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Es ist früh. Zu früh für den Hasen, der außerdem morgens familiäre Verpflichtungen hat. Außerdem regnet es. Auf dem Plan stehen noch einmal 8 x 400m in 1:55. Diesmal laufe ich mich auf dem Weg zum Stadion warm. Mit der orangenen Jacke sehe ich vermutlich aus wie eine BSR-Mitarbeiterin auf der Flucht. Als ich ankomme, fehlen noch 390m, bevor Garmine zum ersten Mal zum Losrennen auffordern wird. Auf der Tartanbahn ist es dunkler als neulich, in der Sporthalle nebenan brennt kein Licht, die Flutlichtanlage der oberen Sportplätze ist aus und die des Eisstadtions flutet nur mit halber Kraft.

Nach einer knappen Runde fiept Garmine, ich beschleunige. Das erste Intervall ist irgendwie ok. Es steht erstaunlich viel Wasser auf der Bahn. Die Innenbahn ist halb überflutet, also laufe ich auf der zweiten. Nach kurzer Zeit steht das Wasser auch in den Schuhen. Oder vielmehr schwappt es drin rum. Heute bleibt das Regen-macht-froh-Gefühl aber irgendwie aus.

Nach einigen Runden erkenne ich gegenüber eine graue Gestalt, die etwas langsamer als ich unterwegs zu sein scheint. Hoffentlich überhole ich den nicht während eines schnellen Intervalls - woher soll ich denn die Puste nehmen, um einen guten Morgen zu wünschen? Als ich mich von hinten nähere, bemerke ich ein lustiges Verhalten: der Mann mag nicht gerne überholt werden. Als er mich hört, beschleunigt er deutlich. Es hilft aber nichts - wenn ich könnte, würde ich ihn einfach abzischen lassen, aber Garmine ist unerbittlich, ich muss diese Runde in unter zwei Minuten laufen, da kann ich gar nichts dafür. Als ich an ihm vorbei ziehe, schnaufe ich ein hoffentlich einigermaßen verständliches "Guten Morgen", er grüßt wieder und versucht noch etwas Konversation zu machen. Im Sinne von, ich sei ja schnell für so früh, ich schnaufe noch weniger verständlich etwas von "nur ein paar klei*schnauf*ne Inter*schnauf*valle*schnaufschnauf*". Nach einer Viertelbahn darf ich endlich traben, da zieht er wieder an mir vorbei. Auch beim nächsten Intervall überhole ich ihn noch einmal, dann ist sein Vorsprung groß genug.

Nach der Hälfte stelle ich fest: nein, es macht mir heute keinen Spaß. Ich kann mir definitiv nicht vorstellen, dieses mörderische Tempo (ja, kichert ihr ruhig!) zehn Kilometer durchzuhalten. Zwar habe ich den Plan insgesamt fast eingehalten - aber es fühlt sich einfach nicht so an, als wäre das meine Geschwindigkeit. Andererseits ist es vermutlich nicht gerade förderlich, wenn solche Gedanken auf der Bahn kommen, da sollte ich lieber laufen als denken. Und wenn das der Hase liest, kriege ich sowieso wieder eimerweise sportlehrermäßige Powermotivation ab. Ich glaube, der denkt, ich brauche das. So ein Quatsch.

Irgendwie bringe ich die Sache zu Ende - bzw. schieße etwas darüber hinaus. Nach der letzten Beschleunigung merke ich, ich kann nicht mehr, ich bin zu langsam. Komisch: warum bleibt denn das vorwurfsvolle "Schneller"-Fiepen von Garmine aus? Langsam dämmert's - und nicht nur mir. Im fahlen Licht erkenne ich, ich laufe zwar langsamer, befinde mich aber bereits im Abschnitt "Auslaufen". Na dann: nichts wie noch einen Gang rausgenommen, bei der nächsten Gelegenheit die Tribünentreppen hoch und ab nach Hause.

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eimerweise sportlehrermäßige Powermotivation???

Wie sagt man immer so schön: Undank ist der Welten Lohn! Nein, nein, über meine Lippen kommt kein einziges Wort der Motivation mehr. Aber auch nicht ansatzweise. Nicht das geringste. Nicht mal ein Lächeln, das ja schon wieder aufs Übelste fehlinterpretiert werden könnte. Nix. Nada. Njente. Hilfe, ich komme aus der Schnappatmung gar nicht wieder raus...

Das muss man sich mal vorstellen: da läuft man mit DER Laufästhetin unter den Läuferinnen - schnell, schlank, sportlich - quasi eine Anwärterin auf die Nachfolge von Mocki. Und die will nur Blümchen pflücken während es Laufens! Das ist als ob man mit einem Aston Martin nur durch Tempo 30-Zonen um die Ecke zum Einkaufen fährt.

