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Hochmut kommt vor dem Fall ...

Vor dem Rennen

Es ist wieder einmal soweit, nur noch wenige Tage bis zu dem für mich wichtigsten Laufereignis des Jahres: Der München-Marathon steht vor der Tür. Es ist für mich ein Heimspiel, ich kenne jeden Meter der Strecke auswendig, alles soll perfekt sein diesmal.
Zu dem München-Marathon habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Nicht unbedingt ein besonders gutes - genauer gesagt sind da noch zwei offene Rechnungen, die ich mit diesen 42,195 Kilometer hier in meiner Heimatstadt begleichen möchte.
Es begann 2006. Hier in München bin ich damals meinen ersten Marathon überhaupt gelaufen und darauf hatte ich mich ein Jahr lang akribisch und intensiv vorbereitet. Ich war in Topform und dann hat mich bei Kilometer 17 ein übles Seitenstechen ereilt, das ich bis zum Ziel nicht mehr richtig losbekommen habe. Aber immerhin habe ich das Ziel erreicht, wenn auch in indiskutablen 4:56 Stunden.
2007 sollte dann alles besser werden. Ich war mir sicher, endlich die 4-Stundenmarke zu knacken. Bin aber in meiner Euphorie zu schnell angegangen und nach und nach eingebrochen. Letztlich kam ich in 4:06 Stunden an; der Enttäuschung war riesengroß.

Seit dem letzten München-Marathon ist also wieder ein Jahr vergangen. Dazwischen liegen 3 weitere Marathons (Hamburg, Zermatt und Darmstadt), wobei ich in Darmstadt endlich die 4-Stundengrenze mit 3:58 Stunden gepackt habe. Dazwischen liegen aber auch rund 3500 gelaufene Trainingskilometer, etliche 10 Kilometer- und Halbmarathonrennen. Ich bin bereit, München kann kommen.
Meine Taktik ist klar. Ich will nicht nur unter 4 Stunden finishen, nein, es soll auch noch deutlich darunter sein. Mein Ziel ist es, 3:51 Stunden zu laufen, also einen glatten 5:30er Schnitt pro Kilometer.
Eine Woche vor dem Start endet das Oktoberfest, genug Zeit also noch sich von den Festivitäten zu erholen und den Körper auf den Lauf einzustellen. Die Tage vor dem 12. Oktober waren durchwegs sonnig aber angenehm frisch in der bayerischen Landeshauptstadt. Temperaturen um die 14 Grad sind für einen Marathon geradezu ideal.

Was mich besonders freute: diesmal will auch mein Kumpel Bruno mitlaufen. Er kommt eigentlich vom Radsport, hat schon die Flandernrundfahrt mitgemacht, ist aber ausdauertechnisch hervorragend in Form. Er sollte durchaus in der Lage sein, mein Tempo über die gesamte Distanz mitzugehen.
Endlich ist es soweit. Sonntagmorgen, 12. Oktober 2008. Bruno und ich stehen ganz am Ende des Startblockes A. Nur noch wenige Minuten bis das Rennen freigegeben wird. Die Sonne scheint, kein Wölkchen trübt den Münchner Himmel, der Sprecher verkündet einen ungewöhnlich warmen Herbsttag mit Temperaturen bis zu 23 Grad … na toll. Eigentlich hätte ich bei dieser Prognose sofort meine Taktik ändern sollen, um langsamer zu laufen. Gerade so, dass es noch für eine Zeit unter 4 Stunden langt.
Aber ich fühle mich zu sicher und traue mir das geplante Tempo auch für warme Witterungsverhältnisse zu.

10 Uhr, der Startschuss fällt, die Masse der rund 8000 Läufer setzt sich in Bewegung. Da wir uns am Ende des Startblocks befinden, dauert es fast 4 Minuten, bis wir die Startlinie überqueren können, dann erst wird aber auch die elektronische Zeitnahme über den Chip am Laufschuh ausgelöst.

