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Nach nur drei Wochen war ich am Wochenende schon wieder bei einem Marathon dabei. Diesmal war München an der Reihe.

Praktisch war, dass wir uns bei einem meiner Onkels einnisten konnten. Angereist sind wir am Freitag. Am Samstag hatte ich den letzten Lauf vor dem Ernstfall - im Blumenpflücktempo zum Englischen Garten, eine Minirunde gedreht und wieder zurück. Dann Stadtbummel, Startunterlagen abholen, einen Bekannten treffen und dann kam ich auf das schmale Brett, ein Stück des Rückwegs zu spazieren. Unterwegs haben wir dann die Pläne geändert und sind das gesamte Stück gegangen - von der Münchener Freiheit in Schwabing durch den Englischen Garten bis nach Johanneskirchen im Nordosten der Stadt, über 6 km. Dank meiner fast neuen Schuhe bekam ich davon zwei Blasen am kleinen Zeh. Prima Voraussetzungen. Abends noch mal Carboloading beim Italiener.

Nach Karlsruhe musste die Regenerationsphase etwas gekürzt , das Tapering für München einigermaßen eingehalten, drei Tage Schonprogramm wegen einer leichten Erkältung eingelgt(eine geballte Ladung Grapefruit, Zitronen Ingwer etc. hat schlimmeres verhindert)werden. Da blieb nicht mehr viel Zeit für ein richtige Training. Also ging ich "München" ohne echtes zeitliches Ziel an. Ich wollte einfach einen schönen Lauf machen.

Schon bei der Busfahrt zum Olympiazentrum schien die Sonne und es sollte den ganzen Tag so bleiben. Es wurde nicht zu warm, dennoch lief ich dort wo es möglich war, auf der Schattenseite der Straßen. Bei dem super Laufwetter genoss ich den Lauf dann wirklich. Erst ging es Richtung Innenstadt mit einer Schleife über die Leopoldstraße. Schon auf dem Stück waren mehrere Sambabands. Man könnte meinen, der Rhythmus wurde in München erfunden. Ok, andere Musik, einschließlich zünftiger Blasmusik gab es auch, aber die südamerikanischen Töne überwogen. Nur die Kostüme waren nicht ganz so, wie in Rio. Nach dem Wendepunkt fuhr eine Weile ein Motorrad neben mir her und die Sozia hielt mir die Kamera erst 'ne Weile ins Gesicht, schwenkte dann auf die Füße und verharrte dort wieder. Für wen die gefilmt haben oder wo die Aufnahme zu sehen ist, war leider nicht ersichtlich.
Bald ging es für sieben Kiolometer durch den Englischen Garten. Trostlos fand ich die Strecke durch den Park überhaupt nicht. Nach dem Überqueren der Isar ging es wieder nach Norden, Richtung Oberföhring, dem vereinbarten Standort meiner Mini-Fangemeinde. Die standen bei km 19, nach "An der Salzbrücke". Über die Bedeutung der Salzbrücke für die Stadt wurden wir am Vorabend vom Onkel "ins Bild gesetzt. Im Osten von Bogenhausen bis zum Ostbahnhof war es in Sachen Musik und Publikum an der Strecke recht ruhig, dennoch schienen die Kilometerschilder nur so an mir vorbei zu schweben.
In der Innenstadt war dann wieder Sightseeing im Laufschritt angesagt und die Straßen waren dichter gesäumt. Kurz vor der zweiten Überquerung des Marienplatzes musste ich an einer Getränkestation kurz anhalten, weil direkt vor mir eine Läuferin plötzlich stehn blieb. Doch die Beine und der Kopf waren sich einig, dass sie weiter wollen.
Erst etwas später etwa zwischen Kilometer 32 bis 36, einer weiteren Schleife abseits der Ludwigsstraße fiel ich in ein kleines Motivationsloch, kam jedoch bald wieder darüber hinweg.
Die lange Gerade der Franz-Joseph- und Elisabethstraße war als "Partymeile" deklariert, doch diese Party schien etwas ins Stocken geraten zu sein. Dort hätte ich mir wegen dieser Bezeichnung etwas mehr Ramba-Zamba vorgestellt. Vom alkoholfreien Bier am Verpflegungsstand nahm ich mir einen Becher, zur Abwechslung zum Wasser und den süßen Getränken, befürchtete aber, zu viel Luft in den Magen zu bekommen, denn der Schaum überwog bei weitem. Es schmeckte trotzdem.

Klasse war der Einlauf durch das Marathontor ins Olympiastadion: Aus der Sonne in die Dunkelheit, Lichteffekte, aufputschende Musik. All das ließ einen kalten Schauer den Rücken herunter laufen und verursachte eine Gänsehaut. Dann noch die 3/4 Runde im Stadion und es war geschafft. Nachdem mir die Finishermedaille umgehängt war, holte ich mir erst mal Wasser und lief langsam und ziellos über den Rasen, zog irgendwann die Schuhe aus und lief barfuß weiter. Nach einem Lauf kann ich mich einfach nicht sofort hinsetzten oder hinlegen. Ich befürchte, wenn ich das täte, würde ich wahrscheinlich zum Kandidaten für die Sanitäter werden.

