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Der Kenianer schafft die Jahresweltbestzeit!!!
„Du machst was…?“ Das Weib starrte ihn entgeistert an. „Triathlon?.... Heute…?“
Es war der zweite Januar. Und sie hatte ja schon von vielen Dingen gehört: „Leistungsdiagnostik mit Spirometrie“ oder „Hochgezogene Aero-Felgen“ waren bekannte Begriffe für sie. Aber einen Triathlon Anfang des Jahres…? Das war neu. Der Kenianer musste wohl zu tief in die Silvestergläser geschaut haben…
„Also ehrlich… Was hast du vor?“ sie versuchte ihm die Wahrheit zu entlocken.
„Doch, doch! Triathlon. Aber nur einen Sprint. Ich bin bald wieder zurück…“, er wollte alle Diskussionen über sonntäglichen Zeitraub im Keim ersticken.
„Du spinnst doch. Hast du mal nach draußen geschaut? Auf den Bürgersteigen stapelt sich der Schnee. Da wo es festgefahren ist, ist es spiegelglatt und außerdem ist es gerade mal um die Null Grad. Da fährt doch keiner Fahrrad.“
„Also um das Rheinbad herum gibt es genug geräumte Straßen. Für die Messe und die Stadionzufahrt ist doch hier immer gesorgt. Und sind null Grad gar nicht so schlimm. Fast jeder Triathlet träumt von einem Tagesritt durch die Lavafelder von Hawaii bei vierzig Grad im Schatten, dagegen sind Januartemperaturen in Düsseldorf doch gesund …“
Das Weib schaute nachdenklich. „Jaa, da hast du recht. Aber wer organisiert sowas zum Jahresanfang?“"

