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Endlich Urlaub! Zunächst ging's für eine Woche mit Freunden nach Süd-West Frankreich (zwischen Mont de Marsan, Pau und einem Städtchen mit dem reizenden Namen Condom), wo wir uns ein kleines Château am A.... der Welt gemietet hatten. Da wir ein großer Haufen waren, bzw. das Schlösschen fernab des Massentourismus lag, blieben die Kosten für alle Parteien überschaubar. Zu dem „bescheidenen Anwesen“ gehörten noch 11 ha Land, sowie zwei zum Baden ungeeignete Seen. Zwischen den Mais- und Weinfeldern gab es viele Feldwege, was meinen Plan, in dieser Woche eine Laufpause zu machen, zunichte machte.

Da mein Mann meinen „hervorragenden“ Orientierungssinn zur Genüge kennt, schloss er sich meiner Suche nach einer geeigneten Laufstrecke an. Dieses Mal war es jedoch wie verhext, denn so mancher Weg endete im Nirvana, so dass wir geschlagene 2-3 Stunden brauchten, um eine 5-7 km Runde ausfindig zu machen. Mein Mann fluchte und weigerte sich am nächsten Tag, wie ursprünglich geplant, mitzulaufen. Die lange Sucherei hatte ihm den letzten Rest gegeben. Ich könne allein loslaufen,meinte er. Einer seiner Kumpel, unser Hauptstätter mit stattlicher Wohlstandswampe meinte, er wolle auch mal mitlaufen, aber eben nur nicht heute. Das gleiche galt für eine Freundin – eine Nordic Walkerin!

Ich richtete mir auf der Terrasse eine kleine Getränkestation ein und nahm mir zwei/drei Runden vor. Zunächst war alles klar, dann musste ich abbiegen. Mein Orientierungssinn ließ mich prompt wieder im Stich, denn es war total schwierig, zwischen Maisfeldern und Maisfeldern zu unterscheiden, bzw. kam ich an eine Stelle an dem ein Spalier von Heuballen stand. Eigentlich ein markanter Punkt, doch beim Auskundschaften muss der mir entgangen sein, da man von Zeit zu Zeit auch schauen musste, wo man hin tritt. Man weiß ja auch nie, was für Viehzeug sich hier tummelt! Ein Bekannter, der als Missionar schon sehr viel in der Welt herum gekommen ist, gab mir mal den Tipp, ich solle beim Laufen laut auftreten, denn das vertreibe die Schlangen. Außerdem heißt's ja immer, dass die Tiere vor den Menschen mehr Angst haben als umgekehrt. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass das Viehzeugs dennoch offensiv seinen Weg geht, wenn's ihm danach zumute ist! Beispielsweise ist uns in Süditalien eine etwa 1,5 m lange schwarze Schlange nur wenige Meter vor uns über den Weg geschlängelt – trotz trampelnden Laufstils und lautem Palaver. Ein anderes Mal entdeckte unser Sohn (damals etwa 5 Jahre alt) einen „ weißen Krebs“ auf einer Wanderung in den Pyrenäen (hinter Perpignan), der sich als kleiner Skorpion herausstellte. Das Getier geht zwar so schnell, wie es gekommen ist, aber auf solche Begegnungen kann man – bei aller Liebe zur Natur – dennoch verzichten. Als Mitteleuropäer ist man in dieser Hinsicht eben etwas zart besaitet. Während meine australische Freundin schon eine Schlange im Wäschekorb vorfand, lag in meinem gestern - na was wohl ? - eine - das ist kein Witz!!! halbtrockene Nacktschnecke!!!

Nun hatte ich doch ein etwas mulmiges Gefühl und außerdem ist Improvisation alles! Ich nahm eine Abkürzung und hing dafür eine weitere Runde an. Mit anderen Worten, ich lieferte meinem Mann die Steilvorlage schlechthin und bekam – nicht ganz zu Unrecht - dementsprechend was zu hören. Bevor ich zur nächsten Runde aufbrechen konnte, drückte er mir mein Handy in die Hand, wobei ich nicht umhin kam, mich zu fragen, wie ich im Zweifelsfall meinen Standort inmitten der gleich aussehenden Maisfelder präzisieren könnte!

Am nächsten Tag lief mein Mann wieder eine Runde mit („diese Frau kann man unmöglich allein lassen!“). Nach einem nächtlichen Unwetter hatten wir Kaiserwetter und absolut klare Sicht. Der lebensmittelschwangere Kumpel hatte eine „dringende geschäftliche Angelegenheit zu klären“ und „konnte“ partout nicht mitkommen, während sich die Nordic Walkerin uns für ein kleines Stückchen anschloss. Sie hat sich sehr wacker geschlagen, so dass ich ihr das „Walker-Hasser-Manifest“ ersparen konnte, was ich ursprünglich als „Gesprächsaufhänger“ zu meinen Urlaubslektüren eingepackt hatte. Zu Palavern gab's ohnehin 'ne ganze Menge!

Mein Mann zog mich ob meinen manchmal wirklich zweifelhaften Orientierungsfähigkeiten nochmals kräftig auf, woraufhin ich das Tempo anzog, um ihm förmlich den Atem und damit weitere Frotzeleien zu nehmen. Manchmal muss man eben ein bisschen tricksen! Vorbei ging's an einem der beiden Seen. Plötzlich sah ich ein etwa 15 cm kleines Schwarzes, das sich bewegte und ein paar Meter weitere Teile seiner Artgenossen. Neugierig wie ich nun mal bin, ging ich näher ran und prompt baute sich das Wesen vor mir auf und klimperte mit seinen Scheren. Unser erster Gedanke war, das das Skorpione (bzw. Teile davon) sein mussten, nachdem wir in den Pyrenäen schon so ein Exemplar in weiß gesehen hatten. Durch das Unwetter mussten die Viecher aus ihren Löchern hervorgekommen sein und waren somit für die Raubvögel ein gefundenes Fressen. Wie lecker!

Meine Lust am Laufen war erst mal dahin. Bis zu unserer Versorgungsterasse war's eh nicht mehr weit. Zu unserer Überraschung verfügte unser Städter über ein breites Wissen über das Krabbelgetier. Du kannst da trotzdem laufen, beruhigte er mich, du hast ja Laufschuhe an und die Viecher haben ja überhaupt nicht die nötige Koordination, um einen in den Knöchelbereich zu stechen. Kritisch sei es nur, wenn man die Dinger in den Schuhen hat! Uuuuaahhh! Zusammen gingen wir mit unseren Kameras nochmals an die bewusste Stelle. Ich befürchtete schon den berühmten Vorführeffekt, doch der Schwarze vom Dienst hatte doch noch auf uns gewartet und gewährte uns einen Blick auf sein Hinterteil, optisch alles andere als „skorpionisch“, sondern fächerartig. Da das also „nur“ Krebse (bzw. -teile) waren, hatte ich mir mental diese Strecke wieder frei gegeben und sogar noch eine Runde allein – diesmal ohne mich zu verlaufen – drangehängt! Außerdem war spätestens jetzt klar, warum der Pool zum anschließenden "cool-down" eindeutig dem See vorzuziehen war!

Neben mir wuselte ein Krebs den Weg entlang, ich wusste gar nicht, dass die so schnell sein können! Man lernt eben nie aus, dachte ich und setzte gleich zum Überholen an. Man muss die Wettkämpfe laufen, wie sie fallen!

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Kühe

Na, da war ich ja mit den Kühen auf den Wanderwegen echt gut dran ;-) Zum Glück war kein Jungstier mit unausgeglichenem Hormonhaushalt dabei...

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