( Frei nach Schiller, Die Kraniche des Ibykus – Friedrich, das wirst du mir doch nicht übel nehmen, oder? )

„Zum Krampf der Waden und Gehänge,
Der in der Mutterstädt’schen Enge
Der Läufer Stämme froh vereint,
Zog Häschen klein, des Greifes Freund.
Ihm schenkte des Gesanges Gabe,
Der Lieder süßen Mund Apoll,
So rannte es im schnellen Trabe,
Aus Wilmersdorf, der Hoffnung voll.

Und munter fördert es die Schritte
Und sieht sich in der Straßen-Mitte,
Da stellen auf gedrangem Steg,
sich Luft – und Kraftnot in den Weg.
Zum Kampfe muss es sich bereiten,
Doch bald ermattet sinkt die Hand,
Es hat der Bücher schlaue Seiten,
Doch nie des Laufschuhs Kraft gespannt.

Es ruft nach Onkel Pete, den Göttern,
Sein Flehen dringt zu keinen Rettern,
Wie weit es auch sein Stimmchen schickt,
Kein Sauerstoff wird hier erblickt.
„So muss ich hier verlassen sterben,
in meiner Stadt, ganz unbeweint,
Durch Bootcamp-Petes Verderben,
Wo auch kein Rächer mir erscheint!“

( Weil der Rächer, ein gewisser b.b., nämlich auch nach Greif trainiert und den Scheiß gut findet und noch viel viel schneller läuft als ich. )

Ich gebe mir ja Mühe. Aber wie schon diese dumme schizoide Gans aus der Kaffee-Werbung in den siebziger Jahren erfahren musste, als sie ihrer Mischpoke miesen Kaffee servierte und sich ihre Persönlichkeit in dumme Gans und besserwisserische Klugscheißer-Überhausfrau spaltete:
Mühe allein genügt nicht.

Bootcamp-Pete gibt mittlerweile Zeiten vor, die ich allenfalls auf extrem kurzen Strecken – also sagen wir von hier bis zur nächsten Straßenecke – bringe. Wie kann man seine Beine bloß so schnell aneinander vorbei bewegen, dass man auf 10 km unter 50 Minuten läuft? Ich habe durch das Tempotraining zwar inzwischen eine Bein – und Arschmuskulatur entwickelt, die bei normalen Sterblichen und Sesselfurzern höchste Ekstase und spitze Schreie der Bewunderung auslöst. So bot sich neulich nach einem langen Lauf eine Freundin an, mir die geschundenen Gliedmaßen zu massieren. Kaum hatte sie meinen musculus biceps femoris berührt, fuhr sie zurück.

„Boah, hast du harte Beine. Lass mal locker.“
„Ich lasse locker, Schatz, JETZT spanne ich an.“

Meine Freundin piekte mehr oder weniger fassungslos in meiner hinteren Oberschenkelmuskulatur herum, knallte mir schließlich herzhaft mit der flachen Hand auf den gluteus maximus – vulgo: Bratarsch – und flüsterte ehrfurchtsvoll:

„Geil, keine Cellu. J-Lo kann ihren hässlichen Mann nehmen und nach Hause gehen.“

Auch wenn ich immer noch keine richtigen Titanschenkel habe, schlackern meine Innenschenkel beim Laufen nicht mehr so im Wind wie im letzten Jahr, als ich mich noch mit Schamesröte im Gesicht an einem gottgleichen Oberschenkel-Wunder vorbeidrückte, was mir an der Spree full speed entgegen hirschte.

Gleichwohl bin ich einfach nicht wirklich schnell. Und wenn ich versuche, schnell zu sein, laufe ich immer mit einem Bein auf der Intensivstation. Wie simuliert man einen gepflegten Hinterwandinfarkt mit akuter Atemnnot, Übelkeit und Herzrasen? Man lässt Häschen 10 km in einer 5.28 pace laufen und sieht zu, wie sich die Wangen von sonnengebräunt zu ungesund-rotstichig verfärben, wie die Augen so weit aus dem Kopf treten, dass man sie mit einem Stock abschlagen kann und wie es über seine dämlichen langen Gräten stolpert, weil es nach 7 km die Laufschuhe nicht mehr hochbekommt. Bei anderen Läufern, die mir entgegenkommen, sieht das immer so locker aus. Ich kämpfe nach mickrigen 5 km mit einem Herzklappenabriss und bin dankbar über jede rote Ampel, an die ich mich – und sei es für 5 Sekunden – schwer atmend klammern kann. Was ist rot, hat ein Nike-Logo an den Füßen und pumpt wie ein Maikäfer? Eben …. Ibykus kleine Schwester.