„Keiner.“ Wieder wurde der Kenianer etwas kleinlauter. „Ich mache das allein. Aber wie gesagt, dass soll nur ganz kurz sein. Ich bin bald wieder zurück.“
„Tu, was du nicht lassen kannst!“ Das Weib hatte sich das Kopfschütteln im Laufe der Zeit abgewöhnt. „Es kann immer schlimmer kommen, aber besser so als wenn er nur vorm Computer hängt oder sich mit gleichalten Männern zum allabendlichen schwadronieren in den beliebten Bierstuben der Altbierbrauer trifft.“ , dachte sie.
Um kurz nach drei verließ er das Haus. An der Hand den alten Stahlrenner. Den hatte er vor einigen Jahren mit einem Triathlonaufsatz aufgewertet. Er hob ihn in den Kofferraum der Familienkutsche. Es waren die profilierten Reifen, die das alte Ross für eine Tempofahrt bei winterlichen Verhältnissen geeignet erscheinen ließ. Es könnte losgehen. Insgeheim hatte er dieses Vorhaben schon lange mit sich herumgetragen. Er wollte endlich mal der erste sein!
Der Kofferraum mit den umgeklappten Rücksitzen war die Wechselzone. Dort wartete das Rad, während er im Hallenbad zwanzig Tempobahnen schwimmen wollte. Als Reminiszenz an die Wetterverhältnisse würde er sich lediglich Zeit zum Umziehen nach dem Schwimmen gönnen. Er würde im Hallenbad schwimmen, sich in warme Sportkleidung werfen und zum Auto hetzen, das Rad rausholen, die Radschuhe mit Überziehschuhen verstärken und an der Rheinuferstrasse so lange auf und ab fahren, bis er zwanzig Kilometer auf dem Tacho hätte. Dann das Rad zurück in den Kofferraum und mit Laufschuhen zwei Runden durch den Sportpark an der Arena. Das sollten etwa fünf Kilometer sein. Damit hätte er eine reguläre Sprintdistanz zusammen und könnte sich eitel mit dem Titel des „Weltjahresbestzeithalter“ schmücken.
Nach wenigen Minuten Fahrt war er am Düsseldorfer Rheinbad. Direkt neben der schmucken Arena und den vielen Messehallen. Riesige Parkflächen. Bei Messen und Fußballspielen voll, jetzt standen nur wenige Fahrzeuge vor dem Schwimmbad. Die Zufahrtswege waren tatsächlich geräumt, der Parkplatz aber eisig glatt. Er drapierte den Helm und die Schuhe neben das Rad,"
schloss der Kofferraum und ins Schwimmbad.
Es war Sonntag. Er hatte eigentlich schlimmeres befürchtet. Aber es war angenehm leer. Das Becken war nur mit Sportschwimmern halb gefüllt und weder Familien und Halbstarke konnten einen guten Schwimmsplit verhinder. Schnell kalt abgeduscht und dann ohne Aufwärmen auf eine freie Bahn. 500m sind ja sonst keine Strecke für den Kenianer. Kurz überlegte er, ob er nicht direkt eine Kurzdistanz absolvieren sollte, damit sich der Eintritt überhaupt lohnt. Aber dann würde er auf dem Rad in die Dunkelheit fahren. Also blieb es bei den fünfhundert Metern für den Sprint.
Swim: 8.31min Er gab Gas. Von Anfang an. Er war ins Wasser eingetaucht und schmeckte Wettkampf. Es fühlte sich an wie ein Triathlon. Sogar nervös war er etwas gewesen. Und bevor er überlegen konnte, ob er vielleicht zu schnell angegangen wäre, waren 200m um. 3:14min auf die ersten 200m. „Toll“, dachte der Kenianer. Natürlich waren die letzten 300m langsamer und die Arme am Ende der fünfhundert Meter doppelt so dick wie zuvor, als er sich aus dem Becken wuchtete.
T-1: 11.22min
Wer jetzt aber glaubt, elf Minuten für einen Wechsel wäre aktive Erholung, der sollte im Selbstversuch in der Zeit folgendes erledigen: Haare notdürftig trocknen auf dem Weg zum Spind (geschätzte fünfzig Meter). Systemschlüssel des Spindes einhändig vom Handgelenk abfummeln und mit zitternden Armen ins Schloss einführen. Beine und Rücken so abtrocknen, dass Funktionskleidung für eine Winterradfahrt nicht an der Haut kleben bleibt. Mehrere Lagen Polyester für Temperaturen um den Gefrierpunkt in der richtigen Reihenfolge anlegen. Dann in Laufschuhen zum Ausgang laufen. Dort bemerken, dass der Chip noch im Spind liegt. Zurücklaufen und alle offenen Spinde kontrollieren, bis man ihn wiedergefunden hat. Das alles unter den irritierten Blicken eines Familienvaters und seiner drei Kleinkindern in der Gruppenumkleide („Papa, warum beeilt sich der komische Mann so?“). Dann endlich durchs Drehkreuz raus. Über den vereisten Parkplatz zum Auto (150 Meter). Das Rad aus dem Kofferraum wuchten. Die Radschuhe anziehen. Die Neoüberzieher überstreifen (Schuhgröße 47). Helm über die Mütze setzen. Am Wechselplatz Kinnriemen schließen (hier sogar mal sinnvoll). Handschuhe an. Tacho nullen und über die Eisfläche mit Radschuhen zum rettenden Asphaltband eiern.
Dafür war der Kenianer mit der Zeit mehr als zufrieden.
Bike: 38.20min. Er hatte es vorher nicht wirklich geglaubt. Er wollte sich eigentlich nur einen Spaß machen, den er im Blog Kommentarbringend ausschlachten könnte. An Sport hatte er nicht wirklich gedacht. Er hatte sich Sorgen wegen der Kälte gemacht. Er hatte sich wegen Glätte gefürchtet und wollte nur ganz gemütlich die Strecke abfahren. Er hatte ja keine Gegner auf der Strecke.
Aber es war anders. Schon auf den ersten Metern klebte sein Blick am Tacho. Er ließ seine Beine wirbeln und kam schnell in den roten Bereich. Die Straßen waren gut befahrbar. Nass zwar, wegen dem ganzen Schmelzwasser, aber Asphalt war durchgängig zu erkennen. Schnee lag nur daneben. Er gab alles und merkte:
Das war wirklich Triathlon! Er kämpfte um einen guten Schnitt. Er war im Rennen."
Es war keine gemütliche Sonntagsfahrt. Er zog am zweiten Januar kräftig am Lenker. Einige Strassenübergänge waren schwierig. Voller Schnee. Deshalb fuhr er auf diesen Strecken etwas anders als sonst. Den Blick auf den Tacho, die Beine und den Aerolenker. Gerade noch rechtzeitig hob er den Kopf. Aus dem Nichts tauchte eine Schranke mit einem engen Durchlass auf seiner Wettkampfstrecke auf.
„Ach du Scheiße!“ Er zog an den alten Bremsen und beglückwünschte sich zum Austausch der Beläge im letzten Jahr. Gerade noch kam er zwischen den Schranken durch. Auf den Schreck musste er erst mal im Wiegetritt beschleunigen. Nächster Schreck: Das Hinterrad verliert für einen Moment auf der nassen Straße Haftung. „Doch noch etwas glatt! Na, besser hier als bei der Wende!“ Der Kenianer nahm sich vor, vorsichtig zu Wenden. Aber jetzt, auf der breiten Rheinuferstrasse konnte er Tempo machen. Guter Asphalt, wenig Verkehr und sogar einige Sonntagsradler auf Mountainbikes, an die er sich heranlutschen konnte, bevor er sie mit beherztem Tritten versägte. Das war Wettkampf. Das war Adrenalin und es war nicht anders als in Voerde, Hückeswagen oder Leverkusen, wo er sich im dichten Startfeld abstrampelt.
Er fuhr einen 33er Schnitts. Nicht schlecht für das Stahlteil. „Stadtschlampe“ nannten vielleicht andere ihre alten Räder. Der Kenianer nicht. Mit diesem Renner war er schon länger verbunden als mit seinem Weib. Er hielt es in Ehren. Pflegte und ölte es liebevoll, spendierte ihm gelegentlich neue Mäntel und Bremsen und kaufte immer mal Ersatzteile („Für alle Fälle kann es nicht schaden ein zweites Ritzelpaket zu haben!“), die man für eine Siebengang Rahmenschaltung im Internet nachgeworfen bekam. Diese Teile liegen dann jahrelang unberührt und weiterhin originalverpackt im Keller.
Eigentlich war das Rad ja ein Produkt jugendlicher Dummheit gewesen. Der Kenianer durfte eine Zeit lang kein Auto fahren und kaufte sich daraufhin für 699DM in den frühen Neunzigern das Rad beim örtlichen Hollandraddealer. Aber er hatte es nicht bereut. "