Naja, was rege ich mich auf. Andererseits: lieber gut mit einem Aston Martin zum Einkaufen gefahren als mit einem Lada (ich entschuldige mich schon mal prophylaktisch bei allen Lada-Fahrern) quer über die Autobahnen durch die Republik. Ich freue mich schon aufs nächste gemeisame, wortlose(!) Schleichen...

LG in die Pampa
Der Hase

PS: ist senile Bettflucht am Morgen (um 6.00 Uhr im Stadion laufen, *kopfkratz*) eigentlich eine ansteckende Krankheit, die bei der WHO gemeldet werden muss?

Noch ein sinistrer Gedanke...

... ist mir gekommen.

Dürfen wir denn beim großen Saison-Showdown am Wochenende auf dem Flughafen Tempelhof eine neue Rekordzeit von Dir erwarten? Auf der Landebahn wachsen ja bekanntlich keine Blümchen...

Intervalle

die von anderen Laeufern als Rennen gegen sie interpretiert werden (koennen) find ich immer besonders aetzend. Man ueberholt sie waehrend des Intervalls, sie ueberholen mich dann wieder in der Pause. Wenn ich das "Opfer" bin denke ich "tja, da nuetzt die ganze Raserei nix, ich bin ja doch schneller, und laenger kann ich sowieso. Was fuer eine Lusche, da vorne (hinten) dass sie so eine Show abziehen muss".

Ob das andere "Opfer" das wirklich denkt weiss ich natuerlich nicht. Denn eigentlich ist das Opfer ja die die die (dreimal die!!!) Intervalle laeuft..

sowieso....

nachdenklich: die Cour-i-euse

Au weia!

Das war ja eigentlich klar, dass der weltbeste Hase da ins Schnappatmen gerät. Ok, war leichtsinnig von mir, das hier so hinzuschreiben. Wie ich das wohl wieder gerade biege? Dabei habe ich ja gar nichts dagegen, noch mitten im Intervall zum Lachen gebracht zu werden, selbst wenn ich mich dann verschlucke und in der Folge fast überschlage vor lauter Atemnot. Hoffentlich hält er das mit dem Schweigen nicht so lange durch! Inhaltlich muss ich seine Lobhudelei meiner Person aber vollumfänglich zurückweisen, da traut er sich als Antreiber doch um einiges zu viel zu. Hey, mein Bildchen ist nicht umsonst eine Ente! Und: Nix da, es wird am Sonntag keine Bestzeit geben, bin froh, wenn ich die angekündigte Zeit schaffe.

@Cour-i-euse: genau, das fühlt sich total albern an, so hinter einem her zu hecheln, nur um kurz darauf in langsamsten Trab zu verfallen. Sehr albern! Da kann man nur hoffen, dass der Überholte gelegentlich selber so was macht.

yazi

Mitleid für den Mitläufer?

Vielleicht ist der tapfere Mitläufer ja die gleichen Intervalle gelaufen wie yazi, nur leicht zeitversetzt. Schon mal darüber nachgedacht? Und Ihr nehmt den armen Kerl komplett auseinander...

Ich als hauptberuflicher Hase sehe das ja sowieso entspannter: ich lasse mich niemals von einem Igel überholen. Und wenn der Igel hinter mir langsamer wird, dann nehme ich halt auch Gas raus. So, jetzt bitte auch auf mich Chauvihasen einprügeln...

Obwohl mal im Ernst: ich kann das doofe Gefühl schon ein wenig nachvollziehen. Ist jetzt zwar nicht so, dass ich als Mann Angst habe, dass mich irgendwann mal eine psychopathische Frau anspringt. Aber ich kann verstehen, dass man als Frau schon manchmal mit einem mulmigen Gefühl läuft oder sich beobachtet fühlt. Man weiß ja nie, welche Psychos da draußen rumlaufen. Und ich würde mich doch sehr freuen, wenn meine Lieblingslaufpartnerin in einem Stück mit mir den Marathon bestreitet.

Trotzdem (Themenwechsel): ich schweige wie ein Grab. Der Dolch sitzt tief.

Und: das Entenbild ist dovch Blödsinn. a) Enten sind gar nicht so langsam und b) Du wackelst beim Laufen ja schließlich nicht mit dem Arsch (oder ist mir das entgangen bisher). Dieses Bild ...

tiánluó

... wäre wohl passender gewesen. Gell, tiánluó-Igel...

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