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9.00 Uhr, ein Frühstückstisch am Rande Berlins

Sie: "Willst Du heute wirklich laufen?"
Ich: (ein Brötchen kauend) "Hmmm..."
Sie: "Welche Runde machst Du denn, etwa die lange???"
Ich: "Ja, die lange."
Sie: "Ich könnt Dich aber hier gut gebrauchen."
Ich: "Das ist doch eh in eurer Mittagsruhe."
Sie: "Aber schließlich fahren wir morgen in den Urlaub, Du könntest ..."
Ich: "... ich bereite vorher und nachher alles vor. Bestimmt!"
Sie: "Grummel, brummel ... ich würde auf das laufen verzichten!!!"
Ich: "Ächz ... wenn ich halbeins loskomme, bin ich pünktlich um drei wieder da."
Sie: "Hach, da mußt du eben laufen."

(Ja, ich muß laufen, denn schließlich ist heute der letzte Lange vor der Kompensationswoche.)

11.55 Uhr, ich an einem Bügelbrett am Rande Berlins

Sie: "Wie bist du denn im Zeitplan? Willst du wirklich laufen?"
Ich: "Jaha, ich will wirklich. Bin jetzt auch mit der Bügelei fertig ..."
Sie: "... dann mach dich jetzt endlich zurecht! Ich würd ja nicht mehr laufen!"
Ich: (denkend) "In der Mittagsruhe passiert hier doch eh nichts!"
Die Kids: "Quäk, mecker, streit ... "
Sie: (voll im Vorbereitungsstreß) "Ich krieg hier ne Krise!!!"
Die Kids: "Schrei, schimpf, trampel ..."
Sie: "Kinder, kommt essen!"
Ich: (ab ins Bad zum umziehen)

12.10 Uhr, ich im Bad in der Vorbereitung

(es rumpelt an der Tür, kleines Kind und Sie treten ein)

Sie: (ungehalten) "Ich sag doch Papa ist hier drin ..."
Kind: "Mmh ... trotz ..."
Ich: "Komm her Zwerg, Papa putzt dir die Zähne."
Sie: "Laufen, laufen, laufen ... " (geht schimpfend ab)
Großes Kind: (kommt ins Bad) "Ich putz mir nur schnell die Zähne!"
Ich: (denkend) "Ich will mich doch nur fertig machen..."

12.40 Uhr, ich im Flur hockend und Schuhe schnürend

Sie: "Du wolltest halbeins los!"
Ich: "Ich hab doch den Kindern noch die Zähne geputzt."
Sie: "Ist mir egal, Hauptsache, Du bist um drei wieder da!"
Ich: "Jetzt nagel mich nicht auf die Minute fest!"
Sie: "Doch! Was ist das eigentlich für eine Hose, die du an hast?"
Ich: "Die ist neu. Von LIDL. Hat nur 6€ gekostet..."
Sie: (explodiert) "Wir fahren morgen in den Urlaub ... bla bla bla ..."

(geht stampfend Richtung Schlafgemach ab)

12.45 Uhr, ich komme endlich los, es regnet milde, mein Laufwetter!

Ich: (locker laufend durch den vernieselten Tag am Rande Berlins)

14.40 Uhr, ich schaue auf die Uhr

Ich: (zu mir selbst) "Hrmpf, es geht auf drei zu. 10 Minuten überziehen
ist wohl drin, aber mehr?
Mein schlechtes Ich: "Ziehs durch!"
Mein gutes Ich: "Kürz die Runde ab!"
Mein schlechtes Ich: "Das werden ja dann nur 22km. Ts ts ts ts!"
Mein gutes Ich: "Was solls, denk an die Familie!"
Mein schlechtes Ich: "Im September ist Marathon!!!"
Mein gutes Ich: "Bis dahin ist noch Zeit!"

Ich: "Maul halten, alle beide!"

15.10 Uhr, ich erreiche nach 21,5km meine Homebase

Großes Kind: "Nicht auf die Sekunde, aber nicht viel später!"
Sie: "Hm ... brumm."
Ich: "Hallooho."

(Um 20.45 ist der heimische Frieden wieder hergestellt. Alle Beteiligten
erfreuen sich bester Gesundheit und haben sich wieder lieb!
Es hat sich gelohnt 3,5km weniger zu laufen.)

