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Da las ich doch letztens in meiner Vereinszeitschrift von zwei Runnern, die in jeweils mehr als 11 Stunden einen 100-Kilometer-Lauf hinter sich gebracht hatten.

Nun frage ich mich allen Ernstes:

1. Ist das normal?
2. Wenn nein: wo ist der Kick bzw. der Nutzen? (schon der Marathon soll ja angeblich gesundheitsschädlich sein)
3. Wie in Gottes Namen bereitet man sich auf so etwas vor?

Laufpapst Strunz antwortete kürzlich ja mal auf eine ähnliche Frage (bezogen auf Iron-Man-Wettbewerbe und noch härtere Einheiten), dass so etwas "herrlich plemplem sei" und antwortete mit der Gegenfrage, wo es denn heutzutage sonst noch echte Abenteuer gebe.

Ist dass vielleicht schon die ultimative Antwort? Bin gespannt auf Eure...

Greetinx
Fatburner

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Wieso plemplem?

Hallo,

ich kann ja nicht so richtig mitreden, weil ich mich "nur" auf 76 km im August vorbereite, also keine 100. In dieser Community gibt es aber etliche Leute, die Ultramarathon und auch schon 100 km gelaufen sind - zuletzt in Biel. Schau mal im Forum unter Blogs im Juni.

Ob das verrückt ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Manche Leute halten es ja für verrückt 10 km am Stück zu laufen, kein Fleisch zu essen, keinen Fernseher zu haben, keine oder 5 Kinder zu haben, 150 € nur für Laufschlappen auszugeben, diese oder jene Automarke zu fahrenn oder auch nicht. Es scheint also eine Frage sehr subjektiver Maßstäbe zu sein. Und worin Strunz recht hat, finde ich: Was wäre denn die Welt für ein langweiliger Ort ohne Verrücktheit und kreative Abweichung von der Norm?!

Ich kann dir nicht einmal genau sagen, warum ich das mache. Mich reizt die Grenzerfahrung und ich will probieren, wie es sich anfühlt an dieser Grenze entlangzulaufen um einen der schönsten Seen Deutschlands (Müritz). Marathon kenn ich und hab ich im Griff, also mal mehr, was Anderes, unbekanntes Terrain sondieren.
Vorbereitung? Ich laufe im Moment 100-130 km pro Woche, der längste Lauf in der Vorbereitung bis jetzt war 42,6 km, ich will aber bis auf 60 km kommen, d. h. die Wochen-Km werden sich evtl. noch erhöhen. Da folge ich der Auffassung von Jeff Galloway, dass man möglichst nah an die Wettkampflänge ran sollte. Das sehen andere auch anders, ich bin damit gut gefahren. Ansonsten achte ich sorgfältig auf meinen Körper, probiere die verschiedenen Schuhe für diese Distanzen aus und schlafe etwas mehr als sonst.

Gruß
dadarun

Leben ist Bewegung

Grenzerfahrungen

Hallo, dadarun48,

die von Dir angesprochene Grenzerfahrung setzt bei mir halt schon sehr viel früher ein.

Ich möchte auch nicht falsch verstanden werden. Läufer/innen, die solche Distanzen überhaupt schaffen, haben meinen vollsten Respekt.

Das erfordert ganz sicher viel Disziplin und jede Menge Willensstärke. Ich finde das bewundernswert.

Genau aus diesem Grund schaue ich mir im Fernsehen voller Faszination Leute wie Gebreselassi oder Julio Rey an, die unglaubliche Leistungen auf der Marathon-Distanz vollbringen. Das ist jenseits der Vorstellungskraft.

Gerade deshalb interessiert mich das "Warum" der Ultras.

Burn fat not oil!

Keine leichte Frage...

...und durchaus ne sehr persönliche. Insofern wirst Du entweder taktische Ausreden oder besonders ehrliche Antworten bekommen.

Wähle ich mal Option 2.

Bei mir ist es einfach: Glückshormone. Als Ex-Raucher (hörte vor ca. 1 1/2 Jahren auf) schlägt es seitdem voll ins Gegenteil um. Sport gewinnt eine gewisse Dominanz im Leben, offenbar weil das Nikotin-Pritzeln im Hirn ausbleibt und Ersatzbefriedigung her muss.

