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So, es ist durchgestanden, ich habe den Köln-Marathon erfolgreich abgeschlossen. Hier mal ein bisschen über die abwechslungsreiche Vorbereitung und den Marathon selbst.

Die Vorbereitung begann richtig gut, neue HM-Bestzeit unter 1:30 beim Erlebnis-HM-Köln und das obwohl ich auf dem rutschigen Boden viel Kraft lassen musste und durch die langen Läufe meine Spritzigkeit weg war. Danke nochmal an meinen Begleiter, so konnten wir uns gegenseitig zu neuen Bestleistungen anstacheln.

Damit war die gute Vorbereitung aber eigentlich schon abgeschlossen, eine Zerrung im linken Oberschenkel hat mich ca. 2 Wochen lahm gelegt weshalb ich dann leider nicht beim Run-am-Ring starten konnte. Bei den folgenden Veranstaltungen (DKV-Brückenlauf und Kölner-HM 14km) ging dann gar nichts, ich lief für meine Verhältnisse ein erbärmliches Tempo und war trotzdem am Limit. Beim Brückenlauf musste ich sogar gehen, bei der Generalprobe habe ich nach 2 Runden gefinisht, geplant waren 4 Runden.

Dann ging es langsam wieder aufwärts, ich stieg wieder in die langen Läufe ein und mit leicht erhöhtem Puls konnte ich mein Marathontempo auch wieder laufen. Bis zum Marathon hat sich hier eigentlich nichts geändert, also Pace und Zielzeit korrigiert, auch wenn ich es eigentlich nicht wahr haben wollte und mit einem Auge immer noch zu meinen alten Zielen geschielt habe, mal gucken, vielleicht bringt die Erholung vor dem Marathon ja noch was.

Und dann war es soweit, Anreise morgens mit dem Zug (ist ja nicht so weit bis Köln), Kleiderbeutelabgabe und einchecken, es war zwar kühl aber es war „noch“ trocken! Das sollte sich ändern, beim warten auf den Startschuss fing es leicht an zu nieseln, aber was solls, das gehört dazu und ich habe die richtigen Klamotten an. Ich schiele die ganze Zeit immer ein wenig Richtung M-Finisher, so langsam müsste meine Mutter doch ins Ziel gekommen sein und wie ist es meinen Arbeitskollegen ergangen? Ich konnte mir leider den HM nicht angucken, bei dem Wetter wollte ich nicht 2 Stunden durch Köln irren um danach nochmal 3 1/2 durch Köln zu irren. Einen Kollegen habe ich noch getroffen, 1:29 gut meine Bestzeit hat bestand :-) der Rest war wohl noch auf der Strecke.

