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Ja nun sitze ich hier in der alten Heimat auf Besuch in Leopoldshöhe am frühen Samstagmorgen und möchte etwas schreiben. Der HM-Start ist auch schon wieder fast eine Woche alt, aber der Alltag mit seinen zeitlichen Zwängen hat mich doch mal wieder schneller eingeholt als mir lieb ist.

Am letzten Sonntag war der Tag, auf den ich mich auf den ich nicht nur in den letzten Wochen –in dieser Zeit nur besonders konsequent- sondern schon über die letzten Monate vorbereitet habe. Der Halbmarathon in Fürth steht an und damit mein Debüt auf dieser Strecke. Eigentlich wollte ich ja schon letztes Jahr auf einem HM starten, aber mein Körper war einfach noch nicht so weit, so dass ich schweren Herzens von diesem Plan erst einmal Abstand genommen habe.
Ich stehe wie schon in den letzten Tagen und auch gestern um 6:00 auf –das hätte mir mal jemand vor 5 Jahren sagen sollen, ich stehe am Wochenende freiwillig um 6:00 auf und das in Wiederholung- frühstücke eine Kleinigkeit und beschäftigte noch etwas um die Nervosität nicht ins Unermessliche zu steigern. Meine Utensilien habe ich schon gestern Abend zurechtgelegt und auch die Startunterlagen von N und mir habe ich gestern schon abgeholt. N holt mich heute um 7:15 und dann wollen wir gemeinsam nach Fürth fahren, die Startzeit für den HM liegt mit 8:30 doch recht früh. Ich werde immer hibbeliger –es ist fast schon schlimm wie vor 20 Jahren vor und bei den TT-Meisterschaftsspielen.

