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Wie üblich komme ich spät ins Bett und das führt mit dem um 4:20 nachhaltig ertönenden Handy zu nur 2 ½ Stunden Schlaf.
Was soll’s? Die Leute, die 24 Stunden am Stück laufen, den Badwater-Ultra oder das Race Across America bewältigen, schlafen auch nicht wirklich. Also Beine aus dem Bett, grünen Tee aufgebrüht, selbstgebackene Brötchen mit Quark und Marmelade gefrühstückt und dann um 5 raus zu einer kurzen Runde zwecks Darm-Aktivierung. Unterwegs kommt mir ein junger Mann in Sakko und Krawatte entgegen – wohl vom Abi-Ball mit einer frühen S-Bahn. Um 6 schwing ich mich auf’s Rad und sitze bald darauf selbst in der Bahn auf dem Weg nach Schönefeld. Dort strömen schon die Läufer, alles ist gut ausgeschildert und Startnummernausgabe perfekt und reibungslos wie vom SCC gewohnt. Ich suche mir das Männerzelt, schlüpfe in meine schnellen Schlappen und hänge meinen antiken Rhein-Energie-Marathon-Sack (von 2006) mit den Klamotten an eine Zeltstange. Alles Wertvolle stopfe ich in einen kleinen Känguruhbeutel, den ich mitnehme, denn es gab im Vorfeld Gerüchte, dass geklaut würde und die freundliche Dame bei den Startnummern machte auch darauf aufmerksam, dass die Kleidung unbewacht bleibt.
Dann zu den Shuttlebussen, Transport zum Info-Tower mitten auf der Baustelle. Ich schau mir alles von oben an, aber sonderlich interessant finde ich das nicht; ohne den Lauf würde ich bestimmt diese Baustelle nicht besichtigen. Noch 3mal Erleichterung im Dixie-Häuschen, davon gibt es wirklich genug, es kommt zu keinen Engpässen. Ich laufe mich noch ein bisschen ein, der Start verzögert sich um 15 Min. Dann geht’s los, wirklich skurril, vom Info-Tower 500 m im fliegenden Start auf einer Teerstraße, bis man nach einer kleinen Verschwenkung das Start-Tor durchläuft. Ich habe mir auf dem ersten Teil, wie viele andere, noch eine Pinkelpause genehmigt (ist ja noch außerhalb der Zeitnahme *grins*) und hänge deswegen ziemlich hinten im Läuferfeld. Das ist aber ganz schön, den einen nach der anderen zu überholen, drückt die Motivation nach oben. So arbeite ich mich auf den langen, geteerten Geraden nach vorne. Die Strecke ist gut für mentale Trainingseinheiten geeignet: wenig differenziert, also nicht sonderlich abwechslungsreich, viel pralle Sonne, kaum Zuschauer (auf 100 Läufer kommen 2, schätze ich mal). Du bist auf dich, deinen Schweinehund, das unendliche Asphaltband, die Bestzeitenträume , den Sinn des Lebens und des Laufens zurückgeworfen. Und sehnst die Wasserstellen herbei, denn die Sonne meint es wieder sehr gut und will dir die Bestzeitenträume aus dem Hirn sengen. Ich hab es immer noch nicht gelernt, im gleichen Tempo weiter rennend zu trinken, also kippe ich den zweiten Becher gleich über den Kopf, um schneller wieder in meinen Rhythmus zu finden. Zwischendurch gibt es 2 giftige Steigungen in der an sich schnellen Strecke. Wobei unsere berglaufenden Kollegen bei diesen flachen Anstiegen da nur höhnisch grinsen würden.
Bei 14 km rechne ich und weiß, dass es mit der neuen Bestzeit nichts wird; den Schweinehund-Impuls, nun nur noch gemütlich weiter zu traben, unterdrücke ich aber und renne weiter, so gut ich kann.
Diese unendliche Zielgerade, die letzten 5,5 km bis Schönefeld, die ich schon so oft mit dem Auto gefahren bin, zieht sich besonders, Rennen dauert eben doch länger. Die Endorphine schießen ins Blut, bei jedem, der am Rand geht, bei jedem, den ich überholen kann. Und dann, endlich im Ziel, Uhr gestoppt, knapp unter 1:40, unzählige Becher Wasser, 3 Bananen, das Ankommen derer beobachtet, die ich überholt hatte.
Mein Kleidersack hängt noch an der Zeltstange und - es gibt wirklich Duschen. Sehr witzige übrigens. Ein wabbeliger Gummiboden in einem Zelt, wie ein überdachtes Schlauchboot, darin steht 20 cm hoch das Wasser, das warm !! – nicht selbstverständlich – aus Leitungen über mir sprudelt. Das reicht , um mich zufrieden zu stellen. Ich treffe noch die drei Musketiere, Jogmapper auch, die noch nicht wissen, ob sie die 2 Stunden unterlaufen konnten, werfe mein Los in die Trommel und trolle mich zur S-Bahn.

Der Lauf ist ja im Vorfeld hier im Forum sehr kritisch bewertet worden. Ich kann das nun – nachdem ich ihn absolviert habe - nicht ganz nachvollziehen. Es gab – entgegen der Unkenrufe – Duschen. Organisation war ok, zumindest nicht schlechter als vieles andere, was ich erlebt habe. Und die spärlichen Zuschauer… Meine Freunde, habt ihr jemals an Landschaftsläufen teilgenommen, ich meine, die, die irgendein lokaler Sportverein veranstaltet, wo es Zuschauer gab, außer Schafe oder Kühe oder konsterniert dreinblickende Dorfbewohner vielleicht? Habt ihr euch da beschwert und allein gelassen gefühlt? Na also! Oder lauft ihr etwa, um gesehen zu werden?

Mit meinem persönlichen Ergebnis bin ich zufrieden. 3. in der AK M60; die war leider stark besetzt. In der M55 wäre ich sogar 1. gewesen. Neue Bestzeit verfehlt. Ich glaube, mehr war nicht drin. Ich hatte einen Durchschnittspuls von 90%, mit mehr hätte ich wohl doch überreizt. Und – ich befinde mich in der Vorbereitungsphase für einen Ultralauf, da war das eben ein bisschen Tempoarbeit am Rande.

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Glückwunsch!

Hallo dadarun48,
ein schöner Wettkampfbericht von Dir. Herzlichen Glückwunsch! Und weiter viel Erfolg bei der Vorbereitung zum Ultra. So was liegt momentan noch außerhalb meiner Vorstellungskraft und wohl auch meines läuferischen Vermögens. Respekt!
jog on ra1

Bißchen Tempoarbeit am

Bißchen Tempoarbeit am Rande,...
ich hoffe, daß ich meinen HM in 2 Wochen unter 2 Stunden schaffe, das ist dann für mich quasi "Tempoarbeit" seit ich in der Ultravorbereitung bin, habe ich das Gefühl, immer langsamer zu werden. Mein Körper mault bei harten Bahnintervallen, während ich nach langen Laufeinheiten zwar müde, aber bei weitem nicht so kaputt bin. ( z.B. bin ich die letzten 2 Montage nach meinen 43km Läufen abends mit meiner Tochter noch in nen Selbstverteidigungskurs gegangen, gestern war ich aus Zeitgründen vorher nur 15km unterwegs)
Und von Deinen Zeiten, Rainer, kann ich nur träumen.
LG und weiterhin froher Lauf Astrid

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