Start:
Dann kam der Startschuss der den schwarzen Block auf die Strecke los lies, im Getümmel ging es recht langsam über die Deutzer-Brücke doch kurze Zeit später hatte ich schon freie Bahn. Was ein Traum hing ich in Hamburg noch zum HM in den Massen war in Köln schon nach 1-2km genug Luft zum Atmen da.
3-6km:
Mit der freien Bahn war dann das Ziel mal zu testen, was denn heute drin ist, also 2-3km lang das ehemals geplante Tempo angelaufen.
7-16km:
Es ging, aber ich habe mich dann doch ein bisschen gedrosselt, gut 10s/km hab ich erstmal raus genommen. Dann hab ich mich irgendwann noch am kalten Wasser der Verpflegung verschluckt, was aber kein großes Problem dargestellt hat. Wieso überhaupt trinken ich hab doch von Außen schon genug Wasser? Stimmt, irgendwann hat es richtig angefangen zu regnen, aber ich habe es eigentlich nicht wahrgenommen, es hat einfach nicht gestört.
17-18:
Dann gab es mal was kurioses, auf der anderen Fahrbahn die für Autos offen war hörte man nur noch ein lautes Scheppern, ein kleiner Auffahrunfall. Ich könnte mich ja als Zeuge melden, aber ich habe eh nichts gesehen, da ich nur die blauen Streifen auf dem Boden gezählt habe, ist euch aufgefallen dass die Maschine immer Nasen gezogen hat? Man 42km Nachdenken, ich hoffe mal dass sich das nicht rächt. In Hamburg gab es irgendwann nur noch einen Gedanken, Aussteigen oder Durchhalten, zum Glück habe ich mich damals für das Zweite entschieden.
HM:
Bis hierhin hatte ich keine Probleme, aber das war immer schon so, die schwere Zeit kommt noch. Durchgang bei 1:38, ich bin im Plan, 3:20 sind drin, wenn ich mich weiter so gut fühle vielleicht sogar die 3:15 *träum*. Aber abgerechnet wird ja bekanntlich erst am Ende, Hauptziel ist durchlaufen, keine Gehpausen, nur dann war es ein erfolgreicher Wettkampf, der Sport heißt Laufen und nicht Walken!
24-25km:
Da steht meine Mutter mit ihrer Bekannten und wie ist die Zeit? 2:06, super eine Verbesserung um 13 Minuten und nen glatter 6er-Schnitt. Und bei mir, ich hab mein erstes Gel drin, das Tempo musste ich noch ein bisschen drosseln, so schnell geht das, bye 3:15, bye 3:20, aber was solls, ich laufe durch und wenn ich das schaffe habe ich endlich ne neue Bestzeit!
28-31km:
Ja ja der Mann mit dem Hammer, ich hab ihn schon 3 mal getroffen, aber in meinem 4. Marathon wollte ich ihn nicht wieder sehen. Aber was ist das, Kilometer 30 und mein linker Vorfuß vermeldet Schmerzen jeder Schritt tut weh. Was soll das, hätte ich doch nicht den leichteren Schuh nehmen sollen, doch auf Dämpfung setzen? Egal, ich muss weiter laufen, versuche den Fuß etwas anders zu belasten und wie siehts aus? Die andere Belastung scheint gut zu tun, nach einem Kilometer sind die Schmerzen weg, es geht weiter, ohne Gehen! Dann kommt meine Leidenskurve vom letzten Jahr, hier stehen die Autos an die ich mich damals gelehnt habe um Oberschenkel und Wade zu dehnen. Und dieses Jahr? Man baut das auf, ich laufe noch und fühle mich den Umständen entsprechend gut. Nächstes Ziel, raus aus Niehl, raus aus Nippes.
32-37km:
Aber wenn das so einfach wäre, man hat das Gefühl der Wind will einen nicht zurück lassen, ich laufe Bergab und fühle mich als müsste ich Bergauf. Mein linker Oberschenkel meldet sich jetzt auch ein bisschen, ich kenne das den zähle ich zu meiner Problemzone, eigentlich habe ich nie Probleme, nur im Marathon sagt er „Hallo“, im Training konnte ich das ganze nie nachvollziehen. Aber weiter, meine Pace sinkt zwar, mittlerweile habe ich die 3:20 schon längst aus den Augen verloren, nächstes Ziel 3:25 und ich laufe noch, außerdem meldet sich jetzt mein Kampfgeist, auf zurück in die City!
40-41km:
Da bin ich wieder, die Stadt hat mich wieder, über die Hohe Straße am Legoladen vorbei (wieso ist das der einzige Laden den ich wahrnehme?) immer Richtung Dom! Und da ist er, der Dom, nur noch 2km. Nur was ist das, mein linker Oberschenkel macht zu, aber mein Kopf sagt „Weiter!“ und ich laufe weiter, linkes Bein fast starr und das rechte als Schwungmasse, gucke noch kurz am Dom hoch und denke mir „das willst Du mir jetzt nicht wirklich antun?“. Tja, und danach ging es dann auch wieder. 50m weiter steht meine Mutter wieder und jubelt mir zu, jetzt kann ja nicht mehr viel kommen. Das Kopfsteinpflaster hatte ich aber total vergessen, was solls drüber und bloß nicht umknicken, endlich mal nicht nur dieser Kampf gegen den Körper, die Ablenkung tut gut und macht wieder wach.
Ziel:
Und dann noch das letzte Hindernis, die Deutzer-Brücke, wieso eigentlich, hier bin ich doch schon mal drüber gelaufen? Aber was solls, wie gesagt, ich bin wieder hellwach und kann sogar noch zu nem Schlussspurt ansetzen, Brücke hoch, Brücke runter, dann bin ich auf der Zielgeraden und im Ziel. Faust nach oben und jubeln, ich bin durchgelaufen, ich bin unter 3:28 geblieben, Bestzeit unterboten, man was bin ich Glücklich! Jetzt noch die Medaille abholen und dann auf zu meiner Mutter feiern.

Die zweite Hälfte war anstrengend, der Gegenwind hat mir stark zugesetzt, aber so ging es ja sicher allen. Sonst hat mir das Wetter nichts ausgemacht, kalt fand ich es nicht und den Regen habe ich die ganze Zeit eher als Nieselregen wahrgenommen nur meine Mutter meinte nachher dass es richtig geschüttet hat, so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen :-)

Glückwunsch an alle Finisher! Auch den Finishern dieses Beitrags :-)

Gruß Jan

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