Wir starten kurz vor halb acht bei doch recht frischen Temperaturen ca.12° -die Schafkälte hat uns seit 3 Tagen im Griff, Gott sei Dank dann wird es nicht so heiß wie im letzten Jahr bei meinem ersten 10er- gen Fürth und kommen dann so gegen 8:00 auf der Fürther Freiheit an und laufen auf dem Weg zum Treffpunkt mit weiteren Jogmappern meinem Donnertagstrainingpartner IC über den Weg. Am Treffpunkt an der Apotheke –vor 14 Tagen von mir ausgekundschaftet- wartet schon Hubelix auf uns. Wir warten noch ein wenig und IC und ich verabreden gemeinsam zu laufen, da wir eine ähnliche Zeit planen –unter 2Std- gemeinsam zu laufen. N will doch noch mal wissen was drin ist, trotz seiner etwas verkorksten Vorbereitung, und plant eine Zeit die für uns beide –IC und mich- nicht machbar ist. Hubelix steht vor seinem Marathondebüt und ist erstaunlich ruhig. Ich bin schon sehr nervös. Meerunner taucht nicht mehr auf –er ist wohl doch zu kurzfristig aus Unterfranken angereist- und Sani1976 hat den Start abgesagt. Langsam wird es Zeit unsere Klamotten irgendwo zu deponieren, wir begeben uns also zur Taschenaufbewahrung. Dort erwartet uns eine unendlich lange Schlange. IC hat sein Zeug schon deponiert und N und ich entscheiden uns dazu nicht Schlange zu stehen, sondern zum Parkhaus zurückzulaufen, unsere Sachen dort zu lassen und sich dann auf dem Rückweg gleich warmzulaufen. IC bleibt hier und wir verabreden uns am Start irgendwo in den hinteren Reihen. Nachdem wir vom Auto zurück sind steht der Start kurz bevor und es ist inzwischen recht chaotisch. Der Start verzögert sich etwas und wir versuchen locker und warm zu bleiben. Leider finde ich IC nicht mehr wieder und N möchte doch weiter von vorn starten. Ich bleibe im hinteren Bereich, damit es mich nicht so mitreißt und es geht mit ca. 15 min Verzögerung los. Nach einer schier endlosen kurzen Zeit laufe auch ich über die Startlinie –IC habe ich trotz ausgiebigen Suchens nicht in der Menge entdeckt- und versuche mein geeignetes Renntempo zu finden. Bloß nicht zu schnell loslaufen. Ich beginne recht konstant und versuche mit 85% Maximalpuls zu laufen. Der Einstieg klappt trotz des großen Teilnehmerfeldes recht gut. Die ersten Probleme gibt es nur bei der ersten Verpflegungsstelle nach ca. 2km. Dort meint der Kamerad vor mir abrupt stehenbleiben zu müssen, ich fluche und muss aufpassen nicht in ihn reinzulaufen. Leute gibt es, die meinen sie sind allein unterwegs. Es ist immer noch kühl und ich bin gut hydriert ich ignoriere also die „Wasserstation“. Leider sehe ich die ersten Kilometerschilder nicht und erkundige mich nach ca. einer ¼ Stunde bei einer Mitläuferin, ob sie weiß wie weit wir schon sind. 3km ist vorbei höre ich. Das 4 km Schild entdecke ich dann endlich und bin schon ca. 1:20 min schneller als der Zeitplan, aber ich fühle mich gut und laufe mit konstantem Puls und entscheide dann das Tempo etwas zu senken. Nach 5 km bin ich dann ca. 1:30min schneller als vorgesehen. Es läuft wirklich gut und wird auch nicht so warm, also versuche ich möglichst konstant weiter zu laufen und verzichte auch bei den nächsten Verpflegungsstellen auf einen Stopp. Der zweiten 5km laufe ich fast genauso wie den ersten Abschnitt und so geht es dann weiter. Auf der zweiten Hälfte gönne ich mir dann etwas Wasser versuche aber möglichst mein Tempo beizubehalten und es läuft optimal. Die Gruppen haben sich zusammen gefunden und es wird nicht mehr viel überholt. Die letzten 5km laufe ich mit einem ca. 50-55Jährigen zusammen. Unterhalten tue ich mich aber kaum, da ich trotz Hörgeräte mal wieder nicht allzu viel mitbekomme. Inzwischen sind wir auf den letzten 5km und langsam wird es zäher. Es kommt mir so vor als ob ich deutlich langsamer werde, der Puls liegt inzwischen auch konstant bei 90%, und ich fange an zu beißen. Später bei der Analyse der Zwischenzeiten stelle ich aber fest, dass ich zum Schluss eher noch etwas schneller geworden bin, so kann man sich täuschen. Auf dem letztem Kilometer versuche in noch mal etwas zuzulegen, aber viel geht nicht mehr. Inzwischen laufe ich satt im „roten“ Bereich und muss aufpassen nicht zu übersäuern. Endlich kommt das Ziel in Sicht und ich komme deutlich unter meiner geplanten Zeit mit 1:54:33 ins Ziel. Der erste HM! Ich habe es geschafft und bin nicht gestorben.
N erwartet mich schon im Ziel und hat meine Jacke schon bereit und „schafft“ mich zur Verpflegungsstelle. Ich bin jetzt doch fertig, aber glücklich. Auch N hatte einen guten Wettkampf und ist eine ganze Ecke schneller als geplant mit ca. 1:28 ins Ziel gekommen. Ich suche jetzt noch mal nach IC finde ihn aber wieder nicht. Dafür entdecke ich aber P und E mit denen ich auf dem Laufseminar auf Fuerteventura war. P hat auch seinen ersten HM erfolgreich beendet und E gehörte zu den 10Km-Teilnehmern, die letztlich 11,3km gelaufen sind. Dann wechseln N und erstmal die Kleidung und füllen die KH- und Wasserspeicher wieder auf und stellen uns in die schier endlose Schlange zur Abgabe der Chips. Nachdem wir schier endlos in der Schlange gestanden haben und uns so langsam der Gesprächsstoff ausgeht, gehe ich nach vorne und entdecke eine Abkürzung. Innerhalb von 5 min hab ich dann die Chips abgegeben und die Urkunden bekommen. Wir essen und trinken dann noch etwas und schauen uns noch mal –leider erfolglos- nach IC um.
Inzwischen kommen auch die Marathonis ins Ziel. Wir entdecken aber keine bekannten Gesichter mehr und begeben uns dann zurück zum Auto und fahren nach Hause. Nachmittags allein zu Hause kann ich mich kaum auf etwas konzentrieren. Ich bin zwar kaputt, aber extrem unruhig und telefoniere erstmal mit Freunden und nutze meine Energie dann um die Steuererklärung fertig zumachen. Später fahre ich dann noch ins Büro. Abends bin ich dann endlich wieder auf „Normalniveau“ angekommen.

