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Mein heutiges Läufchen sollte ursprünglich dazu beitragen, dass ich meine Seele baumeln lassen und über dies und das nachdenken kann, um rundherum zufrieden und ausgeglichen wieder nach Hause zu kommen. Zwar bin ich ein sehr geselliger Mensch und laufe auch sehr gerne mit anderen, aber 1 x in der Woche brauche ich auch meine Waldesruh'.

Bis ich jedoch zu mir selbst gefunden habe, dauert es jedoch einige Zeit. Daher hatte ich mich zu Hause mal für 2 Stunden verabschiedet. Auf meiner Laufstrecke kam mir jedoch alles entgegegen, was man als Läufer nun absolut nicht vertragen kann. Den zugegebenermaßen harmlosen Anfang machten 3 Feuerkäfer. Mit ihrem flotten Dreier standen sie den dauerpoppenden Nacktschnecken vom vorletzten Sonntag in keinster Weise nach. Bereits nach knapp 2 km kam mir ein leinenloser kläffender Hund in die Quere, ein paar Meter danach folgte das Herrchen, wobei bei den beiden nicht klar war, wer hier der Boss ist! Es war jedoch nicht weiter schlimm, der Hund wollte nur ein paar Meter mitlaufen.

Es folgte eine fiese Steigung die in einen Wald führte. Ich atmete tief durch und genoss die frische Luft und die Ruhe. Kein Telefon, kein "Mama könntest du...", keine Hektik, kein Stau, keine Kompromisse, kein Jever ....einfach nur ommhh! Ich kam an einen wunderschönen ebenen Streckenabschnitt, doch kurz bevor ich eine Landstraße überqueren musste, hörte ich in der Nähe penetrantes Bremsenquietschen von einer Horde Radfahrer. Ein Porsche schoss hupend an den Radfahrern vorbei. Ich nahm mein Tempo heraus und lugte hinter dem Gebüsch hervor, um zu sehen, ob ich eine Straßenüberquerung überhaupt riskieren kann. Mein Gefühl sagte mir, dass ich mir meine Waldesruh' für heute sonst wohin stecken kann. Da sah ich sie, die 6 Radfahrer! Offensichtlich waren sie unschlüssig, wohin die "Reise" gehen soll.

Ich maß der Sache keine weitere Bedeutung bei, überquerte die Straße und lief einfach weiter. Plötzlich hörte ich wieder die Fahrradgeräusche und Wortfetzen wie "rechts vorbei". Ich verdrückte mich vorsichtshalber schon mal so weit nach links wie's nur ging. Mit einem wahnsinns Karacho schossen die Hornochsen an mir vorbei. Meine eigene Sicherheit war mir in diesem Moment wichtiger und ich sparte daher meine Kommentare. Von Ochsen kann man eh nichts erwarten - außer Rindfleisch! Wie heißt's immer so schön? Man sieht sich im Leben zwei mal!

Dass dies jedoch gleich an der nächsten Kreuzung hinter der nächsten Kuppe passieren sollte, hat mich dann doch überrascht. Die Ochsen standen wieder mit ihren Karten beieinander. Einer rief: "Da kommt wieder die Läuferin! Die verfolgt uns!" Ich klingelte sozusagen verbal, um da durchzukommen. Brav standen sie sodann mit ihren Drahteseln Spalier. Ich bedankte mich und ging gleich weiter. Kurz darauf fuhren sie - diesmal in einem moderatem Tempo wieder lärmend an mir vorbei. Diesmal beschlich mich das Gefühl, dass ich gleich jede Menge Spaß haben werde! Tatsächlich, sie steuerten den Büchelberg an, d.h. sie blieben vorerst noch auf meiner Strecke! Einer sah das Unheil in Form meiner Wenigkeit kommen und rief seinen Kumpels zu: "die Läuferin kommt schon wieder, die will uns fertig machen!"

Ich konnte nicht anders als über alle 4 Backen grinsen und nahm all meine Kraft an der Serpentine zusammen. Wie die aufgescheuchten Hühner fuhren sie vor mir her. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass ich diesen Aufstieg auch nicht gerade mit dem Fahrrad erklimmen wollte! Dann doch lieber laufend! ;-) Ich kam der Meute immer näher und rief: "Naaa, soll ich euch schieben?" Der ein oder andere drehte sich erschrocken um und stieg nochmals kräftiger in die Pedale. Ich zog an dem ersten vorbei, der anerkennend den Daumen hob, was mich auch wirklich gefreut hat. Den zweiten konnte ich auch noch einholen und sagte zu ihm, dass es nicht mehr weit bis oben sei. Doch hier handelte es sich offensichtlich um einen Macho. Der war angesäuert. Er meinte, dass wisse er selbst und außerdem kenne er sich hier gut aus! Selbstverständlich. Er hat ja vorhin auch die Karten nur aus Langeweile studiert. Ich verdarb es mit ihm ganz und zog an ihm vorbei. Wenn man als Frau solche Zeitgenossen überholt, ist Schluss mit Lustig. Amüsiert lief ich den restlichen Aufstieg hoch. Mein erster Runner's High am Berg!

In der Schlussphase kam mir noch eine unter Verschwendungssucht leidende Nordic Walkerin entgegen. Sie nutzte ihre Stöcke nicht zum Schrappen, sondern lediglich als Accessoire! ;-)

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

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...ist doch was Wunderschönes. Freu dich des Lebens - Läuferin.

Leben ist Bewegung

...dat hört sich schön an...

...also bis auf die hupenden Porsches und lärmenden Fahrradfahrer und den Mörderanstieg... aber sonst...doch... lauschig! :)

Und meinen Anerkennungsdaumen haste ja eh immer...

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...gar nicht verrückt, ist auch nicht normal...

I'm amused

Schöner Bericht :) So starte ich gerne in den Tag.

Und Du hast einem Macho den Tag vesaut. Spätestens immer dann, wenn er gefragt wird, wie seine Radtour war. Die Antwort wird sein: "Eine Läuferin musste ich im Windschatten mitziehen, die mich als dank dafür später sogar noch ausbremste."

Köstlich

einfach nur köstlich! Das sind doch die Geschichten, die das das Leben schreibt!

Was man beim Laufen alles so beobachten kann ... ausser anderen Läufern *g*

Gruß Janosik
Motto:

Zum Laufen gehört mehr als schnell sein!

Hi MC, super, wie Du`s ihm

Hi MC, super, wie Du`s ihm gezeigt hast, diese Jungs liebe ich auch am Meisten...
Astrid

Na, hallo!

Macho-Radler am Berg laufend überholt... Ich lache mich schlapp. Und verneige mich voller Achtung angesichts deiner Bergziegen-Qualitäten!

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