Nun möchte ich mich für die Länge dieses Blogs in aller Form entschuldigen und
verabschiede mich mit einem 3fachen "Gut Lauf" in den Urlaub.
Ich gelobe feierlich fleißig weiter auf Berlin 28-09-08 zu trainieren und alle
Urlaubsläufe umgehend am 29.08. bei Rückkehr hier nachzutragen.
Einen schönen Sommer an alle Jogmapler, bleibt gesund!

An Janek: Schönen Urlaub! Im September laufen wir wieder gemeinsam! :-)

An Björnemann: Du bist echt ne Laufwurst! ;o)

Bis bald und Gut Lauf

Scholle ;-)

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Ich halte mich ja...

...für einen verbindlichen, friedliebenden, den Konsens suchenden, diplomatischen, eher nachgebenden und sehr, sehr netten Menschen.

Aber würde ich mit der von Dir beschriebenen Situation konfrontiert werden, würde ich dermaßen auf den Tisch hauen, dass auch noch nach dem langen Lauf alle Menschen im Umkreis von 2km mucksmäuschenstill sitzen würden.

Der Tisch wär' vermutlich zwar kaputt, aber das wär' mir dann auch egal.

Schönen Urlaub und feine Läufe wünsch' ich Dir.

---
de nihilo nihil

Ach ja...

...irgendwie kommt mir det bekannt vor.
Hab mich wieder köstlich über dein Blog amüsiert, weil sich viele Sachen auch in meiner Familie wieder spiegeln.

Mensch Alter, mach Dir nichts draus, am 29.09.08 ist der Stress vorbei und der schönste Lohn ist neben deiner Zielwunschzeit ( die schaffst du ganz sicher !!! ) , wenn alle deine drei Frauen dich im Ziel den Arm nehmen und sagen: "Papa wir sind Stolz auf Dich, das hast du gut gemacht ".

In diesem Sinne, nochmal Euch vieren einen schönen Urlaub und noch viele schöne "stressfreie" Trainingsläufe.

Viele Grüße

Janek & Family

Actio und reactio

Ich kenne ja meine 3 Frauen gut! Gut genug, um zu wissen, daß ein auf den Tisch hauen nur noch mehr Gewitterwolken
und Streßtiefs erzeugt.
Außerdem - leichte Übertreibung veranschaulicht und ist als dramaturgisches Mittel nicht zu unterschätzen.
Ich freue mich dann immer besonders über die Kommentare, die mir bescheinigen: "Hey, das kenne ich. Das hab ich so auch schon erlebt!"

Lieber nen augenzwinkernden Blog und ein paar Km weniger
als nen kaputten Wohnzimmertisch und verschreckte Frauen.

Gut Lauf
Scholle

Super..

das hast du wirklich gut rübergebracht, wie das Laufen den Tagesablauf einer Familie beeinflussen kann. Erst seitdem ich selbst laufe, kann ich das nachvollziehen.
Auch mein Mann trainiert für Berlin (meine Strecken liegen im Moment eher bei 10 bis max.. 20 km) Ich find es gut, wie du das mit Diplomatie angehst. Meiner macht es genauso.
Ich wünsche Dir und Deiner Familie einen schönen Urlaub, wir haben das hinter uns, unsere 3 Kinder drücken seit Monag wieder die Schulbank.
Lieben Gruss
Gabi

Das kommt mir sehr bekannt vor ...

... dafür braucht man keine 3 Frauen, das geht auch mit einer.

Und da sagt man immer Laufen kostet nix. Manchmal kostet es Nerven, und dann immer auf mehreren Seiten.

Ich versuch's diesen Sonntag mal um 08:00, vielleicht schläft die Familei länger, dann gewinne ich Zeit.

Jog on,
(auch im Urlaub)
c.garfield

Andere Sicht

sei auch gestattet: Mutter würde selbst lieber laufen gehen als genervt mit quängelnden Kindern Koffer packen. Erfahrungsgemäß (ich habe vier Töchter!) geht das schneller und besser, wenn die lieben Kleinen NICHT helfen, sprich: Papa sie aus den Füßen räumt.
So unterhaltend der Blog aus Vatersicht war: ganz liebe Grüße an deine Frau, sie hat mein volles Mitgefühl!
Und dir viel Erfolg beim Marathon!

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