Das war der Bericht vom Wettkampf, aber der Titel lautet „und wie dazu kam“. Zu diesem Punkt noch ein paar Worte; Mit dem Laufen angefangen habe ich 2004 nachdem ein Orkan mein Leben komplett durcheinander gewirbelt hat. Nachdem wir die letzten Jahre nur noch mit Überleben beschäftigt waren, stand ich dann plötzlich allein da und der Sport den wir gemeinsam gemacht hatten hat keinen Spaß mehr gemacht. Im Floridaurlaub mit Bruder und Schwägerin habe ich dann das regelmäßige Laufen für mich entdeckt. Die morgendlichen Strandläufe waren einfach toll. Aus dem Urlaub zurück bin ich das erste Mal in meinem Leben mehr oder weniger regelmäßig auch über den Winter gelaufen. Und habe entdeckt, dass sich auf diese Art und Weise viele Probleme lösen lassen. Irgendwann kam dann auch die Idee auch mal einen Wettkampf mitzumachen und ich habe dann im letzten Jahr in Fürth beim Jahrtausendlauf meinen ersten 10km-Lauf bestritten. Der nächste logische Schritt führte mich dann zum HM. Den ersten wollte eigentlich schon letzten Sommer am Altmühlsee laufen, aber dann signalisierte mir mein Körper. „Mute mir nicht zuviel zu, mach mal etwas langsamer“. Also habe ich mich etwas zurückgenommen und ein bisschen langsamer gemacht bis ich es dann in diesem Jahr wissen wollte und mich zum HM angemeldet habe. Ich bin derzeit noch nicht so ganz sicher wohin die weitere Reise geht. Ich werde wohl dieses Jahr noch einen weiteren HM und dann sehe ich weiter, ob es erst „der Hermann“ –ein Muss für jeden Ostwestfahlen- oder ein Marathon wird. Aber auch für diese nächsten Schritte werde ich mir etwas Zeit lassen. Es tut wirklich gut auch mal wieder über einen längeren Zeitraum planen zu können und nicht ständig damit zu rechen, dass man sämtliche Pläne über den Haufen werfen muss. Das ist ein Stück Normalität, das wieder in mein Leben Einzug gehalten hat und dem ich manchmal noch nicht wieder so ganz traue.

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Der letzte Teil geht ganz schön unter die Haut!

Ich habe schon öfters gehört, dass viele Menschen auf Grund von Schicksalen oder schwierigen Lebenssituationen zum Laufen gefunden haben. Bei mir war's damals im Grunde genommen "nur" der stressige Alltag (Familie - Haus - Job - Fernstudium). Laufen macht den Kopf frei und man hat dabei oft noch die besten Ideen!

Glückwunsch auch zu deinem Debüt - super Zeit!!!

Ich wünsche dir weiterhin viel Stärke und Durchhaltevermögen! Mach' dich nicht verrückt, genieße das Stück Normalität, solange sie da ist!

LG

MC

laufend fit und gut drauf!

Wow!

beeindruckend... Deine Debüt-Zeit und dein Bericht! Das Laufen scheint dich echt "zentriert" zu haben, klasse!

Glückwunsch!

Bis ich endlich rausgefunden habe, was die Abkürzung "TT"-Meisterschaften bedeutet! Für alle, die's ebenfalls interessiert: TT bedeutet Tischtennis, oder?

Tja, wie ich aus Deinen Zeilen rauslesen konnte, bist auch Du eine steigernde Wiederholungstäterin. Letztes Jahr in Fürth der Zehner und heuer der HM. Bei mir gings da ähnlich: letztes Jahr mein erster HM und heuer mein M-Debüt.

Und dann noch Deine Traumzeit! Ich war letztes Jahr auf dieser Distanz gute 2 Minuten langsamer wie Du, d.h. wenn Du Deinen ersten Marathon bezwingst, will ich Dich wieder 2 Minuten schneller sehen *grins*!

Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß mit Deinem Laufsport.
LG
¤¤¤¤¤¤¤ H u B e L i X ¤¤¤¤¤¤¤

Vielen Dank...

für euren lieben Kommentare.

Ja TT heisst Tischtennis -was sonst ;-) *grins*

@Hubelix: letztes Jahr war's aber viel wärmer...
und "steigernder Wiederholungstäter" klingt gut, muss ich mir merken

liebe Grüße

Ulrike- die in der letzten Zeit zum Nachtsportler mutiert

carpe diem-Nutze den Tag

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