Anfangs, letzten Sommer, reichten ein paar hundert Meter. Dieses Jahr drei Kurzdistanz-Triathlons gefinisht, Marathon kommt im Oktober und für nächstes Jahr steht die Tri-Mitteldistanz (sog. 70.3 Ironman) auf dem Zettel ganz oben.

Ich glaube es ist insofern ganz einfach; es gibt zwei Sorten von Menschen: die, die leicht abhängig von etwas werden und jene, bei denen das alles gaaanz entspannt abläuft. Klar gibt's da auch Grauschattierungen...

Um deine Frage zu beantworten: ich kann mir vielleicht nicht Biel & Co. für mich vorstellen, aber für 2010 die Langdistanz in Frankfurt oder Roth wäre vielleicht schon ne Idee. Ist allerdings noch weit weg; das Trainingspensum, um so etwas halbwegs schmerzfrei und flink zu finishen ist beträchtlich.

Die Motivation? Lies hier: http://www.triathlon-szene.de/index.php?option=com_content&task=view&id=660&Itemid=20 -- genau dieser sehr persönliche Bericht erklärt es. Ich habe einfach Bock mich auf diese Weise selbst zu erfahren.

Und da wird die Frage dann doch wieder leicht: das ist auf jedem Leistungsniveau das gleiche.

Helgman

PS: jetzt bin ich gespannt, was andere so berichten...

Ich glaube...

...das ist etwas "Plem, Plem" bzw. ziemlich verrückt aber so sind wir halt :)

I'm not big boned, I'm fat

Ich brauche auf jeden Fall...

...noch zwei bis drei Jahre, bis ich das auch machen kannsolldarf, frei nach dem Buchtitel "Irgendwann musst Du nach Biel".

Die Frage "Warum" stelle ich mir bisher nicht. Ich will das einfach. Dann, wenn ich soweit bin.

Aber hier meine Antworten:
1. Nein.
2a. Nutzen: sehr begrenzt. Ich glaube nicht, dass es viele Leute gibt, die die Disziplin aufbringen, sich so auf einen Ultra vorzubereiten und ihn dann so zu laufen, dass es nicht Raubbau am Körper ist.
2b. Der Kick wartet geschätzt nach einem Drittel und dann immer wieder und besonders im Ziel (so stelle ich mir das zumindest vor). In Biel wird für mich bestimmt auch Kick sein, von der abendlichen Restdämmerung aus bis ins Morgengrauen und weiter zu laufen...
3. Vorwiegend ziemlich langsam. Beispiel Steffny: Er empfiehlt für einen erfahrenen 3:29-Marathoni (Pace 4'57") das 100km-Debut etwa in 10:30 (Pace 6'17") zu laufen. Viel Tempotraining kommt da in der Vorbereitung nicht vor ;). Aber ansonsten: Wie für Marathon, nur länger, häufiger und mit mehr Kilometern...

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de nihilo nihil

Antwort

1. Kommt ganz klar auf den Betrachtungsstandort an: Die einen finden 5km schon gigantisch weit und müssen die 100km deshalb überhaupt nicht normal finden. Herr Heukemes hingegen wird es normal finden, weil 100km für ihn ein kurzer Trainingslauf sind.

Ich finde es normal, dass die einen weit laufen, die anderen weniger weit, manche eben ganz weit und andere erst gar nicht laufen.

2. Muss es einen Nutzen haben? Mir würde einfach reichen hinterher sagen zu können: ich hatte meinen Spaß dran! Und schädlich wird jeder Sport dann, wenn man seine idividuellen Fähigkeiten falsch einschätzt!

3. mit laufen natürlich: "Schatz, ich bin mal KURZ laufen".....und 4 Stunden später klappert es wieder an der Tür, denn ein langer Lauf fängt erst bei 6 h an

KOR WhiteTara (die mit einem Ultraläufer trainiert, aber selbst noch nie so weit gerannt ist)

ist das plemplem ???