Kilometer 1 bis 5

Der Start findet auf der sehr breiten Ackermannstraße direkt am südöstlichen Rand des Olympiaparks statt. Nach der Startlinie ist viel Platz für die Läufer, es gibt nur wenig Gedränge. Den ersten Kilometer gehen wir mit 5:20 Minuten aber deutlich zu schnell an; man fühlt sich frisch und voller Kraft, die Geschwindigkeit bemerkt man noch gar nicht. Dennoch weise ich Bruno nach dem ersten Kilometer darauf hin, etwas langsamer zu machen. Er nickt kurz und geht das Tempo aber weiter zügig an. Ok, dachte ich mir, das kriegen wir schon hin, das wird schon noch langsamer. Kilometer 2 laufen wir in 5:25 Minuten - na also, das passt jetzt schon eher.
Nach knapp 3 Kilometern biegen wir dann rechts in die Leopoldstraße ein. Das ist Münchens Prachtmeile mitten in Schwabing. Hier säumen tausende Menschen den Straßenrand und feuern die Läufer an. Direkt nach dem Einbiegen auf die Leopoldstraße hat man auch das Siegestor im wunderschönen Morgenlicht vor Augen. Wir sind wie berauscht … 5:17 Minuten für den dritten Kilometer belegen dies allzu deutlich. Es geht dann vorbei am Siegestor, Richtung Feldherrnhalle. Etwa 500 Meter vor dem Odeonsplatz, dann die Kehrtwende bei Kilometer 4. In einer 180 Grad Kehre läuft man auf die Gegenfahrbahn und wieder zurück Richtung Siegestor und Schwabing. Kilometer 4 und 5 sind mit 5:22 und 5:25 Minuten aber immer noch zu schnell für uns. Wieder gebe ich Bruno ein Zeichen, doch etwas langsamer zu machen. Er schaut mir kurz in die Augen, nickt verständnisvoll und zieht wieder an. Himmelherrgott, soll ich ihn jetzt einfach ziehen lassen und mein eigenes Tempo gehen? Nein, das wollte ich nicht; brav hänge ich mich an ihn an, dann laufe ich halt ein bißchen schneller als geplant, wird schon gutgehen.

Kilometer 5 bis 8

Kurz nach Erreichen von Kilometer 5 geht es in einer weiteren Rechtskurve ab von der Leopoldstraße Richtung Englischer Garten. Man läuft aber noch nicht direkt in die Parkanlage, sondern zunächst für einige Kilometer parallel dazu durch nun engere aber sehr beschauliche Straßen von Alt-Schwabing. Die Stimmung hier ist gut, viele Anwohner schauen aus ihren Fenstern und klatschen den vorbeilaufenden Teilnehmern zu. Dass unser Tempo hier zwischen Kilometer 6 und 7 mit jeweils 5:24 Minuten immer noch zu schnell ist, brauche ich kaum extra zu erwähnen. Bruno ist nicht zu bremsen. Er grinst über das ganze Gesicht, reißt eine Zote nach der anderen. Was ist mit diesem langen, schlaksigen Belgier heute nur los? Hat der vor dem Rennen noch ne Tüte geraucht oder eine aus seinem Radsport bekannte leistungsfördernde Substanz eingenommen? Wenn er so weiter macht und ich sein Tempo mitgehe, wird das ein böses Ende nehmen, zumal es ständig wärmer wird.
Ich nehme mir aber fest vor, spätestens bei Eintritt in den Englischen Garten bei Kilometer 8 das Tempo auf den geplanten 5:30er Schnitt zu drosseln. Wenn es nicht anders geht, dann lasse ich Bruno halt ziehen.
Nach rund 43 Minuten ist es dann soweit, wir laufen in den Englischen Garten ein. Die grüne Lunge Münchens bietet kühlenden Schatten, die Stimmung wird aber auch deutlich weniger, da hier nur noch vereinzelt Zuschauer zu sehen sind.