Erstmals nahm ich nach einem Lauf die Physiotherapie in Anspruch. Die Warteschlange war recht übersichtlich und schnell abgearbeitet. Die erste Frage des Masseurs: "Wo tut's denn am meisten weh?" Meine Antwort: "Eigentlich nirgends". Ich räumte dann ein, dass die Oberschenkel etwas spannen, damit ich nicht gefragt werde, weshalb ich überhaupt da bin. Ich bekam dann die Oberschenkel und Waden massiert und die Info, dass es sich fast so anfühlt, als sei ich überhaupt nicht gelaufen. Der Masseur fühlte sich scheinbar unterfordert, nahm sich aber dennoch genügend Zeit. Fast nicht der Rede wert war die kleine Verspannung, die er zum Schluss an der rechten Wade ertastete.

Ach ja, die Blasen vom Vortag: Die hatte ich mit Leukoplast verklebt und sie muckten nicht ein Mal.

Bestätigt hat sich auch wieder eine nicht empirisch gesicherte Erfahrung meinerseits: Immer wenn ich ein paar Stunden nach dem Lauf einen längeren Spaziergang oder eine kleine Wanderung gemacht habe, bekam ich (fast) keinen Muskelkater. Schon deswegen war der Bummel durch die City am Spätnachmittag sinnvoll, vielleicht sogar Therapie.

Mit meiner Zeit von 3:48:xx bin ich sehr zufrieden. In München war ich dann auch nur 3 Minuten langsamer als vor drei Wochen. Damals musste ich mich schon etwas quälen.

Nun habe ich meinen fünften Marathon hinter mir. Nach dem Debut im Herbst 2007 kam ich auf die grandiose Idee, dass ich in meinem 44. Lebensjahr 4 Marathons laufen könnte, was ich nun tatsächlich geschafft habe. Dafür hatte ich mir ein paar Rosinen ausgesucht: Stockholm, Königsschlösser-Marathon in Füssen, Baden-Marathon in Karlsruhe (Fast-Heimspiel) und das Finale in München. Ich habe die vier Läufe gut über die Runden bekommen, für die kommenden Jahre möchte ich mich trotzdem auf ein Normalmaß von zwei, vielleicht mal drei Marathons beschränken.

Bis zur nächsten 42,195er-Distanz wird es etwas länger dauern. Das nächste Marathon-Ziel ist Luxembourg im Mai 2009. Bis dahin versuche ich die Rheinzaberner Winterlaufserie mit meinem Schichtplan kompatibel zu machen.

Danke für die Ausdauer an alle, die bis hierher durchgehalten haben.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

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Hi Kollege

Glückwunsch zu deiner guten Zeit. Auch ich war dabei in M, aber nicht so glücklich und zufrieden wie du. Bald mehr dazu...

Leben ist Bewegung

wirklich ein gelungener Lauf!

Danke für den wunderschönen Bericht!!!
Gerade München ist für mich fantastisch. Habe lange Zeit dort gewohnt und konnte Dir also ein durch die Örtlichkeiten folgen. Genauso muss für mich ein Marathon sein! Fröhlich, unverkrampft, und auch noch in einer schönen Stadt. Und auch noch eine tolle Zeit. Wirklich superrunde Sache.

Ich liege gerade in Krankenhaus mit meiner frisch operierten Hüfte und kann jede externe Motivation gebrauchen. Daher noch,al riesen Dank

Freue mich schon auf Dein 55. Lebensjahr. ;-)))
LG
Gandalfine

Glückwunsch!!!

Klasse, du scheinst ja ein echtes Regenerationswunder zu sein. Toller Bericht!

Super Zeit, super Bericht und

herzlichen Glückwunsch zu deinen vollendeten erfolgreichen Vier!

laufend fit und gut drauf!

Fantastische Vier

Glückwunsch zum schönen München-Marathon und zum erfolgreichen Marathon-Jahr. Drei Wochen nach Karlsruhe schon wieder so eine Klasse-Zeit hinzulegen: Respekt.
Jetzt aber mal richtig die Füße hoch:-)
Gruß, Marco
You´ll never tänzel alone

Glückwunsch ..

... vor allem dazu, dass du soviel Spaß hattest !! Und dass du so wenig gesundheitliche Auswirkungen spürst, erstaunlich und erfreulich :-)
Und vier Marathons im Jahr so schnell nach dem Ersten - Hut ab ! Mein Maximum waren drei, der Letzte in Frankfurt als Begleitung eines Debütanten. Sonst sind es max. zwei "Große" jährlich, plus ein / zwei "Halbe". Bisher ...
Einen darf ich noch in zweieinhalb Wochen, aber dir wünsch ich eine schöne ruhige Zeit bis zu den nächsten Vorbereitungen und viel Erfolg im Mai in Luxemburg.

Ciao, Mone

Glückwunsch!

Du hast in Deinem Blog die Stimmung in München gut eingefangen. Schön wars. Glückwunsch auch zur tollen Zeit.
jog on ra1

Du machst ja Hoffnung!

Schön, dass man auch im hohen Alter noch so leistungsfhig sein kann. Dann kann ich mir ja noch Hoffnungen machen. hihihi ;-)))

Klasse Ergebnis, 4 Marathons in einem Jahr, nach nur 3 Wochen den vierten! Gut, wenn die Regeneration so fix geht!

Dann ein schönes Saisonende, ein paar nette Läufchen noch zwischendurch und viel Spaß bei der Vorbereitung von 2009!

Gruß,

L.

Wer im Wald sitzt, sollte nicht so laut rufen!

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