...nein, das ist eine so schöne Lauferfahrung, die dir eigentlich kein Marathon geben kann.
Hatte mich, nachdem ich viele Berichte über die "Nacht von Biel" gelesen hatte, auch einfach angemeldet. Hab dann mein Training eigentlich wie das normale Marathontraining fortgesetzt, den Umfang auf ca. 100 Wochenkilometer gesteigert, lange Läufe am Wochenende, und vor dem Lauf schön getapert.
Der Lauf selbst ist irgendwie ganz anders als die üblichen Volksfest-Stadtmarathons. Schon am Start ist alles ruhiger, fast alle Starter scheinen irgendwie zufrieden und gelassen.
Der Lauf selbst, durch die Nacht, scheint, vielleicht auch wegen des ruhigeren Tempos, vielleicht auch weil man durch die Dunkelheit weniger abgelenkt ist, auf den ersten Kilometern leichter als ein Marathon.
Wenn du dann deine bisher längste gelaufene Strecke von 42 km überschreitest erwartest du eigentlich irgendetwas besonderes, das nichts mehr geht, oder den doppelten Hammermann oder wer weiss was.... aber es geht einfach weiter.
Natürlich spürst du nach 60-70-80km Schmerzen an Stellen, die du noch nie gespürt hast, deine Füße brennen, die Steigungen erscheinen dir fast unmöglich... du fragst dich wie verrückt du bei der Anmeldung eigentlich gewesen bist dir so etwas anzutun...
Aber jetzt bist du schon so weit, dass die noch verbleibende Strecke überschaubar und berechenbar erscheint. Du fühlst, das ein Ankommen bei diesem 2,5fachen Marathon für dich möglich ist.
Jeder Kilometer bis zum Ziel erscheint dir mit zunehmender Strecke länger, aber doch schaffst du es irgendwie auf den letzen 1-2000m zu rennen als wärst du gerade losgelaufen, die Schmerzen sind verschwunden und nach dem Zieleinlauf steht (jedenfalls für mich) fest : Wenn alles klappt muß ich das noch oft wiederholen.

Keine Ahnung...*g*. Aber was Uli Strunz betrifft...

...darüber breite ich dann doch lieber den Mantel des Schweigens.*ggg*

100 km

Bin ja am 13.06. 100km in 13 Std. gelaufen. Was ist daran unnormal? Ich gehöre zu den Menschen, die gern ihre Grenzen austesten. Einen 100er zu laufen übte auf mich immer so einen Reiz aus, dass man es dann auch tun muss. So ein Verlangen nach betsimmten Zielen gibt es ja in allen Bereichen des Lebens. Der Kick ist ebend die Frage, was einem erwartet, ob man es schafft und vor allem wie. Kontinuierlich auf bestimmte Ziele hin zu arbeiten ist doch für alle Lebenslagen von nutzen.
Was oder wen nützt es? Ich denke, dass man hier auch eine große Portion Selbstdisziplin üben kann. Die Vorbereitung ist sehr aufwendig und kostet viel Überwindung Arbeit, Training, Familie, etc, unter einen Hut zu bekommen. Wie bei allen Läufen jenseits der 20 km sehe ich hier nur einen Nutzen auf dem Weg dorthin. Experten halten ja Marathonläufe für gesundheitsschädigend und mahnen, max. 2 im Jahr am Limit zu laufen. Sie raten trotz allem nicht davon ab, weil die Vorbereitung auf den Lauf mit den vielen Trainingseineiten der eigentliche Nutzen ist.
Für die Vorbereitung gibt es auch Trainingspläne, wie für jeden anderen Lauf auch. Schau mal unter laufreport.de. Da findest Du solche Pläne für 9, 11 und 13 Stunden. Eine Erkenntnis hat der Lauf für mich auch gebracht. Ich wollte mal den Transalpin Run mit machen. Ein Mehretappenlauf über 300 km durch die Hochalpen. Die habe ich aus meiner Wunschliste gestrichen. Ich denke, dass ich mit 100 km meine Grenze mit meinen Trainingsmöglichkeiten erreicht habe. Aber besondere Wünsche, z.b. den Jungfrauenmaraton, die habe ich noch und werde sie auch irgend wann angehen.
Wolfgang
www.laufpark-stechlin.de

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