Kilometer 8 bis 15

Nur noch wenige Minuten bis zur ersten wichtigen Orientierungsmarke bei Kilometer 10. Hatte vorher geplant diesen Punkt nach 55:30 Minuten zu passieren. Habe es die letzten beiden Kilometer auch tatsächlich geschafft, das Tempo gemeinsam mit Bruno etwas zu reduzieren, war aber dennoch in Sorge, dass mir die zu schnellen ersten 8 Kilometer noch übel nachhängen könnten.
Die Matte mit der elektronisch erfassten Zwischenzeit bei Kilometer 10 überlaufen wir nach einer Gesamtzeit von 54:04 Minuten. Mist, das waren für mich fast 1,5 Minuten zu schnell. Ich signalisiere das meinem Kumpel, der grinst nur und meint, dass wir uns dadurch ein Polster für eine mögliche Pinkelpause geschaffen haben. Ja, ja Bruno, so kann man es natürlich auch sehen.
Landschaftlich ist der Streckenabschnitt im Englischen Garten sehr schön zu laufen. Die Bäume spenden Schatten, durch die wenigen Zuschauer kommt der Kopf etwas zur Ruhe und man kann sich besser aufs Laufen konzentrieren. Insgesamt ist der Abschnitt zwischen Kilometer 11 und 15 mein bester. Ich komme so richtig ins "Rollen", Bruno erzählt einen Witz nach dem anderen und das Tempo ist mal wieder zu hoch …
Zwischen Kilometer 12 und 14 laufen wir für einige Minuten neben einem blinden Läufer, der von einem Kumpel an einem kurzen Band und durch ständige Anweisungen geführt wird. Ich habe das schon öfter gesehen, aber ich bin trotzdem jedesmal aufs Neue überrascht, wie die das schaffen. Blind einen Marathon zu laufen - unglaublich. Ich kann gar nicht genug ausdrücken, wie groß mein Respekt vor einer solchen Leistung ist.

Kilometer 15 bis 19

Nach ca. 15,5 Kilometer verlassen wir den Englischen Garten in unmittelbarer Nähe des Biergartens Chinesischer Turm und biegen in einer scharfen Linkskurve ab in Richtung Isar. Hier Ausgangs des Englischen Gartens steht auch, wie vorher verabredet, meine Freundin und reicht mir eine kleine Flasche mit einem von mir zubereiteten Magnesiumgetränk. In ihrem Blick bemerke ich zum einen Freude über unser Auftauchen aber auch deutlich fragende Skepsis, denn auch sie hat mit einem Blick auf die Uhr festgestellt, dass wir etwa 2,5 Minuten zu schnell unterwegs sind.
Nur wenige hundert Meter später überqueren wir die Isar und befinden uns nun am Fuße des längsten Anstiegs der gesamten Strecke. Auf etwa 800 Metern geht es spürbar hoch in den Stadtteil Bogenhausen. Der Anstieg sorgt auf natürliche Weise, dass wir das Tempo reduzieren müssen, mit 5:36 Minuten ist es aber immer noch zu hoch. Oben angekommen, wir sind nun bei Kilometer 17 angelangt, spüre ich zum ersten Male die Muskulatur und die bis dahin gelaufenen Kilometer. Die nächsten gut 2 Kilometer geht es in nördlicher Richtung geradeaus durch den Stadtteil Oberföhring. Ich fühle mich nun nicht mehr so gut, zu früh bemerke ich die ersten Anzeichen von Unwohlsein. Dazu kommt seit einigen Minuten auch noch ein unangenehmes Ziehen im rechten Oberschenkel … macht sich da etwa ein Krampf bemerkbar? Bitte nicht …
Kilometer 18 und 19 laufen wir in 5:33 bzw. 5:34 Minuten. Etwas langsamer als geplant, leider ungewollt, wir merken nun beide das hohe Anfangstempo und es ist noch nicht einmal die Hälfte geschafft.
Bei Kilometer 19 ist der nördlichste Punkt auf dem Abschnitt erreicht und in einer starken Rechtskurve geht es wieder zurück Richtung Innenstadt.