Und immer noch gönnte er sich mit dem alten Gudereit Ausfahrten und Abenteuer.
Den Schnitt hielt er nicht ganz. Das lag weniger an seinen Beinen. Vielmehr an den Fotos, die er während der Fahrt schießen wollte und der Minipumpe, die beim Wühlen nach der Kamera aus der Tasche fiel. Und den fünf Wendepunkten. Vor dem englischen Konsulat und am Tennisklub, wo es noch wirklich glatt war. Nach achtzehn Kilometer verließ er die breite Uferstraße und fuhr zurück zum Schwimmbad. Einen kurzen Schlenker noch, um wirklich auf 20km zu kommen. Bei Distanzen versteht der Kenianer keinen Spaß.
T2 Time: 3.38min Übers Eis zum Auto gegangen. Dabei froh über das Fahrrad gewesen, an dem er sich festhalten konnte. Rad verstaut. Neoprenüberzieher ausgezogen. Krampf in der Schultermuskulatur bekommen . Schuhe gewechselt. Der Kenianer liebt Trailschuhe bei Glatteis! Die Radhose durfte anbleiben und für fünf Kilometer im Schritt reiben.
Run 23.21min Er startete wie immer nach dem Wechsel: Zu schnell! Schon nach wenigen Metern war ihm klar, dass auch auf dieser Laufstrecke Kampf bis zum Ende angesagt war. Er hatte sich eine zweieinhalb Kilometer Runde ausgeguckt. Durch den Arena Sportpark. Riesige Flächen und tolle Sportstätten. An diesem späten Sonntagnachmittag war er alleine hier. Würde er jetzt vom Schlag getroffen, es würde keiner merken. Vorbei an der Luxusbaustelle. Welche Stadt kann schon von sich behaupten, für drei Fußballspiele ein Stadion für 23000 Menschen zu bauen?"
Der Kenianer lachte, als er auf dem Bauplakat las, dass da der Bund und seine Steuerzahler für die „Zukunft“ bauen. (Zur Erklärung: Düsseldorf richtet in der Arena den European Song Contest aus. Und weil die Veranstalter es so fordern, muss die Arena wochenlang den Vorbereitungen dafür zur Verfügung stehen. Da die Stadtoberen aber Sorge vor dem Zorn der heimischen Fußballfans haben, wollten sie unter allen Umständen einen Umzug der Fortuna in eine Nachbarstadt vermeiden. Deshalb wird für drei Spiele mit Millionenaufwand ein Stahlrohrstadion neben der Arena gebaut, nur um direkt danach wieder abmontiert zu werden. )
Es ging weiter um die Arena herum. Nach acht Minuten erreichte er die Unterführung mit dem Hotel und der U-Bahn Haltestelle. Es tat weh an den Beinen, als er wieder am Auto vorbeilief.
Die Wege kurz spiegelglatt. "
Hier hat die Veranstaltung noch deutliches Potential. Aber was will man erwarten für eine Startgebühr von 2.30€ (Eintritt mit Familienkarte und Zehner Chip)?
Trotzdem brachte er auch die zweite Runde unfallfrei zu Ende. Zum Ende zog er einen anständigen Endspurt an. Gut, dass keiner mehr da war, der sich über den einsamen Mann auf dem Messeparkplatz wundern konnte. Der Mann, der einsam sprintete, nur um in Höhe des einzig verbliebenen Wagens abrupt zu stoppen.
Overall time: 1.26.49h
Im Ziel. Stolz! Jahresweltbestzeit! Unbemerkt vom Rest der Triathlonwelt, die sich gerade mit Rollentraining und Rumpfstabi die Winterzeit vertreibt. "Wenn die wüssten, was die verpassen!", überlegte der Kenianer, als er noch einige Beweisfotos "

