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Gar nicht gut fühlte ich mich, als ich aufwachte. Meine Trainingsvorbereitungen waren schlecht und der Wein am Vorabend tat den Rest.

Haile Gebrselassie motivierte mich, zu starten. In Berlin eine 2:04:26 war eine beachtliche Zeit. Weltrekord, oder? Heute würde er auf mich warten, sagte er. Ihm würde reichen, wenn er unter 2:10:00 liefe. Haile spricht genauso schlecht englisch wie ich :). Und außerdem könne jeder, der genug motiviert wäre, solche Zeiten laufen.

Ich überschlug kurz im Kopf. Eine Pace von knapp über 3 Minuten ergäbe das. Solche Zeiten lief ich bisher nur in kurzen Intervallen. Aber auf 42km. Und das in meinem Zustand. Keine Chance.

Etwas lau im Bauch begaben wir uns auf unsere Startpositionen. Seine Blicke suchten mich und er rief mir grinsend in englischer Sprache zu: „Warum stehst Du so weit hinten“. Ich grinste nicht, antwortete nur: „Das ist mein erster Marathon. Die haben mich hier eingereiht“.

Die Steine in meinem Bauch fühlten sich immer schwerer an, bis der Startschuss erdonnerte. Haile war aus meinem Blickfeld verschwunden, als das Feld flüssiger wurde und sich langsam in Bewegung setzte.

Es ging. Es lief sogar. Kilometer für Kilometer arbeitete ich mich durchs Feld. Mein Schmerz war wie weggeblasen. Die Endorphine sind das bestimmt. Warum spritzen Ärzte eigentlich keine Endorphine, sondern Kortison?

Ich stellte mir vor, ich hätte mich vielleicht doch auf diesen Lauf vorbereiten können, wenn ich durch Endorphine topp fitt gewesen wäre. Mir fehlen Hunderte von Trainingskilometer. Und jetzt wühle ich mich durchs Feld mit vielen Tausenden anderen.

Wie erwartet führt Haile Gebrselassie nach ca. 25km das Feld an.

Haile Gebrselassie führ das Feld an? Dieser Gedanke schießt wie ein Hammerschlag in meinen Kopf. Woher weiß ich seine Platzierung? Klar, ich sah in gerade eben nicht weit vor mir. Ich war so sehr in Gedanken über Endorphine versunken, dass ich gar nicht merkte, wie schnell ich war. Scheinbar machte ich mir immer nur zu viel Gedanken über Herzfrequenzen, Paces. Und heute lief ich nur. Und es lief prima. Langsam aber stetig näherte ich mich Haile.

Nach 35 Kilometer bemerkte er mich. Er grinste, zwinkerte und wurde schneller. Dieses Tempo konnte ich unmöglich mitgehen. Vor uns fuhr ein Motorrad mit einer Kamera. Die tun sich leicht. Ich hielt mich knapp hinter Haile. Zugegeben – er gibt nicht viel Windschatten ab – doch es reichte für mich. Es lief wie von selbst. Meine Beine bewegten sich ganz automatisch wie ein Uhrwerk. Über Distanzen und Zeiten machte ich mir keine Gedanken mehr, bemerkte deshalb auch nicht als wir an der 41-Kilometer-Markierung vorbeizogen.

So viele Leute sahen mir noch nie beim Laufen zu. Meist waren es bisher ein paar Wildenten, ein paar Hasen, ziemlich selten mal ein Reh. Die jubelten aber alle nicht. Heute jubelten die Zuschauer. Eigentlich logisch: Haile ist ja auch kein Unbekannter.

Wie ein Metronom bewegen sich seine Beine, immer im gleichen Rhythmus. Ich hörte eine Lautsprecherdurchsage: „Haile Gebrselassie aus Äthiopien mit der Startnummer 1 vor ...“ -eine kurze Pause. Der Sprecher musste wohl erst den passenden Namen zu meiner Startnummer suchen. Und dann hörte ich ihn: meinen Namen. Der Zusatz „aus Deutschland“ ging mir runter wie Öl. Ich brachte sogar ein leichtes Grinsen zustande.

Ich sah das Ziel. Die große Digitaluhr schaltete gerade auf 2:09:45. Haile kann sich gut einschätzen. Es könnten 2:09:55 werden. Er wollte unter 2:10 bleiben.

Es war unglaublich. Haile grinste, als wir über die Ziellinie rannten. Man kann es gar nicht beschreiben. Die Stimmung war so grandios und ich fragte mich, warum ich mir so viele Sorgen machte und zuerst gar nicht starten wollte....

... dann wachte ich auf. Ich lag in meinem Bett und starre auf die Decke. 9 Uhr morgens war es. Heute in einer Woche werde ich vielleicht meinen ersten Halbmarathon laufen, fast ohne Vorbereitung. Vielleicht werde ich auch nicht antreten. Mir liegt trotzdem ein Lächeln auf den Lippen... vielleicht klappt’s ja mit den Endorphinen. Ein schöner Traum war das.

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Guten Morgen!

*flöööt* *träller*

Gut geschlafen? :)

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de nihilo nihil

Du läufst in deinen

Du läufst in deinen Intervallen tatsächlich unter 3 Minuten?
Oder war das auch geträumt...sowas kann ich bestenfalls beim Sprint schaffen sagen wir 100 Meter.

3min/km - Intervalle?!!

können ja auch Intervalle sein - die 100m ;-))
Trotzdem viel Spaß beim knacken der 2:09 - Vielleicht hats Du ja noch mal nen so guten Traum!! ;-)) Gruß Schalk

Das sind 18 Sekunden

Das sind 18 Sekunden bei 100m-Intervallen. Ich finde, diese Geschwindigkeit auf 42km durchzuhalten ist der Hammer... das schaffe ich keine 400m.

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