Kilometer 19 bis 23

Wir befinden uns nun auf der Cosimastraße. Dieser Streckenabschnitt des München-Marathon ist der Beginn des unattraktivsten und schwersten Teils des Rennens. Rund 3 Kilometer geht es nur schnurgeradeaus, kein Schatten weit und breit, die Mittagssonne steht genau über uns und Zuschauer gibt es hier draußen im Münchner Osten auch nicht viele. Jetzt beginnt auch die Phase, in der ich in meinen Körper hinein höre. Das Ziehen im rechten Oberschenkel wird schlimmer und breitet sich langsam aber sicher auf die rechte Wade aus. Müdigkeit und Unlust wird stärker, meine Nerven sind gespannt. Bruno plappert weiter fröhlich vor sich hin, zum Mitlachen ist mir aber längst nicht mehr zumute.
Nach genau 1:55:00 Stunden passieren wir die Halbmarathon-Distanz. Immer noch etwas unterhalb meiner geplanten Zeit, aber leider mit fallender Tendenz. Das heißt, ich merke, wie ich Schwierigkeiten habe, das momentane Tempo zu halten.
Am Ende der langen Geraden bei Kilometer 23 wird auch Bruno etwas ruhiger. Auch er hat nun etwas zu kämpfen und versucht seine Beinmuskulatur durch leichtes "Anfersen" zu lockern.

Kilometer 23 bis 27

Nach Kilometer 23 erreichen wir den Stadtteil Berg am Laim, immer noch tief im Münchner Osten. Wir laufen entlang eines Gewerbegebiets, es gibt kaum visuelle Ablenkungen, also eine wunderbare Gelegenheit mal wieder auf die Körpersignale zu hören. Diese sind mittlerweile ziemlich penetrant und verkünden vernehmlich "Aufhören", oder "das wird heut' nix mehr". Bruno läuft zu diesem Zeitpunkt beständig 4-5 Meter vor mir. Ich orientiere mich nun stur an seinem Tempo, das zu diesem Punkt bei etwa 5:35 Minuten pro Kilometer liegt.
Nach 26 gelaufenen Kilometern biegen wir von der Berg-am-Laim-Straße links in die Friedenstraße ein. Diese liegt hinter dem Ostbahnhof und führt auf etwa einem Kilometer direkt parallel zu den Gleisen der Bundesbahn. Es ist auch der letzte trostlose Abschnitt bevor es gleich in einer Rechtskurve über die Rosenheimerstraße wieder Richtung City geht.
Jetzt habe ich auch richtig Probleme mit dem rechten Bein. Mehrmals zuckt die Muskulatur krampfartig und ein ökonomisches Laufen ist für mich kaum mehr möglich. Bruno hat es auch bemerkt und schlägt noch eine rasche Pinkelpause vor. Sehr gute Idee. Wir schlagen uns kurz hinter eine große Werbebande und eine knappe Minute später geht es wieder weiter. Schon beim Anlaufen habe ich aber enorme Schwierigkeiten. In meinem Kopf habe ich das Rennen nun fast aufgegeben. Krämpfe 15 Kilometer vor dem Ziel … das schien mir nicht mehr machbar.

