigung, die guten Wünsche und Anteilnahme!

26.10.
Lauf Nr. 202 (seit Aug 07)
42,195 Km
3:31:09 h/m
Pace Schnitt: 5 m/km
Avg HF: 162
Max HF: 176
Oktober: 264,94 km
2008: 1.606,43 km

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Glückwunsch

Glückwunsch zum ersten gefinishten Marathon. Es ist immer schön, wenn die Familie an der Strecke steht und einen anfeuert und auch generell die anderen dazugehörenden Verrücktheiten unterstützt und respektiert.
Das mit dem Trinken hast Du ja sehr professionell durchgezogen. Hattest Du zu Hause einen Trainings-Getränkestand und hast dann immer geübt?
Wieso bist Du zu Anfang so gespurtet? Wolltest Du aus der Meute raus?

Nochmals Glückwunsch zu dieser guten Debüt-Zeit

marcus

Laufen in Leipzig

Gratuliere dir

der Weg ist das Ziel, gib nie auf
Hi Volki, ich hatte keinen Zweifel, dass du es schaffen wirst. Herzlichen Glückwunsch und das meine ich auch so.
Du wirst sicherlich noch eins bis zwei Tage daran knabbern, aber das Glücksgefühl wird überwiegen.
Gönn dir etwas Ruhe und dann mach deine Regenerationsläufchen.

lg Ute

Naja, ein bißchen

Naja, ein bißchen übertrieben hast du schon, auf jeden Fall bist du weder den ersten noch die weiteren km / min. in je 3:32 - 3:45 gelaufen, sonst wärst du vor mir gewesen.
Da ich der Erste war, kannst du es nicht gewesen sein. Wir sprechen doche eher von zeiten um 4.45 / km.

Hallo Charly natürlich hast

Hallo Charly

natürlich hast du Recht - das war aber keine Absicht von mir, sondern schlicht ein dummer Fehler. klar, ich bin die ersten km über 4:30 min gelaufen - hab mich da um eine ganze minute vertan und es erst gestern abend bemerkt, aber da stand es schon hier drin... werde es also hiermit korriegieren.

Auf jeden Fall: herzlichen Glückwunsch zu Deiner super Leistung, und das bei den Bedingungen!! Wahnsinn!!

lieben Gruss, Volkie

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