Ich bin mir inzwischen fast sicher, dass Ibykus, die arme Sau, gar nicht von irgendwelchen Meuchelmördern niedergestreckt wurde. Das wollen uns Herr Schiller und die antiken Schriftsteller bloß weis machen, weil die wahre Story einfach mal miese PR für den Olymp und seine illustren Vertreter ist. In Wahrheit hat sich die Geschichte doch wie folgt zugetragen:

Der Dichter Ibykus fand, er müsse es diesem Irren, einem gewissen Herrn Pheidippides, nachmachen und einen Marathon laufen – und danach NICHT tot zusammenbrechen. Also wandte er sich an Herakles, den Schirmherrn für Sportstätten, und bat ihn, ihm einen anständigen Trainingsplan zusammenzustellen. Herakles ging davon aus, dass jeder blöde Sterbliche wie er mit Löwen kämpfen und 50 Nächte hintereinander 50 verschiedene Jungfrauen beglücken könne. Folglich geriet der Trainingsplan etwas zu heftig für den ahnungslosen Dichter, der von Hause aus seine Tage eher damit verbrachte, seine Nase in Bücher zu stecken.
An jenem schicksalhaften Tag machte sich Ibykus gemäß Trainingsplan nach Korinthus auf, um dort an einem Wettkampf ( die Korinther City-Night, auch „die 10 km von Korinth“ genannt ) teilzunehmen. Weil er nun besonders schnell dort hingelangen wollte, um mit seinen Zeiten anzugeben, hat er es etwas übertrieben und brach irgendwann tot zusammen. Diagnose: Übertraining und Herzversagen.
Herakles konsultierte Papa Zeus und dessen Anwälte, und man verkaufte der Öffentlichkeit schließlich diese Bullshit-Geschichte mit den Kranichen und den beiden Unholden.

Wir wollen nur hoffen, dass sich dieses düstere Kapitel der griechischen Mythologie nicht irgendwann im modernen Berlin wiederholt. Diesmal kann sich der Trainigsplan-Ersteller, ein gewisser Herr Peter G., nämlich nicht herausreden:

In Berlin gibt es keine Kraniche …..

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wer zu derartigen literarischen Ergüssen fähig ist ...

... hat jedenfalls kein Problem mit einer cerebralen Sauerstoffarmut ...

und das angebliche Problem mit der Geschwindigkeit entsteht doch auch nur im Kopf (auf Basis der ungesunden Vergleiche)

also, beides weiter so,
danke,
c.garfield

Hammer...

...schreibe! Aber vielleicht hast du echt einen zu schnellen Plan und ein etwas langsamerer täte dir gut! Aber der Neid aller ob deiner Bein- und Pomuskulatur ist dir sicher! :-)
cc

Kannst Du mir den Plan für

Kannst Du mir den Plan für die Stahlmukis mal bitte sofort rüber faxen?

vorschlag

moin rb ,

du bist ja wieder auf alter höhe
so lieben wir dich ;)

und wenn´s nicht so mit dem running klappt ,
nenn dich doch um in iron bunny :))

greetz in die mutterstadt
christine

Kaffee, J-Lo, Tempo

1. "Der Kuchen war ja sehr lecker - aber der Kaffee!"(Betonung auf -fee!). Darüber hat sich letztens meine Tochter auch krank gelacht (zum Glück lacht sie mal).
Also: Die italienische Bialetti auf den Herd stellen, eine Prise Kardamom rantun, das machen die Araber. Meine Ex ist heute noch froh, wenn sie Kaffee bei mir trinken darf. Kuchen ist gestrichen (für mich allerdings nicht - ich habe keine Ziele mehr dieses Jahr, und irgendwie wird die Sub-40-Serie am 2. August schon halten).

2. Ich habe nicht ertragen, wie J-Lo am Montag in einem blöden Film von ihrem Haustyrann geschlagen wurde. Als Beziehungsgeschädigter war es mir sowieo sehr recht, dass dann auf Arte "Brazil" kam - für den schalte ich bei 99 von 100 anderen Filmen um. Und die Cellulitis? Würde ich bei der Frau und dem Bankkonto in Kauf nehmen. Ich sehe doch an mir, was mir meine Titanschenkel und ein Gluteus minimus nützen. Und auch J-Lo würde das wohl kaum beindrucken.

3. An Schmerzen beim Tempo muss man sich gewöhnen, sonst wird es nichts. Damit's klappt: Ab sofort einmal pro Woche auf die Bahn ins Stadion Wilmersdorf. 6x1000 m unter fünf Minuten, einfach mal zum Gewöhnen, dazwischen 600-800 Meter traben. Bei verbessertem Zustand: Vier 2000er und auch mal drei 3000er-Intervalle probieren, jeweils 15 bzw. 30 Sekunden langsamer. Wenn es viel zu schnell ist, langsamer machen und später versuchen, die Zeiten immer um fünf Sekunden zu steigern. Und wehe b.b. grinst sich eins: Dann muss er mich entweder mal als Tempomacher ertragen oder es heißt frei nach Greif: "Jetzt Peitsche geben!"

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