Kilometer 27 bis 32

Wir sind eben den Rosenheimer Berg auf Höhe des Deutschen Museums herunter gelaufen, wir befinden uns bei Kilometer 28,5, als ich Bruno signalisiere, dass er allein weiterlaufen soll und sich nicht um kümmern braucht. Ich sage ihm, dass ich weitermache, aber eben etwas langsamer. Ein letztes "Wir sehen uns im Ziel" und weg war mein belgischer Kumpel. Viel Glück und Erfolg, Bruno!
Für mich geht es ab jetzt alleine weiter. Spaß macht das nun wirklich nicht mehr. Müde, erschöpft und die zuckende Muskulatur im rechten Bein als ständigen Wegbegleiter geht es vorbei am Isartor auf den Marienplatz zu.
Dort ist dann wieder richtig die Hölle los. Tausende Menschen bevölkern Münchens Herz vor dem Alten Rathaus mitten in der Fußgängerzone. Hier steht auch wieder meine Freundin. Ich laufe zu ihr an den Rand, erkläre kurz die Situation und laufe dann weiter. Neben einem Klaps auf die Schulter reicht sie mir noch ein Täfelchen Traubenzucker und eine Packung Magnesium-Gel.
Nach dem Marienplatz geht es über den Odeonsplatz auf der Ludwigstraße Richtung Schwabing, bevor man noch einmal rechts in die Theresienstraße abbiegen muss.
Schade, ich kann diesen schönsten und stimmungsvollsten Teil des München-Marathons überhaupt nicht mehr genießen. Hatte mich vorher so sehr darauf gefreut. Jetzt kämpfe ich verzweifelt gegen den inneren Schweinehund, der mich ununterbrochen zum Aufhören überreden will. Mein Kilometer-Schnitt ist auf astronomische 7:00 Minuten angewachsen. Das ist kein Laufen mehr, sondern eher ein gemächliches Joggen; aber leider geht es nicht mehr anders. Ich bin allerdings nicht der einzige, der offensichtlich mit Erschöpfung und Krämpfen zu tun hat. Viele Teilnehmer gehen nur noch, andere steigen aus oder setzen sich auf die Straße und dehnen die geplagten Beine.

Kilometer 32 bis 37

Die Theresienstraße ist zweigeteilt. Ich laufe sie momentan in westlicher Richtung während mir auf der anderen Fahrbahnseite schon die Läufer entgegenkommen, die sich bereits bei Kilometer 36 befinden.
Man verläßt nun die Theresienstraße und biegt links in die Arcisstraße ein. Hier befindet sich die Technische Universität und auch die Alte und Neue Pinakothek, zwei weltberühmte Gemäldesammlungen.
Kilometer 34, wir laufen einen großen Bogen um den Obelisken am Karolinenplatz und dann über den beeindruckenden Königsplatz zurück zur Theresienstraße. Hier bei Kilometer 36 befinde ich mich nun auf der "richtigen" Fahrbahnseite und bedauere die mir entgegenkommenden Läufer, die sich erst noch bei Kilometer 33 befinden.
Am Ende der Theresienstraße geht es wieder auf die prächtige Ludwigstraße direkt auf das Siegestor zu. Nach dem Siegestor läuft man auf der Leopoldstraße bis zum U-Bahnhof Giselastraße, wo man links in die Franz-Joseph-Straße abbiegt.

Kilometer 37 bis zum Ziel

Mein Kopf ist leer, laufe nur noch ganz automatisch ohne Sinn und Verstand. Nehme nichts mehr links und rechts von mir wahr. Bin eigentlich sogar zu schwach zum Aufgeben. Das bedeutet hinsetzen und selbst das ist mir zu anstrengend. Auf die Uhr schaue ich schon lange nicht mehr, Zeit spielt jetzt keine Rolle mehr für mich. Will nur noch ankommen.
Einige hundert Meter vor mir erkenne ich verschwommen die Anzeigetafel mit der Aufschrift Kilometer 41 … jetzt ist es nicht mehr weit.
Ich laufe nun wieder in den Olympiapark ein. Ich stehen wieder viele Zuschauer und feuern die erschöpften Teilnehmer ein letztes Mal an. Eigenartigerweise laufe ich nun so schnell, wie seit Kilometer 26 nicht mehr. Den letzten Kilometer schaffe ich in 6:15 Minuten, wahrscheinlich motiviert durch das vor mir auftauchende Olympiastadion und die fetzige Rockmusik beim Einlaufen durch das Marathon-Tor.
Geschafft. Nach 4:20:11 Stunden überquere ich die Ziellinie. Eine junge Frau hängt mir die Finisher-Medaille um, ich bin zu erschöpft, um darüber nachzudenken, ob ich diese verdient habe oder nicht. Im Zielbereich begrüßt mich auch Bruno, mein alter Kumpel. Er ist rund 19 Minuten vor mir ins Ziel gekommen mit einer Zielzeit von 4:01:25 Stunden. Ich kann ihm zu dieser Leistung nur gratulieren. Er hat meinen allergrößten Respekt.
Gemeinsam holen wir uns ein alkoholfreies Bier und je eine Salzbrezn. Dann verlassen wir den Innenraum des Stadions und treffen meine Freundin, die von uns beiden noch ein paar Fotos macht.