ohne Beweiskraft mit dem Selbstauslöser schoss…
Um 17.10Uhr war er wieder zu Hause. Das Fahrrad war im Keller, die Sitzbank wieder aufgerichtet und er stand unter der Dusche. Das war nicht der letzte Hausrundentriathlon seines Lebens gewesen, das war sicher.

4.833335
Gesamtwertung: 4.8 (6 Wertungen)

Super Bericht

Danke für den Bericht, ich habe ihn wirklich mit angehaltenem Atem gelesen! Aber du hast sie wirklich nicht mehr alle ;-))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Wie g**l ist das denn?

Und wo ist die Startnummer? Welcher Sponsor? Zeilverpflegung?
Hochachtung! Gruß Eva

Die DTU ist stolz auf dich

Na ja, ich würde Kona, auch bei 40°C, wählen.
Du mit Radschuhe auf Glatteis, das hätte ich gerne gesehen.

Tolle Nummer und grüße von der Rolle.

Bekloppte Idee

und genial. Dann gratuliere ich mal ganz herzlich zur Jahresweltbestzeit, lieber Kenianer! Danke auch für die Fotos.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Du

machst
mir
verdammt
viel
Lust
auf
die
Saison
da
draussen.

cour-i-euse (Nullathletin 2011)

Wie kannst Du nur!

...Dein Fahrrad so lieblos in den Kofferraum quetschen!
Ein privat-Tria im Winter - naja, wer's mag.....
Viele Grüße, WWConny

Du machst was! Beim

Du machst was! Beim Silvesterlauf fixt mich ein Volleyballkollege aus vergangenen Tagen an, ob ich im Juli bei ihrem Kurztriathlon (400 m, 17 km, 5km) mitmachen will. Und jetzt dein blog. Bei mir schaffts schon länger in dieser Beziehung, Triathlon ist gesünder für die Knochen. Na mal gucken.

Ich bin Trainingstriathlethin!

Nullathlethin, da sind wir in diesem Jahr noch alle gleich :O(. An und für sich kein Problem, doch jetzt schon, weil der gemeine Kenianer wiedermal Erster und Bester sein wollte, was ihm ja auch bravourös gelungen ist.
Aber nicht traurig sein, wir arbeiten an der Form und im Mai sind wir dann auch so weit.
Google mal Castle Triathlon, ich habe, als ich im letzten Jahr in meiner alten Heimat Liverpool war, ein Flyer in die Hand bekommen. Das wäre doch mal was mit Stil, nur schweine teuer.

Hooha! Gänsehaut!

Ich will auch Tria, doch bisher konnte wegen sch... Schnee mein neues Rad die Garage noch nicht verlassen. "schnief"
Muß doch Rennradfahren noch lernen.
Ob Du es glaubst, oder nicht, so eine Simulation hab ich mir vor meinem ersten Tria im Mai 2011 auch vorgenommen, nur, um es noch mal zu fühlen, bevor es ernst wird. Liest sich saugeil! "träum"

Aber so bekloppt, das bei Eis und Schnee zu machen, sind nur wenige.
Hauptsache, Du hast das Ding gesund und ohne Unfall überstanden.

Pass auf Dich auf.

Gruß Carla-Santana

hmmmmmm

Ein schönes Radl hast du da (sag ich als alter Stahlross-Fan).

„Bevor Dada da war, war Dada da." (Hugo Ball)


BORN to run

Wie absolut...

...vollkommen geil!

Gefällt mir richtig gut.

---


Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit,
dass etwas Sinn ergibt, egal wie es ausgeht. - Václav Havel

Bescheuert ..

so geil bescheuert - ich werde jetzt einige Respektbahnen für dich schwimmen gehen - ganz cool - ohne Neo!

Fritz

Der Läufer stinkt nicht - das sind Bakterien die absterben wenn sie seinen Schweiß fressen!

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