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Der Marathon in Karlsruhe rückt nun immer näher und dennoch will nicht wirklich eine richtige Marathonvorbereitung aufkommen. Frau läuft zwar regelmäßig, aber die Tempoeinheiten auf der Aschenbahn blieben im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Zum Glück bin ich vor dem Urlaub einige 10er-Wettkämpfe gelaufen, andernfalls wären mir vielleicht doch noch Zweifel über mein Vorhaben gekommen. Lange Läufe hatte ich bisher weniger als mein Ehrgeiz es wollte. Hinzu kommt, dass meine Lauffreunde und ich es aus terminlichen Gründen gerade mal ein einziges Mal schafften, gemeinsam loszutraben.

Jetzt war erst mal Urlaub (1 Woche Süd-West-Frankreich, 1 Woche Ile de Ré) angesagt. Läuferisch gesehen war die erste Woche eher regenerativ, während für die zweite Woche Km-Schrubben angesagt war. Für einen Schwarzwälder ist die Ile de Ré läuferisches Wellness pur, da es dort praktisch keine Steigungen gibt! Was lag also näher, die Insel laufend zu umrunden? Allerdings war die Insel größer als gedacht, d.h. Laufen soweit die Füße tragen, war die Devise.

Mein Mann und unsere beiden Teenies liehen sich Fahrräder mit Körben am Lenker, d.h. ich konnte auf 3 mobile Verpflegungsstellen zurückgreifen. Wir packten mehr oder weniger läufergerechte Verpflegung ein. Für den Fall des Falles durfte auch das Klopapier nicht fehlen. Der Wettergott meinte es nach zwei verregneten Tagen besonders gut und bescherte uns Dauersonne. Los ging's in nördlicher Richtung zum Leuchtturm von St. Clément des Baleines. Leuchttürme faszinieren mich immer wieder. Auf den vielen Radwegen herrschte Hochbetrieb, manchmal gab's sogar richtige Staus. Ganz Frankreich schien sich mit den Rädern auf dem kleinen Eiland zu treffen, so dass das Laufen auf der Ideallinie reiner Selbstmord gewesen wäre.

Ab und zu kamen mir andere Läufer entgegen. Man winkte sich verschwörerisch zu. Kein Wunder, denn unter den vielen Radfahrern waren wir absolute Exoten. Bemerkenswert war, dass kein einziger Nordic Walker auf der Strecke war!

Nach knapp 10 Km wollten die Teenies eine Pause. Kein Wunder bei diesen leckeren Sachen! Gestärkt ging's Ortschaft um Ortschaft weiter nordwärts. Immer wieder rief mir jemand ein "allez, allez!" oder "bon courage, Madame!" zu. Die Sonne schien unerbittlich, doch wenigstens ging ein leichtes Lüftchen. Als wir am Leuchtturm ankamen, hatte ich gefühlte 28 km in den Beinen, doch tatsächlich waren es nur 22! Hinzu kam, dass der Leuchtturm durch den Touristennepp in Form von Souvenirständen derart in den Hintergrund gedrängt wurde. Immerhin gab's dort sogar eine Toilette, doch die obligatorische Schlange vor dem Damenklo schreckte mich dann doch ab. Frustriert lief ich weiter.

An meinem Tiefpunkt, bzw. bei Km 30/33 teilte sich die Strecke. Ja klasse 50:50-Chance! Prompt hatte ich mich falsch entschieden und von meiner Familie, respektive dem Wasser und Klopapier, was ich nun immer dringender brauchte, war weit und breit nichts zu sehen. Zum Glück hatte ich den Irrtum sehr schnell bemerkt. Also weiter in die andere Richtung. Jetzt schien alles wieder zusammenzupassen. Es dauerte auch nicht lange, bis mir mein Sohn mit einer Wasserflasche entgegengeradelt kam, bzw. wir alle wieder beisammen waren.

Mittlerweile hatte ich meinen toten Punkt überwunden und konnte wieder etwas flüssiger laufen. Wir nahmen Kurs auf die Festung von St. Martin. Meine 3 wollten unbedingt in ein Café zum Eisessen und zwar sofort! Hier musste ich definitiv passen und bin dann auch das letzte Stück alleine gelaufen. Erstens schwitzte ich wie ein Schwein und mein Odeur ging eher in Richtung Chanel km 42,195. Das hätte auch den härtesten Kellner umgehauen! Zweitens ist Sitzen während eines Laufs – zumindest für mich – tabu, weil man danach umso schwerer wieder in die Gänge kommt und Drittens waren es nur noch 8 km bis zum Ziel! Oder hat schon jemand – von Verletzungen o.ä. mal abgesehen - seinen Kuchen noch vor seinem Zieleinlauf gegessen? Eben!

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liebe MC !

soviel dazu, wenn man zeitgleich schreibt. einige meiner fragen sind so schon beantwortet. schön, daß deine family so mitzieht! und nach eis oder kuchen nochmal loslaufen? ne!
sei lieb gegrüßt - christiane
p.s.: dann kann karlsruhe doch jetzt kommen, oder?!

Wird schon hinhauen

Hallo MagnumClassic,

einen klasse Bericht hast Du hier abgeliefert. Erinnert mich an letztes Jahr, als ich vor meinem Marathon-Debut während dem Schottland-Urlaub meine Trainingsläufe durchgezogen habe, meist vor dem Frühstück, nur den langen lauf am Nachmittag. Allerdings war ich ohne Versorgungstross bzw. Unterhaltungskommitee unterwegs. Beneidenswert.

Es wird schon funktionieren mit dem Badenmarathon.
In Karlsruhe werde ich auch wieder am Start sein.

Gruß
cherry65

Ultras

Dass du auch immer Ultras in der Marathonvorbereitung brauchst, tssss... Aber beim letzten Mal war das ja auch sehr erfolgreich - also ein Hoch auf die individuell unstrukturierte Marathonvorbereitung!!!

Marathon-Vorb.

Moin, liebe MC!
Also: wer unter so erschwerten Bedingungen durchhält, kann doch den Karlsruhe-M.nur bestens überstehen! Hat vielleicht doch so seine Vorteile, in Schwarzwaldnähe und nicht im Flachtland zu leben und zu laufen.
Also: toi, toi, wird schon schief gehen!
Gruß, Ricamara

Genau das...

...habe ich auch gedacht. Unsereins ist froh, wenn in der Vorbereitung nach 32km endlich Feierabend ist, MC hängt dann noch mal mehr als die Hälfte dran, erlebt mehr als wir bei drei Marathons und schreibt das auch noch unterhaltsam nieder - beneidenswert.

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de nihilo nihil

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