Ein Fazit
Über die Zeit von deutlich über 4 Stunden bei diesem Marathon bin ich natürlich todunglücklich. Aber ich bin froh, nicht aufgegeben und das Ziel erreicht zu haben. Solche Wettkämpfe braucht es anscheinend auch mal. Ich werde daraus meine Lehren ziehen. Ich denke, es sind mehrere Ursachen für meinen Einbruch heute zusammengekommen. Zu einen das für die warmen Temperaturen zu schnelle Anfangstempo, dann die früh einsetzenden Krämpfe im rechten Oberschenkel und nicht zuletzt ein zu hohes Maß an Übermut. Hatte nicht genug Respekt vorher vor dieser Strecke. War mir zu sicher und bin leichtsinnig geworden.
Den München-Marathon kann ich aber jedem Läufer nur wärmstens empfehlen. Die Organisation ist perfekt, die Streckenführung sehr abwechslungsreich, im Osten der Stadt teilweise zu öde und die Startgebühren mit 55 Euro im mittleren Bereich für einen großen Citymarathon.

'''Etwas Statistik zum Schluss````
Gesamtzahl der Starter: ca. 8000
Gesamtzahl der Finisher: 5729
Sieger Herren: Justus Steffen (DEU) in 2:21:38 Stunden
Siegerin Frauen: Melanie Hohenester (DEU) in 2:49:19 Stunden
Meine Platzierung: Platz 4006 …

Hallo + willkommen

...im Klub der Hochmutler, heldenhaften Durchbeißer, Self-Quälixe. Vielleicht hast du meinen Bericht gelesen, mir ging es ja ähnlich besch... hier
Beim nächsten Mal wird's wieder anders für uns beide, nicht wahr!

Wunderbar hast du die Details der Strecke beschrieben, das finde ich sehr plastisch, besonders diese öden Passagen im Münchner Osten haben es in sich und das kann man sehr gut nachfühlen.

Gruß nach München
dadarun

Leben ist Bewegung

sind wir nicht alle etwas doof

Da können gerade mal 10% aller deutschen 10 km weit laufen, aber wenn man als Durchschnittläufer seine Marathonzeit nicht erreicht ist man enttäuscht.
Mir ging es beim Münchner Marathon 2006 bis zu KM 30 gut 2:55 dann wars aus, Schmerzen Wadenkrämpfe, wäre da nicht ein von den Zuschauern hochgehaltenes Schild" Der Schmerz vergeht der Stolz bleibt" hätte ich vielleicht noch aufgegeben und bin dann mit 4:23 eingelaufen das heulen war so nah, und als ich nachdem Hinsetzten um den Chip abzunehmen wiederaufstehen wollte, war dies unglaublich schwer.

So doof, da läuft man eine Strecke die einfach richtig lang ist und ist enttäuscht, aber so is es nun Mal unter uns Läufern.

Kannst richtig stolz sein!!

lg
wdS

Danke :-)

Du hast natürlich völlig recht .... aber man ist ja schließlich selbst sein härtester Kritiker.

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